Posts Tagged ‘shunt’

mal etwas zum ansehen

14. November 2011

da die rufe nach bildmaterial immer lauter werden, hab ich mich mal im netz auf die suche nach reprotagen zum thema neonatologie gemacht. einfach wars nicht, denn oft gibt es da szenen, die ich euch nicht guten gewissens zeigen kann (also solche mit fürchterlichem handling mit den kleinen, oder fachlich falsch, oder sehr veraltet und so…).

aber schließlich hab ich doch noch was gefunden. eine reportage aus dem jahr 2010. da gibts zwar auch die ein oder andere sache, die ich nur ungern so unkommentiert im raum stehen lasse, aber naja. es kommt (meiner) realität auf jeden fall sehr nahe.

also, hier ist sie. eine reportage über die neonatologische intensivstation des AK altona in hamburg. ist zwar recht lange, aber es lohnt sich. trotz etwas langatmigeren mittelteils nicht vorzeitig aufgeben! gegen ende sieht man eine erstversorgung inkl. reanimation eines babys der 24. schwangerschaftswoche (mit sehr angespannten oberarzt).

 

 (ich weiß ja nicht obs an mir liegt, aber das ruckelt ganz schön. bitte über den youtube-link ansehen, da gehts einwandfrei!)

leo, 16 wochen zu früh

28. Juli 2011

heute erzähle ich euch von leo. er war ein sehr kleines extrem-frühchen, wurde in der schwangerschaftswoche 23+4 mit nur 438g geboren. sein start ins leben war sehr schwer, er hatte viele „baustellen“. kaum ging es ihm mal besser, tauchte schon das nächste problem auf. die ersten 2 monate verbrachte er auf der intensivstation. dann wurde er zu uns transferiert.

leo hatte so ziemlich jede komplikation, die ein frühchen nur haben kann. IVH, BPD, PAH, PDA, NEC, ROP… alles keine schönen sachen. er musste einige operationen über sich ergehen lassen.

leos eltern mussten ebenfalls viel ertragen. monatelang haben sie um das leben ihres kindes gebangt, die wenigen fortschritte wurde von rückschritten und neuen problemen überschattet. mehr als einmal haben sie von ärzten gehört, dass leo den tag oder die bevorstehende operation möglicherweise nicht überleben wird.

 

dann hatte er die kritische phase endlich überwunden. sein kreislauf war soweit stabil, ohne zusätzliche medikamente. die lunge wurde besser, leo konnte selbstständig atmen ohne sich ständig zu erschöpfen. die verdauung funktionierte gut, auch wenn leo seinen stuhl über einen künstlichen darmausgang an der bauchdecke ausschied. die augen entwickelten sich nach einer laserung zufriedenstellend.

als er zu uns kam hatte leo im prinzip nur mehr ein medizinisches problem. und zwar zu viel flüssigkeit im kopf. leo hatte einen hydrocephalus, also einen „wasserkopf“. deshalb wurde noch auf der intensivstation eine sogenannte externe ventrikel drainage (evd) gelegt. damit wurde der überschüssige liquor (hirnwasser) aus seinem kopf nach außen abgeleitet, um den druck im kopf zu normalisieren.

nun ist eine evd ja keine dauerlösung. deshalb bekam leo nach etwa 2 wochen evd einen shunt implantiert, der von nun an das überschwüssige wasser in den bauch ableiten sollte.

tja. um die nächsten wochen zusammenzufassen: es gab viele probleme. liquorkissen, wieder evd, undichte evd, liquorkissen, sekundärnaht, infektion, wieder shunt, shuntventil wechsel, liquorkissen, wieder evd, wieder shunt, infektion… so ging das sicher 2 monate lang. wenn nicht sogar 3.

ehrlich. so viele probleme bei etwas so „simplen“ wie einem shunt hab ich im leben noch nicht gesehen. leo war ein echter unglücksrabe. er zog komplikationen scheinbar magisch an.

na jedenfalls, nach einer gefühlten ewigkeit war auch dieses problem überwunden. nun musste leo nur noch trinken lernen. für uns war er von da an wie jedes andere unserer kinder auch.

nur die eltern konnten es irgendwie nicht so richtig begreifen. obwohl sie auf grund der vielen regelmäßigen arztgespräche wussten, dass leo nun (für seine verhältnisse) gesund war und man ihn wie ein normales baby behandeln konnte, hatten sie große probleme, das auch zu akzeptieren und zu verinnerlichen. sie waren es irgendwie schon gewohnt, dass ein problem nach dem anderen auftauchte, weshalb sie der ruhe nicht trauen konnten.

lange zeit waren sie sehr unsicher im umgang mit leo. der junge mann hatte mitterweile seinen errechneten geburtstermin überschritten, war schon sehr aufmerksam und wollte unterhalten werden. damit konnten die eltern aber gar nix anfangen. für sie war leo noch immer das klitzekleine, schwerkranke kind, das man am besten in ruhe schlafen lässt. aber schlafen war für leo längst nicht mehr interessant.

es dauerte sicher 2-3 wochen, in denen wir uns sehr intensiv mit den eltern beschäftigt haben (fast schon mehr, als mit leo selbst), bis sie die bedürfnisse ihres kindes erkennen und angemessen darauf reagieren konnten.

 

seit einem knappen halben jahr ist leo nun schon zu hause. und er entwickelt sich sehr gut, kann mittlerweile sogar schon alleine sitzen. leo und seine eltern sind zu einem richtigen dreamteam zusammengewachsen.

maxi

28. April 2010

gestern starte ich froh und gut gelaunt in meinen tagdienst. gleich in der früh kommt der oberarzt zu mir und verkündet, dass wir ein kind von der intensiv eines anderen hauses bekommen werden. kein problem, wir sind zwar voll, aber immerhin steht heute ja auch eine entlassung an, also keine große sache. ich rufe schon mal auf dieser intensiv an und erkundige mich nach dem kind. eigentlich nicht mein job, aber ich will ja wissen was ich vorbereiten muss.

ich erfahre: maxi ist ehemaliges frühchen der 25. schwangerschaftswoche, mittlerweile fast 3 monate alt, IVH III rechts und links (=starke Hirnblutung auf beiden seiten), hat vor 14 tagen einen shunt (zur ableitung von hirnwasser) erhalten, ein weiterer ventrikel ziemlich erweitert, aber noch kein handlungsbedarf, voll parenteral ernährt, verträgt orale nahrung gar nicht, duodenalsonde im gespräch, außerdem hat das kind hin und wieder mal krampfanfälle.

gut, ich starte mit den vorbereitungen, richte ein wärmebett und sonstiges zubehör her. gleichzeitig schreibe ich schon mal die papiere für meine entlassung vor und versorge „nebenbei“ auch noch meine anderen beiden kleinen patienten.

um 10 uhr steht mein neuer patient, maxi, vor der tür. ich übernehmen ihn von der unsympatischen kollegin des anderen hauses. ein blick in maxis gesicht und ich bin erstaunt. er hat deutliche hirndruck zeichen. die fontanelle ist gewölbt, er schielt stark und das sonnenuntergangsphänomen ist nicht zu übersehen. ich frage die kollegin seit wann er schon hirndruckzeichen hat. seit ein paar tagen. aha. nachdem ich es maxi in seinem neuen bett gemütlich gemacht habe gebe ich der ärztin bescheid. sie sieht sich maxi an und beschließt den oberarzt drauf schaun zu lassen. nachdem alle anwesenden ärzte (und medizinstundenten) maxi ausführlich begutachtet haben wird beschlossen einen ultaschall des schädels zu machen. wie erwartet ist der erwähnte ventrikel stark erweitert. das kind braucht also sofort eine externe ventrikeldrainage. ok, gerne, aber nicht bei uns. wir sind nur eine „halb“-intensiv und machen solche eingriffe nicht. also gut, das kind wird auf unsere intensiv transferiert. aber erst nach der visite.

also fange ich den ganzen schreibkram, den ich für die aufnahme schon erledigt habe wieder von vorne an, für die transferierung. in der zwischenzeit sind endlich die eltern meiner entlassung hier und holen ihr kind ab. eine sorge weniger.

während ich gerade bei der visite bin alarmiert maxis monitor in schrillen tönen. ich renne hin, maxi ist blitzblau, steif, atmet nicht, zuckt mit den armen. ein krampfanfall. ich verabreiche ihm sofort (s)ein krampflösendes mittel. jetzt ist er schlaff, atmet aber noch immer nicht. gut, dann eben bebeuteln. einer der ärzte kommt gemütlich spazierend ins zimmer und fragt mich ob alles ok ist. dann sieht er, dass ich am beuteln bin und bewegt sich nun doch etwas schneller zum bett her. aber das schlimmste ist schon vorbei. maxi erholt sich nur langsam, aber immerhin setzt die atmung wieder ein.

als maxi wieder eine annehmbare sättigung und atmung hat schaue ich auf und blicke in entsetzte gesichter. die gesichter der eltern und besucher der anderen patienten. ich habe irgendwie das gefühl was beruhigendes sagen zu müssen. also sage ich sowas wie: alles ok. ich gebe dem sichtlich genauso erschockenem arzt zu verstehen, dass ich maxi gerne JETZT transferieren würde.

das geht dann auch erstaunlich schnell. 15 minuten später bringe ich maxi rauf auf die intensiv. eine stunde später hat er eine externe ventrikel drainage gelegt bekommen, ist nach einer 7minütigen reanimation intubiert und hat katecholamine laufen.

die eltern der anderen patienten beschäftigt maxi noch immer. mehrmals werde ich an diesem tag noch gefragt was mit dem kleinen denn los war, ob es ihm gut geht, sogar ob er gestorben ist fragt mich eine mutter.. nein ist er noch nicht. ich bin nur froh, dass maxis mutter nicht anwesend war..