wo ist das kind?

2 uhr in der früh, das telefon klingelt und auf der station ist ein bett frei. ich denke, ihr wisst schon, was das bedeutet. richtig. aufnahme.

ich übernehme ein ca. 12 stunden altes, spätes frühchen mit knapp 2,5kg aus dem kinderzimmer der wochenbettstation. das kind hat trotz frühfütterung niedrige blutzucker und braucht eine glukoseinfusion (die mutter hatte schwangerschaftsdiabetes). also kein aufwendiger patient. nach 10 minuten ist alles soweit erledigt und ich setzte mich an den pc und klopfe die wichtigsten daten rein. gleichzeitig bespreche ich mit dem arzt, der mir das kind gebracht hat, den weiteren plan.

beiläufig frage ich ihn, ob die mutter eh bescheid weiß, dass ihr kind nun bei uns liegt. normalerweise ist es nämlich so, dass der kinderarzt (also unser arzt) mit dem kind noch kurz bei der mutter vorbei schaut, damit sie sich verabschieden kann. außerdem wird sie darüber informiert wo das kind jetzt hinkommt und so weiter.

der arzt (ein ganz lieber, wirklich, aber noch recht jung und unerfahren…) sagt mit schuldbewusstem unterton: „leider nein, die gyn-schwestern wollten nicht, dass ich die mutter aufwecke.“, sie hatte ja eine (nicht einfache) sectio, hat schmerzmittel bekommen und schläft jetzt so gut.

so. ich als frau versetzte mich schlagartig in die position der mutter. ich wache also am tag nach der geburt meines kindes auf (oder noch in der nacht), bitte die schwestern mir mein kind zu bringen, weil ich noch nicht aufstehen kann und dann heißt es: „oh, achja, ihr kind haben wir in der nacht auf die kinderstation verlegt. ich glaub, station 3 haben die gesagt.“.

ich würde ausflippen. und zwar gründlich. sowas geht einfach nicht. unter keinen umständen. das tut ja sogar mir im herzen weh!

also bin ich rüber auf die wochenbettstation, bewaffnet mit einem foto des kindes, unserer visitenkarte und einem infoblatt. mein plan war das alles den schwestern zu übergeben und sie sehr freundlich zu bitten, der mutter alles zu geben, wenn sie das nächste mal aufwacht.

doch es kam anders.

schon als ich die station betrete, höre ich eine mutter laut und aufgebracht sprechen, gelegentlich schluchzen, und zwei schwestern (eine vom kinderzimmer, eine von der gyn), die im flüsterton auf sie einreden. mir ist gleich klar, dass DAS sicher „meine“ mutter ist. der name auf dem schild neben der zimmertüre bestätigt meinen verdacht.

die mutter ist verzweifelt, weil genau das vorhin beschriebene szenario eingetreten ist. sie wurde wach, wollte ihr kind sehen, es war nicht da und die gyn-schwester wusste nicht wo es war. deshalb holte sie sich die kinderzimmer-schwester dazu, dir ihr zwar sagen konnte wo das kind jetzt ist, aber nicht wann und wie sie zu ihrem kind kann. der blanke horror für jede mutter.

also hab ich mich ganz ungeniert eingemischt, der mutter alle wichtigen infos gegeben, kurz mit ihr geplaudert, der gyn-schwester einen bösen blick und die worte „das wäre nicht notwendig gewesen“ zugeworfen und bin wieder gegangen.

hihi.

ps: ich hoffe ihr hattet alle schön weihnachten und seid gut ins neue jahr gerutscht! 🙂

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21 Antworten to “wo ist das kind?”

  1. jene Says:

    Als mein Größerer zur Welt kam, war ich darauf vorbereitet, daß er gleich nach der Geburt in die Säuglingsintensivstation kommen würde (6 Wochen zu früh), aber immerhin haben sie ihn mir vorher kurz gezeigt. Ich habe zwar bis auf die Stirn und eine Hand nicht viel gesehen, weil er eingewickelt war, aber es war trotzdem ganz erstaunlich. Mein Mann hat ihn dann mit zur anderen Station gebracht, dann wußte er auch, wo der Kleine war.
    Und von wegen als Mutter ohne Kind zusammen mit den anderen Müttern: Ich kam nicht auf die gleiche Station, sondern auf eine allgemeinere Frauenstation. Und in der Säuglingsstation haben sie gleich als erstes ein Bild von dem Kleinen gemacht und mir ‚rübergeschickt, damit ich wenigstens das bei mir habe!

  2. Doreen Says:

    Na, das kann sich doch jeder Depp denken, wie eine Mutter auf sowas wohl reagieren wird. Ich würde die Krise kriegen, wenn ich aufwache und mein Kind ist weg und keiner kann mir sagen, was los ist und das würde wohl allen Eltern so gehen.
    Ich bin ja froh, dass in dem Krankenhaus, in dem ich mein Baby bekommen habe, die Kleinen rund um die Uhr bei den Müttern sein konnten. Ich bin immer wieder erschrocken, wenn ich höre, wie das in manchen Krankenhäusern noch gehandhabt wird. Das wäre für mich auch beim zweiten ein ganz wichtiger Punkt bei der Auswahl eines Geburts-Krankenhauses, ich fänd es total schlimm wenn es mir zu irgendeinem Zeitpunkt nicht möglich wäre mein eigenes Kind zu sehen.

  3. Lily Says:

    Na großartig… Tolle Reaktion Deinerseits – wenigstens eine Person, die die Mama auffangen konnte.

    Ich hatte selbst vor 10 Wochen eine sekundäre Sectio, leider unter Vollnarkose, sodass mein Partner nicht mit im Kreißsaal sein durfte. Unser Sohn wurde gleich zur Untersuchung auf die Neonatologie gebracht, und meinem Partner wurde irgendwas von „zehn Minuten“ erzählt. Nach 30 Minuten wie bestellt und nicht abgeholt auf dem Gang stehend ist er erstmal eskaliert und hat zumindest Infos gefordert -.- Als ich aufwachte, war der Kleine aber schon wieder bei ihm und konnte mir gleich übergeben werden.

    Ich hätte nicht gewusst, wie ich reagieren würde, wenn mein kleiner Schatz auf einmal verschwunden wäre… und wenn man die Mama schon nicht aufweckt, sollten zumindest die für die Mutter erreichbaren Pflegekräfte mit allen wesentlichen Informationen ausgerüstet sein, um zu verhindern, dass die Mama total entgleist.

  4. Personal Trainer Kiel Says:

    Da fällt es mir selbst als Mann nicht schwer, mich in die Lage zu versetzen! Ich wäre ausgerastet. Als mein Sohn geboren wurde, hatten wir die Tage zuvor nicht so viel geschlafen. Wenn man dann kurz einschläft wieder aufwacht und das Kind ist weg… puha. Dann dazu noch die Art wie damit umgegangen wurde?! Nicht schön! Und Weihnachten war dieses Jahr mal wieder sehr schön!

  5. Lys Says:

    Ja, bei uns kommt es ja auch oft vor, dass die Babies in ein anderes Zimmer verlegt werden und viel zu oft werden die Eltern nicht angerufen z. B. weil eine Aufnahme kommt und der Anruf aud spaeter verschoben wird, und dann kommen die Eltern doch schon frueher in das gewohnte Zimmer und sehen entweder eine leere Stelle oder ein neues Baby. Seitdem ich mal gesehen habe, wie der Mutter der Schock im Gesicht stand weil sie das schlimmste erwartete, und dann so erleichetert war ihr Baby munter nebenan zu finden, versuche ich nun immer daran zu denken, die Eltern vorzuwarnen, nur leider klappt es nicht immer 100%, z.B. wenn Baby in der Nacht verlegt wird. Es sei, denn es muss auf die Intensiv, dann ist die Frage, rufe ich die Eltern mitten in der Nacht an weil es dem Baby schlechter geht (aber nichts lebensbedrohliches), oder warte ich bis frueh, denn viele Eltern sind ja auch so fertig wenn sie den ganzen Tag auf der Station sind und brauchen Schlaf.

    • cara Says:

      Ich würde, glaube ich, immer angerufen werden wollen. Wenn ich wüsste, dass man mir vielleicht nicht Bescheid sagt, würde ich erst recht nicht ruhig schlafen können.

    • neonatalie Says:

      dieses problem haben wir auch oft, dass wir kinder einfach auf eine andere position legen müssen (zb, damit zwillinge nebeneinander liegen können). es ist besser geworden, seit man bei uns klingeln muss, um die station betreten zu können. so kann man die eltern gut abfangen.

      und bzgl. anrufen oder nicht bei transfer: wir fragen die eltern immer. natürlich sagen 99%, dass sie angerufen werden wollen.

  6. Anette Göttlicher Says:

    Als ich im März vergangenen Jahres mit meinem Neugeborenen in der Klinik war, zusammen mit einer Zimmergenossin und deren Baby in einem Zweierzimmer, schob uns eine Kinderkrankenschwester ein drittes Baby hinein, sagte, ohne uns groß anzuschauen (wir stillten beide gerade unsere Kleinen), „So, hier bringe ich Ihnen die Emilia*“ und verließ das Zimmer wieder. Sprachlos saßen wir da. Mit drei Babys. Und klingelten natürlich sofort, um den „falschen“ Neuzugang wieder abholen und der richtigen Mutter zuführen zu lassen. Es dauerte zwanzig Minuten, bis jemand kam und Emilia* wieder abholte, „oh, da steht die falsche Zimmernummer am Bettchen, sorry!“. Ab diesem Zeitpunkt ließ ich meinen Zwack nicht mehr aus den Augen 😉

  7. Annette Says:

    Solch „einfühlsames“ medizinisches Personal kommt wohl aus der Ecke, die bis vor einigen Jahren Neugeborene in ein Extra Zimmer steckte und das noch für gut hielt !

    BTW: so ein Baby könnte doch auch entführt worden sein ? Oder ist sowas aus technischen Gründen „ausgeschlossen“ ?

    LG Annette

  8. Hajo Says:

    na ja, jetzt wollen wir aber das Ganze nicht üer Gebühr verallgemeinern
    Es gibt auch auf „anderen Abteilungen“ Ärzte und Pflegepersonal (beides m/w) mit Verantwortungsbewusstsein
    .. nur manchmal versteckt „es“ sich recht gut. 😀

  9. Wolf Says:

    Meine Kleine (jetzt 24) ist mal in einer Uni-Klinik „verschwunden“. Wohin sie verlegt werden sollte war sie nicht, wo sie herkam auch nicht, niemand wusste über ihren Aufenthaltsort. Ich habe sie selbst „gefunden“. Aber nur eine Viertelstunde mehr Sorge noch, und ich hätte den Ärztlichen Direktor mit einem Baseballschläger besucht.
    Krankenhaus halt, wie es immer noch oft ist. Gut, dass es auch innerhalb Widerstand gibt.

  10. Ute Says:

    Immer wieder klasse, wenn andere über den eigenen Kopf hinweg bestimmen wollen, was das Beste für einen ist. Das Beste ist immer noch: Informiert sein. Vor allem bei so gravierenden Sachen.

    Meiner Mutter wollte man 1978 die Krebsdiagnose nach der OP verschweigen und stattdessen nur meinen Vater informieren. Die forderten allen Ernstes „Schicken Sie uns mal bitte Ihren Mann vorbei!“ Meine Mutter hat diese Herren so dermaßen rund gemacht, daß sie anschließend vom gesamten Personal nur noch „Der General“ genannt wurde.

  11. tanteepa Says:

    Oh Gott! Bei mir war es nicht so heftig, aber trotzdem blöd. Ich hab mich nach den zwei Stunden im Kreißsaal von Junior verabschiedet weil er zur Nieren-Sono auf die Kinderstation sollte – natürlich in dem Glauben er käme nach ner halben Stunde wieder. Nach zwei Stunden kam dann mein Mann alleine wieder mit der Info Junior müsste ein paar Tage zur Überwachung bleiben und ich könnte erst am nächsten Tag mal zu ihm – sollte doch auch erstmal schlafen. Ich wusste ja nun wo mein Baby war und bin trotzdem aus allen Wolken gefallen, einfach weil ich auf etwas Anderes eingestellt war.

    • cara Says:

      Und konntest du da schlafen???

      Ich habe mein Kind nach der Geburt den ganzen ersten Tag im Arm gehalten, außer beim Wickeln, da hatte es der Papa 😉 Aber ich hatte auch eine schnelle, problemlose, ambulante Geburt und lag dann daheim auf den Sofa.

      Wenn ich mir vorstelle, dass das beim geplanten 2. Kind anders werden könnte, dass ich nicht ständig bei ihm sein dürfte, dann kriege ich schon mal prophylaktisch die Krise. Und das, obwohl ich gar nicht so eine Glucke bin.

      Ich bewundere jede Mutter, die in dieser hormonaufgeladenen Situation dann schlafen kann…

      • SiBeMa Says:

        Mein Sohn kam auch auf die Neo, nach einer ambulanten Entbindung. Und ja – irgendwann bin ich eingeschlafen. Nach Stunden…. weinend. Das ist ein Mist ohne Kind – erst wars noch im Bauch, dann weg. Was war ich froh, als er von der Intensiv auf die normale Kinderstation durfte und ich mit aufgenommen werden konnte. Frauenklinik mit lauter glücklichen Mamas ohne eigenes Kind ist nicht so der Burner… darum war ich auch quasi ständig bei meinem Sohn. Das Personal hat uns zum Glück sehr viel beim Kind sein lassen. In der ersten Nacht sogar bis in die Puppen. Und als er fitter war und ich stillen durfte, wurde ich von der Neo nachts angerufen, wenn er Hunger hatte. Tolle Schwestern, tolle Ärzte!

      • tanteepa Says:

        Ja, ich hab mich irgendwie in den Schlaf geweint und hab mir noch Monate danach Vorwürfe gemacht ich hätte mein Kind im Stich gelassen. Inzwischen ist vor fast 6 Wochen mein zweites Kind geboren worden und alles lief problemlos ab. Ich hatte den Kleinen die ganzen drei Tage im Krankenhaus bei mir und habe ehrlich gesagt eine viel engere Bindung zu ihm als ich es damals beim Ersten hatte.

  12. KaraBug Says:

    Typisch zynischer Spitalbetrieb. Ein Grund, nicht mehr ins Spital zu gehen.

  13. Jeanie Says:

    Du bist TOLL!! Das ist wirklich so ziemlich das Schlimmste, was einer Mama passieren kann.. Mir gings so, als ich am Morgen vor der Herz-OP zu meinem Kleinen auf Normalstation wollte… Bett weg, alle persönlichen Dinge weg, Baby nicht mehr da… Ich bin beinahe ausgetickt.. ich dachte echt, er wär gestorben!! Dabei hat man ihn „nur“ wegen Sättigungsabfall auf Intensiv verlegt und wegen „so was“ wollten mich die Schwestern nicht wecken… Puuuhh, das waren die schlimmsten Minuten meines Lebens!!

  14. KaTe Says:

    Hui…ungefähr SO fühlte auch ich mich, als ich aus der Narkose erwachte, mein Mann (jetzt Ex 😉 ) weggeschickt worden war, kein Kind da war…und ich alleine im Kreissaal zur Überwachung lag…

    Kind auf Intensiv wurde mir nebenbei gesagt und Mann heimgeschickt…ich sollte doch bitte die Narkose ausschlafen…haha…

    LG KaTe

  15. Hajo Says:

    Hallo Natalie,
    ja es nicht „jedermanns“ (m/w) Sache, sich in andere Menschen hineinzufinden. Dass jedoch im Zeitalter von totaler Vernetzung niemand auf Anhieb Auskunft über den Verbleib des Kleinen geben kann, ist schon bemerkenswert.
    Ein Fall für’s QM ;-).
    Ansonste wünsche ich Dir für das in Betrieb befindliche Jahr alles Gute, gute Nerven und uns viele interessante Geschichten.
    Herzliche Grüsse
    Hajo

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