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das 5kg-kind im inkubator

18. Juni 2010

klingt verrückt? ist es auch! aber fangen wir von vorne an…

tommy ist eine ehemaliges frühchen (25. schwangerschaftswoche) und war lange bei uns auf der station in betreuung. er hatte so ziemlich jede komplikation, die es bei frühgeborenen so geben kann. vor nicht ganz einem monat konnte er (endlich) nach hause entlassen werden.

vorgestern nachmittag brachte ihn seine mutter in die ambulanz, da er nicht trinken wollte und starken husten hatte. seine sauerstoffsättigung war schlecht, und er hatte schwierigkeiten beim atmen. deshalb wurde tommy sofort stationär aufgenommen und zu uns auf die station gebracht. schnell war klar, dass er eine lungenentzündung hat.

bei der aufnahme wurde ein rachenabstrich abgenommen, um herauszufinden welcher keim dem kleinen tommy so zu schaffen macht. gestern kam dann der befund: influenza. wie warscheinlich eh schon jeder weiß, ist influenza sehr ansteckend. und leider für früh- und neugeborene nicht ungefählich. deshalb musste tommy sofort isoliert werden.

unsere station besteht im prinzip nur aus einem großen raum. wir haben keine zimmer oder „boxen“. wenn wir patienten isolieren, dann machen wir es so, dass wir einen paravent rund um das bett des kindes aufstellen. hinter diese abschirmung darf man nur mit entsprechender gewandung.

soweit, so gut. die kollegin gestern hat also den kleinen tommy lt. unseren richtlinien isoliert. aber aus irgendeinem grund, der uns allen echt unerklärlich ist, fühlte sich einer der assistenzärzte scheinbar dazu verpflichtet bei unserer krankenhaushygienefachfrau anzurufen und um eine empfehlung für die isolierung zu fragen. diese dame meinte, wir sollten das kind auf jeden fall in einen inkubator legen. eigentlich ja kein blöder gedanke. problem an der sache: tommy wiegt schon fast 5kg und ist dementsprechend schon recht groß! außerdem ist die niedrigste temperatur, die man bei unseren 0815-inkus einstellen kann 28°C. das ist ganz schön warm für so ein riesen kind wie tommy. aber die dame ließ sich nicht davon abbringen, also wanderte tommy in den inku.

heute hatte ich das vergnügen tommy zu betreuen. der arme kleine kerl. und ich arme kleine schwester. habt ihr schon mal probiert ein 5kg-kind in einem inku zu wickeln? und zu füttern und das alles? ist echt kein spaß. es ist einfach sehr wenig platz, wenn so ein riesen kind da drinnen liegt. außerdem war tommy viel zu warm, obwohl er außer seiner pampers schon nichts mehr angezogen hatte. achja, rausnehmen ist übrigens von der hygiene-frau verboten worden. tommy war gar nicht glücklich. jedesmal, wenn er eine hand in irgendeine richtung ausgestreckt hat, ist er an die inku-wand angeschlagen. nicht sehr gemütlich.

doch dann hatte ich eine geniale idee. es gibt bei uns im haus einen zwillingsinkubator. der ist erstens viel cooler (weil relativ neu) und zweitens deutlich größer. außerdem kann man den auf 25°C „kühlen“. nach etwas herumtelefoniererei konnte ich ihn ausfindig machen und veranlassen, dass er zu uns gebracht wird. juhuu 🙂

tommy war sichtlich dankbar dafür endlich mehr platz zu haben und nicht mehr so viel schwitzen zu müssen.