Posts Tagged ‘tod’

what the hell…

18. August 2011

das frag ich mich derzeit bei jedem einzelnen dienst. ehrlich. bei uns gehts zu!

in den letzten 3 wochen sind bei uns 4 kinder verstorben… VIER! soviele sinds normalerweise im ganzen jahr! wir haben hunderttausendmillionen katecholamine laufen. und ein spontanatmendes kind hab ich glaub ich seit nem monat nicht mehr gesehn.

unsere kinder sind derzeit so intensiv, dass eine schwester nun nur 1-2 kinder betreut. wie man sich vorstellen kann, bedeutet das fleißig überstunden zu schieben. denn eigentlich sind wir ja keine intensivstation und haben deshalb auch nicht so viel personal. eigentlich.

gestern stand ich (ungelogen!) 3 stunden am stück am bett meines patienten. ich kam einfach nicht weg. damals auf intensiv war das auch ab und an mal so. aber hey, eigentlich arbeite ich doch auf einer imc, oder etwa nicht??

ich hoffe es wird bald besser. wenn nicht, dann wechsel ich wieder rüber auf die inteniv. dort hab ich die gleiche arbeit, muss aber nicht so viele überstunden machen.

tim und tom

11. Februar 2011

tim und tom wurden in der 31. schwangerschaftswoche geboren. wenige stunden nach ihrer geburt durften sie bereits zu uns. tim, mit fast 1200g der größere von beiden, war von anfang an immer stabil, hat nie sauerstoff oder atemhilfen gebraucht. tom, mit 900g deutlich zu klein für die woche, war eher das sorgenkind. obwohl es ihm eigentlich auch nie wirklich schlecht ging, er brauchte nur etwas sauerstoff in den ersten tagen.

beide entwickelten sich gut. nach wenigen tagen haben beide begonnen ihre mahlzeiten mit begeisterung selbst zu trinken. tom, der kleinere, schaffte nach einer woche sogar schon jede 2. mahlzeit komplett selbst. auch tim trank 1-2mal am tag seine ganze flasche selbst aus.

die eltern von tim und tom waren überglücklich zwei so süße und tapfere jungs zu haben. sie waren täglich viele stunden da und versorgten ihre beiden mit viel liebe und sorgfalt.

als die beiden 2 wochen alt waren, entwickelte tim plötzlich eine schwere, frühchentypische komplikation, eine NEC. sein darm entzündete sich und perforierte. er wurde operiert. die kaputten darmteile mussten entfernt werden und er bekam einen künstlichen darmausgang. nach der op wurde er direkt auf die intensivstation gebracht. es ging ihm wirklich sehr schlecht und er war sehr instabil. nach einigen tagen schien es bergauf zu gehen.

10 tage nach der op dachte man schon daran, tim zu extubieren, als sich sein zustand wieder drastisch verschlechterte. tim wurde ein zweites mal operiert, da man den verdacht hatte, dass weitere teile des darmes abgestorben sein könnten. dieser verdacht bestätigte sich.

in den folgenden tagen ging es tim immer schlechter. seine nieren arbeiteten kaum noch. er war nur schwer stabil zu halten. sein herzchen wurde immer schwächer.

wieder einige tage später war tim dem tod näher als dem leben. trotz maximaler intensivtherapie. langsam wurde klar, tim wird es nicht schaffen.

an einem mittwoch war es soweit. die eltern der zwillinge waren gerade bei uns an der station und haben mit tom gekuschelt. da rief die intensivstation bei uns an. wir sollten die eltern rüber schicken. es war wohl mit eines der schlimmsten dinge, die ich jemals zu eltern sagen musste. die intensivstation hat angerufen. tim geht es sehr schlecht. sie wussten, was das bedeutet. der endgültige abschied war nahe. die eltern legten tom wieder in sein bett und gingen zu tim.

an diesem tag kamen sie nicht wieder. ich wusste, was das bedeutet.

tims tod hat mich mehr mitgenommen, als ich es eigentlich zulassen wollte. ich habe die zwillinge am tag ihrer geburt von der intensiv übernommen und oft betreut. ich habe tim mit der akuten NEC in den OP gebracht. ich habe den eltern gesagt, dass tims tod unmittelbar bevor steht. ich habe tom im arm gehalten, als sein bruder starb.

es ist wirklich schwer, die richtige mischung zwischen nähe und distanz zu finden. aber für die eigene psyche ist distanz wohl die bessere lösung.

tom ist heute etwa 3 jahre alt und entwickelt sich bestens. vor wenigen monaten hat er eine gesunde kleine schwester bekommen.

intensive tage

27. Januar 2011

die letzten wochen waren heftig. wegen der vielen krankenstände auf unserer neo-intensivstation, habe ich dort für ein paar dienste ausgeholfen. es hat mir echt viel spaß gemacht, war interessant und was gelernt hab ich auch. ich konnte sogar mal wieder bei erstversorgungen von frühchen dabei sein.

es waren stressige dienste. obwohl ich mangels routine natürlich nicht die schlechtesten kinder betreut hab. aber man hilft sich eben gegenseitig wo man kann. besonders, wenn so viel los ist, wie momentan. und dazwischen die armen, völlig überforderten eltern. das gute ist, da man nur 1 oder 2 kinder betreut, hat man mehr zeit sich intensiver um die eltern zu kümmern, mit ihnen zu sprechen und dinge zu erklären. wobei man schon aufpassen muss, dass es ihnen nicht zu viel wird.

die kinder, die ich betreut habe waren auch sehr interessant. das kleinste hatte nur 560g. wirklich nur eine hand voll leben. aber sehr tapfer. auch die erstversorgungen, bei denen ich dabei sein durfte, waren sehr aufregend. also für mich. diese paar sekunden, bevor man das kind hingelegt bekommt sind nervenkitzel pur. im kopf geht man alle eventualitäten durch. vom vitalen bis zum rea-plichtigen kind. jeder handgriff muss sitzen. ich steh auf sowas! ehrlich!

alle waren sehr zufrieden mit mir. bin sogar gefragt worden, ob ich nicht zu ihnen wechseln will. und was soll ich sagen… reizen würde es mich schon. aber ich weiß nicht. eigentlich bin ich sehr froh, dass ich von diesem ständigen sterben weg bin. das is nämlich echt nicht schön.  naja, in zugzwang bin ich jedenfalls nicht. sie suchen nämlich eh ständig personal. ich kanns mir also in ruhe überlegen.

gewalt gegen schwangere

12. Januar 2011

ich weiß, kein schönes erstes posting im neuen jahr, aber es beschäftigt mich grad. eine freundin, die in einer anderen stadt auf einer neonatologischen intensivstation arbeitet, hat mit letztens was erzählt, das mich richtig sprachlos gemacht hat:

als die 19jährige studentin erfuhr, dass die schwanger ist, war sie einfach nur überrascht. ein kind war zwar zum momentanen zeitpunkt nicht geplant, aber dennoch freute sie sich. der vater des kindes, mit dem sie erst wenige wochen beisammen war, reagierte nicht erfreut. aber mit der zeit freundete er sich scheinbar mit dem gedanken an. ja, er freute sich sogar auf seinen nachwuchs. dennoch, nach einigen weiteren wochen trennte sich das paar. es passte einfach nicht mehr.

als die werdende mutter die letzten dinge aus seiner wohnung holen wollte, entbrannte ein wilder streit. sie warf ihm im streit an den kopf, dass er sein kind niemals sehen werde. darauf hin schlug er mit aller wucht auf die schwangere und ihren babybauch ein, mit den worten: „wenn ich mein kind nicht sehen darf, dann sollst du es auch nicht haben“. als die schwangere vor schmerz gekrümmt am boden lag trat er noch mehrmals auf den bauch und die brust der frau ein und verließ dann die wohnung. mit letzter kraft rief sie die rettung, sie wurde noch während des telefonats bewusstlos.

keine stunde später wurde ein kleines mädchen in der 23. schwangerschaftswoche per notkaiserschnitt geboren. sie wurde nur 3 tage alt. ihre mutter konnte sie nie lebend berühren, denn sie lag selbst 5 tage auf der intensivstation.

ich finde das soooo… unglaublich schrecklich. 😦

wenn kinder sterben

31. Mai 2010

heute hatten wir besuch auf der station. die eltern eines ehemaligen patienten waren da. normalerweise kommen bei solchen besuchen die kinder mit. in diesem fall aber nicht. denn simon, das kind dieser eltern, ist bei uns auf der station gestorben.

schon während der schwangerschaft wurde bei simon ein schwerer herzfehler festgestellt. anzeichen für eine frühgeburt gab es nie. doch in der 30. schwangerschatswoche bekam simons mama unhemmbare wehen. also wurde simon in der 30. woche spontan (!) geboren. die chancen, dass er die geburt überlebt waren schwindend gering. die eltern wussten das und waren darauf eingestellt, dass ihr kind entweder tot zur welt kommen, oder nach wenigen minuten sterben würde.

doch simon war ein kämpfer. er kam lebend zur welt und atmete selbstständig. er war zwar auf grund seines herzfehlers ziemlich blau, aber er war am leben. noch im kreisssaal wurde simons herz per ultraschall untersucht. der herzfehler wurde offiziell bestätigt. innerhalb von minuten mussten die neonatologen, die bei der geburt anwesend waren, und simons eltern eine entscheidung treffen. es gab 2 möglichkeiten

1. simon würde auf der stelle in den op gebracht werden um sein krankes herz zu operieren. dabei müsste er an die herz-lungen-maschine angeschlossen werden. seine chancen die op zu überleben wären gering. er war immerhin 10 wochen zu früh und sehr schwach.

2. man würde simon nicht operieren und ihn in gehen lassen.

seine eltern entschieden sich für die 2. variante. so wurde simon zu uns transferiert. mutter und vater begleiteten ihr kind.

als simon zu uns kam ging es ihm bereits sehr schlecht. ihm wurde ein venöser zugang gelegt, um ihn mit flüssigkeit und schmerzmitteln zu versorgen.

die eltern wollten ihren sohn gerne taufen lassen. also organisierte ich eine nottaufe. es war eine sehr traurige, aber doch irgendwie schöne zeremonie. alle kolleginnen, die gerade zeit hatten, waren dabei.

etwa 2 stunden nach der nottaufe ging es simon deutlich schlechter. er hatte keine kraft mehr. ich rief die ärztin dazu. bevor wir etwas zu den eltern sagen können fragte die mutter: „ist es jetzt soweit?“, wir nickten nur. und setzten uns zu ihnen. ich schaltete die alarme des monitors aus. jetzt würde es nicht mehr lange dauern.

plötzlich schreckte die mutter auf: „wir haben noch kein foto! ich will ein foto von simon, vom lebenden simon.“ also holte ich die kamera und machte fotos von simon und seinen eltern. irgendwie kam ich mir dabei blöd vor. fotos machen von einer familie, die gerade dabei ist ihr kind zu verlieren. aber es war ihr wunsch.

es dauerte länger als gedacht, aber etwa eine halbe stunde später hörte simons herzchen auf zu schlagen. die eltern weinten. und wir mit ihnen.

es kommt auf unserer station sehr selten vor, aber manchmal kann man einfach nichts dagegen tun. kinder sterben. so ist das nunmal in einem kinderkrankenhaus.