entspannte aufnahme

gestern habe ich ein reifes neugeborenes aus einer nahegelegenen geburtsklinik aufgenommen. die 2 tage alte, über 4kg schwere dame wurde wegen verdacht auf eine infektion zu uns transferiert.

kurze zeit später kam auch schon der vater an die station. ich hätte erwartet, dass er sehr besorgt und nicht gerade glücklich darüber ist, dass seine tochter nun bei uns liegen muss. so wie das normalerweise eben ist, wenn wir reife kinder übernehmen. aber so war es nicht. er war sehr freundlich und schien überhaupt nicht belastet.

beim ersten gespräch mit der ärztin und mir hat er sehr geziehlte und „gute“ fragen gestellt. auch das ist nicht selbstverständlich. er schien die situation gut erfasst zu haben. also keine unnötige panik. es war echt erstaunlich.

etwas später hat er mir noch beim wickeln seiner tochter zugesehen (er hatte sie noch nie gewickelt und wollte erstmal zusehen) und hat ihr, mit etwas hilfe, die wenigen milliliter muttermilch, die er mitgebacht hatte, gefüttert.

danach fuhr er wieder zu seiner frau.

2 stunden später kam er mit der mama wieder. und dann kam das, womit ich wirklich nicht gerechnet hätte. auch sie war total entspannt! in der regel verdrücken die mütter spätestens wenn sie ihr kind in dem bettchen liegen sehen, an den monitor angeschlossen und mit viggo in der hand, ein paar tränchenen. aber nix da.

natürlich habe ich ihr, nach der ersten begrüßung und erklärungen, sofort angeboten, dass sie ihre tochter in den arm nehmen kann. und was sagt sie? ja, ich würde schon gerne, aber wecken wir sie damit nicht auf, wenn wir sie jetzt raus nehmen? ich hätte die mutter knutschen können, ehrlich.

hab ihr dann erklärt, dass sie kleine sicher weiterschlafen wird und sie ihr in den arm gelegt. sie war selig. der papa hat natürlich gleich die kamera ausgepackt und hunderte fotos gemacht😀

da bei uns gestern nicht viel los war und ich viel zeit hatte, habe ich mich danach noch sicher eine dreiviertel stunde mit den eltern unterhalten und viele kleine fragen beantwortet. die atmosphäre war einfach schön.

später haben wir noch einen stillversuch unternommen. zwar nur mit mäßigem erfolg, aber alle waren glücklich und zufrieden.

als die eltern wieder nach hause (bzw. die mutter wieder in ihr krankenhaus) fuhren, verabschiedete sich die mutter mit den worten: ihre station hier ist wirklich wunderbar und ich bin froh, dass meine tochter bei ihnen ist. ich weiß, dass sie hier sehr gut versorgt wird.

haaach, eine so entspannte und optimale aufnahme eines reifen kindes hatte ich schon seit jahren nicht mehr. so sollte es immer sein.

11 Antworten to “entspannte aufnahme”

  1. Knutschkugel's Mama Says:

    Schön zu lesen das es auch Eltern gibt die so ruhig sind, ist sicherlich auch nicht verkehrt für die Tochter. Die kleinen merken sowas ja schnell.

  2. Ava Says:

    Klingt wirklich gut! Auch wenn man den besorgten Eltern andere Verhaltensweisen auch nicht wirklich vorwerfen kann. Gönne euch die entspannten und benignen Eltern trotzdem von ganzem Herzen!🙂

  3. cassa Says:

    Ich freu mich für euch, die Eltern und das dazugehörige Kind! Soviel Gelassenheit wünsche ich mir auch manchmal ;o)

  4. SibeMa Says:

    Eine schöne Aufnahme🙂
    Allerdings frage ich mich, sind andere Mamas, die dann doch heulen, schlecht oder werden von euch als nervig angesehen?
    Unser Sohn musste am Abend nach seiner Geburt auf die Neointensiv, wir sind beide sofort mit, da ambulante Geburt, was hätte ich da zu Hause im Bett liegen sollen.
    Ja, wir waren relativ ruhig, aber natürlich trotzdem besorgt, ist auch nicht verwunderlich, wenn es dem Muckelchen so schlecht geht. Und ja, ich habe geheutl – als es hieß, jetzt sollen wir mal so langsam schlafen gehen. Natürlich wusste ich, dass mein Kleiner gut aufgehoben ist – aber ist es nicht normal, dass man Stunden nach der Entbindung nicht ohne sein Baby sein möchte? Wäre er gesund gewesen, hätten wir nur gekuschelt, so haben wir die Nacht getrennt voneinander verbracht, das fand ich schon hart, auch wenn mir klar war, dass es nicht anders geht.
    Aber die Schwestern und Ärzte haben uns trotzdem nicht das Gefühl gegeben, doofe Eltern zu sein🙂 Am nächsten Tag habe ich mich dann doch in der Frauenklinik aufnehmen lassen, um nicht auf dem Besuchersofa übernachten zu müssen, ist so frisch entbunden doch was unbequem. Und ich habe mich sehr gefreut, dann mit meinem Kleinen auf eine „normale“ Station verlegt zu werden.
    Naja, was ich nur sagen wollte – es ist doch ganz normal, heulen zu müssen und trotzdem zu wissen, dass das Kind gut versorgt ist – das haben wir den Damen und Herren von der Intensiv übrigens auch gesagt, ist ja wirklich eine tolle Arbeit, die dort geleistet wird.

  5. Hajo Says:

    das ist ein schöner Beitrag😀
    aber bei 4 kg nach 2 Tagen ist eine gewisse „Ruhe“ ohnehin zu erwarten😉
    Das mit dem Stillproblem kenn ich von meinem Sohnemann. Der hatte anfangs auch Probleme (oder war’s etwas anderes?), jedenfalls hat er sich mit Hilfe einer älteren Ordensschwester, die noch so „nebenbei aushalf“, an die Narungsquelle gewöhnt
    .. und dies auch ca. 9 Monate durchgehalten.
    Es gibt sie also noch, die Highlights
    Liebe Grüße
    Hajo

  6. tanteepa Says:

    War bei uns so ähnlich. Mein Mann war dabei als unser Junior (reif geboren, Geburt eingeleitet wegen extremer Nierenbeckenerweiterung) auf die Neugeborenen-Intensiv verlegt wurde. Ich habe Junior dann erst am nächsten Tag besucht und habe weder geheult noch mir groß Sorgen gemacht. Ich kannte den ganzen Ablauf auf einer anderen Frühchen-Intensivstation noch von meinen Neffen und versuchte sehr selbständig alles zu regeln. Vielleicht habe ich dadurch bei den Schwestern den Anschein erweckt, dass ich überhaupt keine Hilfe benötige, aber über ein kurzes Gespräch mit ihnen hätte ich mich schon gefreut. Leider wurden nie mehr als die Fakten zu getrunkener Menge, Gewicht der Windel, Temperatur etc. gewechselt😦

  7. HoldesWeib Says:

    Ich will mich ja nicht selber loben, aber das hätte ich vor gut 1,5 Jahren wohl auch sein können – unser Töchterlein musste direkt nach dem Kaiserschnitt auch in die 80 km entfernte Kinderklinik. Sie hatte wohl Anpassungsschwierigkeiten und hat nicht ohne Sauerstoff geatmet, leider konnte ich sie nicht besuchen, weil es mir nach dem Kaiserschnitt körperlich nicht gut ging. Die Schwestern und Hebammen in „meiner“ Klinik haben ständig zu mir gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll und ruhig weinen darf, wenn mir danach ist, aber ich musste nicht weinen und all das, ich wusste, die Süße ist bestmöglich versorgt. GG ist natürlich jeden Tag hingefahren und hat mir Bilder von ihr mitgebracht usw. Geheult hab ich dann, als ich sie nach fünf Tagen endlich bei mir hatte…😉 Ich wünsch Dir noch viele solcher Aufnahmen!

  8. gedankenfest Says:

    Mich hat der Artikel auch gefreut. Das war schön zu lesen🙂

  9. Miezekatze ^_^ Says:

    Solche Eltern sollte es öfters geben, nicht?😉 Klingt auf jeden Fall ziemlich entspannt – vor allem auch für euch.

  10. jademond Says:

    Schön, sowas zu lesen🙂

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