Posts Tagged ‘vater’

liebe wütende mama…

7. Juli 2011

nein, ich sehe nicht ein, dass ich daran schuld sein soll, dass dein frühchen jetzt einen schnupfen hat und wegen rhinoviren isoliert werden muss.

vielleicht sprichst du mal mit dem papa. der hat nämlich seit einer knappen woche schnupfen. ja, er setzt sich immer brav eine maske auf, wenn er an die station kommt. aber den sinn dieser maßnahme hat er offensichtlich nicht verstanden. denn er schiebt sie ständig zur seite, um euer gemeinsames kind am kopf zu küssen. ich weiß genau, dass du das auch weißt, du bist nämlich meistens dabei.

und ja, er wurde deshalb von uns schon mehrmals ermahnt. das war ihm aber ziemlich egal. „ja, ich weiß eh…“ und „ist ja nur kurz…“ sagt er immer. du hast ihn bisher auch noch nie davon abgehalten.

 

ich verstehe, dass du aufgewühlt bist. aber du musst mich deshalb nicht beschuldigen „wie ein drecksschwein“ zu arbeiten.

unfassbar

8. Juni 2011

beim lesen dieses postings bei medizynikus ist mir eine geschichte eingefallen. ist sicher schon 2 oder 3 jahre her.

damals hatten wir einen kleinen patienten mit einem (noch nicht definierten) syndrom. er hatte alle möglichen und unmöglichen fehlbildungen. am herzen, nieren, gehirn. und auch optisch sah er „syndromig“ aus.

die eltern waren aus dem arabischen raum. genau weiß ichs nicht mehr. die mutter verstand kein einziges wort deutsch. und ca. 10 worte englisch. die kommunikation mit ihr war extrem schwer bis unmöglich. der vater hingegen sprach gebrochen, aber recht gut deutsch. er war aber nur alle paar tage mal an der station, weil er arbeiten musste.

es wurde schon vor der geburt ein herzfehler bei diesem jungen festgestellt. die anderen probleme kristallisierten sich aber erst nach und nach heraus. es wurde alles gründlich untersucht, und ständig kamen neue auffälligkeiten dazu.

die eltern wurden natürlich am laufenden gehalten. also… der vater. wir haben angenommen, dass der vater der mutter alles übersetzt.

nach einiger zeit, als alles soweit untersucht war und die ärzte sich ein bild von den vielen „baustellen“ dieses kleinen jungen gemacht hatten, wurde mal wieder ein elterngespräch vereinbart. dabei sollten die eltern nochmals umfassend über die komplexen diagnosen ihres kindes informiert werden und das weitere vorgehen bzw. möglichkeiten für therapien usw. besprochen werden. um sicher zu gehen, dass die eltern wirklich alles verstehen, wurde ein dolmetsch organisiert (die eltern wussten das im voraus nicht).

tja, beim gespräch stellte sich heraus, dass der vater der mutter ALLES verschwiegen hatte. nur von dem herzfehler wusste sie, da dieser ja schon in der schwangerschaft festgestellt wurde. unfassbar, oder?

wir haben daraus gelernt. nun haben wir deutlich mehr offizielle übersetzter im einsatz als früher.

muss mich mal ärgern

15. April 2011

es gibt wirklich nicht viele dinge, die mich bei der arbeit so richtig wütend machen. aber eines treibt mich in regelmäßigen abständen in den wahnsinn. und zwar das ständige aufwecken der kinder.

jeder, der die station betritt ist der meinung, dass er/sie etwas unheimlich wichtiges an den kindern zu tun hat. und das kann nicht warten, bis das kind wieder wach ist. nein. das muss jetzt sein. täglich gibt es deshalb diskussionen. mit ärzten, physiotherapeuten, logopäden (obwohl die noch die „bravsten“ sind, immerhin sind sie meistens an die essenszeiten der kinder gebunden) und auch mit eltern.

ich habe kein problem damit, mich vor ärzten und therapeuten aufzubauen und ihnen schlicht zu verbieten, das kind jetzt aufzuwecken. sofern die untersuchung oder die maßnahme nicht akut notwendig ist, eh klar.

aber eltern? da habe ich natürlich schon skrupel. schließlich ist es ihr kind, und nicht meines. sie können damit tun und lassen, was sie wollen. aber manchmal… ein beispiel.

wir betreuen seit einigen monaten einen jungen mann, timo. er war ein extremfrühchen aus der 24. schwangerschaftswoche, hatte lange zeit große probleme und ist nun endlich am wege der besserung. er ist massiv unruhig, weint jeden tag mehrere stunden am stück (egal was man mit ihm macht), braucht sehr viel zuwendung und manchmal auch beruhigungsmittel. anders findet er oft einfach nicht in den schlaf, obwohl er hundemüde ist.

timos eltern haben bereits 2 kinder im schulalter, der vater ist berufstätig. die großeltern wohnen mehrere hundert kilometer entfernt. deshalb ist es den eltern nicht möglich jeden tag stundenlang bei timo zu sein. wenn sie dann aber zu besuch kommen, möchten sie die zeit mit ihrem kind natürlich nutzen. sie möchten ihn wickeln, füttern, baden und kuscheln.

da sie aber meist nur 1 oder 2 stunden am tag hier sind,kommt es vor, dass timo diese wenigen stunden verschläft. das passt den eltern meist gar nicht. aber so ist es nunmal. wir sind froh, wenn timo überhaupt mal 2 oder 3 stunden am stück schläft, ohne medikamente.

letztens war timos vater am abend zu besuch. als er kam schlief timo tief und fest. ich hatte ihn erst vor 20 minuten zum schlafen gebracht. bevor der vater zu timo ins bett greifen konnte, habe ich ihn „abgefangen“ , ihm kurz erzählt, wie timos tag war und, dass er eben erst eingeschlafen ist. als wir neben timos bett standen, bemerkten wir, dass er wohl stuhl in der windel hatte. der vater wollte ihn wickeln. jetzt. ich meinte, dass das nicht notwendig ist, da es timo offensichtlich nicht stört (er schlief ruhig und entspannt). und da er ja gerade erst eingeschlafen war und die ruhe dringend braucht, wäre es nicht sinnvoll, ihn jetzt aufzuwecken.

gut. der vater setzte sich also neben timos bett und begann ihm eine geschichte vorzulesen. sicher nicht das, was er sich vorgestellt hatte, aber was soll ich tun.

eine stunde später. ich sitze mit meinen kolleginnen in der küche. ein blick auf den zentralmonitor. timo schläft noch immer ruhig. sein herz schlägt entspannte 120mal pro minute. während ich noch einen blick auf die anderen kinder am monitor werfe, wird timo plötzlich vom monitor abgehängt. das kann doch nicht wahr sein?!

aber doch, ist es. als ich zu timo nach hinten gehe, liegt dieser schon am wickeltisch. „er ist gerade aufgewacht. ich wickel ihn noch schnell, bevor ich gehen muss.“ ja. klar. was soll ich dazu sagen? erstmal tief durchatmen. „ich habe genau gesehen, dass sie ihn aufgeweckt haben!!“ (hätte ich gern gesagt, bin aber zu nett dafür)  

10 minuten später war der vater weg. und timo wieder völlig aufgelöst und hysterisch. *seufz*

ich verstehe ja, dass eltern das bedürfnis haben, aktiv etwas für ihr kind zu tun. wirklich. und ich find das sogar gut. aber auf der anderen seite bin ich es, die das am spieß brüllende kind in den nächsten 2 stunden herumtragen und popo-klopfen und sonst-wie beruhigen muss, um es vor der gabe eines (leichten) beruhigungsmittels, das die ärzte bereits „angedroht“ haben, zu bewahren.

was würde der vater wohl machen, wenn zu hause jemand seinen sowieso immer unruhigen und gerade eingeschlafenen sohn aufweckt?!? sicher keine luftsprünge.

ehrlich, manchmal ist die arbeit mit eltern… nicht einfach.

ich glaub der spinnt!?

2. September 2010

gestern haben wir wieder mal einen patienten aus einem anderen haus zutransferiert bekommen. den kleinen marvin. er ist etwa eine woche alt und wurde in der 28. schwangerschaftswoche geboren. atmen klappt noch nicht so gut, deshalb ist er noch am infant flow (IF) und braucht sauerstoff. auch mit dem verdauen hat der junge mann noch so seine schwierigkeiten.

laut übergabe der kollegin des anderen hauses sind die eltern schon halbwegs in die pflege integriert. sie sind zwar noch recht unsicher, aber sehr engagiert.

soweit, so gut. kurz nachdem die kollegin wieder die heimreise angetreten hatte, waren auch schon die eltern an der station. nachdem ich sie über alles, was man so wissen muss informiert hatte, war es auch schon zeit für die pflegerunde ihres sohnes.

danach war kuschel-zeit. ich habe der mutter ihren sohn auf die brust gelegt, nochmal den sitz und die einstellungen des infant flows kontrolliert, dem vater einen sessel gebracht, damit er sich dazu setzen kann und mich zurückgezogen.

vom zentralmonitor aus habe ich marvin weiter beobachtet. er hatte immer wieder kleinere sättigungsschwankungen im rahmen von kurzen apnoen, aber nichts dramatisches. nach einiger zeit alarmierte sein monitor allerdings mit 100% sättigung.

kurze erklärung: sauerstoffpflichtige kinder bekommen eine (vom arzt vorgeschriebene) obergrenze für die sauerstoffsättigung. der grund ist schnell erklärt: sättigt ein kind „zu gut“, dann kann der sauerstoff reduziert werden, da das kind nicht mehr so viel zusätzlichen braucht.

ich dachte: wow, da sieht man mal wieder wie schnell sich kinder beim känguruhen stabilisieren können. also ging ich zu marvin, um den sauerstoff zu reduzieren. seltsamerweise war die einstellung des sauerstoffs am IF nicht mehr bei 30%, wie vorher, sondern bei 50%.  ich muss wohl sehr fragend ausgesehn haben.

vater: „das war ich.“

ich: „wie bitte? was waren sie?“

vater: „na das mit dem sauerstoff.“

ich: „was meinen sie?“

vater: „na ich hab ihm mehr sauerstoff aufgedreht.“

boa ey!! hat der doch echt die nerven an den geräten herumzufummeln!! nachdem ich ihm erklärt hab, dass das echt keine gute idee war, und was zu hohe sauerstoffzufuhr für folgen haben kann, war er richtig überrascht und bestürzt. lessons learned. dachte ich.

einige stunden später, marvin lag wieder in seinem inku, die eltern waren in der zwischenzeit essen gewesen, meinte der vater, er würde dann auch gerne känguruhen. da es aber nur mehr 30 minuten bis zur nächsten pflegerunde waren, vereinbarten wir, dass marvin bis dahin im inku bleibt und der vater danach kuscheln kann. alle waren einverstanden, die mutter ging abpumpen und der vater blieb beim kind.

kaum hatte ich mich umgedreht, deutete mir eine kollegin, ich solle doch mal zu marvin sehen. warum? der vater war gerade dabei am inku herumzudrücken. er wollte die inku-temperatur erhöhen. er war nämlich der meinung, seinem sohn sei kalt, denn die hauttemperatursonde zeigte nur mehr 36,4°C. kein wunder, denn er hatte marvin umgelagert (was mich ja auch nicht stört) und dabei die sonde nicht neu positioniert. ich hab nochmal die gleiche leier (von wegen technische geräte dürfen nur vom personal verstellt werden blablabla) abgespult.

kurz bevor ich marvins vater sagen wollte, dass er mit dem wickeln beginnen kann, alarmierte marvins monitor. er hatte eine schwere apnoe mit tiefem sättigungsabfall und war bradykard. ich stürmte zum inku und was war? marvin lag schlapp da, keine atmung, blass-blau. und der IF? ABMONTIERT!!

da marvin nicht auf stimulation reagierte musste ich ihn aufbeuteln, währenddessen rief ich meiner kollegin zu, sie solle bitte schon mal atropin aufziehn. das war dann aber doch nicht notwendig. nachdem ich marvin den IF wieder umgeschnallt hatte und (nach ärztlicher rücksprache) ein atmenstimulierendes medikament verabreicht hatte, gabs erstmal eine standpauke für den vater. und was für eine!

ich bin sonst echt nett zu eltern und absolut dafür, dass eltern selbstständig mit ihren kinder umgehen, aber sowas geht einfach nicht. andere eltern trauen sich kaum ihre kinder zu berühren, aus angst sie könnten ihm damit schaden. und dieser vater spielt im grunde mit dem leben und der gesundheit seines kindes! nicht, dass er seinem kind schaden möchte, aber er weiß einfach nicht was er damit anrichten kann.

und falls die frage auftaucht: ja, das ist alles wahr. nichts davon ist erfunden. und weder vater noch mutter haben irgendeine medizinische ausbildung.

ich werde mich in zukunft so oft wie möglich vor der betreuung von marvin drücken. dieser vater raubt mir noch den letzten nerv!! bin ich froh, dass ich bald urlaub hab…

besuchszeiten

15. Juni 2010

seit über einem jahr haben wir bei uns uneingeschränkte besuchszeit für eltern. sie können also rund um die uhr zu ihrem kind. für andere besucher haben wir am nachmittag 2 stunden geöffnet.

als wir dieses system eingeführt haben hatten wir etwas sorge, dass mitten in der nacht eltern antanzen würden. warum hat man vor sowas „angst“? nun, einer der vorteile des nachtdienstes ist es, dass man sich eben nicht um eltern kümmern muss. das klingt jetzt wahrscheinlich ziemlich gemein. aber so ist es nunmal. eltern brauchen viel aufmerksamkeit. oft mehr als die kleinen patienten selbst. außerdem sollen die kinder in der nacht wirklich ruhe haben. auch wir machen in der nacht nur das notwendigste an den kindern.

jedenfalls, es ist NOCH NIE vorgekommen, dass eltern mitten in der nacht zu besuch gekommen sind. klar, manche bleiben abends schon mal länger, aber in der regel sind um 22 uhr alle weg.

aaaaber. während ich mir letzte woche die sonne auf den bauch scheinen hab lassen ist es doch tatsächlich passiert. um 3 uhr nachts stand der vater eines entzugs-kindes auf der station und wollte mit seinem sohn kuscheln. wäre ja alles halb so wild, wenn er nicht völlig zugedröhnt gewesen wäre. und er war einfach nicht davon zu überzeugen, dass er in seinem zustand besser nach hause gehen sollte. als er dann auch noch aggressiv wurde und mit den kuscheltieren (!) seines sohnes nach der kollegin geworfen hat, wars aus. sicherheitsdienst, polizei, auf wiedersehen.

jetzt wird überlegt, ob die station nicht besser versperrt und eine gegensprechanlage installiert werden soll. das sagen wir schon seit einer ewigkeit.