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wenn kinder sterben

31. Mai 2010

heute hatten wir besuch auf der station. die eltern eines ehemaligen patienten waren da. normalerweise kommen bei solchen besuchen die kinder mit. in diesem fall aber nicht. denn simon, das kind dieser eltern, ist bei uns auf der station gestorben.

schon während der schwangerschaft wurde bei simon ein schwerer herzfehler festgestellt. anzeichen für eine frühgeburt gab es nie. doch in der 30. schwangerschatswoche bekam simons mama unhemmbare wehen. also wurde simon in der 30. woche spontan (!) geboren. die chancen, dass er die geburt überlebt waren schwindend gering. die eltern wussten das und waren darauf eingestellt, dass ihr kind entweder tot zur welt kommen, oder nach wenigen minuten sterben würde.

doch simon war ein kämpfer. er kam lebend zur welt und atmete selbstständig. er war zwar auf grund seines herzfehlers ziemlich blau, aber er war am leben. noch im kreisssaal wurde simons herz per ultraschall untersucht. der herzfehler wurde offiziell bestätigt. innerhalb von minuten mussten die neonatologen, die bei der geburt anwesend waren, und simons eltern eine entscheidung treffen. es gab 2 möglichkeiten

1. simon würde auf der stelle in den op gebracht werden um sein krankes herz zu operieren. dabei müsste er an die herz-lungen-maschine angeschlossen werden. seine chancen die op zu überleben wären gering. er war immerhin 10 wochen zu früh und sehr schwach.

2. man würde simon nicht operieren und ihn in gehen lassen.

seine eltern entschieden sich für die 2. variante. so wurde simon zu uns transferiert. mutter und vater begleiteten ihr kind.

als simon zu uns kam ging es ihm bereits sehr schlecht. ihm wurde ein venöser zugang gelegt, um ihn mit flüssigkeit und schmerzmitteln zu versorgen.

die eltern wollten ihren sohn gerne taufen lassen. also organisierte ich eine nottaufe. es war eine sehr traurige, aber doch irgendwie schöne zeremonie. alle kolleginnen, die gerade zeit hatten, waren dabei.

etwa 2 stunden nach der nottaufe ging es simon deutlich schlechter. er hatte keine kraft mehr. ich rief die ärztin dazu. bevor wir etwas zu den eltern sagen können fragte die mutter: „ist es jetzt soweit?“, wir nickten nur. und setzten uns zu ihnen. ich schaltete die alarme des monitors aus. jetzt würde es nicht mehr lange dauern.

plötzlich schreckte die mutter auf: „wir haben noch kein foto! ich will ein foto von simon, vom lebenden simon.“ also holte ich die kamera und machte fotos von simon und seinen eltern. irgendwie kam ich mir dabei blöd vor. fotos machen von einer familie, die gerade dabei ist ihr kind zu verlieren. aber es war ihr wunsch.

es dauerte länger als gedacht, aber etwa eine halbe stunde später hörte simons herzchen auf zu schlagen. die eltern weinten. und wir mit ihnen.

es kommt auf unserer station sehr selten vor, aber manchmal kann man einfach nichts dagegen tun. kinder sterben. so ist das nunmal in einem kinderkrankenhaus.

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