Posts Tagged ‘asphyxie’

weihnachten naht

18. Dezember 2011

eigentlich ist weihnachten ja DER familientag des jahres. nun ist es aber so, dass die familien, mit denen wir täglich zusammen arbeiten, nicht sicher sein können, ob sie das fest dieses jahr auch tatsächlich als familie gemeinsam feiern können. denn das jüngste mitglied liegt ja bei uns.

deshalb ist die vorweihnachtszeit (und auch weihnachten selbst) bei uns immer etwas ganz besonderes. und das manchmal auch im negativen, traurigen sinn.

natürlich versuchen wir, so viele kinder wie möglich vor weihnachten nach hause zu entlassen. aber manchmal geht es einfach nicht. wenn das kind noch zu instabil ist, oder irgendwelche gröbere probleme hat, dann ist der fall klar. das kind bleibt hier. aber es ist auch nicht immer so klar. es gibt, wie jedes jahr, auch heuer wieder ein paar grenzgänger.

zum beispiel alina, die wir schon seit 6 wochen betreuen. sie war ein extremfrühchen, das 3 wochen nach ihrer geburt eine NEC hatte und ihm rahmen dessen einen künstlichen darmausgang erhalten hat. vor 5 tagen wurde dieser rückoperiert, sodass sie den stuhl nun wieder auf normalem weg ausscheiden kann. ob sie bis weihnachten so fit sein wird, dass sie nach hause gehen kann, ist ungewiss. es wird sich wohl erst ende der woche entscheiden. also sehr kurzfristig.

oder matthias. er ist ein reifgeborenes kind, 4 wochen alt, das während der geburt einen schweren sauerstoffmangel erlitten hat. er hat epileptische anfälle und kann außerdem nicht schlucken. das bedeutet, er muss ständig aus mund und nase abgesaugt werden, weil er mit seinem speichel nicht zurecht kommt und sonst tiefe sättigungsabfälle hat. außerdem hat er eine magensonde, die operativ durch die bauchdecke gelegt wurde, weil er eben auch nicht selbst trinken kann. seit etwa einer woche werden die eltern nun auf alles eingeschult (medikamente, sondieren, absaugen, monitor, reaktion auf alarme usw.). aber ob sie es sich in einer woche schon zutrauen, ihr kind zu hause selbstständig zu versorgen… das wird man sehen.

dafür hätte ich nie gedacht, dass unser kleiner toni noch vor weihnachten heim gehen wird. er wurde in der 32. woche geboren und ist jetzt drei wochen alt. er war zwar von anfang an sehr stabil, auch mit der atmung, aber trinken war immer sooooo mühsam. aus irgendeinem grund ist ihm vor 2 tagen der knopf aufgegangen und er trinkt, als hätte er nie was anderes getan. er wird, wenn alles so bleibt, in 3 tagen entlassen.

also, es gibt sie doch. die weihnachtswunder. und hoffentlich zeigen sich noch ein paar mehr.

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carolin

9. November 2011

ein wunderschöner herbsttag im oktober. die sonne scheint, das laub raschelt, die blätter der bäume zeigen ihre schönsten farben. der perfekte tag für einen ausgedehnten spaziergang.

doch daran kann carolins mama gar nicht denken. sie hat nämlich gerade nach 14 stunden wehen ihre zweite tochter carolin geboren. sie ist ein süßes reifes mädchen mit 3700g und 51cm. sie schreit kräftig und wird rasch rosig. auch die plazenta wird bald geboren. alles ist perfekt.

um den eltern die möglichkeit zu geben ihr kind in trauter zweisamkeit zu begrüßen, verlässt die hebamme für einige minuten den kreißsaal. zu diesem zeitpunkt ist carolin etwa eine halbe stunde alt.

mama und papa kuscheln sich aneinander, carolin liegt auf der brust ihrer mutter. alle sind sehr erschöpft, glücklich und dösen vor sich hin.

nach etwa 10 minuten kommt die hebamme wieder und fragt nach, ob alles ok ist. mama und papa nicken. die mutter berichtet, dass carolin sogar eingeschlafen sei. mit einem lächeln auf den lippen geht die hebamme ums kreißbett herum, um die zufrieden schlafende carolin zu bestaunen. doch das lächeln weicht plötzlich einem ernsthaft erschrockenen ausdruck.

carolin atmet nicht. sie ist tiefblau und leblos. die hebamme löst sofort alarm aus und legt die kleine in das rea-bett. wenige sekunden später ist ein neo-team vor ort. carolin wird intubiert, reanimiert, stabilisiert und auf die intensivstation gebracht.

die eltern sind schwer geschockt. natürlich. sie haben alles mitangesehen. die psychologin wird informiert und beginnt sofort mit der krisenintervention.

die folgende woche verbringt carolin auf der intensivstation. auf grund des starken sauerstoffmangels wird sie für 3 tage auf 33,5°C körperkerntemperatur gekühlt, um ein starkes anschwellen des gehirns zu verhindern. schon der erste ultraschall des kopfes unmittelbar nach der aufnahme auf der intensivstation zeigt eine mittelgroße hirnblutung auf beiden seiten.

das ist etwa 2 wochen her. seit einer woche ist carolin nun schon bei uns. und es geht ihr erstaunlich gut. sie verhält sich wie ein „normales“ baby, trinkt brav und nimmt gut zu. das einzig auffälle ist ihr EEG, dieses zeigt eine deutlich erhöhte krampfbereitschaft. dagegen bekommt sie nun ein medikament. mit auswirkungen auf ihre entwicklung ist derzeit nicht zu rechnen.

also, ich weiß ja nicht…

16. Mai 2011

eine schwangere in der 39. woche kommt morgens in die ambulanz des krankenhauses, in dem sie entbinden will. sie spürt seit gestern abend keine kindsbewegungen mehr. gar keine. und macht sich jetzt logischerweise sorgen.

gut. also mal schnell ans CTG. dieses zeigt keine kindlichen herztöne mehr an. nichts zu finden. gar nix.

zur sicherheit noch ein ultraschall. hier das gleiche. das kleine herz steht.

jetzt gibt es zwei möglichkeiten. entweder man teilt der schwangeren mit, dass ihr kind leider verstorben ist. oder man macht eine notsectio, um zu sehen ob noch was zu retten ist.

man entscheidet sich für die notsectio. warum auch immer. ich nehme an, man gibt die hoffnung nicht auf.

so, nun wird also ein reifes kind geboren. tot. keine atmung. kein herzschlag. keine reflexe. einfach nichts.

angesichts der vorgeschichte könnte man es einfach gut sein lassen.

oder… vielleicht hat das herz ja erst in dem moment aufgehört zu schlagen, als man den ultraschallkopf auf den bauch der schwangeren gedrückt hat?! und das wäre ja erst 10 minuten her!

doch ein bisschen reanimieren? na gut, ein bisschen geht immer. man kann ja jederzeit wieder damit aufhören, nich wahr?

also volle kanne los reanimiert! und alle medikamente, die der rea-wagen so hergibt, in das kind reingespritzt!

30 minuten reanimation. zwischenbilanz? kind immernoch tot. keine herzaktion und auch sonst nix.

gibt es hier jemanden, der weiter reanimieren würde? und wenn ja, wieso (um himmels willen)??

wunder gibt es immer wieder

24. September 2010

heute gibts mal wieder eine fallgeschichte. is zwar schon ein paar jahre her, aber ich hoff das stört euch nicht.

damals hab ich noch in einem anderen haus gearbeitet. und wie ich hier schonmal erwähnt hab (glaub ich zumindest), haben wir dort in der nacht auch die kreißsäle und den sectio-op mitbetreut. das heißt, stand in der nacht eine sectio (= kaiserschnitt) an oder gab es im kreißsaal probleme beim kind, dann wurden wir gerufen.

so war es auch in jener nacht. gegen 23 uhr piepte der notfallpager hektisch los. es war der kreißsaal. das ist immer schlecht. wenn der op anruft, dann kann es zwar auch echt eilig sein, aber man weiß zumindest, dass sie die schwangere noch auf den tisch packen müssen. das sind die 2 minuten, die wir dann brauchen um rüber zu laufen.

piept uns aber der kreißsaal an, dann brennt der hut. dann ist das kind nämlich meist schon geboren und man wäre am besten schon vor 5 minuten dort gewesen um mit der versorgung des kindes beginnen zu können.

so ähnlich war es auch diesmal. nur dass das kind noch nicht komplett geboren war. der kopf war schon da, aber der rest steckte fest. das eigentliche problem war aber, dass das kind seit einiger zeit bradykard war (= zu niedrige herzfrequenz) und jetzt gar keinen puls mehr hatte.

als wir (= ein arzt und ich) im kreißsaal ankamen wurde das kind gerade abgenabelt. in der nabelschnur war ein fester knoten. das kind war regungslos, hatte einen apgar von 0/0/1.

wir konnten das mädchen reanimieren, aber es stand lange zeit wirklich schlecht um dieses kind. in den ersten lebenswochen rechneten wir praktisch jeden tag damit, dass sie sterben würde. sie war sehr instabil und atmete überhaupt garnicht.

ihre eltern waren jeden tag stundenlang da und kuschelten mit ihr. ich erinnere mich gut an die mutter. sie hat beim känguruhen mit ihrer tochter immer eine babydecke, die sie von zu hause mitgebracht hatte, über sich und ihr kind gelegt. klingt selstam, war aber irgendwie war es schön. sie war ganz eins mit ihrem mädchen.

den eltern wurde in den ersten wochen nicht viel hoffnung gemacht. die wahrscheinlichkeit dafür, dass sie ihre tochter jemals mit nach hause nehmen würden, war weniger als gering.

dann, nach 3 oder 4 wochen, ging es ihr plötzlich besser. immer mehr medikamente konnten abgesetzt werden. nur atmen wollte die kleine noch immer nicht. die ärzte begannen darüber nachzudenken den eltern die möglichkeit der heimbeatmung zu eröffnen. denn, warum die kleine nicht atmete war unklar.

doch dann: im alter von 5 wochen holte die kleine zum ersten mal luft. und hörte damit nicht mehr auf. 2 tage später wurde sie extubiert und durfte zum ersten mal von der flasche trinken.

eine woche später wurde sie auf eine normalstation verlegt. und nicht mal 2 wochen später gesund nach hause entlassen. sie hat von ihrer traumatischen geburt keine schäden behalten. wieso sie plötzlich mit der atmung eingesetzt hat, bzw. warum sie vorher nicht geatmet hat, weiß man nicht.

weil wir schon mal am weg waren…

15. Juli 2010

es gibt endlich mal wieder positives zu berichten! rosie geht es wieder gut, der infant flow gehört der vergangenheit an. yippiiie! wenn jetzt nix mehr dazwischen kommt, dann gehts für die junge dame ende nächster woche schon nach hause.

auch sonst konnten wir den ein oder anderen schnorchel entfernen. und ich hatte nach langer zeit wieder mal das vergnügen einen transport zu fahren. eigentlich gleich zwei.

wir, dr. fröhlich und ich, brachten einen unserer kleinen patienten in ein anderes haus. der transport war unspektakulär, das kind völlig stabil und ich hab mich gut mit dr. fröhlich unterhalten. lustigerweise ging die reise in mein altes haus, auf meine alte station. ich wurde überschwänglich von meinen ehemaligen kolleginnen empfangen, schön war das… hihi.

bevor wir mit der übergabe beginnen konnten wurde dr. fröhlich ein telefon in die hand gedrückt. unsere intensiv war dran und teilte uns mit, dass wir auf dem rückweg gleich ein kind aus einer nahegelegenen privatklinik mitnehmen und zu ihnen bringen sollen… wenn wir schon mal am weg sind. der grund: respiratorische anpassungsstörung beim reifen neugeborenen. deshalb blieb leider keine zeit zum plaudern, aber was solls.

gut, also haben wir uns an die übergabe gemacht, die schnell erledigt war. danach musste ich noch den transportinku wischen und neu aufrüsten. währenddessen rief nochmal unsere intensiv an, wir sollen uns doch etwas beeilen, die kollegen der privatklinik seien schon nervös. das heißt prinzipiell nicht viel, denn die werden schnell mal nervös wenn neugeborene nach der geburt nicht bald top fit sind. aber dennoch haben wir uns schnell zusammengepackt und sind wieder los gefahren.

keine 10 minuten später, in der privatklinik angekommen, stellte sich die respiratorische anpassungsstörung als asphyxie heraus. ups, da wäre ich an deren stelle wohl auch nervös geworden. das kind war bereits intubiert und mäßig stabil.

bevor wir losgefahren sind, hat dr. fröhlich die intensiv noch darüber informiert, dass das kind etwas mehr als eine anpassungsstörung hat. und ich hab mir sicherheitshalber noch eine notfalltasse mit allen eventuell notwendigen medikamenten zurecht gemacht. man weiß ja nie. zum glück hab ich sie aber nicht gebraucht. nach 20 minütiger fahrt waren wir auch schon wieder „zu hause“ angekommen.

tja, das war mein dienst gestern. langweilig wird mit in meinem job wohl nie werden 😉

achja, was sagt ihr zu meinem neuen header? hab ich selbst persönlich fotografiert und designt! *stolzbin*