Posts Tagged ‘übergabe’

ein ganz normaler tag, teil 1

9. November 2010

es ist montag und ich habe tagdienst.

6:45 uhr: ich betrete die station und gehe mich erstmal umziehen. in der gardarobe hülle ich mich in zeitlose, blaue bereichskleidung. danach gehts in die küche. ich brauch jetzt ein frühstück. während ich mir mein brötchen schmiere werfe ich einen blick auf den zentralmonitor. zwei oder drei kinder sind neu, aber viel hat sich seit meinem letzten dienst nicht getan. wir setzen uns alle an den tisch und reden über dies und das.

7:00 uhr: dienstübergabe. zunächst kurzübergabe in der küche, alle kinder werden kurz angerissen, die neuen vorgestellt. dann teilen wir uns die kinder auf. die kinder, die ich heute betreue sind:

tobias, den kennt ihr ja schon aus meinem nachtdienst. es geht ihm bestens, er isst wieder brav und verträgt das essen problemlos. er hat regelmäßig spontan stuhl, seine op-wunde ist gut geheilt. er soll heute nach hause gehen.

marco, ein richtiges 0815-frühchen aus der 30. schwangerschatswoche. er ist schon 3 wochen alt, ist voll enteral ernährt (halt also keine infusionen mehr), hat aber noch so seine schwierigkeiten mit dem trinken. er schafft etwa die hälfte seiner mahlzeit und muss dann über seine magensonde nachsondiert werden. beim trinken hat er ab und zu apnoen, sonst nur vereinzelte sättigungsabfälle von denen er sich meistens selbst erholt. er scheidet ausreichend harn und stuhl aus. seine eltern sind schon gut in die pflege integriert, wickeln und füttern ihn ohne hilfe, wissen auch wie sie bei monitoralarmen reagieren müssen. marco wird heute gebadet, das will seine mama übernehmen. sie kommt zur pflege um 14 uhr.

toni, auch ein 0815-frühchen. ehemalige 26. woche, 5 wochen alt. ist seit 2 wochen an der sauerstoffbrille, braucht normalerweise um die 25% O2. hat sich in der nacht aber respiratorisch verschlechtert, leichte einziehungen und gehäufte apnoen geboten. deshalb hat er einmal zusätzlich coffein erhalten, danach gings besser. aber er braucht jetzt 32% O2. sollte der sauerstoffbedarf weiter steigen muss er wieder an den infant flow. der bauch ist ziemlich gebläht, aber weich. mit den ausscheidungen hat er keine probleme. er war eigentlich schon voll enteral ernährt, aber wegen der resp. verschlechterung wurde er in der nacht von der ernährung zurückgenommen und hat jetzt wieder eine infusion laufen.

anni, ein 2 tage altes reifes neugeborenes mit guten 3 kilo, das gestern aus dem kinderzimmer der wöchnerinnenstation aufgenommen wurde. anni war mit trinkzyanosen aufgefallen, sie ist also beim trinken blau geworden. der herzultraschall zeigte einen herzfehler, eine pulmonalstenose. ihre sauerstoffsättigung ist konstant um die 83% in ruhe. beim trinken und weinen hat sie teilweise tiefe sättigungsabfälle bis unter 60%. die herzfrequenz ist normal. sie soll so bald wie möglich mittels herzkatheter operiert werden. so bald wie möglich heißt spätestens morgen. die ärzte werden aber versuchen noch für heute einen termin zu bekommen. postoperativ wird sie für einige tage auf die intensiv verlegt. annis mama ist sehr besorgt. ein gespräch mit unserer psychologin sowie ein ausführliches arztgespräch mit einem kinderkardiologen ist für heute 9 uhr geplant.

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eine ganz normale nacht, teil 1

2. November 2010

heute will ich euch mal erzählen, was wir auf einer neonatologischen IMC die ganze zeit eigentlich so tun, wenn nicht grad der hut brennt und alle wie wild durch die station laufen und kinder reanimieren. 😉 also den ganz normalen wahnsinn alltag. angeregt dazu wurde ich von cara, einer treuen leserin – danke dafür! eigentlich war das auch der ursprüngliche gedanke dieses blogs, aber mit der zeit verliert man sein ziel manchmal aus den augen.

ich werde euch also von jetzt an immer wieder ganz normale dienste schildern. fangen wir mal mit meinem letzten nachtdienst an. die kinder, die ich betreut habe, waren:

lara, 29. schwangerschaftswoche, 5 tage alt, vereinzelte apnoen mit bradykardien, liegt im inkubator. war bis heute an der sauerstoffbrille, seit 8 uhr atmet sie ohne zusätzliche unterstützung, hat sie gut toleriert. nach dem trinken/sondieren (über die nasale magensonde) schwankt sie meistens vermehrt mit der sättigung, braucht dann teilweise bis zu 27% O2 im inku. die temperatur ist noch sehr instabil. lara hatte heute spontan stuhl, der bauch ist leicht gebläht. harn scheidet sie ausreichend aus. sie bekommt 8x6ml zu essen, hat eine haupt- und fettinfusion über ihren zentralen venenzugang (einen „schwemmi“) laufen. lara bekommt außerdem noch antibiotika und coffein i.v. laras mama ist noch stationär aufgenommen, wird morgen aber entlassen. sie ist noch sehr unsicher im umgang mit lara und braucht viel hilfe.

tobias, ein alter bekannter. ehemalige 24. woche, im juli geboren, hatte so ziemlich jede komplikation, die ein frühchen haben kann. tobias hatte ein stoma (= künstlicher darmausgang), wurde aber heute rückoperiert. laut kinderchirurgen ist alles gut gelaufen, die wunde ist schön. morgen kommt der kinderchirurg für den ersten verbandswechsel. essen darf tobias noch nichts, was ihn sehr stört. er ist sehr unruhig und hat immer wieder schmerzen. dafür hat er eine schmerzmedikation vorgeschrieben, die ihm gut hilft. sonst geht es ihm gut, er atmet selbstständig und ist völlig stabil. als nahrungsersatz hat er eine haupt- und fettinfusion über einen peripheren venenzugang laufen. die mama war den ganzen tag da und ist sehr glücklich, dass es ihm nach der op so gut geht. wenn der nahrungsaufbau nach der op gut klappt und die wunde schön ist, soll er nächste woche entlassen werden.

mädchen (noch namenlos), 1. zwilling, 31. schwangerschaftswoche, 1 tag alt. ihr bruder liegt noch auf der intensivstation und ist beatmet. das mädchen kam heute vormittag von der intensiv zu uns, war ursprünglich am infant flow bei 30% O2. wegen verschlechterung des zustandes wurde sie um 16 uhr intubiert und wird seit dem beatmet. ein rücktransfer war wegen überfüllter intensiv nicht möglich, sie wird bei uns bleiben und morgen soll auch ihr bruder kommen (so viel zu: wir sind eine IMC). na jedenfalls, die kleine liegt im inkubator, braucht zur beatmung keinen zusätzlichen sauerstoff, atmet bei der pflege brav mit, zwischendurch aber eher selten. vereinzelt hat sie bradykardien, erholt sich davon aber von selbst. zu essen bekommt sie 8x3ml per magensonde, den rest bekommt sie als haupt- und fettinfusion über ihren schwemmi, genauso wie antibiotika. sie hatte bereits stuhl, scheidet aber eher wenig harn aus, hat leichte ödeme an den augenlidern. die mama der kleinen konnte ihre kinder noch nicht besuchen, will aber in der früh kommen. der papa war schon da, er weiß, dass seine tochter intubiert wurde.

lukas, ehemalige 32. woche, 4 wochen alt. er liegt mit seiner mama in einem unserer beiden mutter-kind-zimmer und soll morgen nach hause gehen. die mama versorgt ihn selbstständig, hat alle medikamente im zimmer und kennt sich gut aus.

vom ablauf des nachtdienstes erzähl ich euch dann morgen. jetzt werd ich erstmal versuchen etwas zu schlafen… ist ja immerhin schon fast 3uhr. blöder schichtdienst 😉

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