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wunder gibt es immer wieder

24. September 2010

heute gibts mal wieder eine fallgeschichte. is zwar schon ein paar jahre her, aber ich hoff das stört euch nicht.

damals hab ich noch in einem anderen haus gearbeitet. und wie ich hier schonmal erwähnt hab (glaub ich zumindest), haben wir dort in der nacht auch die kreißsäle und den sectio-op mitbetreut. das heißt, stand in der nacht eine sectio (= kaiserschnitt) an oder gab es im kreißsaal probleme beim kind, dann wurden wir gerufen.

so war es auch in jener nacht. gegen 23 uhr piepte der notfallpager hektisch los. es war der kreißsaal. das ist immer schlecht. wenn der op anruft, dann kann es zwar auch echt eilig sein, aber man weiß zumindest, dass sie die schwangere noch auf den tisch packen müssen. das sind die 2 minuten, die wir dann brauchen um rüber zu laufen.

piept uns aber der kreißsaal an, dann brennt der hut. dann ist das kind nämlich meist schon geboren und man wäre am besten schon vor 5 minuten dort gewesen um mit der versorgung des kindes beginnen zu können.

so ähnlich war es auch diesmal. nur dass das kind noch nicht komplett geboren war. der kopf war schon da, aber der rest steckte fest. das eigentliche problem war aber, dass das kind seit einiger zeit bradykard war (= zu niedrige herzfrequenz) und jetzt gar keinen puls mehr hatte.

als wir (= ein arzt und ich) im kreißsaal ankamen wurde das kind gerade abgenabelt. in der nabelschnur war ein fester knoten. das kind war regungslos, hatte einen apgar von 0/0/1.

wir konnten das mädchen reanimieren, aber es stand lange zeit wirklich schlecht um dieses kind. in den ersten lebenswochen rechneten wir praktisch jeden tag damit, dass sie sterben würde. sie war sehr instabil und atmete überhaupt garnicht.

ihre eltern waren jeden tag stundenlang da und kuschelten mit ihr. ich erinnere mich gut an die mutter. sie hat beim känguruhen mit ihrer tochter immer eine babydecke, die sie von zu hause mitgebracht hatte, über sich und ihr kind gelegt. klingt selstam, war aber irgendwie war es schön. sie war ganz eins mit ihrem mädchen.

den eltern wurde in den ersten wochen nicht viel hoffnung gemacht. die wahrscheinlichkeit dafür, dass sie ihre tochter jemals mit nach hause nehmen würden, war weniger als gering.

dann, nach 3 oder 4 wochen, ging es ihr plötzlich besser. immer mehr medikamente konnten abgesetzt werden. nur atmen wollte die kleine noch immer nicht. die ärzte begannen darüber nachzudenken den eltern die möglichkeit der heimbeatmung zu eröffnen. denn, warum die kleine nicht atmete war unklar.

doch dann: im alter von 5 wochen holte die kleine zum ersten mal luft. und hörte damit nicht mehr auf. 2 tage später wurde sie extubiert und durfte zum ersten mal von der flasche trinken.

eine woche später wurde sie auf eine normalstation verlegt. und nicht mal 2 wochen später gesund nach hause entlassen. sie hat von ihrer traumatischen geburt keine schäden behalten. wieso sie plötzlich mit der atmung eingesetzt hat, bzw. warum sie vorher nicht geatmet hat, weiß man nicht.