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ein ganz normaler tag, teil 3

15. November 2010

teil 2

12:05 uhr: die aufnahme kommt. ich hole das riesen-mädchen (jedenfalls für meine begriffe) aus dem transportinku, lege es zuerst auf die waage, dann ins wärmebett, klebe ihr elektroden auf die brust und den fuß und lege ihr die sauerstoffbrille mit 25%O2 an. zu meiner (positiven) überraschung hat das kind bereits einen zugang. die hebamme erzählt mir kurz was passierte. das kind wurde wegen geburtsstillstand und erschöpfung der mutter per sectio geholt. die mutter hatte für die geburt eine vollnarkose. initial war das kind vital, hat prompt geschrien, in der 5. lebensminute wurde die atmung schlechter, das kind zyanotisch (blau) und schlapper, hat deshalb sauerstoff und flüssigkeit i.v. bekommen. die große hat wohl etwas von der narkose der mutter abbekommen. blute wurden abgenommen, harn hatte das kind bereits bei der erstversorgung, stuhl noch nicht. gemeinsam mit einem oberarzt sehe ich mir das kind erstmal genau an. das kind wirkt insgesamt schlapp, ist aber rosig. am linken oberschenkel hat das kind eine kleine schnittverletzung, sicher von der sectio. is aber nicht schlimm, blutet nur minimalst, ich desinfiziere die wunde und klebe ein pflaster drauf. sonst hat das kind keine verletzungen. der nabelschnurrest ist sehr lang, ich lasse mir eine nabelklemme und eine sterile schere bringen und kürze ihn etwas. außerdem messe ich blutdruck, der ist ok. die atmung ist etwas schnell, aber die sättigung gut, sodass ich den sauerstoff reduzieren kann. der arzt beschließt ein röntgen des thorax machen zu lassen und ruft gleich bei der radiologie an. ich trockne der großen noch etwas die vielen haare am kopf, messe kopfumfang und länge, verpasse ihr eine pampers, decke die maus gut zu und klopfe mal alles in den pc. 10 minuten später steht die dame vom röntgen neben mir, ich helfe ihr kurz, dann ist sie auch schon wieder weg. ich mache noch schnell ein foto und einen fußabdruck, dann lassen wir die große erstmal in ruhe.

12:30 uhr: ich habe hunger! und wie! gemeinsam mit meinen kolleginnen bereite ich unser mahl vor. heute auf der karte: auflaufreste von gestern. klingt nicht so lecker, ist es aber!   bevor ich aber loslege, sehe ich nochmal nach toni. seine atmung ist ruhig und regelmäßig. einem ruhigen essen steht also nichts im wege. während wir essen kommt einer der ärzt zu mir und teilt mir mit, dass anni um 15 uhr im herzkatheterlabor sein soll für die op. ich bitte ihn, ihren eltern gleich bescheid zu sagen. ich sehe noch schnell nach meiner großen aufnahme. sie atmet ruhig, sättigt gut. deshalb entferne ich ihr die sauerstoffbrille. das klappt gut. die blutergebnisse und das röntgen sind da, alles gut.

13:20 uhr: ich gehe zu annis eltern. sie sind nervös. ich sage ihnen, dass sie anni bis vor die türen des op begleiten dürfen und gleich angerufen werden, wenn die op zu ende und anni auf der intensivstation ist. ich überprüfe, ob die handynummern der eltern korrekt sind, lege anni ein namensband an und bereite schonmal alles für den transport vor.

13:30 uhr: marcos mama ist da. ich erzähle ihr kurz, wie seine nacht so war. danach bereitet sie alles fürs baden und wiegen vor, ich bringe ihr frische kleidung für den jungen mann, hänge ihn vom monitor ab und schon geht los. marcos mama ist schon sehr selbstständig, sie braucht keine hilfe bei der versorgung. ich bleibe trotzdem in der nähe, wenn sie was braucht, soll sie sich melden. ich mache noch marcos bett frisch, dann begrüße ich tonis eltern, die gerade an die station kommen. als sie sehen, dass toni (wieder) am IF ist und einen zugang hat, steigen der mutter tränen in die augen. ich erkläre ihr, dass er sich seit der nacht immer mehr angestrengt hat beim atmen, und deshalb nun wieder etwas unterstützung dabei braucht. seit er am IF ist, geht es ihm deutlich besser, mittlerweile braucht er nur mehr 25%O2 und atmet damit schön. die eltern fragen, ob sie trotzdem mit ihm kuscheln dürfen. selbstverständlich, das ist genau das, was er jetzt braucht. aber die flasche werden wir ihm heute nicht anbieten, damit wir ihn nicht überfordern. die eltern sind einverstanden. wir beginnen mit der pflegerunde, sie wickeln toni, gemeinsam machen wir die mundpflege. dann lege ich toni der mutter auf die brust.

13:50 uhr: marcos mama sagt mir stolz das neue gewicht, er hat wieder brav zugenommen. ich klebe ihm neue elektroden auf die brust, die mama zieht ihn an, ich hänge ihn wieder an den monitor und bringe ihr die flasche. danach sondiere ich toni seine mahlzeit.

14:10 uhr: marco ist eingeschlafen. er hatte einige abfälle beim trinken, ist jetzt nach der vielen action ganz ko. baden ist für die kleinen ganz schön anstrengend. deshalb hat er auch nicht sehr viel getrunken. ich sondiere ihm den rest, während die mama muttermilch abpumpen geht.

14:35 uhr: anni ist sehr unruhig, hat immer wieder abfälle. sie spürt die nervosität und anspannung ihrer eltern. der arzt ordnet ein leichtes beruhigungsmittel an, darauf hin schläft sie ein. ich klebe einen kleinen zettel mit den telefonnummern der eltern und dem text „bitte ruf meine eltern an, sobald sie wieder zu mir dürfen“ an annis bett. ich sage meinen kolleginnen bescheid, dass ich dann gleich in den op fahre, marco und toni bei ihren eltern känguruhen und die große schläft.

14:45 uhr: anni, ihre eltern, ein arzt und ich machen uns auf den weg in den op. vor den türen des op können die eltern sich nochmal verabschieden. es fließen viele tränen. eine anästhesieschwester kommt zu uns raus, begrüßt die eltern und versichert, dass sie sich gut um anni kümmern werde. dann fahren wir in den vorraum, annis eltern machen sich wieder auf den weg zur station der mutter. wir übergeben alles wissenswerte an das anwesende personal, ich mache nochmal auf den bitte-anrufen-zettel aufmerksam. dann gehen wir wieder zurück auf die station.

15:00 uhr: wieder zurück an der station. eine kollegin sagt mir, dass der vater der großen hier ist. bevor ich zu ihm gehe drucke ich noch schnell das foto aus und klebe es, gemeinsam mit dem fußabdruck, in eine der eigens dafür gebastelten karten. ich nehme noch eine visitenkarte der station mit und gehe den vater, der gerade fleißig fotos seiner großen macht, begrüßen. ich erzähle kurz, wie es seiner tochter geht, erkläre ihm alle kabel, an die sie angeschlossen ist und was damit überwacht wird. ich übergebe ihm die karte und biete ihm an seine tochter auf den arm zu nehmen. er willigt ein, ich mache mit seiner kamera ein paar fotos von ihm und seiner tochter. sie soll übrigens susanna heißen. das schreibe ich natürlich gleich auf ihr namensschild.

15:10 uhr: schnelle nachmittagsvisite. susanna wird gleich nochmal von einem arzt angeschaut und danach wahrscheinlich wieder zu mutter gehen. die blutabnahmen waren unauffällig. sonst gibts nicht viel zu besprechen.

15:30 uhr: der arzt hat sich susanna nochmal angesehen und mit dem vater gesprochen. susanna soll noch eine stunde bei uns beobachtet werden. wenn sie weiterhin so stabil bleibt, soll sie ins kinderzimmer der gynäkologie gehen. dort bleibt sie für 24 stunden noch per pulsoxy überwacht. susanna ist jetzt auch wach und hungrig. gemeinsam wickeln wir sie, ich entferne ihr den zugang und bringe dem vater ein fläschchen. er füttert ihr 15ml. dabei ist sie stabil. danach verabschiedet sich der vater wieder. er will bei der mutter auf die ankunft von susanna warten. ich schreibe schonmal den transferierungsbericht und lege ihr ein namensband an.

15:45 uhr: toni ist beim kuscheln so stabil, dass ich ihm den sauerstoff auf 21% reduzieren kann. jetzt geh ich erstmal einen tee trinken und merci essen… hihi.

16:30 uhr: ich ziehe susanna an, packe sie in den kinderwagen, schließe sie an einen kleinen transportmonitor an, nehme ihr namensschild und alle wichtigen unterlagen mit und mache mich auf den weg zur gynäkologie. zuvor sage ich natürlich meinen kolleginnen bescheid. da susanna stabil ist gehe ich alleine, ohne arzt. im kinderzimmer angekommen übergebe ich die große einer kinderkrankenschwester und mache mich wieder auf den weg zurück.

17:00 uhr: marco ist wach und hungrig. hätte er geschlafen, hätte ich ihn nur sondiert. aber da er so munter ist, bringe ich der mutter eine flasche zum füttern. bevor ich toni sondiere, machen wir noch einen kuschel-wechsel. jetzt ist nämlich der papa dran, die mama geht in der zwischenzeit abpumpen. außerdem spüle ich seinen zugang und hänge eine frische infusion an. da ich nur 2 kinder habe (der arme nachtdienst, da kommt sicher eine aufnahme), übernehme ich die pflegerunde bei einem der kinder einer kollegin.

17:30 uhr: marco hat doch tatsächlich zum ersten mal die flasche komplett selbst ausgetrunken!! und das auch noch mit wenigen abfällen. die mama ist stolz wie bolle, zu recht. ich gebe alles in den pc ein, schreibe meine berichte. danach gehe ich noch den spritzenwagen, auf dem wir alles gelagert haben, was wir im alltag so brauchen, nachfüllen.

18:50 uhr: der nachtdienst ist schon da. deshalb beginnen wir gleich mit der übergabe. da ich nur 2 kinder habe, bin ich schnell fertig und düse ab nach hause.

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