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tim und tom

11. Februar 2011

tim und tom wurden in der 31. schwangerschaftswoche geboren. wenige stunden nach ihrer geburt durften sie bereits zu uns. tim, mit fast 1200g der größere von beiden, war von anfang an immer stabil, hat nie sauerstoff oder atemhilfen gebraucht. tom, mit 900g deutlich zu klein für die woche, war eher das sorgenkind. obwohl es ihm eigentlich auch nie wirklich schlecht ging, er brauchte nur etwas sauerstoff in den ersten tagen.

beide entwickelten sich gut. nach wenigen tagen haben beide begonnen ihre mahlzeiten mit begeisterung selbst zu trinken. tom, der kleinere, schaffte nach einer woche sogar schon jede 2. mahlzeit komplett selbst. auch tim trank 1-2mal am tag seine ganze flasche selbst aus.

die eltern von tim und tom waren überglücklich zwei so süße und tapfere jungs zu haben. sie waren täglich viele stunden da und versorgten ihre beiden mit viel liebe und sorgfalt.

als die beiden 2 wochen alt waren, entwickelte tim plötzlich eine schwere, frühchentypische komplikation, eine NEC. sein darm entzündete sich und perforierte. er wurde operiert. die kaputten darmteile mussten entfernt werden und er bekam einen künstlichen darmausgang. nach der op wurde er direkt auf die intensivstation gebracht. es ging ihm wirklich sehr schlecht und er war sehr instabil. nach einigen tagen schien es bergauf zu gehen.

10 tage nach der op dachte man schon daran, tim zu extubieren, als sich sein zustand wieder drastisch verschlechterte. tim wurde ein zweites mal operiert, da man den verdacht hatte, dass weitere teile des darmes abgestorben sein könnten. dieser verdacht bestätigte sich.

in den folgenden tagen ging es tim immer schlechter. seine nieren arbeiteten kaum noch. er war nur schwer stabil zu halten. sein herzchen wurde immer schwächer.

wieder einige tage später war tim dem tod näher als dem leben. trotz maximaler intensivtherapie. langsam wurde klar, tim wird es nicht schaffen.

an einem mittwoch war es soweit. die eltern der zwillinge waren gerade bei uns an der station und haben mit tom gekuschelt. da rief die intensivstation bei uns an. wir sollten die eltern rüber schicken. es war wohl mit eines der schlimmsten dinge, die ich jemals zu eltern sagen musste. die intensivstation hat angerufen. tim geht es sehr schlecht. sie wussten, was das bedeutet. der endgültige abschied war nahe. die eltern legten tom wieder in sein bett und gingen zu tim.

an diesem tag kamen sie nicht wieder. ich wusste, was das bedeutet.

tims tod hat mich mehr mitgenommen, als ich es eigentlich zulassen wollte. ich habe die zwillinge am tag ihrer geburt von der intensiv übernommen und oft betreut. ich habe tim mit der akuten NEC in den OP gebracht. ich habe den eltern gesagt, dass tims tod unmittelbar bevor steht. ich habe tom im arm gehalten, als sein bruder starb.

es ist wirklich schwer, die richtige mischung zwischen nähe und distanz zu finden. aber für die eigene psyche ist distanz wohl die bessere lösung.

tom ist heute etwa 3 jahre alt und entwickelt sich bestens. vor wenigen monaten hat er eine gesunde kleine schwester bekommen.

noch mehr zum wundern

26. Juli 2010

seit fast einer woche weiß die mutter der zwillinge, dass sie heute entlassen werden sollen. genug zeit also, die letzten einkäufe zu erledigen und das zuhause auf die ankunft der neuen familienmitglieder vorzubereiten. sollte man meinen.

die alleinerziehende mutter hat auf mich eigentlich immer recht intelligent und strukturiert gewirkt. sie hatte kaum probleme damit, ihre zwillinge selbstständig zu versorgen. hat alles immer gut funktioniert.

gestern bin ich also mit der mutter nochmal alles durchgegangen. die medikamente, ernährung, körperpflege usw. sie kennt sich bestens aus, alles gut. doch dann stellt sich heraus, dass sie nur zwei fläschen besorgt hat. 2 stück. für 2 kinder, die beide ausschließlich mit der flasche gefüttert werden. hm. als ich ihr erkläre, dass das sicher zu wenig ist und sie unbedingt mehr braucht, ist sie erstaunt. aber sie sichert mir zu, morgen gleich in der früh noch welche zu kaufen. ok.

mich hat das etwas stutzig gemacht, deshalb hab ich sie gefragt, was sie denn noch so alles zu hause hat. sie zählt auf: windeln, feuchttücher, kleidung, kinderwagen, autositze, fläschchenwärmer, babybadewanne, wickeltisch, ach ja, die betten! die muss sie morgen dann am nach hause weg noch bei einem großen schwedischen möbelhaus kaufen gehn. nein, das ist kein problem, eine bekannte holt sie ja vom krankenhaus ab. mit der fährt sie dann direkt dort hin. mit den kindern. die hilft ihr dann auch beim aufbauen.

ganz tolle idee. seit wann weiß sie noch gleich, dass die kinder entlassen werden sollen?

die sache mit dem namensband

30. April 2010

theoretisch  ist es ja laut richtlinie so, dass alle patienten ein namensband tragen müssen. praktisch sieht es so aus, dass unsere kleinen patienten kein namensband tragen. auf allen neonatologischen stationen die ich kenne ist das so. einfach weil diese dinger unpraktisch sind uns scharfe kanten haben. die einzige ausnahme sind kinder, die zu einer operation gehen. die bekommen ein namensband, dass aber wieder entfernt wird, wenn sie zurück kommen. gut, kinder von jugendamt-bekannten eltern bekommen von mir auch ab und zu mal eines angelegt, wenn ich das gefühl habe, dass die eltern möglicherweise mit dem kind abhauen könnten. obwohl ein namensband sie daran nicht hindern kann und man dieses mit einer schere ja auch leicht wieder entfernen kann, aber naja. mir kann man dann jedenfalls nix vorwerfen.

 letztens wird mir eine eine transferierung von unserer kinderintensiv angekündigt (die übernimmt auch neo-patienten wenn die neos voll sind). dieses kind ist ein zwilling. da wir aber nur ein bett frei haben wird beschlossen den anderen zwilling auf eine andere station zu verlegen, so bald wir ein bett frei haben sollen wir den anderen dann auch übernehmen. normalerweise machen wir sowas nicht, zwillinge trennen. aber es war leider nicht anders möglich.

jedenfalls, etwas später kommt die kollegin von der kinderintensiv mit den (gleichgeschlechtlichen) zwillingen, die gemeinsam in einem wärmebett liegen, an die station. ich übernehme den zweitgeborenen. sein namensschild mit den geburtsdaten ist über seinem kopf befestigt. das ist bei uns so üblich. nach der übergabe bringt die kollegin den erstgeborenen zwilling auf die andere station.

5 minuten später kommt meine stationsschwester zu mir und sagt mir, dass wir wohl den falschen zwilling übernommen haben, wir hätten den zweitgeborenen übernehmen sollen. ich sage ihr, dass ich eh den 2. übernommen hab. aha, die andere station sei auch der meinung den 2. zu haben. lustig. ich geh mal gucken, ob meiner vielleicht zufällig ein namensband trägt. tut er natürlich nicht. wie finden wir jetzt heraus wer wer ist?

ich seh mir mal den transferierungsbericht meines patienten an. und tatsächlich, da steht er sei der erstgeborene. seltsam finde ich aber, dass er schon 2,5kg haben soll. kommt mir viel vor. also werfe ich ihn mal schnell auf die waage. 2140g.

ich rufe also die schwester an, die den anderen zwilling übernommen hat. sie soll ihn doch bitte mal schnell wiegen. 3 minuten später der rückruf. 2550g. alles klar. die kinder sind also nicht vertauscht, sondern nur die papiere.

und was habe ich daraus gelernt? wenn ich mehr als ein kind auf einmal transferiere, dann bekommen ALLE ein namensband.