Posts Tagged ‘32. schwangerschaftswoche’

weihnachten naht

18. Dezember 2011

eigentlich ist weihnachten ja DER familientag des jahres. nun ist es aber so, dass die familien, mit denen wir täglich zusammen arbeiten, nicht sicher sein können, ob sie das fest dieses jahr auch tatsächlich als familie gemeinsam feiern können. denn das jüngste mitglied liegt ja bei uns.

deshalb ist die vorweihnachtszeit (und auch weihnachten selbst) bei uns immer etwas ganz besonderes. und das manchmal auch im negativen, traurigen sinn.

natürlich versuchen wir, so viele kinder wie möglich vor weihnachten nach hause zu entlassen. aber manchmal geht es einfach nicht. wenn das kind noch zu instabil ist, oder irgendwelche gröbere probleme hat, dann ist der fall klar. das kind bleibt hier. aber es ist auch nicht immer so klar. es gibt, wie jedes jahr, auch heuer wieder ein paar grenzgänger.

zum beispiel alina, die wir schon seit 6 wochen betreuen. sie war ein extremfrühchen, das 3 wochen nach ihrer geburt eine NEC hatte und ihm rahmen dessen einen künstlichen darmausgang erhalten hat. vor 5 tagen wurde dieser rückoperiert, sodass sie den stuhl nun wieder auf normalem weg ausscheiden kann. ob sie bis weihnachten so fit sein wird, dass sie nach hause gehen kann, ist ungewiss. es wird sich wohl erst ende der woche entscheiden. also sehr kurzfristig.

oder matthias. er ist ein reifgeborenes kind, 4 wochen alt, das während der geburt einen schweren sauerstoffmangel erlitten hat. er hat epileptische anfälle und kann außerdem nicht schlucken. das bedeutet, er muss ständig aus mund und nase abgesaugt werden, weil er mit seinem speichel nicht zurecht kommt und sonst tiefe sättigungsabfälle hat. außerdem hat er eine magensonde, die operativ durch die bauchdecke gelegt wurde, weil er eben auch nicht selbst trinken kann. seit etwa einer woche werden die eltern nun auf alles eingeschult (medikamente, sondieren, absaugen, monitor, reaktion auf alarme usw.). aber ob sie es sich in einer woche schon zutrauen, ihr kind zu hause selbstständig zu versorgen… das wird man sehen.

dafür hätte ich nie gedacht, dass unser kleiner toni noch vor weihnachten heim gehen wird. er wurde in der 32. woche geboren und ist jetzt drei wochen alt. er war zwar von anfang an sehr stabil, auch mit der atmung, aber trinken war immer sooooo mühsam. aus irgendeinem grund ist ihm vor 2 tagen der knopf aufgegangen und er trinkt, als hätte er nie was anderes getan. er wird, wenn alles so bleibt, in 3 tagen entlassen.

also, es gibt sie doch. die weihnachtswunder. und hoffentlich zeigen sich noch ein paar mehr.

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felix

11. Oktober 2011

der kleine felix wurde in der 32. schwangerschaftswoche mit einem gewicht von etwa 1300g und einer länge von 39cm geboren. wir haben ihn kurz nach seiner geburt direkt aus dem kreißsaal übernommen. er musste nur für wenige stunden an den infant flow, war danach immer spontanatmend.

felix war ein wirklich ausgesprochen hübscher junge, mit vielen dunklen haaren und großen augen. und er war immer sehr ruhig und entspannt. meistens ist es ja so, dass frühchen einige tage brauchen, um richtig auf unserer welt „anzukommen“. sie sind unruhig, wirken überfordert und brauchen viel unterstützung, um sich zu beruhigen. bei felix war das nie so. vom ersten tag an wirkte er total ausgeglichen. er war ganz bei sich.

das war aber nicht das einzig erstaunliche an felix. er war auch von anfang an ein guter trinker. seine magensonde war nur selten in verwendung. nach wenigen tagen hatte er sich ganz auf unseren pflegerhythmus eingestellt und war immer kurz vor beginn seiner pflegerunde wach. aber nicht unruhig. er lag friedlich in seinem inkubator, bestaunte die umgebung mit seinen großen augen und wartete friedlich darauf gewickelt, massiert und gefüttert zu werden. danach schlief er bald wieder ein.

natürlich konnte felix auch mal laut werden, zum beispiel bei blutabnahmen. aber so sehr aus dem konzept hat ihn das auch nicht gebracht. er protestierte mit bestimmter, kräftiger stimme gegen die piekserei. aber wenn es vorbei war, wars auch wieder gut. er war nicht nachtragend.

auch felix‘ eltern waren sehr ausgeglichene personen. auch wenn die zu frühe geburt ihres sohnes sicher überraschend kam, so hat es sie doch nicht aus der bahn geworfen. während andere noch mit ihrem schicksal hadern, hatten diese eltern die situation bereits akzeptiert. ihr umgang mit ihrem kleinen jungen war von anfang an sehr, wie soll ich sagen… normal. sie hatten ihren sohn so angenommen, wie er war. ja, er war klein und dünn, scheinbar sehr zerbrechlich. ganz anders, als man sich ein baby eigentlich vorstellt. aber sie hatten beide keinerlei berührungsängste.

mit ca. 1400g, da war felix 2 wochen alt (also etwa in der 34. schwangerschaftswoche), entfernte sich der kleine die magensonde. und bekam keine neue mehr, denn er konnte alle seine mahlzeiten selbst trinken.

eine weitere woche später hatte felix auch seine gelegentlichen atemaussetzer eingestellt. eigentlich wäre er bereit gewesen, nach hause zu gehen. aber mit etwas mehr als 1,5kg war er den ärzten doch noch zu leicht, um ihn gehen zu lassen. deshalb wurden er und seine mama in unsere mutter-kind-einheit aufgenommen.

eine woche und weitere 150g später, etwa 4 wochen vor dem errechneten geburtstermin, durfte felix (endlich) nach hause. mit gut 1700g und 42cm.

es geht ihm sehr gut. es wird wohl noch etwas dauern, bis er größen und gewichtsmäßig zu seinen altersgenossen aufgeholt hat. vielleicht wird er auch immer ein kleiner und leichter junge bleiben. aber der hübsche, dunkelhaarige junge mit den großen augen ist völlig gesund. und das ist die hauptsache.