Archive for Juli 2011

leo, 16 wochen zu früh

28. Juli 2011

heute erzähle ich euch von leo. er war ein sehr kleines extrem-frühchen, wurde in der schwangerschaftswoche 23+4 mit nur 438g geboren. sein start ins leben war sehr schwer, er hatte viele „baustellen“. kaum ging es ihm mal besser, tauchte schon das nächste problem auf. die ersten 2 monate verbrachte er auf der intensivstation. dann wurde er zu uns transferiert.

leo hatte so ziemlich jede komplikation, die ein frühchen nur haben kann. IVH, BPD, PAH, PDA, NEC, ROP… alles keine schönen sachen. er musste einige operationen über sich ergehen lassen.

leos eltern mussten ebenfalls viel ertragen. monatelang haben sie um das leben ihres kindes gebangt, die wenigen fortschritte wurde von rückschritten und neuen problemen überschattet. mehr als einmal haben sie von ärzten gehört, dass leo den tag oder die bevorstehende operation möglicherweise nicht überleben wird.

 

dann hatte er die kritische phase endlich überwunden. sein kreislauf war soweit stabil, ohne zusätzliche medikamente. die lunge wurde besser, leo konnte selbstständig atmen ohne sich ständig zu erschöpfen. die verdauung funktionierte gut, auch wenn leo seinen stuhl über einen künstlichen darmausgang an der bauchdecke ausschied. die augen entwickelten sich nach einer laserung zufriedenstellend.

als er zu uns kam hatte leo im prinzip nur mehr ein medizinisches problem. und zwar zu viel flüssigkeit im kopf. leo hatte einen hydrocephalus, also einen „wasserkopf“. deshalb wurde noch auf der intensivstation eine sogenannte externe ventrikel drainage (evd) gelegt. damit wurde der überschüssige liquor (hirnwasser) aus seinem kopf nach außen abgeleitet, um den druck im kopf zu normalisieren.

nun ist eine evd ja keine dauerlösung. deshalb bekam leo nach etwa 2 wochen evd einen shunt implantiert, der von nun an das überschwüssige wasser in den bauch ableiten sollte.

tja. um die nächsten wochen zusammenzufassen: es gab viele probleme. liquorkissen, wieder evd, undichte evd, liquorkissen, sekundärnaht, infektion, wieder shunt, shuntventil wechsel, liquorkissen, wieder evd, wieder shunt, infektion… so ging das sicher 2 monate lang. wenn nicht sogar 3.

ehrlich. so viele probleme bei etwas so „simplen“ wie einem shunt hab ich im leben noch nicht gesehen. leo war ein echter unglücksrabe. er zog komplikationen scheinbar magisch an.

na jedenfalls, nach einer gefühlten ewigkeit war auch dieses problem überwunden. nun musste leo nur noch trinken lernen. für uns war er von da an wie jedes andere unserer kinder auch.

nur die eltern konnten es irgendwie nicht so richtig begreifen. obwohl sie auf grund der vielen regelmäßigen arztgespräche wussten, dass leo nun (für seine verhältnisse) gesund war und man ihn wie ein normales baby behandeln konnte, hatten sie große probleme, das auch zu akzeptieren und zu verinnerlichen. sie waren es irgendwie schon gewohnt, dass ein problem nach dem anderen auftauchte, weshalb sie der ruhe nicht trauen konnten.

lange zeit waren sie sehr unsicher im umgang mit leo. der junge mann hatte mitterweile seinen errechneten geburtstermin überschritten, war schon sehr aufmerksam und wollte unterhalten werden. damit konnten die eltern aber gar nix anfangen. für sie war leo noch immer das klitzekleine, schwerkranke kind, das man am besten in ruhe schlafen lässt. aber schlafen war für leo längst nicht mehr interessant.

es dauerte sicher 2-3 wochen, in denen wir uns sehr intensiv mit den eltern beschäftigt haben (fast schon mehr, als mit leo selbst), bis sie die bedürfnisse ihres kindes erkennen und angemessen darauf reagieren konnten.

 

seit einem knappen halben jahr ist leo nun schon zu hause. und er entwickelt sich sehr gut, kann mittlerweile sogar schon alleine sitzen. leo und seine eltern sind zu einem richtigen dreamteam zusammengewachsen.

lars kommt in die ambulanz

25. Juli 2011

lars wurde in der 34. woche mit etwa 2kg geboren. da es ihm gut ging und er keinerlei probleme hatte, wurde er nach seiner geburt nicht auf der neo aufgenommen. er durfte gleich mit seiner mutter auf die wochenbettstation.

auch dort ging es ihm weiterhin gut. beim trinken an der brust war er zwar ziemlich langsam, aber irgendwie klappte es doch. außerdem war er etwas gelb, hatte eine milde neugeborenengelbsucht, die aber nicht therapiert werden musste.

nach 6 tagen wurde er, gemeinsam mit seiner mutter, nach hause entlassen. da der gelbsuchtwert noch erhöht war, sollte die mutter in 2 tagen zur kontrolle in die ambulanz kommen. außerdem sollte sein gewicht dort nochmal kontrolliert werden, da er noch nicht zugenommen hatte.

2 tage später sitzt die mutter nun in der ambulanz. sie hat ein gutes gefühl und ist sehr stolz auf ihren sohn. er ist ja so ein braver. eine schwester ruft sie in ein behandlungszimmer und bittet sie, lars erstmal auszuziehen. die waage zeigt 1770g an. das sind 100g weniger, als noch vor 2 tagen. außerdem fällt der schwester gleich auf, dass lars sich ziemlich warm anfühlt. die rektal gemessene temperatur liegt bei 38,7°C.

dann kommt die ärztin zur untersuchung und blutabnahme. von der schwester hat sie schon gehört, dass lars in keinem besonders guten zustand zu sein scheint. ihre untersuchung bestätigt den eindruck der schwester. lars ist schlapp, blass, bewegt sich kaum, hat trockene lippen, eingefallene augen und fontanelle, der herzschlag und die atemfrequenz sind erhöht.

während der untersuchung stellt die schwester der mutter ein paar fragen. wird er voll gestillt? ja. wie oft trinkt er von der brust? alle 4-5 stunden, nachts hat er eine pause von 8-10 stunden. wie lange trinkt er pro mahlzeit? etwa 20 minuten. wieviele nasse windeln hat er am tag? er wird immer nach dem stillen gewickelt, da ist eigentlich immer pipi drin. wann hatte er das letzt  mal stuhl? heute morgen. ist lars immer so ruhig, weint er auch ab und zu? *stolzgeschwelltebrust* nein, lars weint nie. er ist so brav. wenn er munter wird, dann druckst er nur so rum. aber weinen tut er nie. also, am tag der entlassung hat er noch viel geweint, aber das war sicher nur vom stress. jetzt ist er sehr entspannt.

ein kurzer blick zwischen schwester und ärztin. die mutter hat ihn gesehen und ist jetzt etwas beunruhigt. stimmt etwas nicht? die ärztin erklärt ihr, dass lars wohl dehydriert ist und wahrscheinlich aufgenommen werden muss. er ist möglicherweise deshalb so ruhig, weil er keine kraft mehr hat.

*BUMM* ein schlag ins gesicht für lars‘ mutter. darauf war sie wirklich nicht vorbereitet.

die blutabnahmen bestätigten den verdacht. lars wird stationär aufgenommen. und hier komme ich ins spiel. lars kommt nämlich zu uns. begleitet wird er von seiner mutter und einer ambulanzschwester, die sich nach der übergabe wieder verabschiedet.

das übliche, gut eingespielte aufnahmeprocedere beginnt. ein arzt und ich fummeln an lars rum, monitieren und untersuchen ihn, eine kollegin zieht eine infusion auf, die wir auch gleich anhängen. eine andere kollegin erledigt den papierkram und wieder eine andere versucht die mutter aufzufangen und erklärt ihr, was hier gerade passiert.

nach etwa 10 minuten ist auch schon alles erledigt und ich wende mich der mutter zu. sie ist total durch den wind. ich biete ihr an, im mutter-kind-zimmer zu schlafen, damit sie bei ihrem sohn bleiben und ihn auch nachts anlegen kann. sie lehnt (derzeit) dankend ab. was mich nicht überrascht. offensichtlich zweifelt sie gerade stark an ihrer stillkompetenz. aber das wird schon wieder.

gemeinsam besprechen wir das weitere vorgehen. lars wird nun alle 4 stunden zum essen geweckt und soll 40ml trinken. die mutter darf natürlich weiterhin anlegen. sollte lars deutlich weniger als diese 40ml trinken, dann bekommt er eine magensonde. bezüglich des fiebers wird vorerst noch zugewartet. man nimmt an, dass es von der dehydration kommt, also ein sog. „durstfieber“ ist. die entzündungswerte sind nur minimal erhöht. wir sind sicher, dass sich der immer noch erhöhte gelbsuchtwert, temperatur, atmung und herzfrequenz mit flüssigkeitszufuhr per infusion wieder normalisieren werden. wenn lars es dann auch noch schafft genügend nahrung selbst zu trinken, dann darf er wieder nach hause.

 

entgegen all unserer erwartungen hat es doch länger gedauert um lars zum trinken zu bringen. er war knapp 3 wochen bei uns aufgenommen. und es war wirklich harte arbeit. denn lars war sehr trinkfaul. letztlich hat er es aber doch geschafft und konnte heute gesund und voll gestillt nach hause entlassen werden.

liebe wütende mama…

7. Juli 2011

nein, ich sehe nicht ein, dass ich daran schuld sein soll, dass dein frühchen jetzt einen schnupfen hat und wegen rhinoviren isoliert werden muss.

vielleicht sprichst du mal mit dem papa. der hat nämlich seit einer knappen woche schnupfen. ja, er setzt sich immer brav eine maske auf, wenn er an die station kommt. aber den sinn dieser maßnahme hat er offensichtlich nicht verstanden. denn er schiebt sie ständig zur seite, um euer gemeinsames kind am kopf zu küssen. ich weiß genau, dass du das auch weißt, du bist nämlich meistens dabei.

und ja, er wurde deshalb von uns schon mehrmals ermahnt. das war ihm aber ziemlich egal. „ja, ich weiß eh…“ und „ist ja nur kurz…“ sagt er immer. du hast ihn bisher auch noch nie davon abgehalten.

 

ich verstehe, dass du aufgewühlt bist. aber du musst mich deshalb nicht beschuldigen „wie ein drecksschwein“ zu arbeiten.

puuuhhh…

5. Juli 2011

so, heut hab ich endlich mal wieder zeit euch kurz zu erzählen, was in den letzten wochen so los war. in einem wort: viel.

wie schon erwähnt haben wir momentan viele sehr schlechte kinder. insgesamt sind von unseren 11 kindern 5 (!) beatmet, eines davon liegt im sterben. wir haben genau 2 kinder, die keine atemhilfe brauchen und denen es wirklich gut geht. und bei einem der kinder besteht auch noch ein ausfolgeverbot. seit heute ist fix, dass die eltern das kind nicht bekommen werden. morgen erfahren sies (falls sie zum termin mit dem jugendamt erscheinen). bin ich froh, dass ich morgen frei hab…

naja, dementsprechend anstrengend und intensiv sind die dienste derzeit.

aber ich hab auch positives zu berichten. in sachen „pränatale infostunde“ gehts langsam voran. wir haben mit der zusammenstellung der box, in die wir alltägliche arbeitsmittel rein tun wollen, begonnen. ich werd euch in den nächsten tagen ein paar fotos machen, damit auch ihr euch das mal ansehn könnt. 🙂

tja. und sonst? wir haben seit anfang juli eine neue kollegin, die jetzt 8 wochen lang von mir und einer anderen kollegin eingeschult wird. leider ist sie (noch?) nicht so besonders fix und sehr unsicher. aber ich denke, das war ich am anfang auch. hihi.

so, das wars erstmal. 🙂

suchbegriffe 10

1. Juli 2011

oh mann, in letzter zeit gehts bei uns ziemlich zu. wir haben viele sehr schlechte kinder und die dienste sind ganz schön stressig. deshalb komm ich am abend auch kaum zum bloggen. sorry for that. dabei gäb es so viel zu erzählen. naja, nächste woche hab ich endlich mal wieder ein paar tage frei. vielleicht komm ich da etwas mehr zum bloggen.

in der zwischenzeit gibts mal ein paar suchbegriffe.

frühchen von der sonde an die brust – nicht einfach, aber nicht unmöglich

extubieren wie lange dauert es – ähm… tja so lange wie es eben dauert den schlauch rauszuziehen…?

frühchen känguruhen – ganz wichtig für die kleinen

tod im kreißsaal herzfehler – sehr traurig. ist bei uns erst vor kurzem passiert.

viel trinken im nachtdienst – ich versuchs ja immer, aber das ist nicht so einfach…

becherfütterung – kein kommentar…

baby namensband aus krankenhaus etfernen – heißer tip: schere

baby selber magensonde legen – nein!

kindsbewegungen fetisch – wie bitte??

frühchen 23 ssw 12 tage stabil – das ist auf jeden fall ein guter anfang 🙂

fontanelle gewölbt – das hingegen ist meist ein schlechtes zeichen

frühchenstation unangenehme schwestern – ja, die gibt es. und ich entschulige mich hiermit hochoffiziell für meine unangenehmen und unfreundlichen kollegen und innen

kindt one atmung geboren was nun – ich hoffe du stehst nicht gerade vor einem blauen kind und googlest…

wie handelt jugendamt, wenn mütter keine grenzen setzen – gar nicht. so lange kinder nicht gefährdet sind ist erziehung privatsache und jeder kann das tun, was er/sie für richtig hält.

känguruhen bei frühchen auch großeltern? – wenn eltern und großeltern damit einverstanden sind – ja!

kaiserschnitt kind atmet – gut so

ein ehemaliges sehr kleines frühgeborenes mädchen besuchte mit seiner mutter nach zwei jahren die station. – jaaa, darüber freuen wir uns 🙂

durch nachtdienst viel abgenommen – leider nein.

ich habe eine gefährdungsmeldung vom jugendamt erhalten – na dann, termin mit dem JA ausmachen, anhören was sie wollen, allen maßnahmen zustimmen und immer schön kooperativ sein

wann kommtein frühchen aus dem inkubator – wenn es die temperatur so gut halten kann, dass es das auch im wärmebett schafft. oder wenn ihm im inku schon heiß wird.

pflege von kindern mit externer ventrikeldrainage – ist eigentlich recht einfach. um den kopf muss es immer sauber sein (sterile kopfwindel), das kind sollte möglichst wenig schreien, hat das kind eine „narrische phase“, dann muss die evd geklemmt werden, bis es sich beruhigt hat. ebenso bei der pflege. nach jedem umlagern schaun, ob die höhe noch stimmt. das is mal die kurzfassung *g*