Posts Tagged ‘frühchen’

vorbereitsungsmuffel deluxe

13. Juli 2012

ich betreue den (eigentlich gar nicht so) kleinen martin. er wurde vor etwa 2 wochen in der 33. schwangerschaftswoche geboren. martin ist ein absolutes wunschkind. seine eltern wünschen sich bereits seit vielen jahren ein kind, haben viele fruchtbarkeitsbehandlungen hinter sich. die jüngsten sind sie auch nicht mehr, beide über 40. dann, mit der 4. ivf, hat es endlich geklappt. dass martin ein paar wochen zu früh geboren wurde, ist für die eltern nicht weiter tragisch. sie sind froh, dass sie ihren sonnenschein haben und dass es ihm gut geht.

martin steht kurz vor der entlassung. anfang nächster woche soll es soweit sein.

während papa martins windeln wechselt und ihn eincremt, komme ich mit der mama ins gespräch. ein bisschen smalltalk. ich frage, ob sie zu hause schon alles für martin vorbereitet haben. nunja, eigentlich nicht so wirklich. sie möchten nichts kaufen, was sie dann doch nicht brauchen. eigentlich eine kluge einstellung, wie ich finde. solange man eine gewisse grundausstattung zu hause hat, eh klar. -stille- grundausstattung?

es stellt sich heraus, dass die eltern, die sich seit jahren nichts sehnlicher gewünscht haben, als ein eigenes kind, nicht einen einzigen gegenstand für ihr kind gekauft oder sonstwie organisiert haben. sie haben also nix für ihr kind zu hause. gar nix. keine kleidung, kein bett, keine decke, keinen kinderwagen, keinen autositz. einfach nichts. nicht mal eine einzige windel.

oh doch! da fällt der mama doch ein, dass sie von freunden und familie ja zur geburt was geschenkt bekommen haben. einen strampler mit einem löwen drauf, mit dazu passender mütze… und noch einen gestreiften… und das niedliche paar söckchen… und die weiche rassel! oookeeeey. na immerhin ein anfang. ja und den autositz, den werden sie sich aus der familie ausborgen, ist quasi ein familienerbstück – 12 jahre alt, sieht aber aus wie neu! *hust*

ich habe dann also mit den eltern gemeinsam eine liste mit den wichtigsten dingen erstellt und ihnen empfohlen, am besten noch heute, die babygeschäfte der umgebung abzuklappern.

ehrlich, wie schafft man es als schwangere frau (oder mitschwangerer mann) 33 wochen lang kein einziges teil fürs baby einzukaufen? nicht mal wenn ich es versuchen würde, würde ich das schaffen. ich meine, ich bin noch nicht mal bei der halbzeit, aber wenn ich so weitermache, dann kann ich in der 40. woche ein eigenes babybedarfsgeschäft aufmachen (ist vielleicht das andere extrem).

und falls jetzt jemand denkt, das ganze hätte was mit aberglaube oder so zu tun, der liegt falsch. die eltern hatten sich darüber schlicht und einfach noch keine gedanken gemacht. das würde man vielleicht von einer 14jährigen teenager-mutter erwarten. aber mit über 40 und jahrelangem kinderwunsch…

was hätte diese familie gemacht, wenn martin nicht zu früh geboren wäre? wenn er 3 tage nach der geburt einfach nach hause entlassen worden wäre?

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eine pflegerunde mit daniel

20. April 2012

dienstübergabe. die kollegin vom nachtdienst übergibt mir daniel. schwangerschaftswoche 28+4, 4 tage alt, 874g geburtsgewicht, aktuell 810g. sectio wegen vorzeitigem blasensprung und infektion der mutter. komplett lungengereift. apgar 7/8/9. kindliche infektwerte nach der geburt positv, deshalb antibiotikatherapie. am infantflow mit 5-6 PEEP, sauerstoffbedarf um die 28%, in bauchlage bis auf 23% zu reduzieren. einige apnoen mit tiefen abfällen, immer zu stimulieren, hat um 3 uhr einmalig ein zusätzliches coffein erhalten, seit dem deutlich besser. essen geht solala, er bekommt 8x4ml, die verträgt er mäßig, immer angedaute magenreste. wegen der respiratorischen situation wurde das essen einmal pausiert und i.v. ersetzt. der schwemmi (= zentraler venenzugang) geht gut und ist o.b. temperatur instabil, kühlt noch rasch aus, berührungsempfindlich. seit gestern IVH I bekannt.

etwas später. daniel ist munter und brüllt sich in seinem inku die seele aus dem leib, sein IF unterstützt ihn mit heftigen gepiepe. wenig später setzt natürlich auch sein monitor ein. ich mache noch die letzten handgriffe bei meinem anderen patienten und wende mich dann gleich daniel zu.

erstmal gibts für den jungen mann ein leckeres teestäbchen und eine begrüßung in form einer großflächigen berührung. damit beruhigt sich daniel auch gleich wieder. und auch seine diversen gerätschaften. während daniel zufrieden das teestäbchen in seinem mund hin und her schiebt, drehe ich die inkubatortemperatur mal um ein grad höher, da ich ja weiß, dass daniel schnell auskühlt.

dann wirds aber ernst. wir haben einiges vor. erstmal blutdruck messen. dann temperatur axillär. dann pampers wechseln inklusive bauchmassage, denn der bauch ist doch ganz schön gebläht (aber weich). dann müssen wir auch noch unter den IF sehen. und natürlich gibts auch da wieder eine schöne kopf- und gesichtsmassage. leider ist daniel davon nicht so begeistert, also halten wir diesen punkt kurz. dann werfen wir noch einen kurzen blick auf daniels nabelschnurrest. alles schön, da brauch ich nix zu tun.

jetzt kommt der anstrengenste teil. das wiegen. zum glück hat der inkubator eine eingebaute waage, so müssen wir wenigstens nicht ins kalte. aber ich würde daniel schon gerne ohne IF wiegen, wenn es geht. dafür muss er aber etwa 20 oder 30 sekunden ohne IF auskommen. ob das geht weiß ich nicht so sicher, aber wir probieren es. um daniel etwas zu helfen erhöhe ich den sauerstoff im inkubator mal auf 35%. dann geht los. IF weg. knopf drücken. kurz warten. sättigung 85%. daniel hochheben. kurz warten. angestrengte atmung, sättigung 81%. daniel wieder ablegen und gewicht ablesen. 810g. bei 78% sättigung und angestrengter atmung bekommt daniel endlich wieder seinen IF. ich bin zufrieden, das wiegen hat bestens funktioniert. daniel hat das sehr gut gemacht.

ich entferne den sättigungssensor vom linken fuß und befestige ihn nun am rechten. damit keine druckstelle entsteht. die ekg-elektroden halten noch gut, ich muss sie nicht wechseln. die temperatursonde stecke ich seitlich in daniels pampers. auf die linke seite, weil ich daniel nachher in linker seitenlage lagern möchte. dann kommt noch die nasenpflege dran. da muss ich aber nicht viel machen, daniels nase ist wunderbar intakt, keine rötungen, keine abdrücke, nix.

nachdem alles wieder vollständig auf daniel montiert ist und ich den inkubator wieder auf seine ausgangseinstellungen reduziert habe, wird daniel noch fest in ein weiches tuch eingewickelt und dann gelagert. ich aspiriere den halben milliliter angedaute milch von der letzten mahlzeit aus seinem bauch, gebe ihn wieder zurück und sondiere ihm seine 4ml milch im freien fall dazu. daniel hat die augen noch offen und beobachtet mich dabei neugierig, während er zufrieden auf seinem neuen milchstäbchen herumkaut.

daniel kommt mir etwas gelb vor. also seine hautfarbe. deshalb messe ich den gelbsuchtwert. subkutan, ganz ohne piekser. der wert ist grenzwertig hoch. das muss ich dann nachher einem arzt sagen. wahrscheinlich muss daniel unter die phototherapie.

da daniel noch wach und zufrieden ist, bedecke ich seinen inkubator noch nicht vollständig mit der decke (zur reizabschirmung), sondern lasse ihm noch die möglichkeit etwas herumzusehen.

kurzer blick in den PC. daniel bekommt noch ein antibiotikum i.v. also geh ich das mal aufziehen und hänge es gleich danach an. unter sterilen bedingungen versteht sich. also perfusorspritze einspannen, sterilen tupfer in den inku, line in den inku (mit dem ende auf dem sterilen tupfer, versteht sich), inku-türen auf, sterile handschuhe an, line an den schwemmi anschließen. perfusor starten. fertig.

nun verräume ich die gebrauchten utensilien wieder, wiege die angepullerte pampers und wische alle flächen einmal mit dem flächendesinfektionsmittel. danach werfe ich wieder einen blick auf daniel. er ist eingeschlafen. langsam und vorsichtig ziehe ich ihm sein milchstäbchen aus dem mund und bedecke seinen inktubator nun komplett mit der decke. schlaf gut!

dann gehts ans dokumentieren. haut intakt. hautfarbe ikterisch. schleimhaut rosig. alle extremitäten warm. beatmungseinstellungen unverändert. atemmuster periodisch, während der pflege leichte einziehungen intercostal und sternal. die pampers hatte 31g. die pampers selbst wiegt 13g, also waren 18ml harn drin. wunderbar. abdomen mittel gebläht, weich, keinen stuhl gehabt, bauchmassage durchgeführt. 0,5ml angedaute magenreste, zurück gegeben. magensonde nach dem sondieren offen belassen (damit die luft, die durch den IF in den magen geblasen wird, entweichen kann). bewegungsmuster altersensprechend. berührungsempfindlich? ein bisschen, ja.

die waage zeigte mir 810g. davon muss ich jetzt noch die 13g (frische) pampers abziehen, die daniel beim wiegen anhatte. also neues gewicht: 797g. im vergleich zu gestern sind das 13g weniger. alles im rahmen.

inkubatoreinstellungen unverändert. notiz: temp. während der pflege um 1°C erhöht. dennoch etwas ausgekühlt. lagerung: seitelage links. mundpflege: tee und milch. nasenpflege: NaCl 0,9%. haut intakt.

hauptinfusion läuft, fett läuft. die laufraten stimmen auch. antibiotika i.v. verabreicht.

feddisch!

was sein muss, muss sein.

5. Februar 2012

es geht wieder um elena.

auch die letzten zwei wochen haben leider gezeigt, dass elenas eltern in den nächsten jahren nicht in der lage sein werden, selbstständig für ihr kind zu sorgen.

da es in den nächsten 2-3 jahren keine chance auf eine unterbringung in einer betreuten eltern-kind einrichtung gibt und die großmutter aus finanziellen gründen ihren job nicht aufgeben kann (und ich glaube auch nicht will), brauchen wir also eine andere lösung.

die erste idee war, dass die familie und die großmutter in einen gemeinsamen haushalt zu vereinen. dazu wären auch alle seiten bereit gewesen. während die oma arbeiten geht, hätten wir ein komplexes netz aus diversen betreuern und hilfen gestrickt, sodass immer jemand bei der familie ist. wäre ne tolle idee, mit viel arbeit und organisation sogar realisierbar, aber leider finanziell nicht machbar. oder zumindest nicht lange.

das thema fremdunterbringung wurde erstmals angesprochen, auch mit den eltern. glücklich war darüber keiner. auch wir nicht so wirklich. aber elenas sicherheit geht vor.

tja. und nun ist das jugendamt offiziell auf der suche nach einer pflegefamilie. es besteht jetzt doch ein ausfolgeverbot. besuchen dürfen die eltern ihre tochter natürlich. sie übernehmen auch weiterhin die pflege an der station. sie werden sicher ein ausgedehntes besuchsrecht erhalten. aber trotzdem.

ich glaube, am meisten trifft diese entscheidung die großmutter. sie hat große schuldgefühle. die eltern selbst verstehen es nicht so wirklich, denke ich. für sie ist es, als würde ihre tochter wieder auf eine andere „station“ kommen, wo sie sie dann besuchen und pflegen dürfen.

traurig, dass es soweit kommen muss. ich hätte es nicht gedacht. ich war mir sicher, dass man eine andere lösung findet. hoffentlich findet man jetzt wenigstens eine nette pflegefamilie in der nähe.

elena und ihre besonderen eltern

21. Januar 2012

elena wurde ende november in der 26. schwangerschaftswoche geboren. sie ist jetzt also etwa in der 34. woche. elena hatte lange schwierigkeiten mit der atmung, musste immer wieder für längere zeit beatmet werden. jetzt geht es der kleinen maus aber schon deutlich besser. sogar so gut, dass sie nun seit einer woche bei uns liegt.

das eigentlich schwierige am „fall elena“ sind aber ihre eltern.

elenas mutter hatte als kind eine enzephalitis und ist seither kognitiv beeintächtigt. „geistig behindert“, wie man sagt. sie ist nicht besachwaltet, ist also vor dem gesetzt mündig. dennoch merkt man ihr stark an, dass sie nicht „normal“ ist. auch in der motorik hat sie so ihre probleme.

mit dem vater ist es das gleiche. er hatte mit 18 einen schweren autounfall. er ist zwar motorisch besser als die mutter, kognitiv sind sie aber am gleichen stand.

ein beispiel.

elena wird von ihrer mama gebadet. nicht zum ersten mal. dennoch hat sie extrem große schwierigkeiten ihre tochter in der badewanne über wasser zu halten. und das, obwohl sich elena im wasser ganz ruhig verhält. gestern ist ihr das kind sogar tatsächlich komplett aus der hand gerutscht und untergetaucht. es ist nix passiert, meine kollegin hat blitzschnell reagiert und elena herausgefischt. aber alleine baden lassen kann man diese mutter auf gar keinen fall. sie ist viel zu unsicher.

noch eins.

elena wird von ihrem papa gefüttert. elena tut sich bei trinken noch etwas schwer. die koordination zwischen saugen, schlucken und atmen fällt ihr nicht leicht, deshalb kommt es immer wieder zu abfällen. nix außergewöhnliches. auch die eltern wissen das. aber so richtig verstehen tun sie es leider nicht. der papa weiß, dass er seiner tochter die flasche aus dem mund nehmen muss, wenn der monitor alarmiert oder wenn die kleine hustet. und das tut er auch. er kann seine tochter auch super zum trinken motivieren und stimulieren. aber wenn elena ein problem hat, dann merkt er es erst, wenn der monitor anschlägt.

eins geht noch.

elena liegt im bett, am rücken. die mutter sitzt neben dem bett und streichelt sie. plötzlich erbricht elena ein wenig und hat sichtlich probleme damit, weiterzuatmen. sie schnappt nach luft, verzieht das gesicht. was tut die mutter? sie wischt ihr vorsichtig und liebevoll die ausgespuckte milch aus dem gesicht, lacht, und bewundert die lustigen grimassen, die elena macht. ich stand zufällig grad neben dem bett, als das passierte. die mutter hatte nicht bemerkt, dass ihre tochter nach atem ringt, weil der monitor noch nicht alarmiert hatte.

ganz ehrlich. die eltern sind wirklich unheimlich nett. und sie lieben ihre tochter über alles, das sieht man auch ganz deutlich im umgang mit ihr. aber sie haben leider kein gefühl im umgang mit ihrem baby. sie haben schon viel gelernt. sie wissen, wenn a passiert, dann muss man b tun. aber oft haben sie schwierigkeiten die situation richtig einzuschätzen. viel zu oft.

noch ist elena nicht so weit, dass sie bald nach hause gehen wird. aber wir stellen uns durchaus schon jetzt die frage, wie das zu hause laufen wird. wir alle hätten kein gutes gefühl elena „einfach so“ mit ihnen nach hause zu schicken.

die eltern werden von elenas oma mütterlicherseits in ihrem alltag unterstützt. also, sie geht mit ihnen einkaufen und und so weiter. allerdings ist sie selbst noch berufstätig und kann so nicht rund um die uhr für die familie da sein. der vater hat keine eltern mehr.

deshalb wurde nun das jugendamt involviert. ich hoffe wir kommen zu einer lösung, mit der alle einverstanden sind.

wo ist das kind?

2. Januar 2012

2 uhr in der früh, das telefon klingelt und auf der station ist ein bett frei. ich denke, ihr wisst schon, was das bedeutet. richtig. aufnahme.

ich übernehme ein ca. 12 stunden altes, spätes frühchen mit knapp 2,5kg aus dem kinderzimmer der wochenbettstation. das kind hat trotz frühfütterung niedrige blutzucker und braucht eine glukoseinfusion (die mutter hatte schwangerschaftsdiabetes). also kein aufwendiger patient. nach 10 minuten ist alles soweit erledigt und ich setzte mich an den pc und klopfe die wichtigsten daten rein. gleichzeitig bespreche ich mit dem arzt, der mir das kind gebracht hat, den weiteren plan.

beiläufig frage ich ihn, ob die mutter eh bescheid weiß, dass ihr kind nun bei uns liegt. normalerweise ist es nämlich so, dass der kinderarzt (also unser arzt) mit dem kind noch kurz bei der mutter vorbei schaut, damit sie sich verabschieden kann. außerdem wird sie darüber informiert wo das kind jetzt hinkommt und so weiter.

der arzt (ein ganz lieber, wirklich, aber noch recht jung und unerfahren…) sagt mit schuldbewusstem unterton: „leider nein, die gyn-schwestern wollten nicht, dass ich die mutter aufwecke.“, sie hatte ja eine (nicht einfache) sectio, hat schmerzmittel bekommen und schläft jetzt so gut.

so. ich als frau versetzte mich schlagartig in die position der mutter. ich wache also am tag nach der geburt meines kindes auf (oder noch in der nacht), bitte die schwestern mir mein kind zu bringen, weil ich noch nicht aufstehen kann und dann heißt es: „oh, achja, ihr kind haben wir in der nacht auf die kinderstation verlegt. ich glaub, station 3 haben die gesagt.“.

ich würde ausflippen. und zwar gründlich. sowas geht einfach nicht. unter keinen umständen. das tut ja sogar mir im herzen weh!

also bin ich rüber auf die wochenbettstation, bewaffnet mit einem foto des kindes, unserer visitenkarte und einem infoblatt. mein plan war das alles den schwestern zu übergeben und sie sehr freundlich zu bitten, der mutter alles zu geben, wenn sie das nächste mal aufwacht.

doch es kam anders.

schon als ich die station betrete, höre ich eine mutter laut und aufgebracht sprechen, gelegentlich schluchzen, und zwei schwestern (eine vom kinderzimmer, eine von der gyn), die im flüsterton auf sie einreden. mir ist gleich klar, dass DAS sicher „meine“ mutter ist. der name auf dem schild neben der zimmertüre bestätigt meinen verdacht.

die mutter ist verzweifelt, weil genau das vorhin beschriebene szenario eingetreten ist. sie wurde wach, wollte ihr kind sehen, es war nicht da und die gyn-schwester wusste nicht wo es war. deshalb holte sie sich die kinderzimmer-schwester dazu, dir ihr zwar sagen konnte wo das kind jetzt ist, aber nicht wann und wie sie zu ihrem kind kann. der blanke horror für jede mutter.

also hab ich mich ganz ungeniert eingemischt, der mutter alle wichtigen infos gegeben, kurz mit ihr geplaudert, der gyn-schwester einen bösen blick und die worte „das wäre nicht notwendig gewesen“ zugeworfen und bin wieder gegangen.

hihi.

ps: ich hoffe ihr hattet alle schön weihnachten und seid gut ins neue jahr gerutscht! 🙂

weihnachten naht

18. Dezember 2011

eigentlich ist weihnachten ja DER familientag des jahres. nun ist es aber so, dass die familien, mit denen wir täglich zusammen arbeiten, nicht sicher sein können, ob sie das fest dieses jahr auch tatsächlich als familie gemeinsam feiern können. denn das jüngste mitglied liegt ja bei uns.

deshalb ist die vorweihnachtszeit (und auch weihnachten selbst) bei uns immer etwas ganz besonderes. und das manchmal auch im negativen, traurigen sinn.

natürlich versuchen wir, so viele kinder wie möglich vor weihnachten nach hause zu entlassen. aber manchmal geht es einfach nicht. wenn das kind noch zu instabil ist, oder irgendwelche gröbere probleme hat, dann ist der fall klar. das kind bleibt hier. aber es ist auch nicht immer so klar. es gibt, wie jedes jahr, auch heuer wieder ein paar grenzgänger.

zum beispiel alina, die wir schon seit 6 wochen betreuen. sie war ein extremfrühchen, das 3 wochen nach ihrer geburt eine NEC hatte und ihm rahmen dessen einen künstlichen darmausgang erhalten hat. vor 5 tagen wurde dieser rückoperiert, sodass sie den stuhl nun wieder auf normalem weg ausscheiden kann. ob sie bis weihnachten so fit sein wird, dass sie nach hause gehen kann, ist ungewiss. es wird sich wohl erst ende der woche entscheiden. also sehr kurzfristig.

oder matthias. er ist ein reifgeborenes kind, 4 wochen alt, das während der geburt einen schweren sauerstoffmangel erlitten hat. er hat epileptische anfälle und kann außerdem nicht schlucken. das bedeutet, er muss ständig aus mund und nase abgesaugt werden, weil er mit seinem speichel nicht zurecht kommt und sonst tiefe sättigungsabfälle hat. außerdem hat er eine magensonde, die operativ durch die bauchdecke gelegt wurde, weil er eben auch nicht selbst trinken kann. seit etwa einer woche werden die eltern nun auf alles eingeschult (medikamente, sondieren, absaugen, monitor, reaktion auf alarme usw.). aber ob sie es sich in einer woche schon zutrauen, ihr kind zu hause selbstständig zu versorgen… das wird man sehen.

dafür hätte ich nie gedacht, dass unser kleiner toni noch vor weihnachten heim gehen wird. er wurde in der 32. woche geboren und ist jetzt drei wochen alt. er war zwar von anfang an sehr stabil, auch mit der atmung, aber trinken war immer sooooo mühsam. aus irgendeinem grund ist ihm vor 2 tagen der knopf aufgegangen und er trinkt, als hätte er nie was anderes getan. er wird, wenn alles so bleibt, in 3 tagen entlassen.

also, es gibt sie doch. die weihnachtswunder. und hoffentlich zeigen sich noch ein paar mehr.

baby on board

9. Dezember 2011

warum müssen eigentlich immer alle leute in den inku starren, wenn man mit einem frühchen durchs krankenhaus fährt? ich meine, ich versteh ja, so kleine babys sieht man auf der straße nicht und so weiter. und ich hab ja auch nix gegen verstohlene blicke. aber dass es eigentlich frech ist, sollte doch allen klar sein, oder?

folgendes ist letztens passiert.

ich bin mit einer ärztin und dem kleinen benno (ca. 800g, also noch recht klein und an der sauerstoffbrille) auf dem weg zu einer untersuchung. er liegt fest eingekuschelt in seinem inkubator. die große decke, die normalerweise zur reizabschirmung über dem inku liegt, haben wir auf der station gelassen, um bennos atmung auf dem transport besser beurteilen zu können.

so. da stehen wir nun bei den aufzügen und warten auf unseren bettenlift (den wir mit unserem speziellen schlüssel rufen können). wie immer dauert es auch heute ewig (= sicher 5 minuten), bis der lift kommt. also stehen wir da so rum und warten. wie immer bildet sich langsam aber sicher eine kleine menschentraube um uns und unseren patienten. die ärztin und ich tauschen genervte blicke aus. wir empfinden das als unhöflich. aber was solls. man kann den leuten ja nicht verbieten herzustarren.

es kommt wie es kommen muss. der kleine benno hört plötzlich auf zu atmen (was er auch sonst gelegentlich tut, ist also nix „besonderes“) und der monitor schlägt alarm. ich öffne eine kleine klappe des inkus und fummle etwas an benno herum, in der hoffnung, dass ihm das anreiz genug ist wieder mit der atmung einzusetzen. aber schnuppe. die werte am monitor fallen und fallen.

nicht aber die begeisterung unserer zuseher. die menschen um uns herum kommen langsam immer näher, es beginnt ein gemurmel.

ich stecke nun auch meine zweite hand in den inku, stimuliere etwas intensiver und siehe da… benno beginnt wieder zu atmen. eine situation, wie die bei uns auf der station gefühlte 1000mal täglich vorkommt.

nicht aber für unsere zuseher. obwohl die situation für uns quasi schon wieder erledigt ist (ich warte nur noch, bis sich bennos sauerstoffsättigung wieder normalisiert hat), wird das gemurmel der menschenmenge immer lauter. ich höre schlagworte wie „frühchen“, „alarm“, „reanimation“, „arzt holen“ usw.

plötzlich platzt der ärztin der kragen. mit lauter stimme sagt sie: „würden sie vielleicht alle mal 3 schritte zurück gehen? danke! ja, hier ist ein kleines frühchen unterwegs. und dem baby geht es bestens!“.

hihi. es hat geholfen. die menschenmenge hat sich murmelnd zurückgezogen.

mal etwas zum ansehen

14. November 2011

da die rufe nach bildmaterial immer lauter werden, hab ich mich mal im netz auf die suche nach reprotagen zum thema neonatologie gemacht. einfach wars nicht, denn oft gibt es da szenen, die ich euch nicht guten gewissens zeigen kann (also solche mit fürchterlichem handling mit den kleinen, oder fachlich falsch, oder sehr veraltet und so…).

aber schließlich hab ich doch noch was gefunden. eine reportage aus dem jahr 2010. da gibts zwar auch die ein oder andere sache, die ich nur ungern so unkommentiert im raum stehen lasse, aber naja. es kommt (meiner) realität auf jeden fall sehr nahe.

also, hier ist sie. eine reportage über die neonatologische intensivstation des AK altona in hamburg. ist zwar recht lange, aber es lohnt sich. trotz etwas langatmigeren mittelteils nicht vorzeitig aufgeben! gegen ende sieht man eine erstversorgung inkl. reanimation eines babys der 24. schwangerschaftswoche (mit sehr angespannten oberarzt).

 

 (ich weiß ja nicht obs an mir liegt, aber das ruckelt ganz schön. bitte über den youtube-link ansehen, da gehts einwandfrei!)

amme gefällig?

12. Oktober 2011

gespräch zwischen einer frühchenmama, deren tochter (35+4 ssw) wir soeben direkt aus dem kreißsaal (wegen respiratorischer anpassungsstörung) aufgenommen haben, und mir.  

ich: „haben sie vor ihre tochter zu stillen?“

mama: „ja, auf jeden fall.“

ich: „super, dann machen wir es so, dass sie ihre tochter einfach jedes mal anlegen, wenn sie munter und hungrig ist und sie an der station sind. da sie ja noch im haus aufgenommen sind, können wir sie auch gerne anrufen, wenn töchterchen gestillt werden möchte.“

mama: *besorgt* „ja, aber ich habe ja noch gar keine milch! was ist denn, wenn sie trotz stillen noch hunger hat?“

ich: „keine sorge, in den ersten tagen brauchen babys noch nicht viel milch. *blablabla* milcheinschuss *blablabla* keine sorge und so weiter. falls töchterchen wirklich noch hunger haben sollte, können wir ihr auch mit der flasche etwas nachfüttern. und wenn sie nicht da sind, dann würden wir ihre tochter auch mit der flasche füttern.“

mama: „ja aber ich habe gelesen, dass kinder, die am anfang mit der flasche gefüttert werden, die brust dann nicht mehr nehmen!“

ich: halte einen kurzen vortrag über saugverwirrung, „… aber wenn sie rund um die uhr zum stillen kommen möchten, dann können sie auch mit einem brusternährungsset zufüttern, dann brauchen wir keine flasche. das ist aber sicher recht anstrengend für sie, besonders in den ersten nächten.“

mama: „hm… können sie sie denn nicht auch mit diesem brust-dings füttern?“

offensichtlich hat sie noch nie was von einem brusternährungsset gehört. denn sonst wüsste sie, dass dieses ding so funktioniert:

ich musste leider ablehnen. um amme zu spielen verdiene ich dann doch zu wenig. 😉

wir konnten uns übrigens auf fingerfeeding in der nacht einigen. ja, auch sowas machen wir. wenns denn unbedingt sein muss.

felix

11. Oktober 2011

der kleine felix wurde in der 32. schwangerschaftswoche mit einem gewicht von etwa 1300g und einer länge von 39cm geboren. wir haben ihn kurz nach seiner geburt direkt aus dem kreißsaal übernommen. er musste nur für wenige stunden an den infant flow, war danach immer spontanatmend.

felix war ein wirklich ausgesprochen hübscher junge, mit vielen dunklen haaren und großen augen. und er war immer sehr ruhig und entspannt. meistens ist es ja so, dass frühchen einige tage brauchen, um richtig auf unserer welt „anzukommen“. sie sind unruhig, wirken überfordert und brauchen viel unterstützung, um sich zu beruhigen. bei felix war das nie so. vom ersten tag an wirkte er total ausgeglichen. er war ganz bei sich.

das war aber nicht das einzig erstaunliche an felix. er war auch von anfang an ein guter trinker. seine magensonde war nur selten in verwendung. nach wenigen tagen hatte er sich ganz auf unseren pflegerhythmus eingestellt und war immer kurz vor beginn seiner pflegerunde wach. aber nicht unruhig. er lag friedlich in seinem inkubator, bestaunte die umgebung mit seinen großen augen und wartete friedlich darauf gewickelt, massiert und gefüttert zu werden. danach schlief er bald wieder ein.

natürlich konnte felix auch mal laut werden, zum beispiel bei blutabnahmen. aber so sehr aus dem konzept hat ihn das auch nicht gebracht. er protestierte mit bestimmter, kräftiger stimme gegen die piekserei. aber wenn es vorbei war, wars auch wieder gut. er war nicht nachtragend.

auch felix‘ eltern waren sehr ausgeglichene personen. auch wenn die zu frühe geburt ihres sohnes sicher überraschend kam, so hat es sie doch nicht aus der bahn geworfen. während andere noch mit ihrem schicksal hadern, hatten diese eltern die situation bereits akzeptiert. ihr umgang mit ihrem kleinen jungen war von anfang an sehr, wie soll ich sagen… normal. sie hatten ihren sohn so angenommen, wie er war. ja, er war klein und dünn, scheinbar sehr zerbrechlich. ganz anders, als man sich ein baby eigentlich vorstellt. aber sie hatten beide keinerlei berührungsängste.

mit ca. 1400g, da war felix 2 wochen alt (also etwa in der 34. schwangerschaftswoche), entfernte sich der kleine die magensonde. und bekam keine neue mehr, denn er konnte alle seine mahlzeiten selbst trinken.

eine weitere woche später hatte felix auch seine gelegentlichen atemaussetzer eingestellt. eigentlich wäre er bereit gewesen, nach hause zu gehen. aber mit etwas mehr als 1,5kg war er den ärzten doch noch zu leicht, um ihn gehen zu lassen. deshalb wurden er und seine mama in unsere mutter-kind-einheit aufgenommen.

eine woche und weitere 150g später, etwa 4 wochen vor dem errechneten geburtstermin, durfte felix (endlich) nach hause. mit gut 1700g und 42cm.

es geht ihm sehr gut. es wird wohl noch etwas dauern, bis er größen und gewichtsmäßig zu seinen altersgenossen aufgeholt hat. vielleicht wird er auch immer ein kleiner und leichter junge bleiben. aber der hübsche, dunkelhaarige junge mit den großen augen ist völlig gesund. und das ist die hauptsache.