felix

der kleine felix wurde in der 32. schwangerschaftswoche mit einem gewicht von etwa 1300g und einer länge von 39cm geboren. wir haben ihn kurz nach seiner geburt direkt aus dem kreißsaal übernommen. er musste nur für wenige stunden an den infant flow, war danach immer spontanatmend.

felix war ein wirklich ausgesprochen hübscher junge, mit vielen dunklen haaren und großen augen. und er war immer sehr ruhig und entspannt. meistens ist es ja so, dass frühchen einige tage brauchen, um richtig auf unserer welt „anzukommen“. sie sind unruhig, wirken überfordert und brauchen viel unterstützung, um sich zu beruhigen. bei felix war das nie so. vom ersten tag an wirkte er total ausgeglichen. er war ganz bei sich.

das war aber nicht das einzig erstaunliche an felix. er war auch von anfang an ein guter trinker. seine magensonde war nur selten in verwendung. nach wenigen tagen hatte er sich ganz auf unseren pflegerhythmus eingestellt und war immer kurz vor beginn seiner pflegerunde wach. aber nicht unruhig. er lag friedlich in seinem inkubator, bestaunte die umgebung mit seinen großen augen und wartete friedlich darauf gewickelt, massiert und gefüttert zu werden. danach schlief er bald wieder ein.

natürlich konnte felix auch mal laut werden, zum beispiel bei blutabnahmen. aber so sehr aus dem konzept hat ihn das auch nicht gebracht. er protestierte mit bestimmter, kräftiger stimme gegen die piekserei. aber wenn es vorbei war, wars auch wieder gut. er war nicht nachtragend.

auch felix‘ eltern waren sehr ausgeglichene personen. auch wenn die zu frühe geburt ihres sohnes sicher überraschend kam, so hat es sie doch nicht aus der bahn geworfen. während andere noch mit ihrem schicksal hadern, hatten diese eltern die situation bereits akzeptiert. ihr umgang mit ihrem kleinen jungen war von anfang an sehr, wie soll ich sagen… normal. sie hatten ihren sohn so angenommen, wie er war. ja, er war klein und dünn, scheinbar sehr zerbrechlich. ganz anders, als man sich ein baby eigentlich vorstellt. aber sie hatten beide keinerlei berührungsängste.

mit ca. 1400g, da war felix 2 wochen alt (also etwa in der 34. schwangerschaftswoche), entfernte sich der kleine die magensonde. und bekam keine neue mehr, denn er konnte alle seine mahlzeiten selbst trinken.

eine weitere woche später hatte felix auch seine gelegentlichen atemaussetzer eingestellt. eigentlich wäre er bereit gewesen, nach hause zu gehen. aber mit etwas mehr als 1,5kg war er den ärzten doch noch zu leicht, um ihn gehen zu lassen. deshalb wurden er und seine mama in unsere mutter-kind-einheit aufgenommen.

eine woche und weitere 150g später, etwa 4 wochen vor dem errechneten geburtstermin, durfte felix (endlich) nach hause. mit gut 1700g und 42cm.

es geht ihm sehr gut. es wird wohl noch etwas dauern, bis er größen und gewichtsmäßig zu seinen altersgenossen aufgeholt hat. vielleicht wird er auch immer ein kleiner und leichter junge bleiben. aber der hübsche, dunkelhaarige junge mit den großen augen ist völlig gesund. und das ist die hauptsache.

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16 Antworten to “felix”

  1. Mr. Gaunt Says:

    Wenn er wirklich Felix heisst, dann hat er als „Der Glückliche“ den passenden Namen.

  2. Ursel Says:

    Ja, mir gings auch so wie vielen hier.

    Aber im Gesamten hast du ein Lächlen auf mein Gesicht gezaubert 🙂

  3. Mela Says:

    Das sind doch die schönen Momente im manchmal schrecklichen Klinikalltag

    Lg Mela

  4. alltagimrettung Says:

    Wie schön..und ich durfte das mal Live mit den Frühchen erleben..Respekt vor eurer Arbeit!!

  5. Sophia Says:

    Ein gutes Ende, wie schön! Auch ich habe aufgrund der Vergangenheitsform mit banger Sorge bis zum Ende deines Beitrags um den Kleinen gezittert … Noch eine Frage: Du hast schön öfter geschrieben, dass sich die Kleinen die Magensonde selbst entfernen. Wie funktioniert das denn? Die Magensonden sind doch bestimmt gut befestigt, oder? Sind die Kleinen denn schon so stark / so beweglich, dass sie sie so einfach herausziehen können? Und kann dabei nichts passieren (dass sie sich selbst verletzen etc.)?

    • Antlia Says:

      Hallo Sophia,

      Magensonde ist ein kleiner, wirklich dünner Schlauch, der über die Nase/ den Rachen bis in den Magen geschoben wird, um Milch zu „sondieren“, und dort in der Regel eine Woche liegen bleibt, bis er dann ausgetauscht wird. Dieser Schlauch wird dann auf der Wange mit einem kleinen Pflaster befestigt. (In der Klinik, in der meine Frühchentochter lag, klebten die Schwestern ein herzförmiges Pflaster auf – süß:-)
      Und vom Pflaster bis zum Nasenloch ist quasi ein Bereich, in dem die Kleinen die Sonde zu fassen und somit je nach Bewegungsfähigkeit dann herausziehen können – hat sie in ihrer Klinikzeit auch zweimal geschafft. Dann wird einfach eine neue Sonde hinein geschoben oder eben weggelassen, wenn sie schon brav selbst trinken…

      Ich hoffe, dass man sich das so vorstellen kann?

      LG
      Antlia

      • neonatalie Says:

        besser hätte ich es nicht erklären können 🙂

        die magensonde liegt ganz locker in der nase und ist eben nur mit einem pflaster auf der wange befestigt.

        gefährlich ist das selbstständige entfernen nur dann, wenn das kind gerade über die sonde sondiert wird, wenn also gerade milch durch läuft. zieht das kind die sonde dann zu langsam oder nur ein stück weit raus, dann kann es sein, dass die milch ihm in den rachen läuft und im schlimmsten fall in der lunge landet. das passiert aber wirklich sehr selten. wir achten gut darauf, dass die kleinen während dem sondieren nicht an die sonde ran kommen. 🙂

      • Sophia Says:

        Danke Antlia und Neonatalie für eure Erklärungen!

  6. Franzi Says:

    Schön, dass es dem kleinen Mann so gut geht.
    Ich kann mir das immer gar nicht richtig vorstellen. Mein Sohn wog bei der Geburt 4230g. Das empfand ich schon als klein und zerbrechlich. Wie mag das dann bloß bei den Würmchen sein, die du betreust?

  7. Hajo Says:

    mir ging’s auch so wie nogger: Du schreibst in der Vergangenheit und so hatte auch ich die shclimmsten Befürchtungen
    .. aber so hat sich gezeigt, dass er seinen Namen doch zu Recht trägt 😀
    ich wünsch‘ ihm und seinen Eltern alles Liebe
    Hajo

    • neonatalie Says:

      haha, interessant. ich hab gar nicht auf die zeit geachtet, in der ich schreibe. aber ihr habt beide recht. es erweckt einen falschen eindruck.

      man lernt nie aus… 🙂

      • tiger Says:

        Mir gings wie Hajo und Nogger:
        Ich hab (fast) mit angehaltenem Atem gelesen….

        Schön, daß es dem kleinen Felix so gut geht 🙂

  8. nogger Says:

    Uff- nach dem Anfang hatte ich schon das Schlimmste befürchtet – gut, dass das nicht so ist.
    Ich wünsche Felix und den Eltern alles Gute

  9. Schneeflocke61 Says:

    Wie schön zu lesen. Ich habe die „Theorie“ dass die Babies ruhiger und ausgeglichener Eltern selbst meist einigermaßen ausgeglichen sind – kannst du das auch so bestätigen? In meinem Umfeld hat es meist sehr gut gepasst – wie die Eltern so auch das Kind………

    Liebe Grüße, Birgit

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