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eine pflegerunde mit daniel

20. April 2012

dienstübergabe. die kollegin vom nachtdienst übergibt mir daniel. schwangerschaftswoche 28+4, 4 tage alt, 874g geburtsgewicht, aktuell 810g. sectio wegen vorzeitigem blasensprung und infektion der mutter. komplett lungengereift. apgar 7/8/9. kindliche infektwerte nach der geburt positv, deshalb antibiotikatherapie. am infantflow mit 5-6 PEEP, sauerstoffbedarf um die 28%, in bauchlage bis auf 23% zu reduzieren. einige apnoen mit tiefen abfällen, immer zu stimulieren, hat um 3 uhr einmalig ein zusätzliches coffein erhalten, seit dem deutlich besser. essen geht solala, er bekommt 8x4ml, die verträgt er mäßig, immer angedaute magenreste. wegen der respiratorischen situation wurde das essen einmal pausiert und i.v. ersetzt. der schwemmi (= zentraler venenzugang) geht gut und ist o.b. temperatur instabil, kühlt noch rasch aus, berührungsempfindlich. seit gestern IVH I bekannt.

etwas später. daniel ist munter und brüllt sich in seinem inku die seele aus dem leib, sein IF unterstützt ihn mit heftigen gepiepe. wenig später setzt natürlich auch sein monitor ein. ich mache noch die letzten handgriffe bei meinem anderen patienten und wende mich dann gleich daniel zu.

erstmal gibts für den jungen mann ein leckeres teestäbchen und eine begrüßung in form einer großflächigen berührung. damit beruhigt sich daniel auch gleich wieder. und auch seine diversen gerätschaften. während daniel zufrieden das teestäbchen in seinem mund hin und her schiebt, drehe ich die inkubatortemperatur mal um ein grad höher, da ich ja weiß, dass daniel schnell auskühlt.

dann wirds aber ernst. wir haben einiges vor. erstmal blutdruck messen. dann temperatur axillär. dann pampers wechseln inklusive bauchmassage, denn der bauch ist doch ganz schön gebläht (aber weich). dann müssen wir auch noch unter den IF sehen. und natürlich gibts auch da wieder eine schöne kopf- und gesichtsmassage. leider ist daniel davon nicht so begeistert, also halten wir diesen punkt kurz. dann werfen wir noch einen kurzen blick auf daniels nabelschnurrest. alles schön, da brauch ich nix zu tun.

jetzt kommt der anstrengenste teil. das wiegen. zum glück hat der inkubator eine eingebaute waage, so müssen wir wenigstens nicht ins kalte. aber ich würde daniel schon gerne ohne IF wiegen, wenn es geht. dafür muss er aber etwa 20 oder 30 sekunden ohne IF auskommen. ob das geht weiß ich nicht so sicher, aber wir probieren es. um daniel etwas zu helfen erhöhe ich den sauerstoff im inkubator mal auf 35%. dann geht los. IF weg. knopf drücken. kurz warten. sättigung 85%. daniel hochheben. kurz warten. angestrengte atmung, sättigung 81%. daniel wieder ablegen und gewicht ablesen. 810g. bei 78% sättigung und angestrengter atmung bekommt daniel endlich wieder seinen IF. ich bin zufrieden, das wiegen hat bestens funktioniert. daniel hat das sehr gut gemacht.

ich entferne den sättigungssensor vom linken fuß und befestige ihn nun am rechten. damit keine druckstelle entsteht. die ekg-elektroden halten noch gut, ich muss sie nicht wechseln. die temperatursonde stecke ich seitlich in daniels pampers. auf die linke seite, weil ich daniel nachher in linker seitenlage lagern möchte. dann kommt noch die nasenpflege dran. da muss ich aber nicht viel machen, daniels nase ist wunderbar intakt, keine rötungen, keine abdrücke, nix.

nachdem alles wieder vollständig auf daniel montiert ist und ich den inkubator wieder auf seine ausgangseinstellungen reduziert habe, wird daniel noch fest in ein weiches tuch eingewickelt und dann gelagert. ich aspiriere den halben milliliter angedaute milch von der letzten mahlzeit aus seinem bauch, gebe ihn wieder zurück und sondiere ihm seine 4ml milch im freien fall dazu. daniel hat die augen noch offen und beobachtet mich dabei neugierig, während er zufrieden auf seinem neuen milchstäbchen herumkaut.

daniel kommt mir etwas gelb vor. also seine hautfarbe. deshalb messe ich den gelbsuchtwert. subkutan, ganz ohne piekser. der wert ist grenzwertig hoch. das muss ich dann nachher einem arzt sagen. wahrscheinlich muss daniel unter die phototherapie.

da daniel noch wach und zufrieden ist, bedecke ich seinen inkubator noch nicht vollständig mit der decke (zur reizabschirmung), sondern lasse ihm noch die möglichkeit etwas herumzusehen.

kurzer blick in den PC. daniel bekommt noch ein antibiotikum i.v. also geh ich das mal aufziehen und hänge es gleich danach an. unter sterilen bedingungen versteht sich. also perfusorspritze einspannen, sterilen tupfer in den inku, line in den inku (mit dem ende auf dem sterilen tupfer, versteht sich), inku-türen auf, sterile handschuhe an, line an den schwemmi anschließen. perfusor starten. fertig.

nun verräume ich die gebrauchten utensilien wieder, wiege die angepullerte pampers und wische alle flächen einmal mit dem flächendesinfektionsmittel. danach werfe ich wieder einen blick auf daniel. er ist eingeschlafen. langsam und vorsichtig ziehe ich ihm sein milchstäbchen aus dem mund und bedecke seinen inktubator nun komplett mit der decke. schlaf gut!

dann gehts ans dokumentieren. haut intakt. hautfarbe ikterisch. schleimhaut rosig. alle extremitäten warm. beatmungseinstellungen unverändert. atemmuster periodisch, während der pflege leichte einziehungen intercostal und sternal. die pampers hatte 31g. die pampers selbst wiegt 13g, also waren 18ml harn drin. wunderbar. abdomen mittel gebläht, weich, keinen stuhl gehabt, bauchmassage durchgeführt. 0,5ml angedaute magenreste, zurück gegeben. magensonde nach dem sondieren offen belassen (damit die luft, die durch den IF in den magen geblasen wird, entweichen kann). bewegungsmuster altersensprechend. berührungsempfindlich? ein bisschen, ja.

die waage zeigte mir 810g. davon muss ich jetzt noch die 13g (frische) pampers abziehen, die daniel beim wiegen anhatte. also neues gewicht: 797g. im vergleich zu gestern sind das 13g weniger. alles im rahmen.

inkubatoreinstellungen unverändert. notiz: temp. während der pflege um 1°C erhöht. dennoch etwas ausgekühlt. lagerung: seitelage links. mundpflege: tee und milch. nasenpflege: NaCl 0,9%. haut intakt.

hauptinfusion läuft, fett läuft. die laufraten stimmen auch. antibiotika i.v. verabreicht.

feddisch!

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ein ganz normaler tag, teil 3

15. November 2010

teil 2

12:05 uhr: die aufnahme kommt. ich hole das riesen-mädchen (jedenfalls für meine begriffe) aus dem transportinku, lege es zuerst auf die waage, dann ins wärmebett, klebe ihr elektroden auf die brust und den fuß und lege ihr die sauerstoffbrille mit 25%O2 an. zu meiner (positiven) überraschung hat das kind bereits einen zugang. die hebamme erzählt mir kurz was passierte. das kind wurde wegen geburtsstillstand und erschöpfung der mutter per sectio geholt. die mutter hatte für die geburt eine vollnarkose. initial war das kind vital, hat prompt geschrien, in der 5. lebensminute wurde die atmung schlechter, das kind zyanotisch (blau) und schlapper, hat deshalb sauerstoff und flüssigkeit i.v. bekommen. die große hat wohl etwas von der narkose der mutter abbekommen. blute wurden abgenommen, harn hatte das kind bereits bei der erstversorgung, stuhl noch nicht. gemeinsam mit einem oberarzt sehe ich mir das kind erstmal genau an. das kind wirkt insgesamt schlapp, ist aber rosig. am linken oberschenkel hat das kind eine kleine schnittverletzung, sicher von der sectio. is aber nicht schlimm, blutet nur minimalst, ich desinfiziere die wunde und klebe ein pflaster drauf. sonst hat das kind keine verletzungen. der nabelschnurrest ist sehr lang, ich lasse mir eine nabelklemme und eine sterile schere bringen und kürze ihn etwas. außerdem messe ich blutdruck, der ist ok. die atmung ist etwas schnell, aber die sättigung gut, sodass ich den sauerstoff reduzieren kann. der arzt beschließt ein röntgen des thorax machen zu lassen und ruft gleich bei der radiologie an. ich trockne der großen noch etwas die vielen haare am kopf, messe kopfumfang und länge, verpasse ihr eine pampers, decke die maus gut zu und klopfe mal alles in den pc. 10 minuten später steht die dame vom röntgen neben mir, ich helfe ihr kurz, dann ist sie auch schon wieder weg. ich mache noch schnell ein foto und einen fußabdruck, dann lassen wir die große erstmal in ruhe.

12:30 uhr: ich habe hunger! und wie! gemeinsam mit meinen kolleginnen bereite ich unser mahl vor. heute auf der karte: auflaufreste von gestern. klingt nicht so lecker, ist es aber!   bevor ich aber loslege, sehe ich nochmal nach toni. seine atmung ist ruhig und regelmäßig. einem ruhigen essen steht also nichts im wege. während wir essen kommt einer der ärzt zu mir und teilt mir mit, dass anni um 15 uhr im herzkatheterlabor sein soll für die op. ich bitte ihn, ihren eltern gleich bescheid zu sagen. ich sehe noch schnell nach meiner großen aufnahme. sie atmet ruhig, sättigt gut. deshalb entferne ich ihr die sauerstoffbrille. das klappt gut. die blutergebnisse und das röntgen sind da, alles gut.

13:20 uhr: ich gehe zu annis eltern. sie sind nervös. ich sage ihnen, dass sie anni bis vor die türen des op begleiten dürfen und gleich angerufen werden, wenn die op zu ende und anni auf der intensivstation ist. ich überprüfe, ob die handynummern der eltern korrekt sind, lege anni ein namensband an und bereite schonmal alles für den transport vor.

13:30 uhr: marcos mama ist da. ich erzähle ihr kurz, wie seine nacht so war. danach bereitet sie alles fürs baden und wiegen vor, ich bringe ihr frische kleidung für den jungen mann, hänge ihn vom monitor ab und schon geht los. marcos mama ist schon sehr selbstständig, sie braucht keine hilfe bei der versorgung. ich bleibe trotzdem in der nähe, wenn sie was braucht, soll sie sich melden. ich mache noch marcos bett frisch, dann begrüße ich tonis eltern, die gerade an die station kommen. als sie sehen, dass toni (wieder) am IF ist und einen zugang hat, steigen der mutter tränen in die augen. ich erkläre ihr, dass er sich seit der nacht immer mehr angestrengt hat beim atmen, und deshalb nun wieder etwas unterstützung dabei braucht. seit er am IF ist, geht es ihm deutlich besser, mittlerweile braucht er nur mehr 25%O2 und atmet damit schön. die eltern fragen, ob sie trotzdem mit ihm kuscheln dürfen. selbstverständlich, das ist genau das, was er jetzt braucht. aber die flasche werden wir ihm heute nicht anbieten, damit wir ihn nicht überfordern. die eltern sind einverstanden. wir beginnen mit der pflegerunde, sie wickeln toni, gemeinsam machen wir die mundpflege. dann lege ich toni der mutter auf die brust.

13:50 uhr: marcos mama sagt mir stolz das neue gewicht, er hat wieder brav zugenommen. ich klebe ihm neue elektroden auf die brust, die mama zieht ihn an, ich hänge ihn wieder an den monitor und bringe ihr die flasche. danach sondiere ich toni seine mahlzeit.

14:10 uhr: marco ist eingeschlafen. er hatte einige abfälle beim trinken, ist jetzt nach der vielen action ganz ko. baden ist für die kleinen ganz schön anstrengend. deshalb hat er auch nicht sehr viel getrunken. ich sondiere ihm den rest, während die mama muttermilch abpumpen geht.

14:35 uhr: anni ist sehr unruhig, hat immer wieder abfälle. sie spürt die nervosität und anspannung ihrer eltern. der arzt ordnet ein leichtes beruhigungsmittel an, darauf hin schläft sie ein. ich klebe einen kleinen zettel mit den telefonnummern der eltern und dem text „bitte ruf meine eltern an, sobald sie wieder zu mir dürfen“ an annis bett. ich sage meinen kolleginnen bescheid, dass ich dann gleich in den op fahre, marco und toni bei ihren eltern känguruhen und die große schläft.

14:45 uhr: anni, ihre eltern, ein arzt und ich machen uns auf den weg in den op. vor den türen des op können die eltern sich nochmal verabschieden. es fließen viele tränen. eine anästhesieschwester kommt zu uns raus, begrüßt die eltern und versichert, dass sie sich gut um anni kümmern werde. dann fahren wir in den vorraum, annis eltern machen sich wieder auf den weg zur station der mutter. wir übergeben alles wissenswerte an das anwesende personal, ich mache nochmal auf den bitte-anrufen-zettel aufmerksam. dann gehen wir wieder zurück auf die station.

15:00 uhr: wieder zurück an der station. eine kollegin sagt mir, dass der vater der großen hier ist. bevor ich zu ihm gehe drucke ich noch schnell das foto aus und klebe es, gemeinsam mit dem fußabdruck, in eine der eigens dafür gebastelten karten. ich nehme noch eine visitenkarte der station mit und gehe den vater, der gerade fleißig fotos seiner großen macht, begrüßen. ich erzähle kurz, wie es seiner tochter geht, erkläre ihm alle kabel, an die sie angeschlossen ist und was damit überwacht wird. ich übergebe ihm die karte und biete ihm an seine tochter auf den arm zu nehmen. er willigt ein, ich mache mit seiner kamera ein paar fotos von ihm und seiner tochter. sie soll übrigens susanna heißen. das schreibe ich natürlich gleich auf ihr namensschild.

15:10 uhr: schnelle nachmittagsvisite. susanna wird gleich nochmal von einem arzt angeschaut und danach wahrscheinlich wieder zu mutter gehen. die blutabnahmen waren unauffällig. sonst gibts nicht viel zu besprechen.

15:30 uhr: der arzt hat sich susanna nochmal angesehen und mit dem vater gesprochen. susanna soll noch eine stunde bei uns beobachtet werden. wenn sie weiterhin so stabil bleibt, soll sie ins kinderzimmer der gynäkologie gehen. dort bleibt sie für 24 stunden noch per pulsoxy überwacht. susanna ist jetzt auch wach und hungrig. gemeinsam wickeln wir sie, ich entferne ihr den zugang und bringe dem vater ein fläschchen. er füttert ihr 15ml. dabei ist sie stabil. danach verabschiedet sich der vater wieder. er will bei der mutter auf die ankunft von susanna warten. ich schreibe schonmal den transferierungsbericht und lege ihr ein namensband an.

15:45 uhr: toni ist beim kuscheln so stabil, dass ich ihm den sauerstoff auf 21% reduzieren kann. jetzt geh ich erstmal einen tee trinken und merci essen… hihi.

16:30 uhr: ich ziehe susanna an, packe sie in den kinderwagen, schließe sie an einen kleinen transportmonitor an, nehme ihr namensschild und alle wichtigen unterlagen mit und mache mich auf den weg zur gynäkologie. zuvor sage ich natürlich meinen kolleginnen bescheid. da susanna stabil ist gehe ich alleine, ohne arzt. im kinderzimmer angekommen übergebe ich die große einer kinderkrankenschwester und mache mich wieder auf den weg zurück.

17:00 uhr: marco ist wach und hungrig. hätte er geschlafen, hätte ich ihn nur sondiert. aber da er so munter ist, bringe ich der mutter eine flasche zum füttern. bevor ich toni sondiere, machen wir noch einen kuschel-wechsel. jetzt ist nämlich der papa dran, die mama geht in der zwischenzeit abpumpen. außerdem spüle ich seinen zugang und hänge eine frische infusion an. da ich nur 2 kinder habe (der arme nachtdienst, da kommt sicher eine aufnahme), übernehme ich die pflegerunde bei einem der kinder einer kollegin.

17:30 uhr: marco hat doch tatsächlich zum ersten mal die flasche komplett selbst ausgetrunken!! und das auch noch mit wenigen abfällen. die mama ist stolz wie bolle, zu recht. ich gebe alles in den pc ein, schreibe meine berichte. danach gehe ich noch den spritzenwagen, auf dem wir alles gelagert haben, was wir im alltag so brauchen, nachfüllen.

18:50 uhr: der nachtdienst ist schon da. deshalb beginnen wir gleich mit der übergabe. da ich nur 2 kinder habe, bin ich schnell fertig und düse ab nach hause.

ein ganz normaler tag, teil 2

12. November 2010

und weiter gehts

7:30 uhr: die übergabe ist vorbei und die kleine anni meldet sich. sie hat hunger. da noch nicht klar ist ob sie heute operiert wird oder nicht, muss sie noch nicht nüchtern sein. bevor ich sie füttere, gehts noch ab in die badewanne. während ich sie vom monitor abhänge bete ich inständig, dass ihr das baden gefällt und sie sich dabei nicht aufregen muss. ich hebe sie aus ihrem bett, dabei wird mir bewusst wie wahnsinnig groß und schwer sie mir vorkommt, obwohl sie mit ihren 3200g und 51cm doch ein ganz normales neugeborenes ist. auf dem weg zum wickelplatz kommt mir eine kollgin entgegen. sie sieht anni an: „meiiiii, du bist ja eine riesige maus! so eine dicke!“, ich muss grinsen. wir verlieren hier wirklich den blick für normale, reife säuglinge.

7:55 uhr: anni ist frisch gebadet und gefüttert. das baden hat sie sehr genossen, beim trinken hatte sie immer über 75% sättigung. alles gut gelaufen. jetzt liegt sie wieder friedlich in ihrem bettchen und schläft. zeit, mich um toni zu kümmern. da es ihm ja nicht so toll geht mache ich nur das nötigste. wickeln, mundpflege, einen blick auf den zugang werfen, umlagern und sondieren. trinken lasse ich ihn nicht. er soll sich aufs atmen konzentrieren. und er hat ohnehin keine lust, jedenfalls lehnt er das teestäbchen ab. sein atemmuster gefällt mir gar nicht. er atmet ziemlich angestrengt.

8:05 uhr: ich wecke marco auf, gehe ihn wickeln. er hat eine ziemlich große leistenhernie („leistenbruch“), die sich aber leicht reponieren (also reindrücken) lässt. gekonnt entgehe ich einer pinkelattacke. dann wird gefüttert. marco trinkt sehr brav, hat keine abfälle dabei. 15ml lässt er über, die sondiere ich ihm nach.

8:30 uhr: ich sehe kurz nach tobias. er schläft tief und fest. ich bereite den papierkram für seine entlassung vor. dann mache ich eine runde bei meinen kolleginnen und frage, ob sie was brauchen. ich assistiere einer kollegin beim inku-wechsel (wir wechseln alle 7 tage die betten der kinder), einer anderen bei einem verbandswechel und gehe zu diversen alarmen.

8:50 uhr: annis eltern kommen. sie machen sich große sorgen und haben angst vor dem gespräch. ich versuche sie zu beruhigen, das gelingt mir aber kaum. die kinderkardiologen und unsere oberärztin kommen, begrüßen die eltern und gehen in den besprechungsraum. ich kann leider nicht mitgehen, denn tobias ist wach und hat hunger.

9:25 uhr: tobias ist gewickelt, gefüttert und schläft wieder. zeitgleich kommen annis eltern mit den ärzten von ihrem gespräch zurück. ich frage sie wie es ihnen geht. sie haben viele informationen bekommen, müssen das erst verdauen, aber sie sind etwas beruhigter. ich lege der mutter ihre kleine in den arm. die psychologin wird in etwa einer halben stunde da sein und mit den eltern sprechen.

9:40 uhr: in der zwischenzeit hatte toni mehrere apnoen, meine kolleginnen mussten ihn mehrmals kräftig stimulieren und den sauerstoff erhöhen. er braucht jetzt 50%. die entscheidung ist gefallen, er kommt an den infant flow (IF). aber vorher muss ich noch schnell zur visite. wir besprechen alle kinder kurz durch.

tobias: der arztbrief für die entlassung ist so gut wie fertig. so bald die mutter da ist schicken wir ihn nach hause.

marco: erfreulicher verlauf. die ernährung wird etwas gesteigert. für nächste woche werden routineuntersuchungen geplant. also ultaschall der hüften, nieren und des schädels. außerdem wird ein termin für den reanimationskurs organisiert.

toni: ich berichte von den massiven abfällen und dass er wieder an den IF muss. da er die ernährung nicht sehr gut verträgt, immer wieder einiges an magenresten hat, und der bauch durch den IF sowieso noch mehr belastet wird, wird die ernährung noch weiter reduziert und die infusion erhöht. die blutabnahmen aus der nacht waren soweit ok. wenn toni sich am IF nicht stabilisiert soll ein thoraxröntgen gemacht werden.

anni: die oberärztin berichtet kurz, was mit den eltern besprochen wurde. ob die op heute noch stattfinden kann ist noch nicht klar, es sieht aber ganz gut aus. ein bett auf der intensiv ist bereits reserviert.

9:55 uhr: meine visite ist vorbei. ich hole einen IF samt zubehör aus der gerätekammer und schließe alles an. während ich neben tonis bett vor mich hin arbeite hat er eine apnoe. ich stimuliere, er reagiert nicht, wird bradykard. ich muss ihn aufbeuteln. dann gehts wieder. ich beeile mich mit dem aufbau des IF und schnalle toni das ding um. er wehrt sich zunächst etwas, hat aber kaum noch kraft und gibt sich geschlagen. mit 30% O2 ist toni am IF jetzt stabil, atmet aber noch immer recht schnell. um seine atmung besser kontrollieren zu können ziehe ich ihn bis auf die pampers aus, erhöhe die temperatur seines wärmebetts stark und decke ihn gut zu. dann wird alles dokumentiert.

10:05 uhr: die psychologin kommt. ich mache sie mit annis eltern bekannt und ziehe mich wieder zurück. auch tobias‘ eltern kommen. sie haben alles für die entlassung dabei. ich frage kurz bei den ärzten nach, wie es mit dem arztbrief aussieht. ist in 10 minuten fertig. also können die eltern tobias schon mal in sein heim-fahr-outfit werfen. nachdem sie den entlassungsbrief von den ärzten erhalten und wir den hübschen jungen mann noch etwas bewundert haben, verabschieden sich die eltern von uns. alle kolleginnen, die grad zeit haben, sagen tschüss. immerhin war tobias sehr lange bei uns, und alle mochten ihn und seine eltern gern. sie lassen uns eine große schachtel merci und ein foto von tobias mit einem kleinen dankesbrief da. und schon sind sie weg.

10: 20 uhr: ich sehe nach toni. er liegt völlig erschöpft in seinem wärmebett. die atemfrquenz ist noch immer erhöht, immer wieder macht er für einige sekunden atempausen. aber er ist stabiler als vorher. da ich vorhin wegen seines instabilen zustandes keine zeit hatte ihm eine hautschutzplatte (als schutz vor druckstellen) unter die IF-maske zu kleben, hole ich das jetzt nach. dafür muss ich ihm den IF für etwa eine minute entfernen. das toleriert er gut.

10:40 uhr: die psychologin hat das erste gespräch mit den eltern beendet und kommt zu mir. sie berichtet, dass die eltern sehr belastet sind. vor allem die ungewissheit, wann die op stattfinden wird, und die tatsache, dass anni nach der op auf die intensivstation muss und kurzzeitig beatmet sein wird, ist für sie schwer zu ertragen. mehr erfahre ich nicht, wie immer. unsere psychologin erzählt uns immer nur das, was für uns bei der arbeit relevant ist, der rest bleibt zwischen ihr und den eltern, um ein vertrauensverhältnis zu schaffen. sie bittet mich, den eltern umgehend bescheid zu sagen, wenn es etwas neues wegen des op-termins gibt. das werd ich machen.

11:00 uhr: es ist zeit toni und marco zu sondieren. danach frage ich mal wieder bei den ärzten nach, wie es mit anni weiter gehen soll, denn sie wird sicher bald wieder hungrig sein. dass sie op heute noch stattfinden wird ist sehr wahrscheinlich. es fehlt aber noch das entscheidende ok vom kinderkardiologischen oberarzt. das heiß, vorerst darf anni nichts essen. und ein venöser zugang muss noch gelegt werden, damit anni eine infusion als nahrungsersatz bekommen kann.

11:20 uhr: ein arzt kommt, um mit mir den zugang bei anni zu legen. die eltern wollen gerne dabei bleiben. wir legen anni gemeinsam in ihr bett, ich bereite alles zum stechen vor, inklusive blutabnahmen. 5 minuten später ist die sache erledigt, ich lege anni der mutter wieder in den arm, damit sich die kleine beruhigen kann. das tut sie dann auch rasch. der op-termin ist noch immer nicht 100%ig fix.

12:00 uhr: einer der ärzte kündigt mir eine aufnahme an. das kind wurde vor wenigen minuten geboren, 39. ssw, 3,6kg, sectio, respiratorisch nicht ganz auf der höhe, braucht etwas sauerstoff und wird im moment noch drüben im keißsaal erstversorgt. sie machen sich in 5 minuten auf den weg zu uns. also schnell ein wärmebett, sauerstoffbrille und alles zum zugang legen + blutabnahmen vorbereiten.

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ein ganz normaler tag, teil 1

9. November 2010

es ist montag und ich habe tagdienst.

6:45 uhr: ich betrete die station und gehe mich erstmal umziehen. in der gardarobe hülle ich mich in zeitlose, blaue bereichskleidung. danach gehts in die küche. ich brauch jetzt ein frühstück. während ich mir mein brötchen schmiere werfe ich einen blick auf den zentralmonitor. zwei oder drei kinder sind neu, aber viel hat sich seit meinem letzten dienst nicht getan. wir setzen uns alle an den tisch und reden über dies und das.

7:00 uhr: dienstübergabe. zunächst kurzübergabe in der küche, alle kinder werden kurz angerissen, die neuen vorgestellt. dann teilen wir uns die kinder auf. die kinder, die ich heute betreue sind:

tobias, den kennt ihr ja schon aus meinem nachtdienst. es geht ihm bestens, er isst wieder brav und verträgt das essen problemlos. er hat regelmäßig spontan stuhl, seine op-wunde ist gut geheilt. er soll heute nach hause gehen.

marco, ein richtiges 0815-frühchen aus der 30. schwangerschatswoche. er ist schon 3 wochen alt, ist voll enteral ernährt (halt also keine infusionen mehr), hat aber noch so seine schwierigkeiten mit dem trinken. er schafft etwa die hälfte seiner mahlzeit und muss dann über seine magensonde nachsondiert werden. beim trinken hat er ab und zu apnoen, sonst nur vereinzelte sättigungsabfälle von denen er sich meistens selbst erholt. er scheidet ausreichend harn und stuhl aus. seine eltern sind schon gut in die pflege integriert, wickeln und füttern ihn ohne hilfe, wissen auch wie sie bei monitoralarmen reagieren müssen. marco wird heute gebadet, das will seine mama übernehmen. sie kommt zur pflege um 14 uhr.

toni, auch ein 0815-frühchen. ehemalige 26. woche, 5 wochen alt. ist seit 2 wochen an der sauerstoffbrille, braucht normalerweise um die 25% O2. hat sich in der nacht aber respiratorisch verschlechtert, leichte einziehungen und gehäufte apnoen geboten. deshalb hat er einmal zusätzlich coffein erhalten, danach gings besser. aber er braucht jetzt 32% O2. sollte der sauerstoffbedarf weiter steigen muss er wieder an den infant flow. der bauch ist ziemlich gebläht, aber weich. mit den ausscheidungen hat er keine probleme. er war eigentlich schon voll enteral ernährt, aber wegen der resp. verschlechterung wurde er in der nacht von der ernährung zurückgenommen und hat jetzt wieder eine infusion laufen.

anni, ein 2 tage altes reifes neugeborenes mit guten 3 kilo, das gestern aus dem kinderzimmer der wöchnerinnenstation aufgenommen wurde. anni war mit trinkzyanosen aufgefallen, sie ist also beim trinken blau geworden. der herzultraschall zeigte einen herzfehler, eine pulmonalstenose. ihre sauerstoffsättigung ist konstant um die 83% in ruhe. beim trinken und weinen hat sie teilweise tiefe sättigungsabfälle bis unter 60%. die herzfrequenz ist normal. sie soll so bald wie möglich mittels herzkatheter operiert werden. so bald wie möglich heißt spätestens morgen. die ärzte werden aber versuchen noch für heute einen termin zu bekommen. postoperativ wird sie für einige tage auf die intensiv verlegt. annis mama ist sehr besorgt. ein gespräch mit unserer psychologin sowie ein ausführliches arztgespräch mit einem kinderkardiologen ist für heute 9 uhr geplant.

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