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manfred und seine schwierigen eltern

6. August 2010

nach über einer woche muss ich auch mal wieder ein lebenszeichen von mir geben. also: ich lebe noch 😉  und bin fleißig am arbeiten und geschichten sammeln – echt ein wahnsinn was sich bei uns momentan so abspielt. nicht wegen den kindern, die sind eigentlich alle recht brav. aber die eltern… eigentlich mag ich das arbeiten mit den eltern ja total gerne. aber manche machens einem echt schwer.

zum beispiel die eltern des kleinen manfred. manfred wurde in der 33. woche geboren und war von anfang an realtiv problemlos. bis auf sättigungsabfälle beim trinken und eine kleine infektion hatte er eigentlich nichts. er hat sich bestens entwickelt, ist ein hübscher und braver kleiner kerl geworden. die eltern, die schon eine 6jährige tochter haben, waren von anfang an „schwierig“. hier ein kleiner auszug:

manfred braucht einen venösen zugang – die mutter bricht in tränen aus. (gut, kann man ja noch verstehen, dass das für eine laien-mutter ein tragischer anblick ist)

manfred hat einen sättigungsabfall – die mutter bricht in panik aus und möchte, dass wir ihr kind beatmen. (auch ok, die mutter kann sie situation nicht so gut einschätzen)

manfred übersiedelt vom wärmebett ins normale kinderbett – die mutter bekommt einen hysterischen anfall, weil ihr SOHN eine ROSA decke bekommen hat. (eine freundliche frage um eine neue decke hätte es auch getan)

manfred trinkt alle seine mahlzeiten selbst, die magensonde wird entfernt – die eltern sind darüber nicht glücklich. (das hab ich ehrlich gesagt noch nie erlebt!)

manfred ist temperaturstabil, weshalb wir ihm die hauttemperatursonde entfernen – mutter greift  4-minütlich ins bett, um zu sehen ob ihm eh nicht kalt ist. (und weckt ihn damit jedes mal auf)

manfred ist so stabil, dass wir ihm die herzfrequenz-elektroden entfernen und ihn nur mehr über die sättigung überwachen – mutter nimmt dies wortlos hin, geht raus, telefoniert (offensichtlich) mit dem vater. 2 minuten später ruft der vater auf der station an und meint, damit sei er nicht einverstanden. (warum auch immer)

manfred soll bald entlassen werden, deshalb findet ein entlassungsgespräch mit den eltern statt – die eltern verpassen den ersten termin, sagen ihn vorher nicht ab. zum zweiten termin erscheinen sie und verlangen, dass manfred mit heimmonitor und magensonde entlassen wird. (manfred ist völlig stabil, mittlerweile auch beim trinken, und hat seit 2 wochen keine magensonde mehr – wird also abgelehnt)

vor manfreds entlassung müssen die eltern einen erste hilfe kurs für säuglinge besuchen (ist standard bei uns) – die eltern erscheinen 2mal nicht zu ihrem termin. (sagen vorher natürlich auch nicht ab)

lustig, oder? der kleine hätte anfang dieser woche entlassen werden sollen. wegen des fehlenden erste hilfe kurses war das nicht möglich. der nächste termin wäre nächste woche. nun wurden leider die neo-betten in unserem haus knapp, da gestern gleich 3 kinder in der 23. bzw. 24. woche geboren wurden, und 2 weitere frühgeborene in den nächsten tagen kommen werden, welche beide auf grund von  fehlbildungen (1mal herz, 1mal nieren) sicher ein intensivbett brauchen werden.

was macht eine station in so einem fall? ausmisten. also alles, was auch wo anders gut aufgehoben ist, wird transferiert. und da manfred im grunde ein völlig gesundes kind ist, steht er ganz oben auf der liste. leider waren bei uns im haus auf den anderen kinderstationen keine betten frei. deshalb musste er in ein anderes haus.

als die ärzte der mutter das mitgeteilt haben, war sie natürlich gar nicht glücklich. mit tränen in den augen fragt sie, ob wir manfred nicht nach hause entlassen könnten. können wir nicht, sie hat ja 2mal den termin für den kurs verpasst. kein kurs, keine entlassung – sorry.

„wenn ich das gewusst hätte, dann wären wir doch zum kurs gegangen…“

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