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lilly

20. Dezember 2010

weil bei den letzten suchbegriffen das thema verzicht aufs elternrecht bei frühgeborenen aufgekommen ist, will ich euch heute mal von einer ganz süßen maus erzählen. nämlich von der kleinen lilly.

lilly wurde in der 26. schwangerschaftswoche nach einem vorzeitigen blasensprung geboren. es war eine anonyme geburt. die mutter hatte sich bereits vor der geburt für eine freigabe zur adoption entschieden. das ist alles was wir über die mutter wissen. warum, wieso, weshalb adoption? keine ahnung. gemunkelt wurde natürlich viel. von minderjährig bis prostituierte war alles dabei. auch, dass der blasensprung mit der „stricknadel-methode“ forciert wurde. letzlich weiß man aber nichts wirklich.

na jedenfalls, nach lillys geburt wurde umgehend mit der suche nach adoptiveltern begonnen. die such gestaltete sich nicht einfach, sodass man auch zeitgleich nach langzeitpflegeeltern suchte, falls (vorerst) keine adoptiveltern zu finden waren.

lilly war von anfang an recht stabil. sie kam nach 8 tagen intensiv zu uns, musste nicht beatmet werden (außer für eine kleine augen-op), brauchte aber 5 wochen lang unterstützung beim atmen mittels infantflow. danach war sie noch 3 wochen an der sauerstoffbrille. das mit dem trinken ging auch halbwegs gut. sie war also eine ganz fitte maus.

wie kam lilly zu ihrem namen? durch uns. ihre mutter hatte ihr keinen vornamen gegeben (ich weiß nicht mal, ob sie dazu das recht gehabt hätte?), und adoptiveltern gab es ja noch nicht. auf der intensiv hatten sie sie immer nur mit kosenamen angesprochen. nach wenigen tagen bei uns etablierte sich der name lilly. wir wissen nicht mehr, wer damit angefangen hat.

das jugendamt rief immer wieder an, um sich nach lillys zustand zu erkundigen. so wussten sie auch bald, dass wir ihr einen namen gegeben hatten. irgendwann sagte die dame am telefon dann: „achja, übrigens haben wir elisabeth jetzt als offiziellen vornamen eingetragen, weil sie sie doch immer lilly nennen.“ tja, damit wars dann auch schon offiziell.

4 wochen nach lillys geburt teile uns das jugendamt mit, dass sie pflegeeltern eltern gefunden hatten, die lilly nehmen würden. mit der ersten kontaktaufnahme wollten sie aber noch warten, falls sie doch noch adoptiveltern finden.

und tatsächlich. wir hätten es ja nicht mehr geglaubt. aber als lilly 7 wochen alt war kam der anruf. es gibt potentielle adoptiveltern. gleich für den nächsten tag, 13 uhr wurde das erste treffen vereinbart.

als ich morgens in den dienst kam und hörte, dass adoptiveltern gefunden waren und dass sie heute kommen sollten, war klar: natalie betreut heute die kleinen lilly! hihi. meine kolleginnen kennen mich und wissen, dass ich auf elternarbeit stehe. 😀

da ja heute ein besonderer tag  war, habe ich lilly in der früh besonders schick gemacht, magensonde und sauerstoffbrille mit schönen, herzförmigen pflastern neu fixiert und ihr was hübsches angezogen. damit sich die neuen eltern auch sofort in sie verlieben. wobei das eigentlich nicht nötig gewesen wäre, denn lilly war wirklich ein ausgesprochen hübsches kind.

dann war es soweit. eine sozialarbeiterin vom jugendamt kam auf die station. der oberarzt, unsere psychologin und ich begrüßten sie. dann wurde kurz das vorgehen besprochen. also zuerst das kind ansehen gehn, dann rüber in den besprechungsraum, alles besprechen, dann nochmal zum kind, bei der pflege zusehen (anleiten durfte ich die eltern noch nicht, versicherungstechnische gründe, blablabla). danach würden sich eltern und sozialarbeiterin wieder verabschieden.

endlich die eltern reingeholt. sie waren total aufgeregt. wir haben sie begrüßt und sie gleich zu lilly geführt. sie lag friedlich schlafend in ihrem wärmebett und sah zuckersüß aus. die beiden waren sofort hin und weg. der neuen mama kamen die tränen. sofort begann sie lilly am kopf zu streicheln und mit ihr zu sprechen. auch der papa war gerührt, „guck mal schatz, die kleinen hände, oooooch ist die klein! sieh mal da, sie hat geblinzelt!“. die entscheidung, dass sie die kleine nehmen würden, war im ersten moment schon gefallen.

ich glaub, das war eine der schönsten momente, die ich in meinem beruf je erlebt hab. ganz ehrlich. den monitor, die sauerstoffbrille, die magensonde, das wärmebett, die alarme rundherum, alles haben die beiden ausgeblendet. sie hatten nur augen für lilly. ihre lilly.*schluchz* könnte schon wieder flennen wenn ich dran denk…

nach der ersten begrüßung sind wir dann ins besprechungszimmer. dort wurden erstmal taschentücher verteilt und tränen getrocknet. danach gabs vom oberarzt medizinische infos zu geburt, verlauf und momentanen status. die eltern hatten sich auch ein paar fragen aufgeschrieben, die genau beantwortet wurden. die wichtigste frage war die letzte: „dürfen wir heute schon fotos von lilly machen?“   😀

danach sind wir wieder zu lilly, ich habe sie gewickelt und gefüttert und dabei schon das wichtigste erklärt. aber wirklich zugehört haben mir die eltern glaub ich nicht. sie waren immer noch auf wolke 7, haben fotos gemacht und jede kleinigkeit an ihr bewundert. nicht mal gelegentliche monitoralarme beim trinken haben sie gestört.

der krönende abschluss war das erste familienfoto mit mama, papa und lilly in mamas armen. ♥

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