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ein besonderes tagebuch

11. April 2011

als lunas mutter in der 30. schwangerschaftswoche war, stürzte sie morgens im badezimmer beim aussteigen aus der dusche. dabei schlug sie sich den kopf an. sie war nicht bewusstlos, hatte jedoch danach starke kopfschmerzen.

da die schmerzen nicht nachlassen wollten, und ihr ganz schön übel war, fuhren sie und der werdende papa abends ins krankenhaus. lunas mama wurde mit verdacht auf gehirnerschütterung stationär aufgenommen. luna ging es bestens.

wenige stunden nachdem sie im krankenhaus aufgenommen wurde, hatte lunas mutter einen schweren krampfanfall. luna musste per notsectio geholt werden. es stellte sich heraus, dass lunas mama eine ziemlich große hirnblutung erlitten hatte. nach dem kaiserschnitt wurde sie sofort notoperiert und danach auf die intensivstation verlegt. es ging ihr sehr schlecht.

luna hingegen ging es ganz gut. auch sie verbrachte ihre ersten lebenstage auf der intensivstation. danach wurde sie zu uns verlegt.

luna war nicht das erste kind dieser familie, sie war das dritte. der vater war also ganz schön eingespannt zwischen kindergartenkind, schulkind, schwer kranker frau und frühgeborenem baby. er kam zwar täglich zu besuch, konnte aber nicht sehr lange bleiben. er hatte unterstützung von den großeltern, anders hätte das wohl alles nicht funktioniert.

der zustand von lunas mutter war lange kritisch. sie musste mehrmals operiert werden. in den ersten wochen war nicht klar, ob sie überhaupt überleben würde. doch mit der zeit stabilisierte sie sich. als man sie nach über drei wochen aufwachen ließ, konnte sie nicht sprechen und sich nur sehr eingeschränkt bewegen.

von anfang an war klar, dass lunas mama lange brauchen würde, um sich zu erholen. das bedeutete, dass sie die ersten lebenswochen ihres dritten kindes nicht (oder nur sehr eingeschränkt) miterleben würde. deshalb begannen die schwestern der neo-intensiv, ein luna-tagebuch zu führen. vom ersten lebenstag an wurde täglich ein eintrag von der betreuenden schwester geschrieben. das haben wir natürlich begeistert übernommen. ab und zu wurden auch mal fotos gemacht und eingeklebt. oder hand- und fußabdrücke gemacht. auch der papa durfte mitschreiben.

die idee des intensivtagebuchs kommt eigentlich aus der erwachsenenintensivpflege. wenn erwachsene längere zeit im „künstlichen koma“ (wie es umgangssprachlich so schön heißt) liegen, fehlt ihnen danach jede erinnerung an diese zeit. um ihnen die möglichkeit zu geben, zumindest im nachhinein etwas daran teil zu haben, und es somit verarbeiten zu können, schreibt man dort tagebuch für die patienten. das gibt es natürlich nicht auf jeder intensivstation, und es ist auch nicht bei jedem patienten notwendig, aber mir gefällt diese idee.

in diesem tagebuch werden keine medizinischen fakten aufgeschrieben. dafür gibt es sowieso die offizielle doku. es soll tatsächlich wie ein „normales“ tagebuch geführt werden. im falle unserer luna haben wir es in der ich-form geschrieben. zum beispiel sowas:

heute gings mal wieder rund hier! in der früh durfte ich in der großen badewanne eine runde schwimmen gehen. das hat mir super gefallen, ich war ganz munter und entspannt. aber baden ist auch ganz schön anstrengend, deshalb wollte ich danach auch nicht von der flasche trinken. dafür hab ich bei der nächsten mahlzeit ordentlich reingehaun und 40ml selbst getrunken! zu mittag war dann der augenarzt da. diese untersuchung mag ich ja nicht so, das hab ich dem doktor auch deutlich gezeigt! trotzdem war er sehr zufrieden mit mir. am nachmittag war oma zu besuch und hat ganz viel mit mir gekuschelt und mir lieder vorgesungen. das mag ich gerne, dabei schaue ich mir oma immer sehr genau an. die schwestern sagen, dass ich morgen oder übermorgen vielleicht wieder mit papa zu mama auf besuch gehen darf, wenn es mir und ihr weiterhin so gut geht. das wär super! auf mama schlafe ich nämlich am allerbesten.  

ps: zugenommen habe ich auch wieder! ich wiege jetzt 2285g und bin 46cm groß!“

lunas mutter hat sich wahnsinnig darüber gefreut. sie hat uns gebeten das tagebuch bis zur entlassung weiter zu schreiben.

luna wurde etwa 2 wochen vor ihrem errechneten geburtstermin nach hause entlassen. am gleichen tag wurde ihre mama in eine reha-einrichtung transferiert.

mutterglück am muttertag

10. Mai 2010

gestern, also am muttertag, wurde bei uns im haus ein kleines mädchen in der 31. schwangerschaftswoche geboren. sophie war ein lange ersehntes wunschkind. 9 wochen vor dem errechneten geburtstermin hatte ihre mama unerwartet einen blasensprung. gleichzeitig bekam sie starke blutungen. sie wurde von ihrem mann so schnell wie möglich ins krankenhaus gebracht. dort stellte man fest, dass sophies mama viel blut verlor, was sophie auch schon bemerkte. deshalb wurde sofort ein notkaiserschnitt gemacht. sophie wird also am muttertag geboren. sie wiegt knappe 1200g und ist 41cm lang. sie wird sofort von der intensivstation übernommen, braucht noch etwas sauerstoff. nach einer stunde allerdings nicht mehr. sophie geht es gut. ihrer mama leider nicht. auch sie wird auf die intensivstation gebracht. gesehen hat sie sophie noch nicht. nur der papa durfte einen kurzen blick auf seine tochter werfen.

da es sophie gut geht wird sie auf eine andere station transferiert. 4 stunden nach ihrer geburt übernehme ich sophie von der intensivstation. wenig später kommt der papa. er ist sichtlich mitgenommen von der ganzen situation, blickt seine tochter immer wieder ungläubig an und hat tränen in den augen. ich frage nach der mama. es geht ihr nicht so gut, sie hat viel blut verloren, hat noch „einen schlauch im hals“, der soll aber heute noch entfernt werden. hm. ich frage den papa, ob er mit sophie kuscheln will. ja er will. ich lege ihm seine neugeborene tochter auf die nackte haut. beide genießen es sichtlich. ich mache ein foto von vater und tochter. nach einer stunde möchte der vater wieder zu seiner frau schauen. wir legen spohie gemeinsam wieder in ihren inkubator. ich gebe dem vater das foto mit.

sophie geht es wirklich gut, sie ist völlig stabil. aber unruhig. sie will kuscheln. aber was tun, wenn die mutter nicht zum kind kommen kann? ganz einfach, das kind muss zur mutter kommen. ich bespreche das mit den ärzten und bekomme ein ok. ich rufe auf der intensivstation der mutter an. sie ist bereits extubiert und stabil, also sind auch sie einverstanden. perfekt.

einer der ärzte schnappt sich den notfallrucksack und auf gehts. wir schieben sophie im inkubator durch die halbe klinik. als wir auf der intensivstation ankommen werden wir schon freudig erwartet. nicht nur von mama und papa. auch das personal will unbedingt einen blick unter die vielen tücher, in die sophie eingewickelt ist, werfen.

schon als ich sophie „auspacke“ beginnt die mutter zu weinen. sie weiß, dass sie gleich zum aller aller ersten mal ihre tochter sehen wird. ein wirklich bewegender moment. als ich ihr sophie auf die brust lege ist ihr glück perfekt. mama, papa, kind. so wie es sein soll. auch hier wird schnell ein foto gemacht. wir stellen die überwachung von mutter und kind sicher und ziehen uns zurück, trinken einen kaffee mit den kollegInnen, plaudern.

nach 2 stunden kuscheln wird es zeit für uns. wir müssen sophie leider wieder mitnehmen. wir geben den eltern zeit sich von sophie zu verabschieden. wieder fließen tränen.

den restlichen tag schläft sophie ruhig. der papa kommt nochmal kurz vorbei und bedankt sich. gern geschehen. wirklich sehr gern. 🙂