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wo ist das kind?

2. Januar 2012

2 uhr in der früh, das telefon klingelt und auf der station ist ein bett frei. ich denke, ihr wisst schon, was das bedeutet. richtig. aufnahme.

ich übernehme ein ca. 12 stunden altes, spätes frühchen mit knapp 2,5kg aus dem kinderzimmer der wochenbettstation. das kind hat trotz frühfütterung niedrige blutzucker und braucht eine glukoseinfusion (die mutter hatte schwangerschaftsdiabetes). also kein aufwendiger patient. nach 10 minuten ist alles soweit erledigt und ich setzte mich an den pc und klopfe die wichtigsten daten rein. gleichzeitig bespreche ich mit dem arzt, der mir das kind gebracht hat, den weiteren plan.

beiläufig frage ich ihn, ob die mutter eh bescheid weiß, dass ihr kind nun bei uns liegt. normalerweise ist es nämlich so, dass der kinderarzt (also unser arzt) mit dem kind noch kurz bei der mutter vorbei schaut, damit sie sich verabschieden kann. außerdem wird sie darüber informiert wo das kind jetzt hinkommt und so weiter.

der arzt (ein ganz lieber, wirklich, aber noch recht jung und unerfahren…) sagt mit schuldbewusstem unterton: „leider nein, die gyn-schwestern wollten nicht, dass ich die mutter aufwecke.“, sie hatte ja eine (nicht einfache) sectio, hat schmerzmittel bekommen und schläft jetzt so gut.

so. ich als frau versetzte mich schlagartig in die position der mutter. ich wache also am tag nach der geburt meines kindes auf (oder noch in der nacht), bitte die schwestern mir mein kind zu bringen, weil ich noch nicht aufstehen kann und dann heißt es: „oh, achja, ihr kind haben wir in der nacht auf die kinderstation verlegt. ich glaub, station 3 haben die gesagt.“.

ich würde ausflippen. und zwar gründlich. sowas geht einfach nicht. unter keinen umständen. das tut ja sogar mir im herzen weh!

also bin ich rüber auf die wochenbettstation, bewaffnet mit einem foto des kindes, unserer visitenkarte und einem infoblatt. mein plan war das alles den schwestern zu übergeben und sie sehr freundlich zu bitten, der mutter alles zu geben, wenn sie das nächste mal aufwacht.

doch es kam anders.

schon als ich die station betrete, höre ich eine mutter laut und aufgebracht sprechen, gelegentlich schluchzen, und zwei schwestern (eine vom kinderzimmer, eine von der gyn), die im flüsterton auf sie einreden. mir ist gleich klar, dass DAS sicher „meine“ mutter ist. der name auf dem schild neben der zimmertüre bestätigt meinen verdacht.

die mutter ist verzweifelt, weil genau das vorhin beschriebene szenario eingetreten ist. sie wurde wach, wollte ihr kind sehen, es war nicht da und die gyn-schwester wusste nicht wo es war. deshalb holte sie sich die kinderzimmer-schwester dazu, dir ihr zwar sagen konnte wo das kind jetzt ist, aber nicht wann und wie sie zu ihrem kind kann. der blanke horror für jede mutter.

also hab ich mich ganz ungeniert eingemischt, der mutter alle wichtigen infos gegeben, kurz mit ihr geplaudert, der gyn-schwester einen bösen blick und die worte „das wäre nicht notwendig gewesen“ zugeworfen und bin wieder gegangen.

hihi.

ps: ich hoffe ihr hattet alle schön weihnachten und seid gut ins neue jahr gerutscht! 🙂

ankommen

12. März 2011

die geburt ist für ein kind eine ganz schön anstrengende sache. besonders für frühchen.

die kleinen sind nach der erstversorgung unmittelbar nach der geburt erstmal ganz schön ko und brauchen sehr viel ruhe. je nach woche und allgemeinzustand werden sie erst nach mehreren stunden (wieder) halbwegs wach. dann werden sie unruhig, lassen sich mitunter nur schwer beruhigen. manche werden auch erst dann wieder ruhig, wenn ihnen die kraft ausgeht.

im letzten nachtdienst habe ich ein solches kind betreut. frühgeburt in der 30. woche, leichte respiratorische anpassungsstörung, etwa 17 stunden alt. die kleine dame war, als ich sie vom tagdienst übernommen habe, noch müde und schlapp. sie ist beim wickeln kaum wach geworden, wollte nicht am teestäbchen saugen, man konnte sie hin und herdrehen und lagern, war ihr alles egal. nicht mal die blutabnahme, für die ich sie am abend stechen musste, hat sie gestört.

erst kurz nach mitternacht ist sie aufgewacht. und hat gleich mal vollgas gegeben (= lautstark geweint).  im idealfall führt man die pflege bei so „frischen“ und unruhigen kindern zu zweit durch. einer hält das kind, gibt ihm begrenzung und sicherheit, während der andere pflegt. leider war das zu dem zeitpunkt nicht möglich. schade, denn sie hätte das gebraucht.

naja, jedenfalls, ich hab sie gewickelt, ihr essen und den schnuller angeboten und sie umgelagert. aber sie war danach noch immer unruhig. erst nach einer ausgiebigen hand- und fußmassage hat sie sich beruhigt und ist eingeschlafen.

als ich noch in der ausbildung war, habe ich mal ne schwester gefragt warum viele kinder stunden nach ihrer geburt so unruhig werden. diese frau war sehr erfahren und etwas esoterisch veranlagt (was ich ja ehrlich gesagt nicht so bin). trotzdem fand ich ihre worte schön, und irgendwie wahr.

sie sagte, die kleinen sind einfach noch nicht wirklich hier und müssen erst ankommen. sie werden plötzlich und viel zu früh aus ihrer gewohnten umgebung gerissen. in der „neuen welt“ ist alles anders. keine schützende gebärmutter. viele neue, ungewohnte und vor allem viel lautere geräusche. helles, blendendes licht. berührungen. atmen. es ist alles neu. das muss verarbeitet werden. und das braucht eben seine zeit.

sie meinte, es ist unsere aufgabe, die kinder willkommen zu heißen und ihnen zu zeigen, dass nicht alles in dieser neuen welt schlecht und unangenehm ist.  🙂

eine ganz normale nacht, teil 3

4. November 2010

teil 2

0:00 uhr: lara beginnt mit vermehrten sättigungsabfällen und apnoen. sie atmet angestrengt. ich lege sie auf den bauch und erhöhe den sauerstoff im inku zunächst auf 25%. dann auf 30%.

1:00 uhr: lukas ist wieder vom monitor abgehängt. seine mama versorgt ihn also gerade. wunderbar. lara geht es noch nicht besser. das atemmuster hat sich weiter verschlechtert. außerdem ist sie unruhig. es hilft nichts, sie muss wieder an die brille. ich hole alle nötigen utensilien und klebe lara die brille an den wangen fest, damit sie nicht verrutscht. ich gebe ihr über die brille zunächst 23% sauerstoff. weil ich sie schon stören muss, wickel ich sie auch gleich.

1:45 uhr: lara hat sich stabilisiert. zusätzlichen sauerstoff braucht sie keinen mehr, sie bekommt jetzt also nur mehr ein kleines bisschen luft in die nase geblasen. das reicht ihr. sie atmet ruhig und regelmäßig. ich gehe weiter zu meinem namenlosen mäuschen und wickel sie. sie ist jetzt deutlich ödematöser als vorher und hat nur sehr wenig harn ausgeschieden. hm. da der arzt gerade an der station ist, lasse ich ihn das mäuschen ansehen. er entscheidet, dass sie einmalig lasix bekommen soll. das ist ein entwässerndes medikament. ich ziehe es auf und spritze es aus der hand. bei der mundpflege öffnet das mäuschen kurz die augen und saugt sehr schwach am teestäbchen. ich lager sie noch um und sondiere ihr das essen. dann sondiere ich auch lara ihr essen. einen trinkversuch mache ich diesmal nicht, sie soll sich aufs atmen konzentrieren, ich will sie ja nicht überfordern. am teestäbchen ist sie nicht interessiert. danach wird alles dokumentiert.

2:30 uhr: tobias ist wieder wach. ich gehe ihn wickeln. die op-wunde ist trocken, sieht alles super aus. auch der zugang geht einwandfrei. mir fällt ein, dass ich die blute, die wir abgenommen haben, noch gar nicht gesehen hab. also geh ich nachsehn. die entzündungswerte sind leicht erhöht – nicht ungewöhnlich nach einer op. sonst passt alles. ich nehme tobias wieder mit in die küche.

jetzt kommt die härteste zeit im nachtdienst. die zwischen 2 und 5 uhr. um 5 uhr gibts wieder essen für alle kinder. aber bis dahin ist nichts zu tun. im tv laufen die wiederholungen des abendprogrammes oder irgendwelche softpornos. beides nicht sonderlich interessant. also werfen wir eine dvd ein und machen es uns gemütlich. die ruhe wird nur durch gelegentliche monitoralarme unterbrochen.

4:00 uhr: tobias ist endlich wieder eingeschlafen. ich lege ihn wieder ins bett. am rückweg in die küche stelle ich noch die fläschchen für 5 uhr ein.

5:00 uhr: ich sondiere lara und das mäuschen, sehe mir nochmal ihre zugänge an und dokumentiere. lukas ist wieder vom monitor abgehängt. ich beschließe in 20 minuten mal bei ihm reinzuschaun um die mama zu fragen wie die nacht so war, damit ich alles dokumentieren kann. da ich sonst nichts mehr zu tun habe frage ich mal bei den kolleginnen nach, ob die was brauchen. tun sie aber nicht. dann geh ich mal aufs klo (keine sorge, ist nicht das erste mal in diesem dienst 😉 )

5:20 uhr: ich gehe in unser mutter-kind-zimmer und sehe nach lukas und seiner mama. wir reden kurz darüber, wie es ihr in der ersten nacht alleine mit lukas gegangen ist. sie hat es sich nicht so anstrengend vorgestellt, aber es hat alles gut geklappt. die medikamente hat sie nach der liste, die sie noch vom tagdienst bekommen hat, gegeben. stuhl hatte lukas auch zweimal. sie hat alles notiert. wunderbar. ich nehme den zettel mit und klopfe alles in den pc.

5:50 uhr: zeit, die dekurse zu schreiben. bevor ich das mache, sehe ich mir das, was ich in der nacht so dokumentiert habe, nochmal durch. um sicher zu sein, dass ich auch alles dokumentiert habe. dann fasse ich die nacht jedes kindes in einigen sätzen zusammen.

6:10 uhr: so, die arbeit für heute ist getan. zeit für frühstück! meine beiden kolleginnen und ich hauen erstmal ordentlich rein.

6: 35 uhr: die ersten tagdienstkolleginnen kommen. wir plaudern.

7:00 uhr: die dienstübergabe beginnt. zuerst gibts eine kuze übergabe in der küche. nur ein paar worte zu jedem kind. dann teilen sich die tagdienstkolleginnen die kinder auf. danach erfolgt die detailierte übergabe am bett.

7:25 uhr: alle kinder sind übergeben, wir gehen uns umziehen und zischen ab nach hause!

eine ganz normale nacht, teil 2

3. November 2010

teil 1

18:50 uhr: die letzten nachtdienstkolleginnen trudeln ein, wir sitzen gemütlich beisammen, plaudern etwas, fragen die tagdienstkolleginnen wie der dienst so war, was so passiert ist, wie es dem ehemann und den kindern zu hause geht.

19:00 uhr: dienstbeginn. wir, 3 schwestern, teilen die kinder untereinander auf. nach möglichkeit nimmt man sich die kinder, die man kennt und in letzter zeit öfter betreut hat. vorrecht aufs aussuchen der kinder hat die kollegin, die den letzten dienst hatte. dann beginnt die übergabe. dazu gehen wir zum bett, also zu den patienten, dort sind unsere dokumentations-pcs angebracht (wir dokumentieren hauptsächlich am computer, dafür haben wir ein spezielles programm).

19:20 uhr: die übergabe ist vorbei, der tagdienst geht sich umziehen und tritt die heimreise an. ich überprüfe die absaugungen und die ambubeutel, die jedes kind beim bett hat, auf funktionstüchtigkeit und sehe mir die zugänge der kinder an, alles gut. danach gehe ich zu lukas‘ mama und frage ob sie was braucht, sage ihr, dass sie bei fragen oder problemen jederzeit kommen kann. eine kollegin stellt in der zwischenzeit die fläschchen für die 20 uhr runde ein.

19:40 uhr: ich gehe das coffein für lara aufziehen. anhängen werde ich es ihr erst bei der pflege.

19:45 uhr: ich beginne mit der ersten pflegerunde des abends. und zwar bei meinem noch namenlosen mäuschen. ich erhöhe dafür die temperatur ihres inkus, damit sie nicht auskühlt. dann verpasse ich ihr eine neue pampers, die alte wiege ich ab um das mäuschen bilanzieren zu können. viel harn hat sie nicht ausgeschieden. mir kommt außerdem vor, als wären auch ihre handrücken etwas ödematös. könnte aber auch einbildung sein. das werde ich weiter beobachten. da das mäuschen beatmet ist und somit nicht trinken kann, biete ich ihr ein in tee getränktes wattestäbchen an, zum saugen und zur mundpflege. aber sie saugt nicht. ich wische ihr damit den mund noch aus und creme die lippen mit einer fettcreme ein, damit sie nicht austrocknen. am beatmungsgerät sehe ich, dass das mäuschen beim wickeln und pflegen schon ziemlich fleißig mitatmet. jetzt, nachdem ich sie umgelagert habe und sie wieder ruhe hat, tut sie allerdings nichts mehr. die augen hat sie während der pflege nicht geöffnet. zeit fürs essen. bevor ich ihr die paar milliliter über die magensonde sondiere, sehe ich noch nach, ob sie magenreste hat. hat sie aber nicht, wunderbar.

20:00 uhr: eigentlich wollte ich noch schnell die plegerunde beim mäuschen dokumentieren, aber lara randaliert schon in ihrem inku. also gebe ich nur schnell das gewicht der abgewogene windel ein, damit ichs nicht vergesse. ab zu lara. auch bei ihr erhöhe ich die inkutemperatur für die dauer der pflege. lara ist hellwach, sieht mich mit ihren großen augen erwartungsvoll an und schmatzt – sie ist also hungrig. also gebe ich ihr gleich ihr essen und starte einen trinkversuch. natürlich erst, nachdem ich auch bei ihr magenreste kontrolliert habe. da sie nur 6ml bekommt und es keinen sinn macht, sie in ein fläschchen zu füllen, ziehe ich erstmal 2ml in einer spritze auf und hole mit einen sauger (also das ding, das man aufs fläschchen schraubt). ich spritze die 2ml hinein und biete ihn lara zum trinken an. sie saugt ein paar mal ganz gut, dann ist es aber vorbei. sie schleckt noch etwas herum, schläft dann aber wieder ein. immerhin war sie beim trinken stabil. ich wechsel noch die windel, wiege sie ab, lege lara in die bauchlage, packe sie gut ein, hänge ihr das coffein an und sondiere ihr die restliche mahlzeit. zum dokumentieren der pflege vom mäuschen und von lara setzte ich mich an den pc neben ihren bett. denn ich erwarte, dass sie bald mit sättigungsschwankungen beginnen wird. das tut sie auch, aber sauerstoff braucht sie von mir nicht.

20:15 uhr: ich bin gerade mit allem fertig, da kommen mäuschens eltern an die station. der vater schiebt die mutter im rollstuhl, sie hat noch starke schmerzen beim gehen, wegen des kaiserschnitts. eigentlich wollten sie ja auch erst morgen kommen, aber die mutter wollte ihre kleine unbedingt heute noch sehen. meine kollegin bringt die aufgeregten eltern zu mir. und ich bringe sie zu ihrer tochter. wir sprechen kurz darüber wie es der kleinen geht, wieso sie intubiert werden musste, usw. dann frage ich, ob sie sich schon für einen namen entschieden haben – haben sie nicht. und wie es dem bruder geht – nicht sehr gut, er braucht viel sauerstoff zur beatmung und ist instabil. da die eltern noch länger bleiben wollen, biete ich an, die kleine zum kuscheln rauszugeben. die mutter ist sich unsicher, aber der vater und ich reden ihr gut zu, und sie stimmt zu. also helfen wir der mutter vom rollstuhl in unseren liegestuhl und ich hole mir eine kollegin, die mir beim rauslegen hilft. ich nehme das kind, die kollegin achtet auf den tubus und die verkabelung. die mutter ist zu tränen gerührt. es ist das erste mal, dass sie eines ihrer kinder am arm hat. der vater packt die kamera aus und macht haufenweise fotos. haaaach, ich mag meinen beruf. 🙂

20:30 uhr: isch habe feddisch. vorerst. tobias schläft, lara und das mäuschen sind versorgt, lukas wird offensichtlich gerade versorgt, denn am zentralmonitor sehe ich, dass ihn seine mama gerade vom monitor abgehängt hat. meine kolleginnen und ich setzen uns in die küche, unseren aufenthaltsraum wenn man so will. und wir haben hunger. da keiner so richtig motiviert ist etwas zu kochen, bestellen wir beim italiener unseres vertrauens. ein perfusor alarmiert, es ist der von lara, ihr coffein ist fertig. ich schalte das gerät ab, abhängen werde ich sie dann, wenn ich das antibiotikum anhänge.

21:00 uhr: meine beiden kolleginnen versorgen ihre 4stündlichen kinder (also die, die alle 4 stunden essen). ich habe heute kein solches kind. also eigentlich schon, aber lukas wird ja von seiner mama versorgt. ich sehe mal kurz nach tobias. der schläft noch immer. eigentlich müsste ich ihn dann mal wickeln, aber dafür werde ich ihn sicher nicht aufwecken. laras eltern geht es auch gut. also nix zu tun für mich. ich drehe mal den fernseher auf. da kommt auch schon das essen – und das duuuuftet! ich decke den tisch und warte darauf, dass meine kollginnen zum essen kommen. das tun sie dann auch kurz darauf, jede von ihnen mit kind und fläschchen bewaffnet. stabile kinder müssen nicht am monitor gefüttert werden, und die nehmen wir gerne mal zu uns in die küche mit. und so beginnt das große essen vor dem tv – fast wie zu hause… hihi. den zentralmonitor, auf dem wir alle kinder sehen, haben wir natürlich immer im blick. ab und zu gibt es mal einen alarm, aber allen geht es gut.

21:50 uhr: alle sind satt und zufrieden. bis auf tobias, der sich jetzt lautstark meldet. also geh ich ihn mal wickeln. der verband seiner wunde am bauch ist tocken, der bauch zwar etwas angeschwollen, aber weich. er ist sehr hungrig, saugt wie wild an seinem schnuller. aber essen darf er ja leider noch nicht. ein teestäbchen mag er nicht. schmerzen scheint er auch nicht zu haben. schlafen will er aber auch nicht mehr. da ich nicht die ganze zeit bei seinem bett stehen kann und will, um ihn zu bespaßen, packe ich ihn in den kinderwagen, nehme die perfusoren, in die seine infusionen eingespannt sind mit und gehe mit ihm wieder in die küche. dort wird dann ausgiebigst (aber vorsichtig) gekuschelt und gespielt, mit allen kolleginnen. denn wir alle kennen tobias ja schon lange und haben ihn ins herz geschlossen.

22:10 uhr: die eltern vom mäuschen wollen jetzt gehen, die mutter ist schon sehr müde. ich hole mir wieder eine kollegin zur hilfe und wir legen sie wieder in den inku. die eltern verabschieden sich und gehen. ich stelle die fläschchen für 23 uhr in den wärmer ein und wir setzen uns wieder vor die flimmerkiste. immer wieder gibt es monitoralarme, manchmal gehts von selbst wieder, manchmal muss man den kindern helfen.

22:45 uhr: tobias ist im kinderwagen eingeschlafen. wenn ich ihn jetzt ins bett lege ist er sicher wieder wach, deshalb lasse ich ihn um kiwa schlafen, schiebe ihn nach hinten zu seinem bett und schließe ihn wieder an den monitor an. danach gehe ich meine antibiotika aufziehen.

23:00 uhr: für die 3stündlichen kinder ist es wieder zeit fürs essen. in meinem fall für lara und das mäuschen. da die beiden schlafen sondiere ich ihnen ihr essen über die magensonde, hänge die antibiotika an und lasse sie sonst in ruhe. bei lara muss ich die inkutemperatur erhöhen, sie ist etwas kühl. noch schnell dokumentieren, dann wars das auch schon wieder.

23:30 uhr: die antibiotika sind fertig. sie bleiben angehängt bis zur nächsten pflegerunde, um die kinder nicht unnötig zu stören. ich gehe das schmerzmedikament für tobias aufziehen und will sie ihm gleich anhängen. doch der zugang ist para, die infusion läuft also nicht mehr in die vene sondern ins gewebe. shit. ich stoppe die infusion und entferne den zugang. tobias ist sehr schwer zu stechen, deshalb versuche ich es erst gar nicht selbst. ich rufe den diensthabenden arzt an, damit er einen neuen zugang legt. ich bereite dafür schonmal alles vor. und wenn wir ihn schon stechen müssen, dann nehmen wir ihm auch gleich etwas blut ab.

23:40 uhr: der arzt ist da, ich lege tobias in sein bett. dabei wacht er natürlich auf und wird unruhig. wir beginnen mit dem stechen. 5 mal wird tobias gestochen, bevor der zugang sitzt und die blute abgenommen sind. er brüllt wie am spieß. bevor ich ihn wieder an die infusion hänge spritze ich ihm sein schmerzmedikament aus der hand und tragen ihn etwas herum. er beruhigt sich nur langsam, aber schließlich schläft er wieder ein.

teil 3

eine ganz normale nacht, teil 1

2. November 2010

heute will ich euch mal erzählen, was wir auf einer neonatologischen IMC die ganze zeit eigentlich so tun, wenn nicht grad der hut brennt und alle wie wild durch die station laufen und kinder reanimieren. 😉 also den ganz normalen wahnsinn alltag. angeregt dazu wurde ich von cara, einer treuen leserin – danke dafür! eigentlich war das auch der ursprüngliche gedanke dieses blogs, aber mit der zeit verliert man sein ziel manchmal aus den augen.

ich werde euch also von jetzt an immer wieder ganz normale dienste schildern. fangen wir mal mit meinem letzten nachtdienst an. die kinder, die ich betreut habe, waren:

lara, 29. schwangerschaftswoche, 5 tage alt, vereinzelte apnoen mit bradykardien, liegt im inkubator. war bis heute an der sauerstoffbrille, seit 8 uhr atmet sie ohne zusätzliche unterstützung, hat sie gut toleriert. nach dem trinken/sondieren (über die nasale magensonde) schwankt sie meistens vermehrt mit der sättigung, braucht dann teilweise bis zu 27% O2 im inku. die temperatur ist noch sehr instabil. lara hatte heute spontan stuhl, der bauch ist leicht gebläht. harn scheidet sie ausreichend aus. sie bekommt 8x6ml zu essen, hat eine haupt- und fettinfusion über ihren zentralen venenzugang (einen „schwemmi“) laufen. lara bekommt außerdem noch antibiotika und coffein i.v. laras mama ist noch stationär aufgenommen, wird morgen aber entlassen. sie ist noch sehr unsicher im umgang mit lara und braucht viel hilfe.

tobias, ein alter bekannter. ehemalige 24. woche, im juli geboren, hatte so ziemlich jede komplikation, die ein frühchen haben kann. tobias hatte ein stoma (= künstlicher darmausgang), wurde aber heute rückoperiert. laut kinderchirurgen ist alles gut gelaufen, die wunde ist schön. morgen kommt der kinderchirurg für den ersten verbandswechsel. essen darf tobias noch nichts, was ihn sehr stört. er ist sehr unruhig und hat immer wieder schmerzen. dafür hat er eine schmerzmedikation vorgeschrieben, die ihm gut hilft. sonst geht es ihm gut, er atmet selbstständig und ist völlig stabil. als nahrungsersatz hat er eine haupt- und fettinfusion über einen peripheren venenzugang laufen. die mama war den ganzen tag da und ist sehr glücklich, dass es ihm nach der op so gut geht. wenn der nahrungsaufbau nach der op gut klappt und die wunde schön ist, soll er nächste woche entlassen werden.

mädchen (noch namenlos), 1. zwilling, 31. schwangerschaftswoche, 1 tag alt. ihr bruder liegt noch auf der intensivstation und ist beatmet. das mädchen kam heute vormittag von der intensiv zu uns, war ursprünglich am infant flow bei 30% O2. wegen verschlechterung des zustandes wurde sie um 16 uhr intubiert und wird seit dem beatmet. ein rücktransfer war wegen überfüllter intensiv nicht möglich, sie wird bei uns bleiben und morgen soll auch ihr bruder kommen (so viel zu: wir sind eine IMC). na jedenfalls, die kleine liegt im inkubator, braucht zur beatmung keinen zusätzlichen sauerstoff, atmet bei der pflege brav mit, zwischendurch aber eher selten. vereinzelt hat sie bradykardien, erholt sich davon aber von selbst. zu essen bekommt sie 8x3ml per magensonde, den rest bekommt sie als haupt- und fettinfusion über ihren schwemmi, genauso wie antibiotika. sie hatte bereits stuhl, scheidet aber eher wenig harn aus, hat leichte ödeme an den augenlidern. die mama der kleinen konnte ihre kinder noch nicht besuchen, will aber in der früh kommen. der papa war schon da, er weiß, dass seine tochter intubiert wurde.

lukas, ehemalige 32. woche, 4 wochen alt. er liegt mit seiner mama in einem unserer beiden mutter-kind-zimmer und soll morgen nach hause gehen. die mama versorgt ihn selbstständig, hat alle medikamente im zimmer und kennt sich gut aus.

vom ablauf des nachtdienstes erzähl ich euch dann morgen. jetzt werd ich erstmal versuchen etwas zu schlafen… ist ja immerhin schon fast 3uhr. blöder schichtdienst 😉

hier gehts weiter zu teil 2

bin wieder daaaa :)

21. September 2010

die arbeitswelt hat mich wieder! juhu 😉

der urlaub war wunderbar entspannend, keine gröberen zwischenfälle. obwohl beim hinflug zu meiner zieldestination doch tatsächlich die berühmte durchsage kam: „wir bitten medizinisch ausgebildete gäste sich bei einer unserer flugbegleiterinnen zu melden.“

nachdem ich rasch beschlossen hatte, dass ich nicht medizinisch, sondern pflegerisch ausgebildet bin, wars mir auch egal. hihi.

nicht dass ihr jetzt glaubt, ich helfe nicht gerne. daran liegt es nicht. es ist doch allgemein bekannt, dass alle krankenpflegerInnen am helfersyndrom leiden.

aber der patient, eine frau mittleren alters, die anscheinend am hyperventilieren war, saß in meinem blickfeld und ich hatte sie schon einige zeit beobachtet. und nachdem breits 5 menschen (nach der durchsage mindestens doppelt so viele) um sie herum standen und wie wild auf sie einredeten, hab ich beschlossen, dass ich ihr wohl eher damit helfe sie in ruhe zu lassen.

naja, sie hat  sich dann eh auch bald wieder beruhigt. war alles halb so wild.

heute gehts gleich wieder in den ersten nachtdienst. deshalb werd ich mich jetzt noch eine stunde in die federn werfen.

also – gute nacht!

eine ereignislose nacht…

2. Juni 2010

… liegt hinter mir. ein bisschen arbeit hier, ein bisschen arbeit da. aber im großen und ganzen war es ruhig.

habe sogar ein paar gute taten vollbracht. also im prinzip nur eine, aber wenn man sie aufschlüsselt waren es ein paar. ich habe „unsere“ schülerin angeleitet.

sie durfte heute mehr oder weniger selbstständig: ein kind versorgen (eher selbstständig), magensonde legen (unter meinen wachsamen blicken), aus mund und nase absaugen (mit anleitung), ein darmrohr (schreckliches wort!) geben (sehr selbstständig) und eine venöse blutabnahme machen (sehr unselbstständig weil mit handführung).

keine schlechte ausbeute für eine nacht, oder? sie war jedenfalls sehr zufrieden mit sich selbst und ich auch mit ihr.

soooo, jetzt gehts aber mal ab ins bett. gute nacht!