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und plötzlich ist das kind weg

1. Juli 2010

mitte letzter woche wurde ein mädchen in der 40. schwangerschaftswoche geboren. sie hatte nach der geburt eine leichte respiratorische anpassungsstörung, deshalb wurde sie vom kreißsaal direkt zu uns gebracht. einen tag nach ihrer geburt ging es ihr allerdings schon wieder gut.

ihr eigentliches problem war ihre mutter. diese ist psychisch krank, verweigert jedoch jegliche therapie. auf grund ihres auffälligen verhaltens wurde noch während der geburt vom kreißsaal eine gefährdungsmeldung ans jugendamt gemacht. nach einem psychiatrischen konsil erwirkte dieses, wenige stunden nach der geburt, ein ausfolgeverbot.

da sich über das wochenende herausstellte, dass die mutter ihr kind tatsächlich nicht selbst versorgen kann, wurde vom jugendamt nach einer vorübergehenden unterbringung gesucht. als erstes dachte man dabei an die großeltern des kleinen mädchens. diese lehnten es jedoch ab das sorgerecht für ihre enkelin zu übernehmen, aus schlechtem gewissen ihrer tochter gegenüber. dennoch betonten sie mehrfach, dass auch sie davon überzeugt sind, dass ihre tochter mit der kleinen überfordert wäre.

da die mutter keine angaben zum kindesvater machen konnte (oder wollte), wurde entschieden das kleine mädchen zunächst in einer krisenpflegefamilie unterzubringen. dort bleibt das kind, bis die mutter einer therapie zustimmt. tut sie das nicht, kommt das kind in eine langzeitpflegefamilie.

als man das der mutter am dienstag mitteilte, weigerte sie sich die station (jemals) wieder zu verlassen. einmal hat sie sogar mitten ins zimmer gepinkelt. auf die entsetzte frage meiner kollegin, warum sie das gemacht hat, antwortete sie, sie wolle ihr kind nicht alleine lassen.

nur mit viel überredungskunst konnte man sie davon überzeugen sich ab und zu auf der gynäkologie, wo sie ja noch aufgenommen war, blicken zu lassen. denn sie war darüber informiert, dass in den nächsten tagen das jugendamt kommen würde um ihr kind zu holen.

tja, und gestern war es eben so weit. mit der gynäkologie war vereinbart, dass sie die mutter zwischen 8 und 10 uhr irgendwie beschäftigen, sodass sie nicht bei uns an der station sein konnte. dennoch stand die mutter um 8 uhr bei uns. hm, was sagt man einer mutter, die nicht weiß, dass jeden moment das jugendamt kommt um ihr kind abzuholen?

ich hab also erstmal den arzt und unsere sozialarbeiterin informiert. dem arzt wars egal, die sozialarbeiterin wollte sofort beim jugendamt anrufen um den übergabe-termin zu verschieben.

doch es war schon zu spät. 15 minuten nach 8 haben die beiden netten damen vom jugendamt die station betreten. die krisenpflegeeltern wollten nicht selbst kommen, damit sie nicht auf die kindesmutter treffen… weise entscheidung. glücklicherweise konnte ich das aufeinandertreffen der damen mit der mutter auch vermeiden. aber trotzdem musste das kind irgendwie aus dem zimmer raus. oder die mutter.

also mal auf der gyn angerufen. zuerst hab ich ein bisschen geschimpft, dass sie nicht auf ihre patientin aufgepasst haben. dann mussten sie versuchen die mutter zu überreden, zurück auf die station zu kommen. aber keine chance. sie weigerte sich standhaft.

unsere psychologin wurde hinzugezogen. sie meinte, man sollte der mutter sagen, dass das kind jetzt abgeholt wird. sonst würde es, aus sicht der mutter, wie eine kindesentführung aussehen. gut (und übrigens ganz meine meinung, ich hasse diese heimlichtuerei). während wir alle noch zusammen besprochen haben, wie wir an diese situation herangehen werden, meldete sich die mutter und wollte nun doch rüber gehen, sie hatte noch nichts gefrühstückt.

wir informierten die gyn. 5 minuten später kam der rückruf, die mutter ist jetzt da. ich habe die kleine zusammengepackt und den damen übergeben.

eine stunde später stand die mutter wieder bei uns auf der station und wollte zu ihrem kind. doch die kleine war weg. ich erwartete einen starken gefühlsausbruch. doch sie blieb ganz ruhig, sagte nur „ach so, ok.“ und ging wieder.

einer therapie hat die mutter bisher übrigens noch immer nicht zugestimmt.