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lars kommt in die ambulanz

25. Juli 2011

lars wurde in der 34. woche mit etwa 2kg geboren. da es ihm gut ging und er keinerlei probleme hatte, wurde er nach seiner geburt nicht auf der neo aufgenommen. er durfte gleich mit seiner mutter auf die wochenbettstation.

auch dort ging es ihm weiterhin gut. beim trinken an der brust war er zwar ziemlich langsam, aber irgendwie klappte es doch. außerdem war er etwas gelb, hatte eine milde neugeborenengelbsucht, die aber nicht therapiert werden musste.

nach 6 tagen wurde er, gemeinsam mit seiner mutter, nach hause entlassen. da der gelbsuchtwert noch erhöht war, sollte die mutter in 2 tagen zur kontrolle in die ambulanz kommen. außerdem sollte sein gewicht dort nochmal kontrolliert werden, da er noch nicht zugenommen hatte.

2 tage später sitzt die mutter nun in der ambulanz. sie hat ein gutes gefühl und ist sehr stolz auf ihren sohn. er ist ja so ein braver. eine schwester ruft sie in ein behandlungszimmer und bittet sie, lars erstmal auszuziehen. die waage zeigt 1770g an. das sind 100g weniger, als noch vor 2 tagen. außerdem fällt der schwester gleich auf, dass lars sich ziemlich warm anfühlt. die rektal gemessene temperatur liegt bei 38,7°C.

dann kommt die ärztin zur untersuchung und blutabnahme. von der schwester hat sie schon gehört, dass lars in keinem besonders guten zustand zu sein scheint. ihre untersuchung bestätigt den eindruck der schwester. lars ist schlapp, blass, bewegt sich kaum, hat trockene lippen, eingefallene augen und fontanelle, der herzschlag und die atemfrequenz sind erhöht.

während der untersuchung stellt die schwester der mutter ein paar fragen. wird er voll gestillt? ja. wie oft trinkt er von der brust? alle 4-5 stunden, nachts hat er eine pause von 8-10 stunden. wie lange trinkt er pro mahlzeit? etwa 20 minuten. wieviele nasse windeln hat er am tag? er wird immer nach dem stillen gewickelt, da ist eigentlich immer pipi drin. wann hatte er das letzt  mal stuhl? heute morgen. ist lars immer so ruhig, weint er auch ab und zu? *stolzgeschwelltebrust* nein, lars weint nie. er ist so brav. wenn er munter wird, dann druckst er nur so rum. aber weinen tut er nie. also, am tag der entlassung hat er noch viel geweint, aber das war sicher nur vom stress. jetzt ist er sehr entspannt.

ein kurzer blick zwischen schwester und ärztin. die mutter hat ihn gesehen und ist jetzt etwas beunruhigt. stimmt etwas nicht? die ärztin erklärt ihr, dass lars wohl dehydriert ist und wahrscheinlich aufgenommen werden muss. er ist möglicherweise deshalb so ruhig, weil er keine kraft mehr hat.

*BUMM* ein schlag ins gesicht für lars‘ mutter. darauf war sie wirklich nicht vorbereitet.

die blutabnahmen bestätigten den verdacht. lars wird stationär aufgenommen. und hier komme ich ins spiel. lars kommt nämlich zu uns. begleitet wird er von seiner mutter und einer ambulanzschwester, die sich nach der übergabe wieder verabschiedet.

das übliche, gut eingespielte aufnahmeprocedere beginnt. ein arzt und ich fummeln an lars rum, monitieren und untersuchen ihn, eine kollegin zieht eine infusion auf, die wir auch gleich anhängen. eine andere kollegin erledigt den papierkram und wieder eine andere versucht die mutter aufzufangen und erklärt ihr, was hier gerade passiert.

nach etwa 10 minuten ist auch schon alles erledigt und ich wende mich der mutter zu. sie ist total durch den wind. ich biete ihr an, im mutter-kind-zimmer zu schlafen, damit sie bei ihrem sohn bleiben und ihn auch nachts anlegen kann. sie lehnt (derzeit) dankend ab. was mich nicht überrascht. offensichtlich zweifelt sie gerade stark an ihrer stillkompetenz. aber das wird schon wieder.

gemeinsam besprechen wir das weitere vorgehen. lars wird nun alle 4 stunden zum essen geweckt und soll 40ml trinken. die mutter darf natürlich weiterhin anlegen. sollte lars deutlich weniger als diese 40ml trinken, dann bekommt er eine magensonde. bezüglich des fiebers wird vorerst noch zugewartet. man nimmt an, dass es von der dehydration kommt, also ein sog. „durstfieber“ ist. die entzündungswerte sind nur minimal erhöht. wir sind sicher, dass sich der immer noch erhöhte gelbsuchtwert, temperatur, atmung und herzfrequenz mit flüssigkeitszufuhr per infusion wieder normalisieren werden. wenn lars es dann auch noch schafft genügend nahrung selbst zu trinken, dann darf er wieder nach hause.

 

entgegen all unserer erwartungen hat es doch länger gedauert um lars zum trinken zu bringen. er war knapp 3 wochen bei uns aufgenommen. und es war wirklich harte arbeit. denn lars war sehr trinkfaul. letztlich hat er es aber doch geschafft und konnte heute gesund und voll gestillt nach hause entlassen werden.

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manchmal muss man sich schon wundern

22. Juli 2010

gestern im tagdienst, etwa um 11 uhr, läutet unser telefon. dran ist die frau sonstwie, die mutter eines ehemaligen patienten, den wir irgendwann im mai entlassen haben.

mutter: mein sohn hat seit gestern abend fieber!

ich: aha…?

mutter: ich hab ihm gestern schon ein fieberzäpfchen gegeben, aber heute in der früh hatte er wieder 38,8 grad!

ich: aha…?

mutter: was hat er denn?? und soll ich ihm nochmal ein zäpfchen geben? oder soll ich gleich ins krankenhaus fahren?

ich: ok, STOP. es ist erst 11 uhr, wieso fahren sie denn nicht einfach zu ihrem kinderarzt?

mutter: naja, kennt sich der mit sowas überhaupt aus?

HÄ?? wenn nicht damit, womit denn dann?? hab ich natürlich nicht gesagt. hätt ich aber gern. auch das argument, dass ihr sohn ja eine frühgeburt war, zog bei mir nicht. wie auch immer, ich hab ihr empfohlen mit dem kind zum kinderarzt zu fahren oder wenigstens dort anzurufen.

war ihr scheinbar ziemlich egal, denn eine stunde später ruft ein erzürnter ambulanzarzt bei uns an. er möchte wissen wie wir dazu kommen dieser mutter zu empfehlen, sie solle mit ihrem kind lieber nicht zum kinderarzt gehen, weil der sich „damit“ nicht auskennt und sie lieber in die ambulanz kommen soll. ja ne, is klar.