Posts Tagged ‘stillen’

mythos saugverwirrung

30. Oktober 2011

es folgt nun meine ganz persönliche meinung. mir ist durchaus klar, dass es auch menschen gibt, die das alles ganz anders sehen als ich. aber in den fast 10 jahren (oh mann, ich werde alt!), in denen ich nun mit säuglingen arbeite, habe ich eben so meine erfahrungen gemacht.

also, für mich gibt es diese saugverwirrung nicht. ich halte es für schwachsinn. warum? habt ihr schonmal ein kind gesehen, dem man zum ersten mal einen löffel in die hand drückt und das sofort damit umgehen kann und seinen brei löffelt? nein? ich auch nicht. warum erwartet man dann, dass ein baby, das die flasche gewöhnt ist, von jetzt auf gleich auf die brust umgestellt werden kann?

übrigens ist es auch umgekehrt so. ein kind, das wochenlang nur gestillt wird, braucht zeit sich an die flasche zu gewöhnen. das hat aber nix mit verwirrung zu tun. sondern schlicht mit gewohnheit. gewohnheiten kann man ändern, es braucht nur eben etwas zeit und geduld dafür.

ein beliebtes argument: bei der flasche muss das kind ja kaum saugen, die milch läuft ihm quasi von selbst in den mund und es muss nur mehr schlucken. also, wenn das wirklich so ist, dann hat man eindeutig den falschen sauger für das kind ausgewählt. dann ist das loch zu groß. es stimmt natürlich, dass man dem kind das saugen an der flasche erleichtern KANN, wenn man das möchte (eben mit nem größeren loch). aber man muss nicht.

ein ganz großer „risikofaktor“ ist ja auch der schnuller. von manchen hebammen und stillberaterInnen wird empfohlen, den schnuller bei stillkindern zumindest in den ersten 4-6 wochen wegzulassen, weil kinder in dieser ersten phase besonders empfindlich sind und es leicht zur saugverwirrung kommen kann.

tja, also ich kann nur sagen, unsere frühchen bekommen alle von anfang an einen schnuller angeboten, weil auch non-nutritives saugen die saugmuskulatur trainiert. und trotzdem gibt es bei uns keine saugverwirrung. schon die allerkleinsten wissen ganz genau, wann sie den schuller oder etwas, wo essen rauskommt im mund haben. die sind ja nicht doof.

also zusammenfassend: unsere kinder werden von der magensonde primär an die flasche gewöhnt. manche nebenbei aber auch von anfang an zusätzlich gestillt. mit der zeit wird schleichend von der flasche zur brust übergegangen, das passiert oft dann schon zu hause. schnuller bekommen sie alle. und trotzdem habe ich noch NIE ein kind mit „saugverwirrung“ gesehen. komisch, oder?

so, liebe saugverwirrungsfreunde, es darf mit steinen geworfen werden. los gehts. 😉

amme gefällig?

12. Oktober 2011

gespräch zwischen einer frühchenmama, deren tochter (35+4 ssw) wir soeben direkt aus dem kreißsaal (wegen respiratorischer anpassungsstörung) aufgenommen haben, und mir.  

ich: „haben sie vor ihre tochter zu stillen?“

mama: „ja, auf jeden fall.“

ich: „super, dann machen wir es so, dass sie ihre tochter einfach jedes mal anlegen, wenn sie munter und hungrig ist und sie an der station sind. da sie ja noch im haus aufgenommen sind, können wir sie auch gerne anrufen, wenn töchterchen gestillt werden möchte.“

mama: *besorgt* „ja, aber ich habe ja noch gar keine milch! was ist denn, wenn sie trotz stillen noch hunger hat?“

ich: „keine sorge, in den ersten tagen brauchen babys noch nicht viel milch. *blablabla* milcheinschuss *blablabla* keine sorge und so weiter. falls töchterchen wirklich noch hunger haben sollte, können wir ihr auch mit der flasche etwas nachfüttern. und wenn sie nicht da sind, dann würden wir ihre tochter auch mit der flasche füttern.“

mama: „ja aber ich habe gelesen, dass kinder, die am anfang mit der flasche gefüttert werden, die brust dann nicht mehr nehmen!“

ich: halte einen kurzen vortrag über saugverwirrung, „… aber wenn sie rund um die uhr zum stillen kommen möchten, dann können sie auch mit einem brusternährungsset zufüttern, dann brauchen wir keine flasche. das ist aber sicher recht anstrengend für sie, besonders in den ersten nächten.“

mama: „hm… können sie sie denn nicht auch mit diesem brust-dings füttern?“

offensichtlich hat sie noch nie was von einem brusternährungsset gehört. denn sonst wüsste sie, dass dieses ding so funktioniert:

ich musste leider ablehnen. um amme zu spielen verdiene ich dann doch zu wenig. 😉

wir konnten uns übrigens auf fingerfeeding in der nacht einigen. ja, auch sowas machen wir. wenns denn unbedingt sein muss.

lars kommt in die ambulanz

25. Juli 2011

lars wurde in der 34. woche mit etwa 2kg geboren. da es ihm gut ging und er keinerlei probleme hatte, wurde er nach seiner geburt nicht auf der neo aufgenommen. er durfte gleich mit seiner mutter auf die wochenbettstation.

auch dort ging es ihm weiterhin gut. beim trinken an der brust war er zwar ziemlich langsam, aber irgendwie klappte es doch. außerdem war er etwas gelb, hatte eine milde neugeborenengelbsucht, die aber nicht therapiert werden musste.

nach 6 tagen wurde er, gemeinsam mit seiner mutter, nach hause entlassen. da der gelbsuchtwert noch erhöht war, sollte die mutter in 2 tagen zur kontrolle in die ambulanz kommen. außerdem sollte sein gewicht dort nochmal kontrolliert werden, da er noch nicht zugenommen hatte.

2 tage später sitzt die mutter nun in der ambulanz. sie hat ein gutes gefühl und ist sehr stolz auf ihren sohn. er ist ja so ein braver. eine schwester ruft sie in ein behandlungszimmer und bittet sie, lars erstmal auszuziehen. die waage zeigt 1770g an. das sind 100g weniger, als noch vor 2 tagen. außerdem fällt der schwester gleich auf, dass lars sich ziemlich warm anfühlt. die rektal gemessene temperatur liegt bei 38,7°C.

dann kommt die ärztin zur untersuchung und blutabnahme. von der schwester hat sie schon gehört, dass lars in keinem besonders guten zustand zu sein scheint. ihre untersuchung bestätigt den eindruck der schwester. lars ist schlapp, blass, bewegt sich kaum, hat trockene lippen, eingefallene augen und fontanelle, der herzschlag und die atemfrequenz sind erhöht.

während der untersuchung stellt die schwester der mutter ein paar fragen. wird er voll gestillt? ja. wie oft trinkt er von der brust? alle 4-5 stunden, nachts hat er eine pause von 8-10 stunden. wie lange trinkt er pro mahlzeit? etwa 20 minuten. wieviele nasse windeln hat er am tag? er wird immer nach dem stillen gewickelt, da ist eigentlich immer pipi drin. wann hatte er das letzt  mal stuhl? heute morgen. ist lars immer so ruhig, weint er auch ab und zu? *stolzgeschwelltebrust* nein, lars weint nie. er ist so brav. wenn er munter wird, dann druckst er nur so rum. aber weinen tut er nie. also, am tag der entlassung hat er noch viel geweint, aber das war sicher nur vom stress. jetzt ist er sehr entspannt.

ein kurzer blick zwischen schwester und ärztin. die mutter hat ihn gesehen und ist jetzt etwas beunruhigt. stimmt etwas nicht? die ärztin erklärt ihr, dass lars wohl dehydriert ist und wahrscheinlich aufgenommen werden muss. er ist möglicherweise deshalb so ruhig, weil er keine kraft mehr hat.

*BUMM* ein schlag ins gesicht für lars‘ mutter. darauf war sie wirklich nicht vorbereitet.

die blutabnahmen bestätigten den verdacht. lars wird stationär aufgenommen. und hier komme ich ins spiel. lars kommt nämlich zu uns. begleitet wird er von seiner mutter und einer ambulanzschwester, die sich nach der übergabe wieder verabschiedet.

das übliche, gut eingespielte aufnahmeprocedere beginnt. ein arzt und ich fummeln an lars rum, monitieren und untersuchen ihn, eine kollegin zieht eine infusion auf, die wir auch gleich anhängen. eine andere kollegin erledigt den papierkram und wieder eine andere versucht die mutter aufzufangen und erklärt ihr, was hier gerade passiert.

nach etwa 10 minuten ist auch schon alles erledigt und ich wende mich der mutter zu. sie ist total durch den wind. ich biete ihr an, im mutter-kind-zimmer zu schlafen, damit sie bei ihrem sohn bleiben und ihn auch nachts anlegen kann. sie lehnt (derzeit) dankend ab. was mich nicht überrascht. offensichtlich zweifelt sie gerade stark an ihrer stillkompetenz. aber das wird schon wieder.

gemeinsam besprechen wir das weitere vorgehen. lars wird nun alle 4 stunden zum essen geweckt und soll 40ml trinken. die mutter darf natürlich weiterhin anlegen. sollte lars deutlich weniger als diese 40ml trinken, dann bekommt er eine magensonde. bezüglich des fiebers wird vorerst noch zugewartet. man nimmt an, dass es von der dehydration kommt, also ein sog. „durstfieber“ ist. die entzündungswerte sind nur minimal erhöht. wir sind sicher, dass sich der immer noch erhöhte gelbsuchtwert, temperatur, atmung und herzfrequenz mit flüssigkeitszufuhr per infusion wieder normalisieren werden. wenn lars es dann auch noch schafft genügend nahrung selbst zu trinken, dann darf er wieder nach hause.

 

entgegen all unserer erwartungen hat es doch länger gedauert um lars zum trinken zu bringen. er war knapp 3 wochen bei uns aufgenommen. und es war wirklich harte arbeit. denn lars war sehr trinkfaul. letztlich hat er es aber doch geschafft und konnte heute gesund und voll gestillt nach hause entlassen werden.

melanies erste lebenswochen

11. Juni 2011

ich finde, ich habe schon viel zu lange nichts mehr über erfreuliche verläufe bei meinen kleinen patienten berichtet. deshalb möchte ich euch von der kleinen melanie erzählen. (vorsicht, lang!)

melanie wurde in der schwangerschaftswoche 28+3 wegen vorzeitigem blasensprung und steigenden infektwerten der mutter per kaiserschnitt geboren. sie war 1057g schwer und 38cm lang.

von anfang an ging es ihr gut. sie atmete selbstständig (mit etwas unterstützung vom infant flow) und brauchte nur wenig zusätzlichen sauerstoff. ihr kreislauf war, bis auf die üblichen gelegentlichen abfälle, stabil. deshalb wurde sie am 4. lebenstag zu uns transferiert.

melanies 1. lebenswoche:

wie bereits erwähnt braucht melanie beim atmen etwas unterstützung vom infant flow (IF). dabei hat sie einen sauerstoffbedarf von etwa 30-35%. pausen toleriert sie noch nicht. wenn man ihr den IF abnimmt, reagiert sie gleich mit sättigungsabfällen und deutlich erschwerter atmung. mehrmals täglich hat melanie atemaussetzer (apnoen), bei denen sie zum weiteratmen angeregt werden muss. deshalb bekommt sie nun coffein-kurzinfusionen. wegen leicht positiver infektwerte bekommt sie außerdem antibiotika.

mit der ernährung wurde gleich am ersten tag begonnen, sie bekam alle 3 stunden 0,5ml muttermilch oder frühchen-ersatznahrung. mittlerweile konnte sie auf 8x4ml (also alle 3 stunden 4ml) gesteigert werden. den rest der flüssigkeit, elektrolyte und kalorien, die sie braucht, bekommt melanie über ihren zentralen venenzugang als infusion. trinkbereitschaft zeigt melanie noch keine. sie saugt noch nicht am milchstäbchen oder am schnuller.

melanie hat eine gelbsucht entwickelt und liegt deshalb insgesamt 2 tage unter der phototherapie. außerdem hat sie in der ersten woche etwas an gewicht verloren und auf 957g abgenommen. das liegt aber im normbereich und ist deshalb auch nicht weiter tragisch. generell geht es der kleinen maus gut. sie verschläft den ganzen tag, ist nur bei der pflege kurz wach.

melanies eltern sind mit der situation noch etwas überfordert. sie haben noch leichte brührungsängste, gehen aber sehr liebevoll mit ihrer tochter um. die mutter känguruht jeden tag für eine stunde. der vater ist dazu noch nicht bereit, er hält und streichelt melanie lieber im inkubator.

2. lebenswoche:

die respiratorische situation ist unverändert. melanie braucht noch immer etwa 30% sauerstoff am IF. pausen sind weiterhin nicht möglich. auch apnoen hat sie weiterhin, aber nicht mehr so viele. außerdem sind sie leichter zu stimulieren.

melanies blutdruck ist auffällig. die differenz (bzw amplitude) zwischen systole und diastole ist hoch. das deutet auf einen PDA hin. ein herzultraschall bestätigt diese diagnose. es wird mit dem ersten ibuprofen-zyklus begonnen. dieses medikament soll den PDA schließen. leider schlägt es nicht so wirklich an. der PDA ist zwar etwas kleiner, aber nicht verschlossen. deshalb wird mit dem 2. zyklus begonnen.

die ernährung wird weiter jeden tag um einen milliliter gesteigert. bis melanie beginnt sich zu erbrechen und plötzlich immer wieder einige milliliter magenreste hat. die ernährung wird wieder zurückgenommen, die infusion dafür erhöht. infektwerte sind aber negativ. auch beim stuhlausscheiden braucht die kleine maus unterstützung. sie scheidet nur auf bauchmassage stuhl aus. wegen des IF ist melanies bauch ziemlich aufgebläht, aber die bauchmassagen helfen ihr auch die luft loszuwerden.

melanie hat begonnen zuzunehmen und wiegt nun ca. 1100g. die eltern gewinnen zunehmend sicherheit in der pflege ihrer maus. sie können ihre tochter mit etwas hilfe wickeln und massieren ihre gerne die füßchen und den bauch.

3. lebenswoche:

nach dem 2. ibuprofen-zyklus hat sich der PDA leider auch nicht geschlossen. der blutdruck ist weiterhin auffällig. deshalb wird der PDA bei einer kleinen herz-op nun chirurgisch verschlossen. die op verläuft problemlos. für den eingriff wurde melanie intubiert. am nächsten tag kann sie schon wieder extubiert werden.

sie ist weiterhin am IF. mittlerweile toleriert melanie kurze pausen, für etwa 15-20 minuten. danach ist sie aber sehr erschöpft. die ernährung lässt sich wieder gut steigern, die zufuhr über die infusion wird reduziert. melanie beginnt nun auch langsam zu trinken. 3-5ml schafft sie schon selbst.

melanie lagert etwas wasser ein, bekommt 2 oder 3 mal einzeldosen eines harntreibenden medikaments. damit stabilisiert sich ihre bilanz wieder. auch die stuhlausscheidung kommt nun besser in gang. melanie hat in dieser woche auf ca. 1300g zugenommen und ist einen zentimeter gewachsen.

für die eltern war diese woche nicht leicht. eine op am herzen des eigenen kleinen töchterchens muss erstmal verkraftet werden.

4. lebenswoche:

melanie geht es bestens. apnoen hat sie keine mehr. sie ist bis auf gelegentliche bradykardien und sättigungsabfälle, von denen sie sich meist selbst erholt, stabil. sie wird nun langsam vom IF entwöhnt. in den IF-pausen ist sie an der sauerstoffbrille bei etwa 25% O2. am IF braucht sie 21-23%. zu beginn der woche schafft sie 2-3 stunden an der brille. am ende der woche ist die entwöhnung geglückt und melanie braucht den IF gar nicht mehr.

da die kleine maus ihre temperatur nun schon viel besser halten kann, übersiedelt sie mit ihren 1500g vom inkubator ins wärmebett. auch das essen wird weiter gesteigert. melanie ist am ende der woche mit 8x28ml voll enteral aufgebaut. das heißt, sie braucht nun keine infusion mehr. der zugang wird entfernt. melanie trinkt schon bis zu 12ml selbst.

die eltern sind überglücklich. melanie hat diese woche viele fortschritte gemacht. seit der IF und der zugang weg sind, sind die eltern deutlich sicherer mit ihr geworden.

5. lebenswoche:

melanie ist weiterhin an der sauerstoffbrille. meistens braucht die 23% sauerstoff. nach dem essen eher 25%. beim kuscheln mit den eltern ist die stabil bei luft (also 21%). 3-4 mal am tag hat sie recht tiefe bradykardien, bei denen die manchmal auch stimuliert werden muss. von den sättigungsabfällen erholt sie sich nun in der regel selbst.

auch die ernährung verträgt sie ganz gut. ab und zu hat sie mal den ein oder anderen milliliter magenrest. aber diese sind immer schön angedaut, also kein grund zur sorge. melanie trinkt pro mahlzeit zwischen 10 und 20ml selbst. beim trinken hat sie oft tiefe sättigungsabfälle.

die ausscheidung funktioniert gut. allerdings presst melanie viel und hat viele blähungen, weshalb sie manchmal etwas unruhig ist. melanie hat auch einen kleinen nabelbruch. ist aber auch nix tragisches. melanie nimmt weiterhin brav zu, wir sind nun etwa bei 1700g angekommen.

ihre eltern sind sehr stolz auf ihre kleine maus. sie durften melanie endlich zum ersten mal in der großen badewanne baden. das hat allen 3n sehr gefallen. die restliche pflege übernehmen sie nun schon komplett selbstständig. ein weiteres highlight der woche: das erste mal stillen. melanie hat zwar nur einige wenige male an der brust gesaugt und auch nichts erwischt, aber das war der stolzen mama egal.

6. lebenswoche:

melanie wirkt anfang der woche sehr schlapp und müde. außerdem ist sie sehr blass und braucht nun auch wieder 25-30% sauerstoff über die brille. sie atmet auch schneller als normal und hat mehr abfälle. für uns ist klar: melanie ist krank. die infektwerte sind allerdings (noch) negativ. deshalb wird noch zugewartet.

am nächsten tag hat melanie eine tiefe apnoe und muss bebeutelt werden. ihr atemmuster hat sich deutlich verschlechtert und nun sind auch die infektwerte positv. melanie dürfte einen harnwegsinfekt haben. deshalb wird eine antibiotika-therapie begonnen. dafür bekommt sie einen venenzugang. außerdem muss melanie wegen des schlechten atemmusters wieder an den infant flow. sie braucht aber keinen zusätzlichen sauerstoff. da melanie so blass ist bekommt sie auch eine bluttransfusion.

nach 2 tagen geht es ihr wieder deutlich besser. die atmung hat sich stabilisert, den IF braucht sie nicht mehr, sie ist wieder an der brille. insgesamt wirkt melanie wieder fitter. für die eltern war diese woche wieder ein kleiner rückschlag. da sich melanie aber von ihrer infektion rasch erholt, erholen sich auch die eltern von diesem schreck recht bald.

7. lebenswoche:

anfang der woche werden die antibiotika abgesetzt und der zugang entfernt. auch die sauerstoffbrille braucht melanie nun nichtmehr. sie ist jetzt durchgehend spontanatmend und damit soweit auch stabil. nur beim trinken hat sie weiterhin sättigungsabfälle und schwankungen.

da melanie kaum fortschritte beim trinken macht, wird die logopädie eingeschaltet. einmal täglich (wenn es sich ausgeht sogar zweimal) kommt nun eine logopädin zu melanie, um sie beim trinkenlernen zu unterstützen.

bis auf die trinkschwierigkeiten entwickelt sich melanie gut. sie nimmt brav an gewicht zu und hat (sehr zur freude der eltern) endlich die 2000g geschafft. auch das wärmebett braucht sie nun nicht mehr, sie schläft nun in einem normalen bett.

die eltern sind sehr zufrieden mit ihrer kämpferin. langsam beginnen sie sich gedanken darüber zu machen, wie es mit melanie zu hause sein wird. auch stillen wird nun wieder mehr zum thema. wir vereinbaren für nächste woche einen termin mit unserer stillberaterin.

8. lebenswoche:

von einem tag auf den anderen stellt melanie plötzlich ihre abfälle beim trinken ein. einfach so. die eltern können es kaum glauben. wir schmunzeln, denn das ist oft so. die koordination beim trinken funktioniert nun sehr gut, nur kraft hat melanie noch wenig. die logopädin ist aber sehr zufrieden mit melanies fortschritten. und wir auch.

melanie wird nun von 3stündlich auf 4stündlich umgestellt, um sie endlich von der magensonde zu entwöhnen. also, statt bisher 8x40ml bekommt melanie nun 6x55ml zu essen. dafür wird melanie aber eben auch jedes mal die flasche angeboten und nicht, wie bisher, jedes 2. mal. das tut ihr offensichtlich sehr gut, denn von nun an trinkt melanie besser. gegen ende der woche schafft sie von ihren 6 mahlzeiten schon 4-5 ganz alleine. von der brust schafft sie meist 5-10ml. danach ist sie aber ganz schön erledigt und muss nachsondiert werden.

die eltern besuchen diese woche unseren säuglings-reanimationskurs. ihnen wird eine entlassung bis ende nächster woche in aussicht gestellt, wenn melanie es bis dahin schafft, alle ihre mahlzeiten selbst zu trinken (wovon wir ausgehen).

9. lebenswoche:

die logopädin überlegt, ob es für melanie sinnvoller wäre, wenn sie ad libitum trinken dürfte. leider meldet sich melanie überhaupt nicht zu den mahlzeiten und muss jedes mal geweckt werden. deshalb würde das keinen sinn machen. aber melanie macht auch so weiter fortschritte.

nachdem sie am montag erstmals alle ihre 6 mahlzeiten selbst ausgetrunken hat, entfernt melanie sich am dienstag die magensonde selbst. ab diesem zeitpunkt ist das trinken aus der flasche für die kleine laus kein problem mehr. nur nach dem stillen, bei dem sie noch immer nicht mehr als 20ml schafft, ist melanie so erledigt, dass sie maximal 20ml von der flasche „nachtrinkt“.

gemeinsam mit der stillberaterin und unseren ärzten hat die mutter dann beschlossen, melanie zu hause nur 2mal täglich anzulegen, bis sie mehr kraft hat. so steht einer entlassung nichts im wege. die eltern werden auf die zwei medikamente, die melanie bekommt, eingeschult und besorgen diese in der apotheke.

einen tag vor der entlassung lässt sich melanies mutter mitaufnehmen und zieht mit ihrer kleinen ins mutter-kind-zimmer. dort versorgt sie melanie komplett selbstständig. sie fühlt sich dabei sehr wohl und alles klappt bestens.

melanie wird nach gut 9 wochen krankenhausaufenthalt, etwa 3 wochen vor dem errechneten geburtstermin mit knapp  2500g gesund nach hause entlassen. 😀

ich bin stillfeindlich

22. April 2011

ja, so ist es. jedenfalls musste ich mir das letztens an den kopf werfen lassen. ich PÖÖÖHSE schwester.

und das nur, weil ich es nicht besonders förderlich für die entwicklung eines frühgeborenen kindes halte, dass es, auf wunsch der mutter, in ihrer abwesenheit nur sondiert werden soll. das kind soll sich keinesfalls an die flasche gewöhnen. sonst kriegt es eine saugverwirrung. PÖÖÖHSE saugverwirrung! schnuller ist deshalb natürlich auch nicht gestattet. maximal ein tee- oder milchstäbchen.

gegenargumente? nutzlos. schließlich ist sie die mutter und weiß, was das beste für ihr kind ist. okay.

das wird ein hartes stück arbeit für die stillberaterin, die psychologin und uns.

still-wahnsinn

23. November 2010

ein frühchen voll zu stillen ist nicht einfach. die kleinen sind am anfang recht schwach, haben wenig ausdauer und einfach nicht genug kraft, um lange genug an der brust zu saugen und ausreichend milch zu trinken. schon das trinken von der flasche ist harte arbeit und muss oft lange trainiert werden. von der brust zu trinken ist nochmal anstrengender.

anfang letzter woche haben wir ein kind entlassen, dessen mutter unbedingt voll stillen wollte. schon während der schwangerschaft war das für sie ganz klar. leider kam ihr kind dann fast 10 wochen zu früh auf die welt und hatte, wie (fast) alle frühchen, so seine probleme mit dem trinken. von anfang an wurde der kleine täglich an die brust angelegt, hat nach 1-2 wochen sogar schon wenige milliliter erwischt.

von woche zu woche wurde er stärker, hat immer besser von der flasche und auch von der brust getrunken. nach ein paar wochen ist ihm dann endlich der knopf aufgegangen, er hat jede flasche selbst getrunken.

das hat die mutter so motiviert, dass sie dachte ihn nun endgültig zum stillbaby machen zu können. und zwar auf der stelle. deshalb wurden die stillmahlzeiten länger und länger. wäre auch kein problem gewesen, wenn er junge mann seine menge von der brust getrunken hätte. hat er aber nicht. nach dem ewig langen stillen war er so kaputt, dass er den rest nicht mehr von der flasche trinken konnte und somit nachsondiert werden musste.

ich weiß nicht wie oft meine kolleginnen und ich mit der mutter darüber gesprochen haben, dass es nicht sinnvoll ist, ihren sohn eine stunde lang an der brust zu lassen, wenn er doch von der flasche schon super trinkt. unser vorschlag war 20-30 minuten stillen, dann die flasche nachgeben. bei einem einmaligen versuch hatte das nämlich wunderbar funktioniert. und so hätte man dem kleinen auch die magensonde entfernen und ihn nach hause schicken können. aber die mutter war irgendwie nicht einsichtig.

also haben wir mehrmals (!) unsere stillberaterin kommen lassen. sie hat sich jedesmal eine stillmahlzeit angesehen und ist zu dem gleichen schluss gekommen wie wir. er hat einfach nicht genug ausdauer, um alles von der brust zu trinken. deshalb ist es sinnvoll ihn kürzer zu stillen und dann die flasche (in der übrigens ausnahmslos abgepumpte muttermilch war!) nachzugeben. aber auch das hat die mutter nicht beeindruckt.

es lief immer so ab: die mutter hat das kind angelegt. 20 minuten hat er kleine wunderbar getrunken. dann:

ich: „sie stillen jetzt seit 20 minuten. saugt er denn noch gut oder nuckelt er nur mehr?“

mutter: „neiiin, er trinkt noch total suuuper, er macht jetzt nur grad eine pause…“

naja. auf mich macht das kind einen tief schlafenden eindruck. auch die ruhige herzfrequenz sagt mir eindeutig, dass der kleine gerade gut schläft. aber hey, ich lass ja mit mir reden.

ich: „ok. 10 minuten noch. aber dann müssen wir ihm wirklich die flasche geben, sonst muss er wieder sondiert werden.“

10 minuten später.

ich: „so, jetzt ist es zeit. legen wir ihn doch mal auf die waage um zu sehen, wieviel er schon getrunken hat.“ (wir machen trinkwiegungen wenn die kleinen gestillt werden)

mutter: „neiiiin, er macht doch nur grad eine pause. vor einer minute hat er noch kräftig gesaugt!“

die mutter fummelt dem kind im gesicht herum, um ihn wieder zum saugen zu bringen. ich bleibe 3 minuten neben der mutter stehen, während sie versucht das schlafende kind aufzuwecken. der kleine nuckelt 2mal zaghaft und das wars. der schläft tief und fest.

ich: „ich glaub er schläft schon sehr gut. ich werde ihn mal abwiegen.“

gesagt, getan. beim abwiegen wird der kleine wieder wach. er hat 30ml getrunken. 60 muss er.

ich: „na super! 30 hat er schon geschafft. ich bringe ihnen die flasche, die schafft er sicher noch. dann können wir die sonde bald entfernen.“ drehe mich um und gehe.

keine minute später komme ich mit der flasche in der hand zurück. was sehe ich? die mutter hat ihn wieder angelegt.

ich: „ähm, hier ist die flasche. es ist besser, wenn sie ihm die jetzt noch anbieten, sonst schläft er gleich wieder ein und ich muss ihn sondieren.“

mutter: „neiiiiiin, er hat gerade wieder total fest gesaugt!“

ich: „ja, das ist gut so. aber sie wissen doch, er schafft noch nicht die ganze mahlzeit von der brust…“

mutter: „doch, doch! ich glaube diesmal wirds gehen. ich lass ihn noch ein bisschen.“

tja. was soll ich tun? ich kann ihr ja schlecht das kind von der brust wegreißen. also hat sie ihn eben gestillt bis er am ende war. und ich hab ihn nachsondiert. was besseres ist mir nicht eingefallen.

dieses spielchen hat sich knapp 2 wochen mehrmals täglich wiederholt. war die mutter nicht da um ihn zu stillen, hat er jede muttermilch-flasche in rekordtempo geleert. auch wenn der vater ihn gefüttert hat. der kleine hatte die magensonde wirklich nur mehr wegen seiner uneinsichtigen mutter.

bis eine kollegin beschlossen hat, dass das so nicht weitergehen kann. sie hat ihn von 4stündlich auf ad libitum umgestellt. das heißt, anstatt der fixen essenszeiten (alle 4 stunden), darf sich der junge mann nun melden, wenn er hunger hat und muss dann auch keine fixe menge trinken. er hat nur eine mindestemenge, die er in 24 stunden schaffen muss. spätestens nach 5 stunden müssen wir ihn aber immer wecken (ist bei uns standard bei frühgeborenen, die ad lib trinken).

eigentlich stellen wir die kinder erst auf ad lib um, wenn sie sich auch wirklich zu den mahlzeiten (oder schon vorher) melden. dieser junge mann hat das zwar nie getan, aber so konnten wir ihm in der nacht schon mehr füttern (hat er problemlos getrunken), sodass er tagsüber keine zusätzliche flasche gebraucht hat.

das war des rätsels lösung. 5 tage nach dieser umstellung wurde der kleine endlich entlassen. wie die eltern das zu hause gelöst haben würde mich echt sehr interessieren. wahrscheinlich muss der kleine den ganzen tag an der brust hängen… hihi.

rosie und ihre eltern

29. Juni 2010

rosie wurde vor nicht ganz 2 wochen in der 29. schwangerschaftswoche mit etwas mehr als 900g geboren. das ist zwar nicht besonders viel, aber rosie war von anfang an sehr fit. und weil es ihr so gut ging durfte sie die intensivstation schon nach 4 tagen verlassen und wurde zu uns transferiert.

rosie ist wirklich ein hübsches kind. und ja, es gibt auch hässliche babys. besonders dystrophe (=“unterernährte“) frühgeborene sehen manchmal nicht so toll aus. aber rosie schon.

ich durfte rosie anfang letzter woche im nachtdienst zum ersten mal betreuen, und ich war sofort verliebt… hihi. als ich sie vom tagdienst übernommen habe, hatte sie einen hellblauen body an. das geht ja mal garnicht!! deshalb hab ich sie umgezogen, in einen traum in rosa. haaaach… *g*

am wochenende hatte ich tagdienst und habe so auch ihre eltern kennengelernt. sie sind wirklich wahnsinnig nett. manche menschen sind einem einfach sofort sympathisch, so ist es mir bei rosies eltern gegangen. sie sind freundlich, höflich, interessiert, haben verständnis und sind sehr bemüht. außerdem sind sie sehr geschickt im umgang mit rosie und haben keinerlei berührungsängste. das ist nicht selbstverständlich, aber wunderschön.

am samstag haben wir rosie zum ersten mal gebadet. davor durfte die mama ein outfit für die kleine aussuchen. das dürfen mütter bei mir immer, und sie lieben es. kein wunder, welche mama zieht ihr kind nicht gerne hübsch an… hihi.

danach haben wir den ablauf besprochen, dann gings auch schon los. der stolze papa hat währenddessen gefühlte 200 fotos gemacht.

da rosie ihre körpertemperatur noch nicht so gut halten kann, haben wir sie im inkubator gebadet. das ist nicht ganz einfach und viele eltern tun sich dabei schwer. aber nicht rosies mama. sie war so geschickt, dass ich sie sogar gefragt hab ob sie das schon öfter gemacht hat. ich habe mich beim ersten bad im inku nicht halb so geschickt angestellt wie sie. das hat sie sehr stolz gemacht.

am sonntag haben wir den ersten stillversuch gewagt. normalerweise trinken die kleinen beim ersten versuch nicht wirklich, sie schlecken eher an der brustwarze herum. manchmal schaffen sie zwar auch ein paar milliliter, aber oft auch nicht. deshalb bereite ich die mütter immer darauf vor, dass ihr kind wahrscheinlich nichts erwischen wird. das trinken an der brust ist für die kleinen anstrengender als von der flasche, und selbst beim trinken von der flasche schlafen sie oft vor erschöpfung ein. umso größer ist dann die freude, wenn sie doch den ein oder anderen milliliter geschafft haben.

rosie hat genau einmal kurz an der brustwarze geleckt. und dann sofot ZUGESCHNAPPT. ja, und zwar so richtig. wie eine kleine schnappschildkröte. und sie hat erst wieder losgelassen, als sie völlig erschöft eingeschlafen ist. ich musste erstmal meine kinnlade vom boden aufsammeln. so weit stand mein mund offen, als ich der mutter sagte, dass rosie soeben ihre komplette mahlzeit von der brust getrunken hat.

das ist eben rosie.