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eine pflegerunde mit daniel

20. April 2012

dienstübergabe. die kollegin vom nachtdienst übergibt mir daniel. schwangerschaftswoche 28+4, 4 tage alt, 874g geburtsgewicht, aktuell 810g. sectio wegen vorzeitigem blasensprung und infektion der mutter. komplett lungengereift. apgar 7/8/9. kindliche infektwerte nach der geburt positv, deshalb antibiotikatherapie. am infantflow mit 5-6 PEEP, sauerstoffbedarf um die 28%, in bauchlage bis auf 23% zu reduzieren. einige apnoen mit tiefen abfällen, immer zu stimulieren, hat um 3 uhr einmalig ein zusätzliches coffein erhalten, seit dem deutlich besser. essen geht solala, er bekommt 8x4ml, die verträgt er mäßig, immer angedaute magenreste. wegen der respiratorischen situation wurde das essen einmal pausiert und i.v. ersetzt. der schwemmi (= zentraler venenzugang) geht gut und ist o.b. temperatur instabil, kühlt noch rasch aus, berührungsempfindlich. seit gestern IVH I bekannt.

etwas später. daniel ist munter und brüllt sich in seinem inku die seele aus dem leib, sein IF unterstützt ihn mit heftigen gepiepe. wenig später setzt natürlich auch sein monitor ein. ich mache noch die letzten handgriffe bei meinem anderen patienten und wende mich dann gleich daniel zu.

erstmal gibts für den jungen mann ein leckeres teestäbchen und eine begrüßung in form einer großflächigen berührung. damit beruhigt sich daniel auch gleich wieder. und auch seine diversen gerätschaften. während daniel zufrieden das teestäbchen in seinem mund hin und her schiebt, drehe ich die inkubatortemperatur mal um ein grad höher, da ich ja weiß, dass daniel schnell auskühlt.

dann wirds aber ernst. wir haben einiges vor. erstmal blutdruck messen. dann temperatur axillär. dann pampers wechseln inklusive bauchmassage, denn der bauch ist doch ganz schön gebläht (aber weich). dann müssen wir auch noch unter den IF sehen. und natürlich gibts auch da wieder eine schöne kopf- und gesichtsmassage. leider ist daniel davon nicht so begeistert, also halten wir diesen punkt kurz. dann werfen wir noch einen kurzen blick auf daniels nabelschnurrest. alles schön, da brauch ich nix zu tun.

jetzt kommt der anstrengenste teil. das wiegen. zum glück hat der inkubator eine eingebaute waage, so müssen wir wenigstens nicht ins kalte. aber ich würde daniel schon gerne ohne IF wiegen, wenn es geht. dafür muss er aber etwa 20 oder 30 sekunden ohne IF auskommen. ob das geht weiß ich nicht so sicher, aber wir probieren es. um daniel etwas zu helfen erhöhe ich den sauerstoff im inkubator mal auf 35%. dann geht los. IF weg. knopf drücken. kurz warten. sättigung 85%. daniel hochheben. kurz warten. angestrengte atmung, sättigung 81%. daniel wieder ablegen und gewicht ablesen. 810g. bei 78% sättigung und angestrengter atmung bekommt daniel endlich wieder seinen IF. ich bin zufrieden, das wiegen hat bestens funktioniert. daniel hat das sehr gut gemacht.

ich entferne den sättigungssensor vom linken fuß und befestige ihn nun am rechten. damit keine druckstelle entsteht. die ekg-elektroden halten noch gut, ich muss sie nicht wechseln. die temperatursonde stecke ich seitlich in daniels pampers. auf die linke seite, weil ich daniel nachher in linker seitenlage lagern möchte. dann kommt noch die nasenpflege dran. da muss ich aber nicht viel machen, daniels nase ist wunderbar intakt, keine rötungen, keine abdrücke, nix.

nachdem alles wieder vollständig auf daniel montiert ist und ich den inkubator wieder auf seine ausgangseinstellungen reduziert habe, wird daniel noch fest in ein weiches tuch eingewickelt und dann gelagert. ich aspiriere den halben milliliter angedaute milch von der letzten mahlzeit aus seinem bauch, gebe ihn wieder zurück und sondiere ihm seine 4ml milch im freien fall dazu. daniel hat die augen noch offen und beobachtet mich dabei neugierig, während er zufrieden auf seinem neuen milchstäbchen herumkaut.

daniel kommt mir etwas gelb vor. also seine hautfarbe. deshalb messe ich den gelbsuchtwert. subkutan, ganz ohne piekser. der wert ist grenzwertig hoch. das muss ich dann nachher einem arzt sagen. wahrscheinlich muss daniel unter die phototherapie.

da daniel noch wach und zufrieden ist, bedecke ich seinen inkubator noch nicht vollständig mit der decke (zur reizabschirmung), sondern lasse ihm noch die möglichkeit etwas herumzusehen.

kurzer blick in den PC. daniel bekommt noch ein antibiotikum i.v. also geh ich das mal aufziehen und hänge es gleich danach an. unter sterilen bedingungen versteht sich. also perfusorspritze einspannen, sterilen tupfer in den inku, line in den inku (mit dem ende auf dem sterilen tupfer, versteht sich), inku-türen auf, sterile handschuhe an, line an den schwemmi anschließen. perfusor starten. fertig.

nun verräume ich die gebrauchten utensilien wieder, wiege die angepullerte pampers und wische alle flächen einmal mit dem flächendesinfektionsmittel. danach werfe ich wieder einen blick auf daniel. er ist eingeschlafen. langsam und vorsichtig ziehe ich ihm sein milchstäbchen aus dem mund und bedecke seinen inktubator nun komplett mit der decke. schlaf gut!

dann gehts ans dokumentieren. haut intakt. hautfarbe ikterisch. schleimhaut rosig. alle extremitäten warm. beatmungseinstellungen unverändert. atemmuster periodisch, während der pflege leichte einziehungen intercostal und sternal. die pampers hatte 31g. die pampers selbst wiegt 13g, also waren 18ml harn drin. wunderbar. abdomen mittel gebläht, weich, keinen stuhl gehabt, bauchmassage durchgeführt. 0,5ml angedaute magenreste, zurück gegeben. magensonde nach dem sondieren offen belassen (damit die luft, die durch den IF in den magen geblasen wird, entweichen kann). bewegungsmuster altersensprechend. berührungsempfindlich? ein bisschen, ja.

die waage zeigte mir 810g. davon muss ich jetzt noch die 13g (frische) pampers abziehen, die daniel beim wiegen anhatte. also neues gewicht: 797g. im vergleich zu gestern sind das 13g weniger. alles im rahmen.

inkubatoreinstellungen unverändert. notiz: temp. während der pflege um 1°C erhöht. dennoch etwas ausgekühlt. lagerung: seitelage links. mundpflege: tee und milch. nasenpflege: NaCl 0,9%. haut intakt.

hauptinfusion läuft, fett läuft. die laufraten stimmen auch. antibiotika i.v. verabreicht.

feddisch!

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mal etwas zum ansehen

14. November 2011

da die rufe nach bildmaterial immer lauter werden, hab ich mich mal im netz auf die suche nach reprotagen zum thema neonatologie gemacht. einfach wars nicht, denn oft gibt es da szenen, die ich euch nicht guten gewissens zeigen kann (also solche mit fürchterlichem handling mit den kleinen, oder fachlich falsch, oder sehr veraltet und so…).

aber schließlich hab ich doch noch was gefunden. eine reportage aus dem jahr 2010. da gibts zwar auch die ein oder andere sache, die ich nur ungern so unkommentiert im raum stehen lasse, aber naja. es kommt (meiner) realität auf jeden fall sehr nahe.

also, hier ist sie. eine reportage über die neonatologische intensivstation des AK altona in hamburg. ist zwar recht lange, aber es lohnt sich. trotz etwas langatmigeren mittelteils nicht vorzeitig aufgeben! gegen ende sieht man eine erstversorgung inkl. reanimation eines babys der 24. schwangerschaftswoche (mit sehr angespannten oberarzt).

 

 (ich weiß ja nicht obs an mir liegt, aber das ruckelt ganz schön. bitte über den youtube-link ansehen, da gehts einwandfrei!)

noch eine monitor-geschichte

31. August 2010

passend zum letzten posting erzähl ich euch heute, was einer freundin und kollegin, die auf einer kinderchirurgischen station arbeitet, mal passiert ist.

sie übernimmt einen 3 wochen alten säugling vom op nach einer 0815-operation. das kind schläft bei der übername noch tief und wird an den monitor angeschlossen. die mutter ist beim kind und wird angewiesen der schwester bescheid zu geben wenn das kind aufwacht. alles supi. werte schön.

etwa eine stunde später stürmt die mutter hysterisch aus dem zimmer und brüllt: hiiiiiilfeeeee, mein kind stirbt!

alle (= zufällig anwesender arzt und ein paar schwestern) rennen los, eingestellt auf das schlimmste, im kopf schon mal alle schritte und handgriffe planend, rein ins zimmer, und was finden sie dort vor? einen wie am spieß schreienden säugling, die ekg-elektroden in der hand und das sättigungskabel irgendwo im bett.

die mutter sagte später, sie habe am monitor keine zacken mehr gesehen und die wellenlinie war nur mehr eine gerade linie, wie im fernsehn. das weinen ihres kindes hatte sie als mir-geht-es-schlecht-weinen interpretiert. es wahr allerdings eher ein nimmt-mich-mal-wer-in-den-arm-verdammt-weinen.

ein riesen schock für die mutter. aber im nachhinein konnte sie auch schon drüber lachen 🙂

schlechtes vorbild!

25. August 2010

monitore sind ja eine super erfindung. bei uns hängen alle kinder an so einem kasten. damit überwachen wir herfrequenz, sauerstoffsättigung und atemfrequenz. manchmal noch ein bisschen mehr. selten ein bisschen weniger.

eltern gewöhnen sich wahnsinnig schnell an den bildschirm mit den lustigen bunten linien. in 99,9% der fälle sehen eltern als erstes auf den monitor ihres kindes, wenn sie an die station kommen. eh klar, das ding zeit ja an, wie es ihrem sonnenscheinchen gerade geht.

aber nicht nur eltern sind monitor-fixiert. nein, auch viele aus unseren reihen sind es. es ist schon sehr verlockend ein kind nach dem monitorbild zu beurteilen. ich gebe zu, auch ich kann mich davon nicht freisprechen. willst du wissen, wie es einem kind geht, guckst du mal auf den kasten. das kind ansehen? wozu das denn?? 😉

man muss sich manchmal selbst daran erinnern, was man in der ausbildung (und in vielen weiterbildungen) so lernt. nämlich sich auf das kind zu konzentrieren. dass man bei einem alarm einen blick auf den monitor werfen muss ist klar. sonst weiß man ja nicht was alarmiert. aber dann sollte man schon mal einen blick ins bett werfen. theoretisch.

gestern spielte sich folgendes ab:

die mutter eines patienten, der schon seit einer gefühlten ewigkeit bei uns liegt, füttert ihr kind. dabei ist das kind monitiert. das ist notwendig, da dieser kleine junge mann beim trinken so in seinem element ist, dass er ständig auf das atmen vergisst. er muss immer wieder daran erinnert werden. ich beobachte die mutter aus dem augenwinkel und sehe, dass sie sich beim füttern offensichtlich mehr auf den monitor, als auf ihr kind konzentriert. sie sieht so aus, als würde sie den nächsten alarm jede sekunde erwarten.

wie gesagt, dieses kind liegt schon recht lange bei uns. dementsprechend gut kann die mutter mit ihrem sohn auch umgehen. sie weiß genau was zu tun ist, wenn der monitor alarmiert (sie hat den reanimationskurs übrigens schon besucht *g*).

da sie ihren blick aber kaum vom monitor wendet, gehe ich also zu ihr und frage mal so beiläufig, wie der kleine denn heute so trinkt. außerdem erwähne ich, dass sie ihr kind beobachten sollte, und nicht die bunten linien.

unsere monitore haben eine funktion, die sich „privatbild“ nennt. dabei bleibt der monitor voll aktiv, der bildschirm ist dabei allerdings schwarz. von unserem zentralmonitor aus können wir das bild weiterhin sehen, aber der monitor beim bett zeigt nix an. ich liebe diese funktion. 😀

nachdem ich der mutter diese privatbild-sache erklärt habe, und sie sich nun beim füttern voll auf ihr kind konzentrieren konnte, gab es auch keine weiteren alarme mehr.

so. etwas später alarmiert der monitor des nachbarkindes. eine apnoe. ich gehe also hin, und was tu ich? eine hand an den monitor (alarm quittieren), die zweite hand in den inku gesteckt (zum stimulieren). wie immer. und wo sind meine augen? am monitor natürlich. wie imm… äh, sonst nie! und wer beobachtet mich? die mutter von nebenan natürlich.

gesagt hat sie nix, nur gegrinst. ich hatte instant ein schlechtes gewissen. „ich wollte ihnen nur zeigen, wie man es nicht machen soll!!“… oder so 😉

ich gelobe besserung! versprochen!