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schlechtes vorbild!

25. August 2010

monitore sind ja eine super erfindung. bei uns hängen alle kinder an so einem kasten. damit überwachen wir herfrequenz, sauerstoffsättigung und atemfrequenz. manchmal noch ein bisschen mehr. selten ein bisschen weniger.

eltern gewöhnen sich wahnsinnig schnell an den bildschirm mit den lustigen bunten linien. in 99,9% der fälle sehen eltern als erstes auf den monitor ihres kindes, wenn sie an die station kommen. eh klar, das ding zeit ja an, wie es ihrem sonnenscheinchen gerade geht.

aber nicht nur eltern sind monitor-fixiert. nein, auch viele aus unseren reihen sind es. es ist schon sehr verlockend ein kind nach dem monitorbild zu beurteilen. ich gebe zu, auch ich kann mich davon nicht freisprechen. willst du wissen, wie es einem kind geht, guckst du mal auf den kasten. das kind ansehen? wozu das denn?? 😉

man muss sich manchmal selbst daran erinnern, was man in der ausbildung (und in vielen weiterbildungen) so lernt. nämlich sich auf das kind zu konzentrieren. dass man bei einem alarm einen blick auf den monitor werfen muss ist klar. sonst weiß man ja nicht was alarmiert. aber dann sollte man schon mal einen blick ins bett werfen. theoretisch.

gestern spielte sich folgendes ab:

die mutter eines patienten, der schon seit einer gefühlten ewigkeit bei uns liegt, füttert ihr kind. dabei ist das kind monitiert. das ist notwendig, da dieser kleine junge mann beim trinken so in seinem element ist, dass er ständig auf das atmen vergisst. er muss immer wieder daran erinnert werden. ich beobachte die mutter aus dem augenwinkel und sehe, dass sie sich beim füttern offensichtlich mehr auf den monitor, als auf ihr kind konzentriert. sie sieht so aus, als würde sie den nächsten alarm jede sekunde erwarten.

wie gesagt, dieses kind liegt schon recht lange bei uns. dementsprechend gut kann die mutter mit ihrem sohn auch umgehen. sie weiß genau was zu tun ist, wenn der monitor alarmiert (sie hat den reanimationskurs übrigens schon besucht *g*).

da sie ihren blick aber kaum vom monitor wendet, gehe ich also zu ihr und frage mal so beiläufig, wie der kleine denn heute so trinkt. außerdem erwähne ich, dass sie ihr kind beobachten sollte, und nicht die bunten linien.

unsere monitore haben eine funktion, die sich „privatbild“ nennt. dabei bleibt der monitor voll aktiv, der bildschirm ist dabei allerdings schwarz. von unserem zentralmonitor aus können wir das bild weiterhin sehen, aber der monitor beim bett zeigt nix an. ich liebe diese funktion. 😀

nachdem ich der mutter diese privatbild-sache erklärt habe, und sie sich nun beim füttern voll auf ihr kind konzentrieren konnte, gab es auch keine weiteren alarme mehr.

so. etwas später alarmiert der monitor des nachbarkindes. eine apnoe. ich gehe also hin, und was tu ich? eine hand an den monitor (alarm quittieren), die zweite hand in den inku gesteckt (zum stimulieren). wie immer. und wo sind meine augen? am monitor natürlich. wie imm… äh, sonst nie! und wer beobachtet mich? die mutter von nebenan natürlich.

gesagt hat sie nix, nur gegrinst. ich hatte instant ein schlechtes gewissen. „ich wollte ihnen nur zeigen, wie man es nicht machen soll!!“… oder so 😉

ich gelobe besserung! versprochen!