Archive for September 2011

drogenparty!

23. September 2011

ja, das veranstalten wir derzeit jeden tag…   😀

wir haben momentan gleich 3 (in worten: DREI) patienten im neonatalen drogenentzug.

mädchen 1: reifes kind, zwei wochen alt. mutter im substitutionsprogramm, hat ab und zu mal „ausrutscher“, vater alkoholiker, wird von der mutter alle paar wochen wegen streitereien aus der wohnung geworfen. aber  nur, um ihn wenige tage später wieder rein zu lassen. mit weiterer verwandtschaft besteht kein kontakt. das kind ist noch mitten im entzug. ich schätze, dass wir derzeit auf der spitze des eisberges stehen. jedenfalls hoffe ich das. denn das kind bekommt morphin in hohen dosen, entzieht aber weiterhin sehr stark. chancen, dass das kind in der familie bleiben darf: 50%, derzeit besteht ein ausfolgeverbot. die mutter könnte es mit unterstützung schaffen, aber es ist noch unklar, inwieweit die situation mit dem (offensichtlich tw. gewalttätigen) vater tragbar ist.

mädchen 2: frühchen aus der 33. schwangerschaftswoche, 6 wochen alt, hat den entzug schon so gut wie hinter sich. mutter ebenfalls seit einigen jahren in einem substitutionsprogramm, HIV positiv, nimmt aber regelmäßig ihre medikamente. der vater, derzeit im entzug, hat sich nach der nachricht über die schwangerschaft von der mutter getrennt und den kontakt abgebrochen. unglücklich ist die mutter darüber nicht. die noch recht junge mutter wird von ihren eltern gut unterstützt, zieht gerade wieder bei ihnen ein. es ist bereits fix, dass die mutter ihr kind mit nach hause nehmen darf. natürlich ist sie ans jugendamt angebunden.

und der junge: frühchen aus der 35. woche, 4 tage alt und bereits mitten im entzug. und zwar richtig. das kind bekommt morphin seit es 7 stunden alt ist. die mutter ist obdachlos, nimmt alle möglichen drogen (hauptsächlich heroin), ist hiv positiv. etwa einen monat vor der geburt des kindes wurde sie bewusstlos auf der straße gefunden und ins krankenhaus gebracht. seit dem ist sie auf der psychiatrie aufgenommen. vater „gibt es keinen“. anderer verwandte auch nicht. das jugendamt ist bereits auf der suche nach pflegeeltern, möglicherweise sogar adoptiveltern. denn die mutter hat kein interesse am kind. sie sagt, sie hätte es eben irgendwann geboren und irgendwo abgelegt. damit hätte sie das „problem“ schon gelöst. allerdings hat sie bisher einer freigabe zur adoption (noch) nicht zugestimmt.

man darf gespannt sein, wies weiter geht mit diesen kiddies…

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immer dieses auf und ab

16. September 2011

für eltern ist der transfer auf unsere station immer ein zeichen dafür, dass es ihrem kind nun gut geht. es hat quasi die lebensbedrohliche phase überwunden, muss nun nur mehr wachsen und „ausreifen“.

im prinzip ist das ja auch nicht falsch. und bei 80% unserer patienten geht das auch soweit gut. aber in den seltensten fällen ist der verlauf eine gerade, stetige linie nach oben. leider. es gibt auch nach der kritischen zeit noch einige aufs und abs. und ja, manchmal sind die rückschritte auch recht groß.

ein kind, das schon alle seine mahlzeiten selbst trinken konnte, kann doch wieder eine magensonde brauchen.

ein kind, das beim trinken schon völlig stabil war, kann wieder abfälle dabei haben.

ein kind, das schon lange ohne sauerstoff ausgekommen ist, kann wieder sauerstoffpflichtig werden.

ein kind, das in den vielen wochen seit seiner geburt nie beatmet werden musste, kann sich plötzlich so verschlechtern, dass es intubiert werden muss.

ja, das kann alles jeder zeit passieren (muss aber nicht). gründe dafür gibt es viele. eine infektion, eine routine-op… oder auch einfach bloß so, ohne ersichtlichen grund und ohne vorwarnung.

es ist nicht immer leicht. besonders natürlich für die eltern. aber in der regel geht es auch bald wieder bergauf. bis zur nächsten talfahrt. thats life. 🙂

sorry für die lange funkstille

11. September 2011

ich hab echt schon ein ganz schlimmes, schlechtes gewissen, weil es hier so still geworden ist. und das obwohl bei uns auf station mittlerweile wieder die gewohnte ruhe eingekehrt ist und ich sogar 2 wochen auf urlaub war.

ja, richtig gelesen. ich hatte urlaub 🙂

10 tage sonne und strand und meer und so. DAS war schön. haaaaach…

ab morgen hat mich der alltag wieder. und ich nehme mir fest vor wieder regelmäßig zu bloggen. jawohl.

also, funkstille beendet. es darf wieder laut werden!