drogenparty!

ja, das veranstalten wir derzeit jeden tag…   😀

wir haben momentan gleich 3 (in worten: DREI) patienten im neonatalen drogenentzug.

mädchen 1: reifes kind, zwei wochen alt. mutter im substitutionsprogramm, hat ab und zu mal „ausrutscher“, vater alkoholiker, wird von der mutter alle paar wochen wegen streitereien aus der wohnung geworfen. aber  nur, um ihn wenige tage später wieder rein zu lassen. mit weiterer verwandtschaft besteht kein kontakt. das kind ist noch mitten im entzug. ich schätze, dass wir derzeit auf der spitze des eisberges stehen. jedenfalls hoffe ich das. denn das kind bekommt morphin in hohen dosen, entzieht aber weiterhin sehr stark. chancen, dass das kind in der familie bleiben darf: 50%, derzeit besteht ein ausfolgeverbot. die mutter könnte es mit unterstützung schaffen, aber es ist noch unklar, inwieweit die situation mit dem (offensichtlich tw. gewalttätigen) vater tragbar ist.

mädchen 2: frühchen aus der 33. schwangerschaftswoche, 6 wochen alt, hat den entzug schon so gut wie hinter sich. mutter ebenfalls seit einigen jahren in einem substitutionsprogramm, HIV positiv, nimmt aber regelmäßig ihre medikamente. der vater, derzeit im entzug, hat sich nach der nachricht über die schwangerschaft von der mutter getrennt und den kontakt abgebrochen. unglücklich ist die mutter darüber nicht. die noch recht junge mutter wird von ihren eltern gut unterstützt, zieht gerade wieder bei ihnen ein. es ist bereits fix, dass die mutter ihr kind mit nach hause nehmen darf. natürlich ist sie ans jugendamt angebunden.

und der junge: frühchen aus der 35. woche, 4 tage alt und bereits mitten im entzug. und zwar richtig. das kind bekommt morphin seit es 7 stunden alt ist. die mutter ist obdachlos, nimmt alle möglichen drogen (hauptsächlich heroin), ist hiv positiv. etwa einen monat vor der geburt des kindes wurde sie bewusstlos auf der straße gefunden und ins krankenhaus gebracht. seit dem ist sie auf der psychiatrie aufgenommen. vater „gibt es keinen“. anderer verwandte auch nicht. das jugendamt ist bereits auf der suche nach pflegeeltern, möglicherweise sogar adoptiveltern. denn die mutter hat kein interesse am kind. sie sagt, sie hätte es eben irgendwann geboren und irgendwo abgelegt. damit hätte sie das „problem“ schon gelöst. allerdings hat sie bisher einer freigabe zur adoption (noch) nicht zugestimmt.

man darf gespannt sein, wies weiter geht mit diesen kiddies…

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15 Antworten to “drogenparty!”

  1. Anni Says:

    *schluck*

    Was anderes fällt mir gerade nicht dazu ein ….

  2. Conny Says:

    Ich finde das ganz schrecklich. Schrecklich traurig.
    Ich sehe das Elend häufig im Dienst, wenn das Kind in solchen Verhältnissen groß wird. Der Bericht ans Jugendamt folgt dann immer – aber es macht traurig und hilflos. So kleine Wesen…

    Meinen Respekt vor deiner Arbeit. Schön, dass es Menschen wie dich gibt.

    Liebe Grüße,
    Conny

  3. Die Streunerin Says:

    Ich könnte den Job auch nicht. Mir würde es das Herz zerbrechen wenn ich die kleinen da so sehen würde und wie sehr sie leiden…

  4. cassa Says:

    Am meisten gruselt es mich für Mädchen Nr. 1…. Wenn die wirklich zurück zu Mama muss (und irgendwie gilt bei uns doch immer noch das Dogma, dass Kinder um fast jeden Preis zu ihren leiblichen Eltern gehören), na dann gute Nacht…. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie was von der Gewalttätigkeit des Vaters oder zukünftiger Partner abbekommt ist für meinen Geschmack viel viel viel zu hoch. :o(

  5. Blogolade Says:

    Die armen Kinder. Sie kommen auf die Welt und es beginnt so scheiße. Völlig unschuldig und trotzdem müssen sie volle Lotte ausbaden, was die Eltern für einen Mist verzapft haben.

    Ich hoffe sie werden alle vollständig gesund und bekommen nette Familien.

  6. Doreen Says:

    Ich habe auch wirklich Respekt vor deiner Arbeit.

    So einen Start ins Leben wünscht man wirklich niemanden, ich stelle mir auch den Umgang mit solchen Eltern schwer vor, vielen würde es wohl schwer fallen da immer ruhig zu bleiben.

    Ich hoffe, die kleinen haben den Entzug bald überstanden und kommen ohne größere Schäden (HIV etc. ..) davon.

  7. Mela Says:

    Einfach nur traurig – sehr traurig!

  8. Pharmama Says:

    Na das ist ja ein Start ins Leben. So was wünsche ich keinem. Zerrüttete Familien, Entzugsprobleme, gesundheitliche Folgen … sowas beeinflusst die Entwicklung noch länger.
    Einfach nur traurig.
    Und was die HIV Übertragung angeht: mit antiviralen Medikamenten während der Schwangerschaft und mit einem Kaiserschnitt statt Normalgeburt, lässt sich die Wahrscheinlichkeit der Übertragung auf wenige Prozente senken (Wiki spricht von etwa 2%). Ohne das, kann sie allerdings auf 40% steigen.
    Wenn ich anhand der Vorgeschichte raten müsste, würde ich sagen, Mädchen 2 hat gute Chancen HIV frei zu sein …. der Junge dagegen … fifty/fifty. 😦

    • neonatalie Says:

      jap, so siehts aus. zusätzlich bekommen die kleinen noch eine antivirale therapie zur prophylaxe. stillen ist natürlich auch nicht erlaubt. und dann heißt es daumendrücken und hoffen.

  9. M. Says:

    Es macht mich einfach nur unheimlich traurig.

  10. Franzi Says:

    Meine Güte, die armen kleinen Menschlein.
    Ich würde so gerne noch ein Baby haben, darf aber nicht schwanger werden, weil ich zur Zeit noch Morphine gegen meine Schmerzen bekomme. So etwas möchte ich meinem Kind nicht antun.

  11. Frau Muschel Says:

    Mich Mike anschliess :o(

    ….

    Und da kommen mir wieder die Mamas in den Sinn, die soooo gerne ein Baby hätten, alles dafür tun würden und einfach nicht schwanger werden…zum heulen ist das….

    Liebe Grüße und Hut ab, Natalie

  12. lillatoril Says:

    Schütteln ist noch das harmloseste, was ich da tun möchte…

    Und Sophias Frage interessiert mich auch: sind die zwei HIV-positiv? (Und wenn du schon dabei bist 😉 : wie oft sind Kinder solcher Mütter HIV-positiv? Haben die überhaupt eine Chance?)

  13. Sophia Says:

    Das klingt ja schrecklich, die armen Kinder! Kann man schon absehen, inwieweit die Kinder Schäden davontragen werden? (Gibt’s sowas wie das fetale Alkoholsyndrom auch für andere Drogen?) Und sind die beiden Kinder ebenfalls HIV-positiv?

  14. Mike Says:

    Ich glaube, den Job könnte ich nicht. Ich müsste ständig Menschen schütteln…

    Ich habe richtig Respekt vor dir und deiner Arbeit.

    Mike

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