muss mich mal ärgern

es gibt wirklich nicht viele dinge, die mich bei der arbeit so richtig wütend machen. aber eines treibt mich in regelmäßigen abständen in den wahnsinn. und zwar das ständige aufwecken der kinder.

jeder, der die station betritt ist der meinung, dass er/sie etwas unheimlich wichtiges an den kindern zu tun hat. und das kann nicht warten, bis das kind wieder wach ist. nein. das muss jetzt sein. täglich gibt es deshalb diskussionen. mit ärzten, physiotherapeuten, logopäden (obwohl die noch die „bravsten“ sind, immerhin sind sie meistens an die essenszeiten der kinder gebunden) und auch mit eltern.

ich habe kein problem damit, mich vor ärzten und therapeuten aufzubauen und ihnen schlicht zu verbieten, das kind jetzt aufzuwecken. sofern die untersuchung oder die maßnahme nicht akut notwendig ist, eh klar.

aber eltern? da habe ich natürlich schon skrupel. schließlich ist es ihr kind, und nicht meines. sie können damit tun und lassen, was sie wollen. aber manchmal… ein beispiel.

wir betreuen seit einigen monaten einen jungen mann, timo. er war ein extremfrühchen aus der 24. schwangerschaftswoche, hatte lange zeit große probleme und ist nun endlich am wege der besserung. er ist massiv unruhig, weint jeden tag mehrere stunden am stück (egal was man mit ihm macht), braucht sehr viel zuwendung und manchmal auch beruhigungsmittel. anders findet er oft einfach nicht in den schlaf, obwohl er hundemüde ist.

timos eltern haben bereits 2 kinder im schulalter, der vater ist berufstätig. die großeltern wohnen mehrere hundert kilometer entfernt. deshalb ist es den eltern nicht möglich jeden tag stundenlang bei timo zu sein. wenn sie dann aber zu besuch kommen, möchten sie die zeit mit ihrem kind natürlich nutzen. sie möchten ihn wickeln, füttern, baden und kuscheln.

da sie aber meist nur 1 oder 2 stunden am tag hier sind,kommt es vor, dass timo diese wenigen stunden verschläft. das passt den eltern meist gar nicht. aber so ist es nunmal. wir sind froh, wenn timo überhaupt mal 2 oder 3 stunden am stück schläft, ohne medikamente.

letztens war timos vater am abend zu besuch. als er kam schlief timo tief und fest. ich hatte ihn erst vor 20 minuten zum schlafen gebracht. bevor der vater zu timo ins bett greifen konnte, habe ich ihn „abgefangen“ , ihm kurz erzählt, wie timos tag war und, dass er eben erst eingeschlafen ist. als wir neben timos bett standen, bemerkten wir, dass er wohl stuhl in der windel hatte. der vater wollte ihn wickeln. jetzt. ich meinte, dass das nicht notwendig ist, da es timo offensichtlich nicht stört (er schlief ruhig und entspannt). und da er ja gerade erst eingeschlafen war und die ruhe dringend braucht, wäre es nicht sinnvoll, ihn jetzt aufzuwecken.

gut. der vater setzte sich also neben timos bett und begann ihm eine geschichte vorzulesen. sicher nicht das, was er sich vorgestellt hatte, aber was soll ich tun.

eine stunde später. ich sitze mit meinen kolleginnen in der küche. ein blick auf den zentralmonitor. timo schläft noch immer ruhig. sein herz schlägt entspannte 120mal pro minute. während ich noch einen blick auf die anderen kinder am monitor werfe, wird timo plötzlich vom monitor abgehängt. das kann doch nicht wahr sein?!

aber doch, ist es. als ich zu timo nach hinten gehe, liegt dieser schon am wickeltisch. „er ist gerade aufgewacht. ich wickel ihn noch schnell, bevor ich gehen muss.“ ja. klar. was soll ich dazu sagen? erstmal tief durchatmen. „ich habe genau gesehen, dass sie ihn aufgeweckt haben!!“ (hätte ich gern gesagt, bin aber zu nett dafür)  

10 minuten später war der vater weg. und timo wieder völlig aufgelöst und hysterisch. *seufz*

ich verstehe ja, dass eltern das bedürfnis haben, aktiv etwas für ihr kind zu tun. wirklich. und ich find das sogar gut. aber auf der anderen seite bin ich es, die das am spieß brüllende kind in den nächsten 2 stunden herumtragen und popo-klopfen und sonst-wie beruhigen muss, um es vor der gabe eines (leichten) beruhigungsmittels, das die ärzte bereits „angedroht“ haben, zu bewahren.

was würde der vater wohl machen, wenn zu hause jemand seinen sowieso immer unruhigen und gerade eingeschlafenen sohn aufweckt?!? sicher keine luftsprünge.

ehrlich, manchmal ist die arbeit mit eltern… nicht einfach.

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13 Antworten to “muss mich mal ärgern”

  1. Sylvia Says:

    Meine ehemaligen Frühchen sind inzwischen in der Pubertät. Ich habe damals vergeblich darum gekämpft, dass die Babys NICHT geweckt werden – die Fütterung alle 4 Stunden war in dieser Klinik heilig, da gab es kein Entrinnen *kotz*. (Alle Kinder waren über 2.200 g, es bestand keine Gefahr des Verhungerns).

    Bei meinem Jüngsten fanden die Nachtschwestern es sogar total süß, dass er nachts so fit war und ihnen Spaß gemacht hat (die Station war fast leer). ICH hatte danach auch meinen Spaß mit ihm, denn er verwechselte noch seeeeehr lange Tag und Nacht, und tagsüber mußte ich mich um die beiden Geschwister kümmern – vielen Dank auch 😦

  2. zuckerzicke Says:

    Irgendwie kann ich den Vater ja verstehen:) Aber ich würde mein Kind trotzdem nicht wecken. Mein kleiner(4Monate) lag vor kurzem im KH wegen rsv und da ich noch Kids zu Hause habe, konnte ich nicht immer da sein. Manchmal schlief er, wenn ich da war. Dann hab ich ihn mir angesehen und war froh, das er sich gesund schläft.

  3. rage Says:

    never touch a sleeping child, hab ich bemerkt. als meine tochter mit rsv im spital lag, konnte und wollte ich auch nicht 24/stunden/tag bei ihr sein. und manchmal sass ich einfach nur neben ihr und schaute ihr beim schlafen zu – und bin sicher, dass sie spürte, dass ich bei ihr war.

    grosseltern, die kinder wecken, sind der absolute wahn. am liebsten, wenn die kiz aus dem auto noch immer im maxi-cosi schlafen, da ist dann auch mal der angebliche rückenschmerz schuld daran, dass man das kind wecken muss – aber erzählen sie das mal besser wissenden schwiegereltern.

    die sache ausbaden müssen dann wieder andere: die eltern.

  4. cassa Says:

    So ein Verhalten kenne ich (bei normal geborenen Kindern) bevorzugt von Großeltern – wenn man bei denen mit schlafendem Säugling auftaucht wird solange „heitschideitschi“ geflötet und das Kind betatscht, bis es aufwacht…

    Finde ich furchtbar, wenn das eigene Ego so haushoch über den Bedürfnissen des Kindes steht…

    Aber sowas müssen solche Eltern dann wohl schmerzhaft lernen, wenn das Kind dann daheim ist und keine Nachtschwester da ist, die das Kleine dann 2 Stunden für einen durch die Gegend schukkelt…

    Nur Schade für den Kleinen! Da ist der Start ins Leben eh schon schwierig und dann werden einem auch noch Steine in den Weg gelegt…

  5. Ute Says:

    Der arme kleine Kerl… 😦

  6. Felitha Says:

    Ich bringe es bis zum heutigen Tag nur schwer über mich mein schlafendes Kind (ehm. Frühchen – 34. SSW) zu wecken. Ich schau ihm auch gern zu wenn er schläft. Und er ist schon 2 1/2. Unsere Tochter wird (hoffentlich) zum VET am 28.6. zur Welt kommen und auch bei ihr werde ich gern zusehen, wenn sie schläft. Schlafende Kinder haben auf die Eltern meist auch so ein beruhigendes Gefühl. Ich verstehe die Eltern ein wenig, aber das schlafende Kind wecken – no go! Würde ich beim nächsten Besuch des Vaters emotionsfreier nochmal anmerken. Gerade ein Frühchen braucht seinen Schlaf!!!

  7. Leila Says:

    Für mich gab es nichts schöneres als meinem schlafenden und dabei glücklih zufriedenen Sohn zuzuschauen. Stundenlan habe
    Ich neben dem Inku oder dem Wärmebettchen gesessen. Es war auch für mich eine Pause. Natürlich wäre kuscheln das
    Non plus Ultra dabei gewesen aber die Möglichkeit hatten wir ja von Anfang an nicht. Er wurde dann auch meist im Schlaf sondiert.

  8. Hajo Says:

    Frage: würde besagter Vater es wagen, den Kleinen zu wecken, wenn dieser zu Hause wäre?
    Wohl eher unwahrscheinlich, sofern er nicht einen „Krieg“ mit seiner besseren Hälfte auslösen wollte
    .. die müsste es nämlich ausbaden! 😦
    Aber mit dem Pflegepersonal im Krankenhaus ist man schliesslich nicht verheiratet: die werden doch „dafür“ fürstlich bezahlt 😉
    .. oder?
    Also: weiterhin seinen Gefühlen und Bedürfnissen reien Lauf lassen
    z.K.

  9. tanteepa Says:

    Ich geb ja zu, ich war auch so ne Mutter, die ihr schlafendes Kind aus dem Bettchen genommen hat. Aber mein Kleiner ist davon auch nicht wach geworden und hat schön auf Mamas Arm oder Bauch im Liegestuhl weitergeschlafen. Ich habe schon mal abwertende Blicke von den Schwestern erhalten, aber gesagt hat keiner etwas. Manchmal ist Junior auch irgendwann bei Mama wach geworden und ich habe ihn dann gewickelt, gefüttert etc. und habe ihn aber immer auch am Ende meines Besuchs wieder schlafend ins Bettchen gelegt. Glaube also nicht, dass die Schwestern schwer Probleme mit ihm hatten.

  10. Andrea Says:

    Genauso, wie Du es geschildert hast, würde ich es den Eltern sagen… ich finde kann man alles in einer guten Art und Weise doch sagen… solche „schmerzunempfindlichen“ Eltern, die auf gutgemeinte Andeutungen nicht reagieren, muss man auch direkter werden…

    Vielleicht solltest Du bei den Eltern um 2.30 Uhr in der Nacht mal anrufen und einfach fragen: „Na, einen schönen Tag gehabt heute?“… fänden sie dann auch nicht lustig…

    Also… da steht ja nur das Ego der Eltern im Vordergrund und nicht das Wohlbefinden des Kindes…

    arme Socke… der kleine Mann… wäre natürlich schon schöner, wenn ein Elternteil es mehr als 1-2 h pro Tag schafft… aber manchmal gibt es wohl die familliäre Strukur nicht anders her…

    Hoffe, der Kleine ist bald so stabil, dass er nachhause darf…

  11. Noga Says:

    Was wäre denn dabei dem Vater zu sagen, dass Du am Monitor erkennen kannst, ob das Kind selber aufgewacht ist oder nicht. Und falls es ein Tagebuch für Timo gibt, warum nicht sowas dann auch aufschreiben?

  12. Pharmama Says:

    Das ist zwar sicher sehr unangenehm für das Kind, aber : keine Angst, das kommt alles „retour“ … Sobald Timo zuhause ist, hat er unzählige Möglichkeiten, seine Eltern aus dem Schlaf zu reißen. Speziell wenn er durch diese Aktionen nicht gelernt hat zu schlafen…

  13. MiA Says:

    Wow, nein, das kann ich verstehen.
    Von beiden Seiten aus… und doch, ein bisschen mehr auch von eurer Seite aus. Auch wenn ich nicht in einem medizinischen Beruf arbeite.

    Wenn ich so ein Frühchen hätte und nur selten kommen könnte, ja ich wäre auch enttäuscht. Aber ich glaube, ich würde mir denken: Würde ich wollen, dass ihn jemand weckt, wenn ich daheim dann sehen muss, wie er wieder einschläft? Denn noch ist es ja einfach, ihr habt die Arbeit, wie du auch schreibst und ich glaube, ich würde mir sagen, dass der Schlaf ihm gut tut, damit er kräftig wird und bald nach Hause kann…

    Aber in der Theorie sagt sich das leicht…

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