Posts Tagged ‘jugendamt’

was sein muss, muss sein.

5. Februar 2012

es geht wieder um elena.

auch die letzten zwei wochen haben leider gezeigt, dass elenas eltern in den nächsten jahren nicht in der lage sein werden, selbstständig für ihr kind zu sorgen.

da es in den nächsten 2-3 jahren keine chance auf eine unterbringung in einer betreuten eltern-kind einrichtung gibt und die großmutter aus finanziellen gründen ihren job nicht aufgeben kann (und ich glaube auch nicht will), brauchen wir also eine andere lösung.

die erste idee war, dass die familie und die großmutter in einen gemeinsamen haushalt zu vereinen. dazu wären auch alle seiten bereit gewesen. während die oma arbeiten geht, hätten wir ein komplexes netz aus diversen betreuern und hilfen gestrickt, sodass immer jemand bei der familie ist. wäre ne tolle idee, mit viel arbeit und organisation sogar realisierbar, aber leider finanziell nicht machbar. oder zumindest nicht lange.

das thema fremdunterbringung wurde erstmals angesprochen, auch mit den eltern. glücklich war darüber keiner. auch wir nicht so wirklich. aber elenas sicherheit geht vor.

tja. und nun ist das jugendamt offiziell auf der suche nach einer pflegefamilie. es besteht jetzt doch ein ausfolgeverbot. besuchen dürfen die eltern ihre tochter natürlich. sie übernehmen auch weiterhin die pflege an der station. sie werden sicher ein ausgedehntes besuchsrecht erhalten. aber trotzdem.

ich glaube, am meisten trifft diese entscheidung die großmutter. sie hat große schuldgefühle. die eltern selbst verstehen es nicht so wirklich, denke ich. für sie ist es, als würde ihre tochter wieder auf eine andere „station“ kommen, wo sie sie dann besuchen und pflegen dürfen.

traurig, dass es soweit kommen muss. ich hätte es nicht gedacht. ich war mir sicher, dass man eine andere lösung findet. hoffentlich findet man jetzt wenigstens eine nette pflegefamilie in der nähe.

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elena und ihre besonderen eltern

21. Januar 2012

elena wurde ende november in der 26. schwangerschaftswoche geboren. sie ist jetzt also etwa in der 34. woche. elena hatte lange schwierigkeiten mit der atmung, musste immer wieder für längere zeit beatmet werden. jetzt geht es der kleinen maus aber schon deutlich besser. sogar so gut, dass sie nun seit einer woche bei uns liegt.

das eigentlich schwierige am „fall elena“ sind aber ihre eltern.

elenas mutter hatte als kind eine enzephalitis und ist seither kognitiv beeintächtigt. „geistig behindert“, wie man sagt. sie ist nicht besachwaltet, ist also vor dem gesetzt mündig. dennoch merkt man ihr stark an, dass sie nicht „normal“ ist. auch in der motorik hat sie so ihre probleme.

mit dem vater ist es das gleiche. er hatte mit 18 einen schweren autounfall. er ist zwar motorisch besser als die mutter, kognitiv sind sie aber am gleichen stand.

ein beispiel.

elena wird von ihrer mama gebadet. nicht zum ersten mal. dennoch hat sie extrem große schwierigkeiten ihre tochter in der badewanne über wasser zu halten. und das, obwohl sich elena im wasser ganz ruhig verhält. gestern ist ihr das kind sogar tatsächlich komplett aus der hand gerutscht und untergetaucht. es ist nix passiert, meine kollegin hat blitzschnell reagiert und elena herausgefischt. aber alleine baden lassen kann man diese mutter auf gar keinen fall. sie ist viel zu unsicher.

noch eins.

elena wird von ihrem papa gefüttert. elena tut sich bei trinken noch etwas schwer. die koordination zwischen saugen, schlucken und atmen fällt ihr nicht leicht, deshalb kommt es immer wieder zu abfällen. nix außergewöhnliches. auch die eltern wissen das. aber so richtig verstehen tun sie es leider nicht. der papa weiß, dass er seiner tochter die flasche aus dem mund nehmen muss, wenn der monitor alarmiert oder wenn die kleine hustet. und das tut er auch. er kann seine tochter auch super zum trinken motivieren und stimulieren. aber wenn elena ein problem hat, dann merkt er es erst, wenn der monitor anschlägt.

eins geht noch.

elena liegt im bett, am rücken. die mutter sitzt neben dem bett und streichelt sie. plötzlich erbricht elena ein wenig und hat sichtlich probleme damit, weiterzuatmen. sie schnappt nach luft, verzieht das gesicht. was tut die mutter? sie wischt ihr vorsichtig und liebevoll die ausgespuckte milch aus dem gesicht, lacht, und bewundert die lustigen grimassen, die elena macht. ich stand zufällig grad neben dem bett, als das passierte. die mutter hatte nicht bemerkt, dass ihre tochter nach atem ringt, weil der monitor noch nicht alarmiert hatte.

ganz ehrlich. die eltern sind wirklich unheimlich nett. und sie lieben ihre tochter über alles, das sieht man auch ganz deutlich im umgang mit ihr. aber sie haben leider kein gefühl im umgang mit ihrem baby. sie haben schon viel gelernt. sie wissen, wenn a passiert, dann muss man b tun. aber oft haben sie schwierigkeiten die situation richtig einzuschätzen. viel zu oft.

noch ist elena nicht so weit, dass sie bald nach hause gehen wird. aber wir stellen uns durchaus schon jetzt die frage, wie das zu hause laufen wird. wir alle hätten kein gutes gefühl elena „einfach so“ mit ihnen nach hause zu schicken.

die eltern werden von elenas oma mütterlicherseits in ihrem alltag unterstützt. also, sie geht mit ihnen einkaufen und und so weiter. allerdings ist sie selbst noch berufstätig und kann so nicht rund um die uhr für die familie da sein. der vater hat keine eltern mehr.

deshalb wurde nun das jugendamt involviert. ich hoffe wir kommen zu einer lösung, mit der alle einverstanden sind.

drogenparty!

23. September 2011

ja, das veranstalten wir derzeit jeden tag…   😀

wir haben momentan gleich 3 (in worten: DREI) patienten im neonatalen drogenentzug.

mädchen 1: reifes kind, zwei wochen alt. mutter im substitutionsprogramm, hat ab und zu mal „ausrutscher“, vater alkoholiker, wird von der mutter alle paar wochen wegen streitereien aus der wohnung geworfen. aber  nur, um ihn wenige tage später wieder rein zu lassen. mit weiterer verwandtschaft besteht kein kontakt. das kind ist noch mitten im entzug. ich schätze, dass wir derzeit auf der spitze des eisberges stehen. jedenfalls hoffe ich das. denn das kind bekommt morphin in hohen dosen, entzieht aber weiterhin sehr stark. chancen, dass das kind in der familie bleiben darf: 50%, derzeit besteht ein ausfolgeverbot. die mutter könnte es mit unterstützung schaffen, aber es ist noch unklar, inwieweit die situation mit dem (offensichtlich tw. gewalttätigen) vater tragbar ist.

mädchen 2: frühchen aus der 33. schwangerschaftswoche, 6 wochen alt, hat den entzug schon so gut wie hinter sich. mutter ebenfalls seit einigen jahren in einem substitutionsprogramm, HIV positiv, nimmt aber regelmäßig ihre medikamente. der vater, derzeit im entzug, hat sich nach der nachricht über die schwangerschaft von der mutter getrennt und den kontakt abgebrochen. unglücklich ist die mutter darüber nicht. die noch recht junge mutter wird von ihren eltern gut unterstützt, zieht gerade wieder bei ihnen ein. es ist bereits fix, dass die mutter ihr kind mit nach hause nehmen darf. natürlich ist sie ans jugendamt angebunden.

und der junge: frühchen aus der 35. woche, 4 tage alt und bereits mitten im entzug. und zwar richtig. das kind bekommt morphin seit es 7 stunden alt ist. die mutter ist obdachlos, nimmt alle möglichen drogen (hauptsächlich heroin), ist hiv positiv. etwa einen monat vor der geburt des kindes wurde sie bewusstlos auf der straße gefunden und ins krankenhaus gebracht. seit dem ist sie auf der psychiatrie aufgenommen. vater „gibt es keinen“. anderer verwandte auch nicht. das jugendamt ist bereits auf der suche nach pflegeeltern, möglicherweise sogar adoptiveltern. denn die mutter hat kein interesse am kind. sie sagt, sie hätte es eben irgendwann geboren und irgendwo abgelegt. damit hätte sie das „problem“ schon gelöst. allerdings hat sie bisher einer freigabe zur adoption (noch) nicht zugestimmt.

man darf gespannt sein, wies weiter geht mit diesen kiddies…

rico und seine unerklärlichen krankheiten

5. Juli 2010

letzens hab ich eine kollegin einer allgemeinpädiatrischen station bei einer fortbildung getroffen. wir kennen uns schon länger, und immer wenn wir uns sehen plaudern wir ein bisschen über die dramatischten fälle, die uns bei der arbeit so begegnen.

nachdem ich ihr von der psychisch kranken mutter und dem schnellen handeln des jugendamtes (ziehe letztes posting) berichtet hatte, erzählte sie mir folgendes:

seit etwas mehr als einem jahr hatten sie immer wieder einen kleinen patienten auf der station, nennen wir ihn rico. rico ist 2 jahre alt, sehr aufgeweckt und eigentlich kerngesund. dennoch brachte ihn seine mutter seit über einem jahr fast regelmäßig in die kinder-notfall-ambulanz unseres hauses, mit unterschiedlichen, unerklärlichen symptomen und krankheiten. zunächst waren es banalitäten, wie verkühlungen, durchfall, erbrechen, usw. auch ein knochenbruch und mehrere platzwunden waren dabei.

im märz diesen jahres alarmierte die mutter mitten in der nacht die rettung, ihr kind hätte einen fieberkrampf. als der notarzt kurze zeit später bei der mutter zu hause eintraf, hatte rico eine körpertemperatur von 36,8°C. auf nachfrage des notarztes gab die mutter an, rico ein fiebersenkendes zäpfchen verabreicht zu haben, kurz vor dem krampfanfall. rico, der sich an keinen vorfall erinnern konnte (was bei einem krampfanfall nicht unnormal ist), wurde zur überwachung stationär aufgenommen. alle untersuchungen waren unauffällig. wenige tage später wurde rico gesund nach hause entlassen.

3 wochen später war rico wieder in der ambulanz. die mutter sagte, er habe blutauflagerungen am stuhl. wieder wurde das kind stationär aufgenommen. die mutter zeigte der diensthabenden schwester am nächsten tag wieder eine windel, da war tatsächlich frisches blut am stuhl. daraufhin wurden wieder einige untersuchungen veranlasst, alle waren unauffällig. nach den untersuchungen trat kein blut mehr am stuhl auf. rico wurde nach einer woche krankenhausaufenthalt wieder nach hause entlassen.

in einer nacht im mai ging bei der rettung wieder ein notruf der kindesmutter ein. ihr kind sei blau, atme nicht und würde sich nicht bewegen und nicht reagieren. die mutter wurde telefonisch angewiesen wiederbelebende maßnahmen einzuleiten. als der notarzt wenige minuten später eintraf, lag rico friedlich schlafend in den armen seiner mutter. sie sagte, sie habe ihn erfolgreich wiederbelebt.

rico wurde selbstverständlich sofort in die klinik gebracht und wieder stationär aufgenommen. er verbrachte die nacht auf der intensivstation, wurde dann auf normalstation, zu meiner kollegin, verlegt. wieder waren alle untersuchungen völlig unauffällig.

zu diesem zeitpunkt wurde das erste mal darüber nachgedacht, ob vielleicht nicht rico, sondern seine mutter krank sein könnte. sie war mit rico sichtlich überfordert, klingelte ständig nach einer schwester und konnte ihrem kind keine grenzen setzen.

wenige tage, nachdem rico „erfolgreich reanimiert“ wurde, alarmierte die mutter eine schwester. rico würde aus dem ohr bluten. tja, und da war tatsächlich frisches blut am ohr des kindes. da sowohl arzt als auch schwester zweifel hatte, dass es sich um ricos blut handelte (es konnten keine verletzungen festgestellt werden), wurde eine probe des blutes ins DNA-labor geschickt.

die analyse ergab, dass es sich um das blut der mutter handeln musste. es wurde eine gefährdungsmeldung ans jugendamt gemacht und die mutter wurde psychiatrisch untersucht. es wurde die diagnose münchhausen-stellvertreter-syndrom gestellt. rico wurde in einer nacht-und-nebel-aktion zu seinen neuen pflegeeltern gebracht.

manche kinder habens wirklich schwer…

und plötzlich ist das kind weg

1. Juli 2010

mitte letzter woche wurde ein mädchen in der 40. schwangerschaftswoche geboren. sie hatte nach der geburt eine leichte respiratorische anpassungsstörung, deshalb wurde sie vom kreißsaal direkt zu uns gebracht. einen tag nach ihrer geburt ging es ihr allerdings schon wieder gut.

ihr eigentliches problem war ihre mutter. diese ist psychisch krank, verweigert jedoch jegliche therapie. auf grund ihres auffälligen verhaltens wurde noch während der geburt vom kreißsaal eine gefährdungsmeldung ans jugendamt gemacht. nach einem psychiatrischen konsil erwirkte dieses, wenige stunden nach der geburt, ein ausfolgeverbot.

da sich über das wochenende herausstellte, dass die mutter ihr kind tatsächlich nicht selbst versorgen kann, wurde vom jugendamt nach einer vorübergehenden unterbringung gesucht. als erstes dachte man dabei an die großeltern des kleinen mädchens. diese lehnten es jedoch ab das sorgerecht für ihre enkelin zu übernehmen, aus schlechtem gewissen ihrer tochter gegenüber. dennoch betonten sie mehrfach, dass auch sie davon überzeugt sind, dass ihre tochter mit der kleinen überfordert wäre.

da die mutter keine angaben zum kindesvater machen konnte (oder wollte), wurde entschieden das kleine mädchen zunächst in einer krisenpflegefamilie unterzubringen. dort bleibt das kind, bis die mutter einer therapie zustimmt. tut sie das nicht, kommt das kind in eine langzeitpflegefamilie.

als man das der mutter am dienstag mitteilte, weigerte sie sich die station (jemals) wieder zu verlassen. einmal hat sie sogar mitten ins zimmer gepinkelt. auf die entsetzte frage meiner kollegin, warum sie das gemacht hat, antwortete sie, sie wolle ihr kind nicht alleine lassen.

nur mit viel überredungskunst konnte man sie davon überzeugen sich ab und zu auf der gynäkologie, wo sie ja noch aufgenommen war, blicken zu lassen. denn sie war darüber informiert, dass in den nächsten tagen das jugendamt kommen würde um ihr kind zu holen.

tja, und gestern war es eben so weit. mit der gynäkologie war vereinbart, dass sie die mutter zwischen 8 und 10 uhr irgendwie beschäftigen, sodass sie nicht bei uns an der station sein konnte. dennoch stand die mutter um 8 uhr bei uns. hm, was sagt man einer mutter, die nicht weiß, dass jeden moment das jugendamt kommt um ihr kind abzuholen?

ich hab also erstmal den arzt und unsere sozialarbeiterin informiert. dem arzt wars egal, die sozialarbeiterin wollte sofort beim jugendamt anrufen um den übergabe-termin zu verschieben.

doch es war schon zu spät. 15 minuten nach 8 haben die beiden netten damen vom jugendamt die station betreten. die krisenpflegeeltern wollten nicht selbst kommen, damit sie nicht auf die kindesmutter treffen… weise entscheidung. glücklicherweise konnte ich das aufeinandertreffen der damen mit der mutter auch vermeiden. aber trotzdem musste das kind irgendwie aus dem zimmer raus. oder die mutter.

also mal auf der gyn angerufen. zuerst hab ich ein bisschen geschimpft, dass sie nicht auf ihre patientin aufgepasst haben. dann mussten sie versuchen die mutter zu überreden, zurück auf die station zu kommen. aber keine chance. sie weigerte sich standhaft.

unsere psychologin wurde hinzugezogen. sie meinte, man sollte der mutter sagen, dass das kind jetzt abgeholt wird. sonst würde es, aus sicht der mutter, wie eine kindesentführung aussehen. gut (und übrigens ganz meine meinung, ich hasse diese heimlichtuerei). während wir alle noch zusammen besprochen haben, wie wir an diese situation herangehen werden, meldete sich die mutter und wollte nun doch rüber gehen, sie hatte noch nichts gefrühstückt.

wir informierten die gyn. 5 minuten später kam der rückruf, die mutter ist jetzt da. ich habe die kleine zusammengepackt und den damen übergeben.

eine stunde später stand die mutter wieder bei uns auf der station und wollte zu ihrem kind. doch die kleine war weg. ich erwartete einen starken gefühlsausbruch. doch sie blieb ganz ruhig, sagte nur „ach so, ok.“ und ging wieder.

einer therapie hat die mutter bisher übrigens noch immer nicht zugestimmt.

entzugskinder

18. Mai 2010

ich habe ja schon mal erwähnt, dass wir öfter mal neugeborene im neonatalen drogenentzug bei uns liegen haben. momentan haben wir wieder mal zwei solcher exemplare. diese kinder sind meistens sehr anstengend aufwendig. sie schreien praktisch rund um die uhr, lassen sich kaum beruhigen und schlafen ist ja sowieso ein fremdwort. kein wunder, ein entzug ist nunmal hart. besonders für ein neugeborenes.

zu einem kind gehören ja zwangsläufig auch die eltern. und wie man sich vorstellen kann sind die oft nicht ganz ohne. die mütter sind in der regel in irgendeinem entzugsprogramm, mit mehr oder minder viel erfolg. viele konsumieren zusätzlich noch diverse andere dinge. die väter sind meistens entweder selbst drogenabhängig, gewalttätig, in psychiatrischer behandlung, im gefängnis, alkoholiker oder gar nicht vorhanden. gerne auch alles zusammen.

der umgang mit diesen eltern ist oft nicht leicht. sie halten sich leider viel zu selten an vereinbarungen, bequatschen das personal und die anderen eltern ständig, usw. einen liebevollen umgang haben allerdings die meisten. kein wunder, denn sie lieben ihr kind. und sie wissen, dass das jugendamt schon vor der tür steht.

in der regel verhängt das jugendamt sofort nach der geburt des kindes ein ausfolgeverbot. das bedeutet, den eltern wird das erziehungs- und pflegerecht erstmal entzogen. dann finden einige termine mit sozialarbeitern, richtern und wohnungsbegehungen statt. dann wird entschieden, ob das kind zu pflegeeltern kommt oder nicht. in dieser zeit haben die eltern ein besuchsrecht. das heißt die dürfen jeder zeit zu uns kommen und ihr kind auch unter aufsicht selbst versorgen. das funktioniert meistens ganz gut. wie gesagt, die mütter lieben ihre kinder wirklich und hängen sehr an ihnen.

die väter sind da leider nicht immer so. sie sind mitunter sogar aggressiv. vor einiger zeit hat ein vater sogar mal der mutter ins gesicht geschlagen, während sie das kind am arm hatte. weil das kind sich nicht beruhigen wollte und der vater der meinung war, die mutter müsse das aber jetzt mal sofort hinkriegen. klatsch. vor meinen augen. ich war im ersten moment so perplex, dass ich nichts sagen konnte. die netten herren vom sicherheitsdienst haben das dann erledigt.

aber auch die mütter sind manchmal echt schräg drauf. vor etwa einem jahr ist mir folgendes passiert:

ich war abends am weg in die klinik, zum nachtdienst. vor dem eingang kommt mir die mutter eines entzugskindes entgegen. unter ihrer jacke trug sie etwas. ich konnte aber nicht sehen was, denn die jacke war bis oben hin zu. sie lächelt mich noch freundlich an, sagt hallo und geht an mir vorbei. in dem moment höre ich ein baby winseln. klick. die hat das kind unter der jacke! ich wusste, dass das kind noch mitten im entzug war und somit sicher nicht entlassen wurde. ich geh ihr also nach, halte sie auf und frage sie, ob sie ihre tochter da unter der jacke hat. ja, das ist mein kind und ich darf es mitnehmen hat die schwester gesagt. ja klar. ganz sicher. nach 10 mintuen diskussion hatte ich sie soweit, dass sie mir das kind gegeben hat. ich war so erleichtert. wäre sie mit dem kind einfach gegangen hätte ich auch nix machen können. festhalten darf ich sie ja nicht.

könnt ihr euch den gesichtsausdruck meiner kollegin vorstellen, als ich mit dem kind am arm aus dem lift ausgestiegen bin? hihi. der schock ihres lebens. sie hatte noch nicht mal gemerkt, dass das kind weg war. sie war der meinung die mutter wickelt das kind gerade.

aber natürlich sind nicht alle eltern von entzugskindern so. einige sind auch wirklich bemüht und sehr freundlich. die bekommen ihr kind dann meistens auch mit nach hause. leider gibt es aber auch viel zu viele der anderen sorte.

darf man gratulieren?

16. April 2010

letztens im dienst drückt mir eine meiner kolleginnen plötzlich das telefon in die hand, mit den worten: „da ist eine frau vom jungendamt dran, wegen dem kind dass du gestern übernommen hast“

prinzipiell keine seltene situation, da wir immer wieder mal kinder im neonatalen drogenentzug haben, bei denen ein ausfolgeverbot besteht. die eltern sind meistens in einem drogenentzugsprogramm und das jungenamt will erstmal feststellen, ob diese eltern ihr kind selbstständig versorgen können bevor sie ihnen das sorgerecht wieder zuspricht (oder eben auch nicht). so kommt es, dass sich das jungendamt bei uns immer wieder über den zustand des kindes erkundigt und wissen will, wie die eltern so mit ihrem kind umgehen.

ABER.. das kind, welches ich gestern übernommen habe ist nicht im entzug, sondern ein völlig unauffälliges 10 tage altes frühgeborenes.  und die eltern sind „ganz normal“. oder ist mir da was entgangen..? dementsprechend verwirrt bin ich, als ich das telefon in die hand nehme.

ich: ja?

sie: hallo, jungendamt was-weiß-ich, ich wollte nur fragen ob wir der frau xy gratulieren dürfen.

ich: ähm, ja schon, sie ist seit 10 tagen mutter..

sie: ja, das weiß ich. ich frage nur nach weil ich hier in meinen unterlagen sehe, dass sie ein hellp-syndrom hatte.

ich: aso, äh, ja.. kann sein..

sie: ja, und geht es ihr denn gut? also der mutter? und dem kind auch?

ich: dem kind geht es gut. und der mutter auch so viel ich weiß. jedenfalls kommt sie täglich zu besuch.. (ich weiß immer noch nicht worauf die gute hinaus will)

sie: oh, das ist ja schön. wissen sie, ich frage nur deshalb weil wir hier vor kurzem einen so einen fall hatten.

ich: einen fall?

sie: ja, ein ganz tragischer fall! da haben wir auch so einen glückwunsch-brief ausgeschickt. und die mutter hatte auch so ein hellp-syndrom. wir wussten aber nicht, dass sie auf der intensivstation im sterben liegt! und da hats dann große probleme gegeben, wissen sie? weil der vater hat sich bei uns beschwert.

ich überlege kurz, ob das die mutter sein könnte, die bei uns im haus auf der intensivstation liegt und nach einem hellp-syndrom jetzt auf der akutliste für eine lebertransplantation steht. dann sage ich zu der dame am telefon, dass sie mit gutem gewissen eine glückwunschkarte schicken kann, es geht mutter und kind hervorragend und lege auf.

wird das jungendamt jetzt wegen jeder frau, die irgendeine komplikation bei oder vor der geburt hatte anrufen um zu erfahren wie es ihr geht??