Archive for Oktober 2011

mythos saugverwirrung

30. Oktober 2011

es folgt nun meine ganz persönliche meinung. mir ist durchaus klar, dass es auch menschen gibt, die das alles ganz anders sehen als ich. aber in den fast 10 jahren (oh mann, ich werde alt!), in denen ich nun mit säuglingen arbeite, habe ich eben so meine erfahrungen gemacht.

also, für mich gibt es diese saugverwirrung nicht. ich halte es für schwachsinn. warum? habt ihr schonmal ein kind gesehen, dem man zum ersten mal einen löffel in die hand drückt und das sofort damit umgehen kann und seinen brei löffelt? nein? ich auch nicht. warum erwartet man dann, dass ein baby, das die flasche gewöhnt ist, von jetzt auf gleich auf die brust umgestellt werden kann?

übrigens ist es auch umgekehrt so. ein kind, das wochenlang nur gestillt wird, braucht zeit sich an die flasche zu gewöhnen. das hat aber nix mit verwirrung zu tun. sondern schlicht mit gewohnheit. gewohnheiten kann man ändern, es braucht nur eben etwas zeit und geduld dafür.

ein beliebtes argument: bei der flasche muss das kind ja kaum saugen, die milch läuft ihm quasi von selbst in den mund und es muss nur mehr schlucken. also, wenn das wirklich so ist, dann hat man eindeutig den falschen sauger für das kind ausgewählt. dann ist das loch zu groß. es stimmt natürlich, dass man dem kind das saugen an der flasche erleichtern KANN, wenn man das möchte (eben mit nem größeren loch). aber man muss nicht.

ein ganz großer „risikofaktor“ ist ja auch der schnuller. von manchen hebammen und stillberaterInnen wird empfohlen, den schnuller bei stillkindern zumindest in den ersten 4-6 wochen wegzulassen, weil kinder in dieser ersten phase besonders empfindlich sind und es leicht zur saugverwirrung kommen kann.

tja, also ich kann nur sagen, unsere frühchen bekommen alle von anfang an einen schnuller angeboten, weil auch non-nutritives saugen die saugmuskulatur trainiert. und trotzdem gibt es bei uns keine saugverwirrung. schon die allerkleinsten wissen ganz genau, wann sie den schuller oder etwas, wo essen rauskommt im mund haben. die sind ja nicht doof.

also zusammenfassend: unsere kinder werden von der magensonde primär an die flasche gewöhnt. manche nebenbei aber auch von anfang an zusätzlich gestillt. mit der zeit wird schleichend von der flasche zur brust übergegangen, das passiert oft dann schon zu hause. schnuller bekommen sie alle. und trotzdem habe ich noch NIE ein kind mit „saugverwirrung“ gesehen. komisch, oder?

so, liebe saugverwirrungsfreunde, es darf mit steinen geworfen werden. los gehts. 😉

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suchbegriffe 12

19. Oktober 2011

ich steh einfach auf suchbegriffe… hihi!

fotos von nottaufe von frühchen – machen wir natürlich immer, herzeigen kann ich sie aber nicht

nach 3 monaten immer noch infant flow – tja, manche brauchen eben länger unterstützung

neonatalie saugverwirrung – ist in arbeit…

warum jetzt wieder infant flow – lässt sich so natürlich nicht sagen, aber manchmal erschöpfen sich frühchen eben und brauchen dann wieder mehr unterstützung

ab wann muß bei sättigungsabfall stimuliert werden – wenn das kind nicht atmet, oder nur insuffizient

schnittverletzung des kindes bei kaiserschnitt – das kommt vor

wie frühchen flasche beibringen – das braucht zeit und geduld. und wenn möglich logopädische unterstützung

wie hoch darf der gelbsuchtwert sein – das kommt auf das gewicht und alter des kindes an

apnoe steif bleich – krampfanfall?

magensonde kitzelt – ja, kann ich mir vorstelln

kann ich meinem kind selbst eine magensonde legen – ich bin ziemlich sicher, dass du das könntest. aber du solltest es nicht tun!

frühchen mit monitor zu großeltern zum aufpassen – würde ich nur machen, wenn die großeltern wissen, was im ernstfall zu tun ist…

mein sohn wurde operiert und ist jetzt am aufwachen und das erst was er sagt, dass er mal pipi muss – ist ja lieb 🙂

wird bei entzugsbabys das jugendamt informiert – ja

ultraschallkopf in bauch gedrückt – manchmal muss das sein. is aber echt nicht angenehm. ich kenn das.

wie lange verarbeitet ein frühchen den start ins leben – sehr gute frage, auf die ich keine antwort weiß. wahrscheinlich länger als wir denken…

ab wann sind frühchen stabil für eine verlegung – tja… stabil ist relativ, nicht wahr? 😉 in der regel wird das stabilste kind der station zuerst verlegt, genaue maßstäbe gibts nicht, so viel ich weiß

säuglingsschwester blog – säuglingsschwestern gibts nicht mehr. wir heißen jetzt alle kinderkrankenschwester

was erwartet mein baby wenn nach 6 wochen stoma rückoperiert wird – spontan fällt mir da ein roter po ein. denn die haut am gesäß ist den kontakt mit stuhl nicht mehr gewöhnt, deshalb ist vorsorgliche plege wichtig!

fallbeschreibung asphyxie neugeborenen – interessierts euch? kann ich gerne liefern.

vaginale frühchengeburt – ist gar nicht mal soooo selten, für extremfrühchen allerdings als nachteil zu sehen

wie beruhige ich mein frühchen beim känguruhen – in dem du selbst sich entspannst. und vielleicht magst du deinem baby was zum saugen anbieten (brust, schnuller, teestäbchen, finger)

frühchen extubiert danach ganz schwach – ja das kann gut sein, atmen ist nämlich ganz schön anstrengend und macht die kleinen ziemlich ko

notsectio im kreißsaal – hab ich 4 mal miterlebt, is nicht lustig.

frühchen sondiert anschliessend übergeben – entweder das essen ist zu schnell reingelaufen, oder das kind verträgt die nahrung einfach (noch) nicht

warum haben frühchen am kopf einen venenzugang – weil frühchen sehr feine venen haben und mitunter häufig gestochen werden müssen, da bleibt nach einiger zeit nur mehr der kopf. dort sind die venen auch meist größer.

amme gefällig?

12. Oktober 2011

gespräch zwischen einer frühchenmama, deren tochter (35+4 ssw) wir soeben direkt aus dem kreißsaal (wegen respiratorischer anpassungsstörung) aufgenommen haben, und mir.  

ich: „haben sie vor ihre tochter zu stillen?“

mama: „ja, auf jeden fall.“

ich: „super, dann machen wir es so, dass sie ihre tochter einfach jedes mal anlegen, wenn sie munter und hungrig ist und sie an der station sind. da sie ja noch im haus aufgenommen sind, können wir sie auch gerne anrufen, wenn töchterchen gestillt werden möchte.“

mama: *besorgt* „ja, aber ich habe ja noch gar keine milch! was ist denn, wenn sie trotz stillen noch hunger hat?“

ich: „keine sorge, in den ersten tagen brauchen babys noch nicht viel milch. *blablabla* milcheinschuss *blablabla* keine sorge und so weiter. falls töchterchen wirklich noch hunger haben sollte, können wir ihr auch mit der flasche etwas nachfüttern. und wenn sie nicht da sind, dann würden wir ihre tochter auch mit der flasche füttern.“

mama: „ja aber ich habe gelesen, dass kinder, die am anfang mit der flasche gefüttert werden, die brust dann nicht mehr nehmen!“

ich: halte einen kurzen vortrag über saugverwirrung, „… aber wenn sie rund um die uhr zum stillen kommen möchten, dann können sie auch mit einem brusternährungsset zufüttern, dann brauchen wir keine flasche. das ist aber sicher recht anstrengend für sie, besonders in den ersten nächten.“

mama: „hm… können sie sie denn nicht auch mit diesem brust-dings füttern?“

offensichtlich hat sie noch nie was von einem brusternährungsset gehört. denn sonst wüsste sie, dass dieses ding so funktioniert:

ich musste leider ablehnen. um amme zu spielen verdiene ich dann doch zu wenig. 😉

wir konnten uns übrigens auf fingerfeeding in der nacht einigen. ja, auch sowas machen wir. wenns denn unbedingt sein muss.

felix

11. Oktober 2011

der kleine felix wurde in der 32. schwangerschaftswoche mit einem gewicht von etwa 1300g und einer länge von 39cm geboren. wir haben ihn kurz nach seiner geburt direkt aus dem kreißsaal übernommen. er musste nur für wenige stunden an den infant flow, war danach immer spontanatmend.

felix war ein wirklich ausgesprochen hübscher junge, mit vielen dunklen haaren und großen augen. und er war immer sehr ruhig und entspannt. meistens ist es ja so, dass frühchen einige tage brauchen, um richtig auf unserer welt „anzukommen“. sie sind unruhig, wirken überfordert und brauchen viel unterstützung, um sich zu beruhigen. bei felix war das nie so. vom ersten tag an wirkte er total ausgeglichen. er war ganz bei sich.

das war aber nicht das einzig erstaunliche an felix. er war auch von anfang an ein guter trinker. seine magensonde war nur selten in verwendung. nach wenigen tagen hatte er sich ganz auf unseren pflegerhythmus eingestellt und war immer kurz vor beginn seiner pflegerunde wach. aber nicht unruhig. er lag friedlich in seinem inkubator, bestaunte die umgebung mit seinen großen augen und wartete friedlich darauf gewickelt, massiert und gefüttert zu werden. danach schlief er bald wieder ein.

natürlich konnte felix auch mal laut werden, zum beispiel bei blutabnahmen. aber so sehr aus dem konzept hat ihn das auch nicht gebracht. er protestierte mit bestimmter, kräftiger stimme gegen die piekserei. aber wenn es vorbei war, wars auch wieder gut. er war nicht nachtragend.

auch felix‘ eltern waren sehr ausgeglichene personen. auch wenn die zu frühe geburt ihres sohnes sicher überraschend kam, so hat es sie doch nicht aus der bahn geworfen. während andere noch mit ihrem schicksal hadern, hatten diese eltern die situation bereits akzeptiert. ihr umgang mit ihrem kleinen jungen war von anfang an sehr, wie soll ich sagen… normal. sie hatten ihren sohn so angenommen, wie er war. ja, er war klein und dünn, scheinbar sehr zerbrechlich. ganz anders, als man sich ein baby eigentlich vorstellt. aber sie hatten beide keinerlei berührungsängste.

mit ca. 1400g, da war felix 2 wochen alt (also etwa in der 34. schwangerschaftswoche), entfernte sich der kleine die magensonde. und bekam keine neue mehr, denn er konnte alle seine mahlzeiten selbst trinken.

eine weitere woche später hatte felix auch seine gelegentlichen atemaussetzer eingestellt. eigentlich wäre er bereit gewesen, nach hause zu gehen. aber mit etwas mehr als 1,5kg war er den ärzten doch noch zu leicht, um ihn gehen zu lassen. deshalb wurden er und seine mama in unsere mutter-kind-einheit aufgenommen.

eine woche und weitere 150g später, etwa 4 wochen vor dem errechneten geburtstermin, durfte felix (endlich) nach hause. mit gut 1700g und 42cm.

es geht ihm sehr gut. es wird wohl noch etwas dauern, bis er größen und gewichtsmäßig zu seinen altersgenossen aufgeholt hat. vielleicht wird er auch immer ein kleiner und leichter junge bleiben. aber der hübsche, dunkelhaarige junge mit den großen augen ist völlig gesund. und das ist die hauptsache.