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baby on board

9. Dezember 2011

warum müssen eigentlich immer alle leute in den inku starren, wenn man mit einem frühchen durchs krankenhaus fährt? ich meine, ich versteh ja, so kleine babys sieht man auf der straße nicht und so weiter. und ich hab ja auch nix gegen verstohlene blicke. aber dass es eigentlich frech ist, sollte doch allen klar sein, oder?

folgendes ist letztens passiert.

ich bin mit einer ärztin und dem kleinen benno (ca. 800g, also noch recht klein und an der sauerstoffbrille) auf dem weg zu einer untersuchung. er liegt fest eingekuschelt in seinem inkubator. die große decke, die normalerweise zur reizabschirmung über dem inku liegt, haben wir auf der station gelassen, um bennos atmung auf dem transport besser beurteilen zu können.

so. da stehen wir nun bei den aufzügen und warten auf unseren bettenlift (den wir mit unserem speziellen schlüssel rufen können). wie immer dauert es auch heute ewig (= sicher 5 minuten), bis der lift kommt. also stehen wir da so rum und warten. wie immer bildet sich langsam aber sicher eine kleine menschentraube um uns und unseren patienten. die ärztin und ich tauschen genervte blicke aus. wir empfinden das als unhöflich. aber was solls. man kann den leuten ja nicht verbieten herzustarren.

es kommt wie es kommen muss. der kleine benno hört plötzlich auf zu atmen (was er auch sonst gelegentlich tut, ist also nix „besonderes“) und der monitor schlägt alarm. ich öffne eine kleine klappe des inkus und fummle etwas an benno herum, in der hoffnung, dass ihm das anreiz genug ist wieder mit der atmung einzusetzen. aber schnuppe. die werte am monitor fallen und fallen.

nicht aber die begeisterung unserer zuseher. die menschen um uns herum kommen langsam immer näher, es beginnt ein gemurmel.

ich stecke nun auch meine zweite hand in den inku, stimuliere etwas intensiver und siehe da… benno beginnt wieder zu atmen. eine situation, wie die bei uns auf der station gefühlte 1000mal täglich vorkommt.

nicht aber für unsere zuseher. obwohl die situation für uns quasi schon wieder erledigt ist (ich warte nur noch, bis sich bennos sauerstoffsättigung wieder normalisiert hat), wird das gemurmel der menschenmenge immer lauter. ich höre schlagworte wie „frühchen“, „alarm“, „reanimation“, „arzt holen“ usw.

plötzlich platzt der ärztin der kragen. mit lauter stimme sagt sie: „würden sie vielleicht alle mal 3 schritte zurück gehen? danke! ja, hier ist ein kleines frühchen unterwegs. und dem baby geht es bestens!“.

hihi. es hat geholfen. die menschenmenge hat sich murmelnd zurückgezogen.

ein wilder tag

22. Oktober 2010

boa ey! gestern gings mal wieder richtig wild zu bei uns. die letzen wochen war es ja eher ruhig. 5 patienten sind auf entlassungskurs, die anderen 5 auch weitgehenst unproblematisch. und sogar ein freies bett haben wir seit 3 oder 4 tagen (und das ist bei uns eine echte seltenheit).

gestern vormittag hieß es dann, wir bekommen eine zutransferierung aus einem privaten krankenhaus (ohne kinderabteilung). 34. woche, 1 tag alt, seit der geburt unschönes atemmuster, zunehmende respiratorische verschlechterung, hatte immer wieder stimulationsbedürftige apnoen. also eigentlich nichts großartig dramatisches.

weil ich gerne mit der rettung fahre (ja ehrlich, hab sogar mal überlegt das beruflich zu machen, aber meine kleinen kiddies will ich nicht aufgeben *g*) hab ich mich gleich freiwillig gemeldet das kind holen zu fahren. also haben frau dr. rosa (übrigens eine meiner lieblingsärztinnen) und ich alles zusammengepackt und sind los.

beim kind angekommen stellten wir fest, dass es dem kleinen mädchen schon recht schlecht ging. es atmete schwer und sehr langsam, war schlapp und mittlerweile auch schon sauerstoffpflichtig. also erstmal zugang legen und flüssigkeit verabreichen. sicherheitshalber gabs auch noch ein bisschen coffein zur atemstimulation. während dr. rosa noch ein paar worte mit den besorgten eltern sprach, packte ich die kleine maus in den transportinku. dann gings auch schon los.

etwa 15 minuten bevor wir unsere klinik erreichten schob die kleine eine apnoe, dass uns echt anders wurde. sie reagierte nicht mehr auf stimulation. während dr. rosa das mädchen bebeutelte, zog ich nochmal etwas coffein auf und verabreichte es. darauf hin setzte dann für wenige minuten wieder die atmung ein. dann wars wieder vorbei. die kleine war respiratorisch erschöpft, hatte keine kraft mehr. also wieder bebeuteln. jetzt gabs 2 möglichkeiten.

nummer 1: die restlichen 10 minuten autofahrt weiter bebeuteln, dann so schnell wie möglich (noch in der notaufnahme) intubieren. problem: im transportinku bebeuteln ist mehr als mühsam weil kein platz ist. und wenn die kleine völlig dekompensiert und reanimationspflichtig wird, ist das ein echter spaß in dem kleinen kasten.

nummer 2: auf der stelle intubieren. problem: im transportinku intubieren ist noch viel schwieriger als bebeuteln.

da die 2. variante aber für das kind am sinnvollsten war, hat sich dr. rosa dafür entschieden. es war sehr umständlich, aber wir habens hinbekommen. der tubus war nichtmal zu tief drinnen – hut ab dr. rosa!

da es dem mädchen sonst aber eigentlich gut ging, und wir davon ausgehen, dass sie sich einfach nur erschöpft hat, also bald wieder extubiert werden kann, haben wir sie zu uns auf die station gebracht und nicht auf die intensiv. man wird sehen. inzwischen atmet sie schon wieder halbwegs mit der maschine mit.

aber das wars noch nicht für den tag. unsere derzeit kleinste patientin, mia, war auch nicht so besonders gut drauf. für ihre knapp 800g war sie bisher wirklich tapfer. zwar braucht sie beim atmen etwas unterstützung vom infanf flow (treue leser kennen sich aus… hihi), aber intubiert war sie nie und sauerstoff hat sie auch kaum gebraucht. bis gestern.

im laufe des tages verschlechterte sich mias zustand stetig. der sauerstoffbedarf stieg an, die apnoen und bradykardien häuften sich und das atemmuster verschlechterte sich deutlich. da liegt der verdacht der infektion immer nahe. und so war es auch. die kleine maus hat sich eine handfeste pneumonie (lungenentzündung) eingefangen.

bei der visite wurde kurz überlegt mia zu intubieren. da sie aber bisher ohne beatmung ausgekommen war und man der lunge eine eventuell unnötige beatmung ersparen wollte, wurde das vom oberarzt schnell wieder verworfen. bei anhaltender klinischer verschlechterung wollte man die situation nochmals überdenken.

ich bin ehrlich kein fan von voreiligen intubationen. wer mit frühchen arbeitet weiß, dass man mit maschineller beatmung viel kaputt machen kann. aber wenn ein 800g-kind sich innerhalb von wenigen stunden so deutlich verschlechtert, dann kann man davon ausgehen, dass eine intubation früher oder später notwendig sein wird. außerdem sind diese ständigen tiefen abfälle der herzfrequenz und der sauerstoffsättigung alles andere als gut für die durchblutung von hirn und darm. und bevor man später eine notintubation macht, hätte ich mia lieber gleich in aller ruhe intubiert.

aber gut, ich bin hier ja nicht der arzt. und auch wenn dr. rosa mir in einem stillen moment zuflüsterte, dass sie mia eigentlich auch lieber gleich intubiert hätte, kann man da nix machen. wenn der oberarzt nein sagt, dann heißt das nein.

weil ich mir sicher war, dass mia heute noch intubiert werden würde, hab ich sicherheitshalber schon mal alles vorbereitet. und es war gut so. wenige stunden später war es so weit. mia konnte einfach nicht mehr und stellte das atmen kurzerhand ein. und wurde so bradykard, sodass wir sogar für wenige minuten herzmassieren mussten.

tja, ich sags ja nicht gerne, aber: ICH HABS DOCH GEWUSST!

weil wir schon mal am weg waren…

15. Juli 2010

es gibt endlich mal wieder positives zu berichten! rosie geht es wieder gut, der infant flow gehört der vergangenheit an. yippiiie! wenn jetzt nix mehr dazwischen kommt, dann gehts für die junge dame ende nächster woche schon nach hause.

auch sonst konnten wir den ein oder anderen schnorchel entfernen. und ich hatte nach langer zeit wieder mal das vergnügen einen transport zu fahren. eigentlich gleich zwei.

wir, dr. fröhlich und ich, brachten einen unserer kleinen patienten in ein anderes haus. der transport war unspektakulär, das kind völlig stabil und ich hab mich gut mit dr. fröhlich unterhalten. lustigerweise ging die reise in mein altes haus, auf meine alte station. ich wurde überschwänglich von meinen ehemaligen kolleginnen empfangen, schön war das… hihi.

bevor wir mit der übergabe beginnen konnten wurde dr. fröhlich ein telefon in die hand gedrückt. unsere intensiv war dran und teilte uns mit, dass wir auf dem rückweg gleich ein kind aus einer nahegelegenen privatklinik mitnehmen und zu ihnen bringen sollen… wenn wir schon mal am weg sind. der grund: respiratorische anpassungsstörung beim reifen neugeborenen. deshalb blieb leider keine zeit zum plaudern, aber was solls.

gut, also haben wir uns an die übergabe gemacht, die schnell erledigt war. danach musste ich noch den transportinku wischen und neu aufrüsten. währenddessen rief nochmal unsere intensiv an, wir sollen uns doch etwas beeilen, die kollegen der privatklinik seien schon nervös. das heißt prinzipiell nicht viel, denn die werden schnell mal nervös wenn neugeborene nach der geburt nicht bald top fit sind. aber dennoch haben wir uns schnell zusammengepackt und sind wieder los gefahren.

keine 10 minuten später, in der privatklinik angekommen, stellte sich die respiratorische anpassungsstörung als asphyxie heraus. ups, da wäre ich an deren stelle wohl auch nervös geworden. das kind war bereits intubiert und mäßig stabil.

bevor wir losgefahren sind, hat dr. fröhlich die intensiv noch darüber informiert, dass das kind etwas mehr als eine anpassungsstörung hat. und ich hab mir sicherheitshalber noch eine notfalltasse mit allen eventuell notwendigen medikamenten zurecht gemacht. man weiß ja nie. zum glück hab ich sie aber nicht gebraucht. nach 20 minütiger fahrt waren wir auch schon wieder „zu hause“ angekommen.

tja, das war mein dienst gestern. langweilig wird mit in meinem job wohl nie werden 😉

achja, was sagt ihr zu meinem neuen header? hab ich selbst persönlich fotografiert und designt! *stolzbin*