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jan extubiert sich mal eben selbst

28. Mai 2010

 jan wurde im februar in der 28. schwangerschaftswoche geboren. einen tag nach seiner geburt haben wir ihn übernommen. er hat(te) probleme wie jedes andere frühchen auch. schlechte atmung, apnoen, bradykardien, sättigungsabfälle, trinkschwierigekeiten. er war eine gefühlte ewigkeit am infant flow (atmemunterstützung). ab und zu auch mal mit frequenz (hierbei gibt das gerät auch atmenhübe ab). danach nochmal ewig an der sauerstoffbrille. zwischendurch war er auch immer wieder mal für ein paar tage ohne allem.

immer wieder wurde die entlassung geplant, verschoben, abgesagt. sogar eine transferierung in ein anderes haus war mal angedacht. wurde aber nix.

nun sollte es letzte woche doch tatsächlich soweit sein. die entlassung wurde (wiedermal) geplant. wir konnten es alle kaum glauben. etwas traurig waren wir auch. man gewöhnt sich halt an solche patienten und baut eine besondere beziehung zu ihnen auf. wir waren wirklich fest davon überzeugt, dass jan nun endlich nach hause gehen würde. immerhin war er seit fast 2 wochen völlig stabil und das mit dem trinken hatte er auch endlich gelernt.

am freitag hätte er nach hause gehen sollen. alles war vorbereitet, die mama bestens eingeschult, ambulante kontrolltermine vereinbart.

offensichtlich hat er das irgendwie mitbekommen und beschlossen, dass es ihm bei uns eigentlich ganz gut gefällt.

als ich letzte woche am mittwoch abend den nachtdienst angetreten bin habe ich ja mit vielem gerechnet. aber nicht damit: jan liegt im wärmebett und hat einen schnorchel (sprich tubus) in der nase.

was war passiert? das weiß keiner so genau. jedenfalls hat jan am vormittag spontan die atmung eingestellt. und zwar komplett. einfach so. nach 10minütigem bebeuteln und stimulieren ohne erfolg wurde jan eben intubiert. lustigerweise war jan noch nie intubiert. eine atemunterstützung hatte ihm bisher immer gereicht. aber nicht diesesmal.

jan war nur mehr minimal sediert, war beim wickeln sogar richtig wach, und atmete schon halbwegs gut mit. aber halbwegs gut ist nicht genug. in rücksprache mit dem arzt wurde die sedierung komplett abgedreht und die extubation noch für die nacht geplant. das machen wir normalerweise nicht, in der nacht extubieren. aber bei jan gelten andere regeln.

kurz vor mitternacht, ich war gerade dabei mir einen mitternachtssnack zu genehmigen, höre ich ein beatmungsgerät wie wild piepsen. meine kollegin geht nachsehn. alarmiert durch ihren kurzen aufschrei, gehe ich ihr nach. wir starren jan an, der uns wild schreiend (oder eher krächzend) mit dem tubus in der hand zuwinkt.

hat sich der schlimme bub doch tatsächlich selbst extubiert! ich greife schnell nach dem ambu, bereit alle notfallmaßnahmen einzuleiten, meine kollegin ruft den diensthanden arzt dazu. nachdem jan aber stabil ist lege ich den ambu wieder beiseite und beruhige ihn erstmal. kein wunder, dass er so schreit, hat er sich doch alle penibel in seinem gesicht fixierten klebestreifen von der haut gefetzt. er blutet an einer stelle sogar etwas.

nachdem wir nun zu dritt mindestens eine halbe stunde neben dem spontan atmenden jan gestanden sind, beschließt der arzt ihn eben spontan atmen zu lassen. extubation war ja sowieso geplant.

und, for the record: das war in fast 8 jahren seit beginn meiner intensiv-karriere das allererste mal, dass sich bei mir ein patient selbst extubiert hat. und ich hoffe es war das letzte mal.

jedenfalls atmet jan seit dem einwandfrei selbstständig. für ende nächster woche ist wieder mal die entlassung geplant. haha.

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