Posts Tagged ‘aufnahme’

dr. bussibussi

19. Juli 2012

ein wunderbar ruhiger mittwoch nachmittag. alle kindeleins sind versorgt, stabil und zufrieden. zeit für ein kaffeepäuschen mit den kolleginnen.

*ringring* das telefon klingelt.

„neonatologie 1A, schwester natalie am apparat“

„ja hallo, dr. bussibussi hier. ich hab da mal ne frage. wie siehts denn bei euch so mit betten aus?“

ich bin etwas verwirrt. dr. bussibussi ist nämlich kein neonatologe oder sonst irgendein kinderarzt. nein, er ist gynäkologe. aber nicht irgendeiner. er ist ein offensichtlich sehr erfolgreicher gynäkologe, mit privatpraxis im besten teil der stadt. zu seinen patienten zählen ausschließlich äußerst zahlungskräftige damen. gerüchten zufolge hat er auch sowas wie eine kinderwunschklinik im ausland, in der man dinge machen lassen kann, die hierzulande verboten sind. ob das stimmt weiß aber niemand so genau.

egal, denn so oder so. er ist gynäkologe und wir eine neonatologie. patiententurfing is hier nich.

„wie, mit betten?“

„na, sie haben ja diese mutter-kind-zimmer, nicht wahr?“

„ähm, ja schon, aber…“

„ich habe da nämlich eine patientin mit blasensprung, die ist heute dreiundreißig plus eins. und die würde ich gerne in den nächsten tagen sectionieren. da wollte ich mal nachfragen, wann es denn am besten ist, damit sie dann gleich in dieses zimmer kann.“

ich halte einen moment inne und überlege, ob ich das gerade richtig verstanden habe. dr. bussibussi möchte also, dass ich ihm sage, wann er die sectio ansetzen soll, damit wir die frisch operierte mutter samt kind aufnehmen können…?!

„oh. wir nehmen aber keine frisch sectionierten mütter auf. die mütter müssen bei uns in der lage sein ihr kind völlig selbstständig zu versorgen. außerdem können wir die mutter in keiner weise medizinisch oder pflegerisch versorgen.“

„aaach, das kriegen wir schon hin. wir würden ihr ja die nummer unserer station geben und sie kann sich dann rund um die uhr bei uns melden, wenn sie was braucht.“

ja genau. jedes mal, wenn sie schmerzen hat, hilfe beim aufstehen und der körperpflege braucht und sonstige fragen zum wochenbett hat, wird sie anrufen. dann wird eine schwester von der gefühlt 1000km entfernten gynäkologie rübergelaufen kommen und ihr helfen. klar.

„wissense, die frau ist eine privatpatientin von mir…“

„ach neee…“

„ja, und die wünscht sich halt so sehr von anfang an bei ihrem baby zu sein.“

„das kann ich wirklich gut verstehen. trotzdem geht das nicht. sie kann aber jeder zeit, rund um die uhr zu besuch kommen. und wenn es ihr körperlich besser geht und sie von ihnen entlassen wird, dann kann sie gerne in ein mutter-kind-zimmer ziehen, wenn eines frei ist. derzeit sind sowieso alle belegt und werden vor freitag auch nicht frei.“

„mhm… freitag… mhm… ja na dann, wiederhören!“

eine stunde später. unser oberarzt stürmt wütend die station.

„wer hat um himmels willen zu dr. bussibussi gesagt, dass wir am freitag seine hochprivate 33. woche samt mutter aufnehmen können?!“

ich nicht. ich schwörs!

wo ist das kind?

2. Januar 2012

2 uhr in der früh, das telefon klingelt und auf der station ist ein bett frei. ich denke, ihr wisst schon, was das bedeutet. richtig. aufnahme.

ich übernehme ein ca. 12 stunden altes, spätes frühchen mit knapp 2,5kg aus dem kinderzimmer der wochenbettstation. das kind hat trotz frühfütterung niedrige blutzucker und braucht eine glukoseinfusion (die mutter hatte schwangerschaftsdiabetes). also kein aufwendiger patient. nach 10 minuten ist alles soweit erledigt und ich setzte mich an den pc und klopfe die wichtigsten daten rein. gleichzeitig bespreche ich mit dem arzt, der mir das kind gebracht hat, den weiteren plan.

beiläufig frage ich ihn, ob die mutter eh bescheid weiß, dass ihr kind nun bei uns liegt. normalerweise ist es nämlich so, dass der kinderarzt (also unser arzt) mit dem kind noch kurz bei der mutter vorbei schaut, damit sie sich verabschieden kann. außerdem wird sie darüber informiert wo das kind jetzt hinkommt und so weiter.

der arzt (ein ganz lieber, wirklich, aber noch recht jung und unerfahren…) sagt mit schuldbewusstem unterton: „leider nein, die gyn-schwestern wollten nicht, dass ich die mutter aufwecke.“, sie hatte ja eine (nicht einfache) sectio, hat schmerzmittel bekommen und schläft jetzt so gut.

so. ich als frau versetzte mich schlagartig in die position der mutter. ich wache also am tag nach der geburt meines kindes auf (oder noch in der nacht), bitte die schwestern mir mein kind zu bringen, weil ich noch nicht aufstehen kann und dann heißt es: „oh, achja, ihr kind haben wir in der nacht auf die kinderstation verlegt. ich glaub, station 3 haben die gesagt.“.

ich würde ausflippen. und zwar gründlich. sowas geht einfach nicht. unter keinen umständen. das tut ja sogar mir im herzen weh!

also bin ich rüber auf die wochenbettstation, bewaffnet mit einem foto des kindes, unserer visitenkarte und einem infoblatt. mein plan war das alles den schwestern zu übergeben und sie sehr freundlich zu bitten, der mutter alles zu geben, wenn sie das nächste mal aufwacht.

doch es kam anders.

schon als ich die station betrete, höre ich eine mutter laut und aufgebracht sprechen, gelegentlich schluchzen, und zwei schwestern (eine vom kinderzimmer, eine von der gyn), die im flüsterton auf sie einreden. mir ist gleich klar, dass DAS sicher „meine“ mutter ist. der name auf dem schild neben der zimmertüre bestätigt meinen verdacht.

die mutter ist verzweifelt, weil genau das vorhin beschriebene szenario eingetreten ist. sie wurde wach, wollte ihr kind sehen, es war nicht da und die gyn-schwester wusste nicht wo es war. deshalb holte sie sich die kinderzimmer-schwester dazu, dir ihr zwar sagen konnte wo das kind jetzt ist, aber nicht wann und wie sie zu ihrem kind kann. der blanke horror für jede mutter.

also hab ich mich ganz ungeniert eingemischt, der mutter alle wichtigen infos gegeben, kurz mit ihr geplaudert, der gyn-schwester einen bösen blick und die worte „das wäre nicht notwendig gewesen“ zugeworfen und bin wieder gegangen.

hihi.

ps: ich hoffe ihr hattet alle schön weihnachten und seid gut ins neue jahr gerutscht! 🙂

mal etwas zum ansehen

14. November 2011

da die rufe nach bildmaterial immer lauter werden, hab ich mich mal im netz auf die suche nach reprotagen zum thema neonatologie gemacht. einfach wars nicht, denn oft gibt es da szenen, die ich euch nicht guten gewissens zeigen kann (also solche mit fürchterlichem handling mit den kleinen, oder fachlich falsch, oder sehr veraltet und so…).

aber schließlich hab ich doch noch was gefunden. eine reportage aus dem jahr 2010. da gibts zwar auch die ein oder andere sache, die ich nur ungern so unkommentiert im raum stehen lasse, aber naja. es kommt (meiner) realität auf jeden fall sehr nahe.

also, hier ist sie. eine reportage über die neonatologische intensivstation des AK altona in hamburg. ist zwar recht lange, aber es lohnt sich. trotz etwas langatmigeren mittelteils nicht vorzeitig aufgeben! gegen ende sieht man eine erstversorgung inkl. reanimation eines babys der 24. schwangerschaftswoche (mit sehr angespannten oberarzt).

 

 (ich weiß ja nicht obs an mir liegt, aber das ruckelt ganz schön. bitte über den youtube-link ansehen, da gehts einwandfrei!)

amme gefällig?

12. Oktober 2011

gespräch zwischen einer frühchenmama, deren tochter (35+4 ssw) wir soeben direkt aus dem kreißsaal (wegen respiratorischer anpassungsstörung) aufgenommen haben, und mir.  

ich: „haben sie vor ihre tochter zu stillen?“

mama: „ja, auf jeden fall.“

ich: „super, dann machen wir es so, dass sie ihre tochter einfach jedes mal anlegen, wenn sie munter und hungrig ist und sie an der station sind. da sie ja noch im haus aufgenommen sind, können wir sie auch gerne anrufen, wenn töchterchen gestillt werden möchte.“

mama: *besorgt* „ja, aber ich habe ja noch gar keine milch! was ist denn, wenn sie trotz stillen noch hunger hat?“

ich: „keine sorge, in den ersten tagen brauchen babys noch nicht viel milch. *blablabla* milcheinschuss *blablabla* keine sorge und so weiter. falls töchterchen wirklich noch hunger haben sollte, können wir ihr auch mit der flasche etwas nachfüttern. und wenn sie nicht da sind, dann würden wir ihre tochter auch mit der flasche füttern.“

mama: „ja aber ich habe gelesen, dass kinder, die am anfang mit der flasche gefüttert werden, die brust dann nicht mehr nehmen!“

ich: halte einen kurzen vortrag über saugverwirrung, „… aber wenn sie rund um die uhr zum stillen kommen möchten, dann können sie auch mit einem brusternährungsset zufüttern, dann brauchen wir keine flasche. das ist aber sicher recht anstrengend für sie, besonders in den ersten nächten.“

mama: „hm… können sie sie denn nicht auch mit diesem brust-dings füttern?“

offensichtlich hat sie noch nie was von einem brusternährungsset gehört. denn sonst wüsste sie, dass dieses ding so funktioniert:

ich musste leider ablehnen. um amme zu spielen verdiene ich dann doch zu wenig. 😉

wir konnten uns übrigens auf fingerfeeding in der nacht einigen. ja, auch sowas machen wir. wenns denn unbedingt sein muss.

felix

11. Oktober 2011

der kleine felix wurde in der 32. schwangerschaftswoche mit einem gewicht von etwa 1300g und einer länge von 39cm geboren. wir haben ihn kurz nach seiner geburt direkt aus dem kreißsaal übernommen. er musste nur für wenige stunden an den infant flow, war danach immer spontanatmend.

felix war ein wirklich ausgesprochen hübscher junge, mit vielen dunklen haaren und großen augen. und er war immer sehr ruhig und entspannt. meistens ist es ja so, dass frühchen einige tage brauchen, um richtig auf unserer welt „anzukommen“. sie sind unruhig, wirken überfordert und brauchen viel unterstützung, um sich zu beruhigen. bei felix war das nie so. vom ersten tag an wirkte er total ausgeglichen. er war ganz bei sich.

das war aber nicht das einzig erstaunliche an felix. er war auch von anfang an ein guter trinker. seine magensonde war nur selten in verwendung. nach wenigen tagen hatte er sich ganz auf unseren pflegerhythmus eingestellt und war immer kurz vor beginn seiner pflegerunde wach. aber nicht unruhig. er lag friedlich in seinem inkubator, bestaunte die umgebung mit seinen großen augen und wartete friedlich darauf gewickelt, massiert und gefüttert zu werden. danach schlief er bald wieder ein.

natürlich konnte felix auch mal laut werden, zum beispiel bei blutabnahmen. aber so sehr aus dem konzept hat ihn das auch nicht gebracht. er protestierte mit bestimmter, kräftiger stimme gegen die piekserei. aber wenn es vorbei war, wars auch wieder gut. er war nicht nachtragend.

auch felix‘ eltern waren sehr ausgeglichene personen. auch wenn die zu frühe geburt ihres sohnes sicher überraschend kam, so hat es sie doch nicht aus der bahn geworfen. während andere noch mit ihrem schicksal hadern, hatten diese eltern die situation bereits akzeptiert. ihr umgang mit ihrem kleinen jungen war von anfang an sehr, wie soll ich sagen… normal. sie hatten ihren sohn so angenommen, wie er war. ja, er war klein und dünn, scheinbar sehr zerbrechlich. ganz anders, als man sich ein baby eigentlich vorstellt. aber sie hatten beide keinerlei berührungsängste.

mit ca. 1400g, da war felix 2 wochen alt (also etwa in der 34. schwangerschaftswoche), entfernte sich der kleine die magensonde. und bekam keine neue mehr, denn er konnte alle seine mahlzeiten selbst trinken.

eine weitere woche später hatte felix auch seine gelegentlichen atemaussetzer eingestellt. eigentlich wäre er bereit gewesen, nach hause zu gehen. aber mit etwas mehr als 1,5kg war er den ärzten doch noch zu leicht, um ihn gehen zu lassen. deshalb wurden er und seine mama in unsere mutter-kind-einheit aufgenommen.

eine woche und weitere 150g später, etwa 4 wochen vor dem errechneten geburtstermin, durfte felix (endlich) nach hause. mit gut 1700g und 42cm.

es geht ihm sehr gut. es wird wohl noch etwas dauern, bis er größen und gewichtsmäßig zu seinen altersgenossen aufgeholt hat. vielleicht wird er auch immer ein kleiner und leichter junge bleiben. aber der hübsche, dunkelhaarige junge mit den großen augen ist völlig gesund. und das ist die hauptsache.

lars kommt in die ambulanz

25. Juli 2011

lars wurde in der 34. woche mit etwa 2kg geboren. da es ihm gut ging und er keinerlei probleme hatte, wurde er nach seiner geburt nicht auf der neo aufgenommen. er durfte gleich mit seiner mutter auf die wochenbettstation.

auch dort ging es ihm weiterhin gut. beim trinken an der brust war er zwar ziemlich langsam, aber irgendwie klappte es doch. außerdem war er etwas gelb, hatte eine milde neugeborenengelbsucht, die aber nicht therapiert werden musste.

nach 6 tagen wurde er, gemeinsam mit seiner mutter, nach hause entlassen. da der gelbsuchtwert noch erhöht war, sollte die mutter in 2 tagen zur kontrolle in die ambulanz kommen. außerdem sollte sein gewicht dort nochmal kontrolliert werden, da er noch nicht zugenommen hatte.

2 tage später sitzt die mutter nun in der ambulanz. sie hat ein gutes gefühl und ist sehr stolz auf ihren sohn. er ist ja so ein braver. eine schwester ruft sie in ein behandlungszimmer und bittet sie, lars erstmal auszuziehen. die waage zeigt 1770g an. das sind 100g weniger, als noch vor 2 tagen. außerdem fällt der schwester gleich auf, dass lars sich ziemlich warm anfühlt. die rektal gemessene temperatur liegt bei 38,7°C.

dann kommt die ärztin zur untersuchung und blutabnahme. von der schwester hat sie schon gehört, dass lars in keinem besonders guten zustand zu sein scheint. ihre untersuchung bestätigt den eindruck der schwester. lars ist schlapp, blass, bewegt sich kaum, hat trockene lippen, eingefallene augen und fontanelle, der herzschlag und die atemfrequenz sind erhöht.

während der untersuchung stellt die schwester der mutter ein paar fragen. wird er voll gestillt? ja. wie oft trinkt er von der brust? alle 4-5 stunden, nachts hat er eine pause von 8-10 stunden. wie lange trinkt er pro mahlzeit? etwa 20 minuten. wieviele nasse windeln hat er am tag? er wird immer nach dem stillen gewickelt, da ist eigentlich immer pipi drin. wann hatte er das letzt  mal stuhl? heute morgen. ist lars immer so ruhig, weint er auch ab und zu? *stolzgeschwelltebrust* nein, lars weint nie. er ist so brav. wenn er munter wird, dann druckst er nur so rum. aber weinen tut er nie. also, am tag der entlassung hat er noch viel geweint, aber das war sicher nur vom stress. jetzt ist er sehr entspannt.

ein kurzer blick zwischen schwester und ärztin. die mutter hat ihn gesehen und ist jetzt etwas beunruhigt. stimmt etwas nicht? die ärztin erklärt ihr, dass lars wohl dehydriert ist und wahrscheinlich aufgenommen werden muss. er ist möglicherweise deshalb so ruhig, weil er keine kraft mehr hat.

*BUMM* ein schlag ins gesicht für lars‘ mutter. darauf war sie wirklich nicht vorbereitet.

die blutabnahmen bestätigten den verdacht. lars wird stationär aufgenommen. und hier komme ich ins spiel. lars kommt nämlich zu uns. begleitet wird er von seiner mutter und einer ambulanzschwester, die sich nach der übergabe wieder verabschiedet.

das übliche, gut eingespielte aufnahmeprocedere beginnt. ein arzt und ich fummeln an lars rum, monitieren und untersuchen ihn, eine kollegin zieht eine infusion auf, die wir auch gleich anhängen. eine andere kollegin erledigt den papierkram und wieder eine andere versucht die mutter aufzufangen und erklärt ihr, was hier gerade passiert.

nach etwa 10 minuten ist auch schon alles erledigt und ich wende mich der mutter zu. sie ist total durch den wind. ich biete ihr an, im mutter-kind-zimmer zu schlafen, damit sie bei ihrem sohn bleiben und ihn auch nachts anlegen kann. sie lehnt (derzeit) dankend ab. was mich nicht überrascht. offensichtlich zweifelt sie gerade stark an ihrer stillkompetenz. aber das wird schon wieder.

gemeinsam besprechen wir das weitere vorgehen. lars wird nun alle 4 stunden zum essen geweckt und soll 40ml trinken. die mutter darf natürlich weiterhin anlegen. sollte lars deutlich weniger als diese 40ml trinken, dann bekommt er eine magensonde. bezüglich des fiebers wird vorerst noch zugewartet. man nimmt an, dass es von der dehydration kommt, also ein sog. „durstfieber“ ist. die entzündungswerte sind nur minimal erhöht. wir sind sicher, dass sich der immer noch erhöhte gelbsuchtwert, temperatur, atmung und herzfrequenz mit flüssigkeitszufuhr per infusion wieder normalisieren werden. wenn lars es dann auch noch schafft genügend nahrung selbst zu trinken, dann darf er wieder nach hause.

 

entgegen all unserer erwartungen hat es doch länger gedauert um lars zum trinken zu bringen. er war knapp 3 wochen bei uns aufgenommen. und es war wirklich harte arbeit. denn lars war sehr trinkfaul. letztlich hat er es aber doch geschafft und konnte heute gesund und voll gestillt nach hause entlassen werden.

zuviele ärzte überfüllen die station

18. Februar 2011

es ist 15 uhr. nach einem arbeitsreichen tag mit haufenweise entlassungen, transferierungen und aufnahmen, kehrt erstmals ruhe ein. der großteil der kinder liegt ruhig schlafend auf einem elternteil, die anderen in ihrem bett. ab und zu stört ein kurzer monitoralarm die ruhe. alle sind entspannt. die ärzte haben sich zu einer besprechung zurückgezogen, die schwestern sitzen gemütlich bei einer tasse kaffee oder tee zusammen und quatschen über dies und das.

doch dann…

die schwere türe am stationseingang wird unsanft aufgerissen. man hört das monotone piepen eines transportmonitors. wir, die schwestern verstummen sofort, niemand bewegt sich. eine tiefe männerstimme sagt: „halloooo?“. langsam stehe ich auf, gehe zum stützpunkt. was sehe ich da?

4 männer eines rettungsdienstes und einen transportinkubator. ich bin verwirrt. wir haben keine aufnahme erwartet. außerdem sind wir voll. gut, wir haben noch ein notfallbett frei, aber das wird normalerweise wirklich nur im notfall belegt.

der mann mit der tiefen stimme schüttelt mir die hand:

„guten tag, wir kommen mit dem patienten xy aus der irgendwasklinik.“

„ähm… ja… auf welche station wollen sie denn?“ (ich gehe davon aus, dass sie sich im stock geirrt haben)

„na zu ihnen. ja, hier stehts, kinderklinik, 4. stock, station 4A.“

„aha… aber… wir sind doch voll?… moment.“

eine kollegin geht bei den ärzten nachfragen. es stellt sich heraus, dass wohl im heutigen entlassungs-transferierungs-aufnahme-chaos ein bett zu viel vergeben wurde. leider hat das niemand bemerkt. und auf dieses kind wurde offensichtlich vergessen.

tja, zuviele köche verderben den brei  siehe überschrift.

zurückschicken konnte man das kind natürlich nicht mehr. deshalb sind wir jetzt überbelegt. macht auch nichts, sieht auf den zahlen des monats sicher gut aus. vielleicht kriegen wir ja dann endlich mal mehr personal (haha).

ein ganz normaler tag, teil 3

15. November 2010

teil 2

12:05 uhr: die aufnahme kommt. ich hole das riesen-mädchen (jedenfalls für meine begriffe) aus dem transportinku, lege es zuerst auf die waage, dann ins wärmebett, klebe ihr elektroden auf die brust und den fuß und lege ihr die sauerstoffbrille mit 25%O2 an. zu meiner (positiven) überraschung hat das kind bereits einen zugang. die hebamme erzählt mir kurz was passierte. das kind wurde wegen geburtsstillstand und erschöpfung der mutter per sectio geholt. die mutter hatte für die geburt eine vollnarkose. initial war das kind vital, hat prompt geschrien, in der 5. lebensminute wurde die atmung schlechter, das kind zyanotisch (blau) und schlapper, hat deshalb sauerstoff und flüssigkeit i.v. bekommen. die große hat wohl etwas von der narkose der mutter abbekommen. blute wurden abgenommen, harn hatte das kind bereits bei der erstversorgung, stuhl noch nicht. gemeinsam mit einem oberarzt sehe ich mir das kind erstmal genau an. das kind wirkt insgesamt schlapp, ist aber rosig. am linken oberschenkel hat das kind eine kleine schnittverletzung, sicher von der sectio. is aber nicht schlimm, blutet nur minimalst, ich desinfiziere die wunde und klebe ein pflaster drauf. sonst hat das kind keine verletzungen. der nabelschnurrest ist sehr lang, ich lasse mir eine nabelklemme und eine sterile schere bringen und kürze ihn etwas. außerdem messe ich blutdruck, der ist ok. die atmung ist etwas schnell, aber die sättigung gut, sodass ich den sauerstoff reduzieren kann. der arzt beschließt ein röntgen des thorax machen zu lassen und ruft gleich bei der radiologie an. ich trockne der großen noch etwas die vielen haare am kopf, messe kopfumfang und länge, verpasse ihr eine pampers, decke die maus gut zu und klopfe mal alles in den pc. 10 minuten später steht die dame vom röntgen neben mir, ich helfe ihr kurz, dann ist sie auch schon wieder weg. ich mache noch schnell ein foto und einen fußabdruck, dann lassen wir die große erstmal in ruhe.

12:30 uhr: ich habe hunger! und wie! gemeinsam mit meinen kolleginnen bereite ich unser mahl vor. heute auf der karte: auflaufreste von gestern. klingt nicht so lecker, ist es aber!   bevor ich aber loslege, sehe ich nochmal nach toni. seine atmung ist ruhig und regelmäßig. einem ruhigen essen steht also nichts im wege. während wir essen kommt einer der ärzt zu mir und teilt mir mit, dass anni um 15 uhr im herzkatheterlabor sein soll für die op. ich bitte ihn, ihren eltern gleich bescheid zu sagen. ich sehe noch schnell nach meiner großen aufnahme. sie atmet ruhig, sättigt gut. deshalb entferne ich ihr die sauerstoffbrille. das klappt gut. die blutergebnisse und das röntgen sind da, alles gut.

13:20 uhr: ich gehe zu annis eltern. sie sind nervös. ich sage ihnen, dass sie anni bis vor die türen des op begleiten dürfen und gleich angerufen werden, wenn die op zu ende und anni auf der intensivstation ist. ich überprüfe, ob die handynummern der eltern korrekt sind, lege anni ein namensband an und bereite schonmal alles für den transport vor.

13:30 uhr: marcos mama ist da. ich erzähle ihr kurz, wie seine nacht so war. danach bereitet sie alles fürs baden und wiegen vor, ich bringe ihr frische kleidung für den jungen mann, hänge ihn vom monitor ab und schon geht los. marcos mama ist schon sehr selbstständig, sie braucht keine hilfe bei der versorgung. ich bleibe trotzdem in der nähe, wenn sie was braucht, soll sie sich melden. ich mache noch marcos bett frisch, dann begrüße ich tonis eltern, die gerade an die station kommen. als sie sehen, dass toni (wieder) am IF ist und einen zugang hat, steigen der mutter tränen in die augen. ich erkläre ihr, dass er sich seit der nacht immer mehr angestrengt hat beim atmen, und deshalb nun wieder etwas unterstützung dabei braucht. seit er am IF ist, geht es ihm deutlich besser, mittlerweile braucht er nur mehr 25%O2 und atmet damit schön. die eltern fragen, ob sie trotzdem mit ihm kuscheln dürfen. selbstverständlich, das ist genau das, was er jetzt braucht. aber die flasche werden wir ihm heute nicht anbieten, damit wir ihn nicht überfordern. die eltern sind einverstanden. wir beginnen mit der pflegerunde, sie wickeln toni, gemeinsam machen wir die mundpflege. dann lege ich toni der mutter auf die brust.

13:50 uhr: marcos mama sagt mir stolz das neue gewicht, er hat wieder brav zugenommen. ich klebe ihm neue elektroden auf die brust, die mama zieht ihn an, ich hänge ihn wieder an den monitor und bringe ihr die flasche. danach sondiere ich toni seine mahlzeit.

14:10 uhr: marco ist eingeschlafen. er hatte einige abfälle beim trinken, ist jetzt nach der vielen action ganz ko. baden ist für die kleinen ganz schön anstrengend. deshalb hat er auch nicht sehr viel getrunken. ich sondiere ihm den rest, während die mama muttermilch abpumpen geht.

14:35 uhr: anni ist sehr unruhig, hat immer wieder abfälle. sie spürt die nervosität und anspannung ihrer eltern. der arzt ordnet ein leichtes beruhigungsmittel an, darauf hin schläft sie ein. ich klebe einen kleinen zettel mit den telefonnummern der eltern und dem text „bitte ruf meine eltern an, sobald sie wieder zu mir dürfen“ an annis bett. ich sage meinen kolleginnen bescheid, dass ich dann gleich in den op fahre, marco und toni bei ihren eltern känguruhen und die große schläft.

14:45 uhr: anni, ihre eltern, ein arzt und ich machen uns auf den weg in den op. vor den türen des op können die eltern sich nochmal verabschieden. es fließen viele tränen. eine anästhesieschwester kommt zu uns raus, begrüßt die eltern und versichert, dass sie sich gut um anni kümmern werde. dann fahren wir in den vorraum, annis eltern machen sich wieder auf den weg zur station der mutter. wir übergeben alles wissenswerte an das anwesende personal, ich mache nochmal auf den bitte-anrufen-zettel aufmerksam. dann gehen wir wieder zurück auf die station.

15:00 uhr: wieder zurück an der station. eine kollegin sagt mir, dass der vater der großen hier ist. bevor ich zu ihm gehe drucke ich noch schnell das foto aus und klebe es, gemeinsam mit dem fußabdruck, in eine der eigens dafür gebastelten karten. ich nehme noch eine visitenkarte der station mit und gehe den vater, der gerade fleißig fotos seiner großen macht, begrüßen. ich erzähle kurz, wie es seiner tochter geht, erkläre ihm alle kabel, an die sie angeschlossen ist und was damit überwacht wird. ich übergebe ihm die karte und biete ihm an seine tochter auf den arm zu nehmen. er willigt ein, ich mache mit seiner kamera ein paar fotos von ihm und seiner tochter. sie soll übrigens susanna heißen. das schreibe ich natürlich gleich auf ihr namensschild.

15:10 uhr: schnelle nachmittagsvisite. susanna wird gleich nochmal von einem arzt angeschaut und danach wahrscheinlich wieder zu mutter gehen. die blutabnahmen waren unauffällig. sonst gibts nicht viel zu besprechen.

15:30 uhr: der arzt hat sich susanna nochmal angesehen und mit dem vater gesprochen. susanna soll noch eine stunde bei uns beobachtet werden. wenn sie weiterhin so stabil bleibt, soll sie ins kinderzimmer der gynäkologie gehen. dort bleibt sie für 24 stunden noch per pulsoxy überwacht. susanna ist jetzt auch wach und hungrig. gemeinsam wickeln wir sie, ich entferne ihr den zugang und bringe dem vater ein fläschchen. er füttert ihr 15ml. dabei ist sie stabil. danach verabschiedet sich der vater wieder. er will bei der mutter auf die ankunft von susanna warten. ich schreibe schonmal den transferierungsbericht und lege ihr ein namensband an.

15:45 uhr: toni ist beim kuscheln so stabil, dass ich ihm den sauerstoff auf 21% reduzieren kann. jetzt geh ich erstmal einen tee trinken und merci essen… hihi.

16:30 uhr: ich ziehe susanna an, packe sie in den kinderwagen, schließe sie an einen kleinen transportmonitor an, nehme ihr namensschild und alle wichtigen unterlagen mit und mache mich auf den weg zur gynäkologie. zuvor sage ich natürlich meinen kolleginnen bescheid. da susanna stabil ist gehe ich alleine, ohne arzt. im kinderzimmer angekommen übergebe ich die große einer kinderkrankenschwester und mache mich wieder auf den weg zurück.

17:00 uhr: marco ist wach und hungrig. hätte er geschlafen, hätte ich ihn nur sondiert. aber da er so munter ist, bringe ich der mutter eine flasche zum füttern. bevor ich toni sondiere, machen wir noch einen kuschel-wechsel. jetzt ist nämlich der papa dran, die mama geht in der zwischenzeit abpumpen. außerdem spüle ich seinen zugang und hänge eine frische infusion an. da ich nur 2 kinder habe (der arme nachtdienst, da kommt sicher eine aufnahme), übernehme ich die pflegerunde bei einem der kinder einer kollegin.

17:30 uhr: marco hat doch tatsächlich zum ersten mal die flasche komplett selbst ausgetrunken!! und das auch noch mit wenigen abfällen. die mama ist stolz wie bolle, zu recht. ich gebe alles in den pc ein, schreibe meine berichte. danach gehe ich noch den spritzenwagen, auf dem wir alles gelagert haben, was wir im alltag so brauchen, nachfüllen.

18:50 uhr: der nachtdienst ist schon da. deshalb beginnen wir gleich mit der übergabe. da ich nur 2 kinder habe, bin ich schnell fertig und düse ab nach hause.

das bili-kind

6. Juni 2010

gestern abend, 17:30 uhr, irgendwo im deutschsprachigen raum europas. der dienst ist fast geschafft, die arbeit erledigt. alle kinder sind satt und frisch gewickelt, schlafen ruhig in ihren betten oder in den armen der eltern. nach einem langen dienst kehrt ruhe ein. wir schreiben unsere berichte und freuen uns auf den feierabend.

doch dann… klingelt das telefon. eine handynummer erscheint am display. ich rechne mit einer mutter oder einem vater, nichts böses ahnend hebe ich ab.

ich: kinderklinik sonnenschein, neonatalie, guten abend?

frau am anderen ende: hallo, dr. klein hier. ich habe hier ein kind, das hab ich gestern entlassen. und das hat jetzt 25 bili. habt ihr ein bett frei?

ich: ja, haben wir.

sie: ja super! wie machen wir das jetzt? am besten ich schick die eltern in die ambulanz, und die schicken sie euch dann rauf, oder? ist grad ein arzt in der nähe?

ich: äh, ja ambulanz ist gut. ich such mal schnell einen arzt.

sie: gut, weil ich weiß es ist jetzt grad eine blöde zeit, aber das kind braucht echt schnell eine phototherapie, weil 25 bili is schon viel. und infusion braut es auch. is auch kein problem, ich schreib euch schon die infusion vor. und zugang mach ich auch wenns sein muss.

ich: jaja, ok. ich geb dir mal einen arzt. *übergeb* (also das telefon!)

was ich nach diesem telefonat angenommen habe: die liebe dr. klein (übrigens eine wirklich nette person, sie ist eine oberärztin unserer neonatologie) sitzt unten in der ambulanz und hat da eben dieses bili-kind (also ein kind mit hyperbilirubinämie). wahrscheinlich ein ehemaliges frühchen oder ein reifes kind mit sonstigen startproblemen (habe leider nicht nachgefragt – schande über mich!), das gestern erst aus unserem haus entlassen wurde. sie legt dem kind einen zugang, schreibt feinsäuberlich eine infusion vor und schickt mutter und kind zu uns rauf.

wir bereiten also alles vor. wärmebett, perfusoren, turbolampe (is einfach stärker als die wärmebett-phototherapie-lampe), biliblanket, und alles was sonst so dazu gehört. und wir beeilen uns natürlich, schließlich rechnen wir damit, dass das kind in etwa 5 minuten bei uns sein wird.

tja. und dann passiert… nichts. wir warten. und warten. wir nehmen an, dass das kind nicht so leicht zu stechen ist und überlegen uns sonstige erklärungen für das nicht-erscheinen unserer akuten aufnahme.

um 18:20 uhr erscheint die mutter mit dem kind bei uns auf der station. weil wir ja ein eingespieltes team sind übernehme ich erstmal das kind (das quietschgelb im maxicosi ruht) und meine kollegin übernimmt den papierkram. sie nimmt der mutter die ambulanzmappe ab und wirft einen blick hinein. darin befindet sich: nichts! nicht ein einziger zettel! stattdessen überreicht die mutter meiner verdutzten kollegin einen handgeschriebenen schmierzettel. darauf stehen die daten des kindes, sowie ein infusionsgemisch. das hat die dr. klein ihr mitgegeben, sagt die mutter. scherz oder?!

während ich das kind auspacke und unter die lampe packe fällt mir auf, dass das kind gar keinen zugang hat. auf nachfrage bei der mutter stellt sich folgendes heraus:

das kind ist reif geboren und etwa eine woche alt. es wurde in einem nahegelegenen privatspital geboren. dort erschien die mutter heute zur geplanten untersuchung des bilirubinwertes. frau dr. klein arbeitet anscheinend auch ab und zu dort. das wussten wir nicht. die mutter wurde auf grund des erhöhten wertes von der frau doktor zu uns zur aufnahme geschickt. einen offiziellen bericht gibt es nicht, nur diesen zettel, den die mutter uns übergeben hat.

nun gut, was tun? mal die ärtze benachrichtigen, die müssen ohnehin einen blick auf das kind werfen. meine kollegin ruft die mal an:

kollegin: kind ist da, kommt ihrs mal anschaun? es hat übrigens auch keinen zugang, und infusionsvorschreibung haben wir auch nicht.

arzt: puuuh, also jetzt is es grad schlecht. bin noch auf einer anderen station und muss noch einige blutabnahmen machen. legt ihr doch den zugang und hängts mal irgendwas an.

kollegin: IRGENDWAS?? na gut, wie wäre es mit einem kalium-bypass?

arzt: !!???!!! *nachluftschnapp*

kollegin: war ja nur ein witz! also was solln wir anhängen? und faxt du uns bitte die vorschreibung?

ich glaube, aus purer angst meine kollegin und ich würden dem kind tatsächlich kalium anhängen, kam keine 2 minuten später eine vorschreibung per fax. hihi.

jedenfalls haben wir das dann erledigt. zugang, blutabnahmen, infusion.

um 18:55 waren wir mit allem fertig. um 19 uhr beginnt die übergabe. war irgendwie unnötig viel stress…

maxi

28. April 2010

gestern starte ich froh und gut gelaunt in meinen tagdienst. gleich in der früh kommt der oberarzt zu mir und verkündet, dass wir ein kind von der intensiv eines anderen hauses bekommen werden. kein problem, wir sind zwar voll, aber immerhin steht heute ja auch eine entlassung an, also keine große sache. ich rufe schon mal auf dieser intensiv an und erkundige mich nach dem kind. eigentlich nicht mein job, aber ich will ja wissen was ich vorbereiten muss.

ich erfahre: maxi ist ehemaliges frühchen der 25. schwangerschaftswoche, mittlerweile fast 3 monate alt, IVH III rechts und links (=starke Hirnblutung auf beiden seiten), hat vor 14 tagen einen shunt (zur ableitung von hirnwasser) erhalten, ein weiterer ventrikel ziemlich erweitert, aber noch kein handlungsbedarf, voll parenteral ernährt, verträgt orale nahrung gar nicht, duodenalsonde im gespräch, außerdem hat das kind hin und wieder mal krampfanfälle.

gut, ich starte mit den vorbereitungen, richte ein wärmebett und sonstiges zubehör her. gleichzeitig schreibe ich schon mal die papiere für meine entlassung vor und versorge „nebenbei“ auch noch meine anderen beiden kleinen patienten.

um 10 uhr steht mein neuer patient, maxi, vor der tür. ich übernehmen ihn von der unsympatischen kollegin des anderen hauses. ein blick in maxis gesicht und ich bin erstaunt. er hat deutliche hirndruck zeichen. die fontanelle ist gewölbt, er schielt stark und das sonnenuntergangsphänomen ist nicht zu übersehen. ich frage die kollegin seit wann er schon hirndruckzeichen hat. seit ein paar tagen. aha. nachdem ich es maxi in seinem neuen bett gemütlich gemacht habe gebe ich der ärztin bescheid. sie sieht sich maxi an und beschließt den oberarzt drauf schaun zu lassen. nachdem alle anwesenden ärzte (und medizinstundenten) maxi ausführlich begutachtet haben wird beschlossen einen ultaschall des schädels zu machen. wie erwartet ist der erwähnte ventrikel stark erweitert. das kind braucht also sofort eine externe ventrikeldrainage. ok, gerne, aber nicht bei uns. wir sind nur eine „halb“-intensiv und machen solche eingriffe nicht. also gut, das kind wird auf unsere intensiv transferiert. aber erst nach der visite.

also fange ich den ganzen schreibkram, den ich für die aufnahme schon erledigt habe wieder von vorne an, für die transferierung. in der zwischenzeit sind endlich die eltern meiner entlassung hier und holen ihr kind ab. eine sorge weniger.

während ich gerade bei der visite bin alarmiert maxis monitor in schrillen tönen. ich renne hin, maxi ist blitzblau, steif, atmet nicht, zuckt mit den armen. ein krampfanfall. ich verabreiche ihm sofort (s)ein krampflösendes mittel. jetzt ist er schlaff, atmet aber noch immer nicht. gut, dann eben bebeuteln. einer der ärzte kommt gemütlich spazierend ins zimmer und fragt mich ob alles ok ist. dann sieht er, dass ich am beuteln bin und bewegt sich nun doch etwas schneller zum bett her. aber das schlimmste ist schon vorbei. maxi erholt sich nur langsam, aber immerhin setzt die atmung wieder ein.

als maxi wieder eine annehmbare sättigung und atmung hat schaue ich auf und blicke in entsetzte gesichter. die gesichter der eltern und besucher der anderen patienten. ich habe irgendwie das gefühl was beruhigendes sagen zu müssen. also sage ich sowas wie: alles ok. ich gebe dem sichtlich genauso erschockenem arzt zu verstehen, dass ich maxi gerne JETZT transferieren würde.

das geht dann auch erstaunlich schnell. 15 minuten später bringe ich maxi rauf auf die intensiv. eine stunde später hat er eine externe ventrikel drainage gelegt bekommen, ist nach einer 7minütigen reanimation intubiert und hat katecholamine laufen.

die eltern der anderen patienten beschäftigt maxi noch immer. mehrmals werde ich an diesem tag noch gefragt was mit dem kleinen denn los war, ob es ihm gut geht, sogar ob er gestorben ist fragt mich eine mutter.. nein ist er noch nicht. ich bin nur froh, dass maxis mutter nicht anwesend war..