ein besonderes tagebuch

als lunas mutter in der 30. schwangerschaftswoche war, stürzte sie morgens im badezimmer beim aussteigen aus der dusche. dabei schlug sie sich den kopf an. sie war nicht bewusstlos, hatte jedoch danach starke kopfschmerzen.

da die schmerzen nicht nachlassen wollten, und ihr ganz schön übel war, fuhren sie und der werdende papa abends ins krankenhaus. lunas mama wurde mit verdacht auf gehirnerschütterung stationär aufgenommen. luna ging es bestens.

wenige stunden nachdem sie im krankenhaus aufgenommen wurde, hatte lunas mutter einen schweren krampfanfall. luna musste per notsectio geholt werden. es stellte sich heraus, dass lunas mama eine ziemlich große hirnblutung erlitten hatte. nach dem kaiserschnitt wurde sie sofort notoperiert und danach auf die intensivstation verlegt. es ging ihr sehr schlecht.

luna hingegen ging es ganz gut. auch sie verbrachte ihre ersten lebenstage auf der intensivstation. danach wurde sie zu uns verlegt.

luna war nicht das erste kind dieser familie, sie war das dritte. der vater war also ganz schön eingespannt zwischen kindergartenkind, schulkind, schwer kranker frau und frühgeborenem baby. er kam zwar täglich zu besuch, konnte aber nicht sehr lange bleiben. er hatte unterstützung von den großeltern, anders hätte das wohl alles nicht funktioniert.

der zustand von lunas mutter war lange kritisch. sie musste mehrmals operiert werden. in den ersten wochen war nicht klar, ob sie überhaupt überleben würde. doch mit der zeit stabilisierte sie sich. als man sie nach über drei wochen aufwachen ließ, konnte sie nicht sprechen und sich nur sehr eingeschränkt bewegen.

von anfang an war klar, dass lunas mama lange brauchen würde, um sich zu erholen. das bedeutete, dass sie die ersten lebenswochen ihres dritten kindes nicht (oder nur sehr eingeschränkt) miterleben würde. deshalb begannen die schwestern der neo-intensiv, ein luna-tagebuch zu führen. vom ersten lebenstag an wurde täglich ein eintrag von der betreuenden schwester geschrieben. das haben wir natürlich begeistert übernommen. ab und zu wurden auch mal fotos gemacht und eingeklebt. oder hand- und fußabdrücke gemacht. auch der papa durfte mitschreiben.

die idee des intensivtagebuchs kommt eigentlich aus der erwachsenenintensivpflege. wenn erwachsene längere zeit im „künstlichen koma“ (wie es umgangssprachlich so schön heißt) liegen, fehlt ihnen danach jede erinnerung an diese zeit. um ihnen die möglichkeit zu geben, zumindest im nachhinein etwas daran teil zu haben, und es somit verarbeiten zu können, schreibt man dort tagebuch für die patienten. das gibt es natürlich nicht auf jeder intensivstation, und es ist auch nicht bei jedem patienten notwendig, aber mir gefällt diese idee.

in diesem tagebuch werden keine medizinischen fakten aufgeschrieben. dafür gibt es sowieso die offizielle doku. es soll tatsächlich wie ein „normales“ tagebuch geführt werden. im falle unserer luna haben wir es in der ich-form geschrieben. zum beispiel sowas:

heute gings mal wieder rund hier! in der früh durfte ich in der großen badewanne eine runde schwimmen gehen. das hat mir super gefallen, ich war ganz munter und entspannt. aber baden ist auch ganz schön anstrengend, deshalb wollte ich danach auch nicht von der flasche trinken. dafür hab ich bei der nächsten mahlzeit ordentlich reingehaun und 40ml selbst getrunken! zu mittag war dann der augenarzt da. diese untersuchung mag ich ja nicht so, das hab ich dem doktor auch deutlich gezeigt! trotzdem war er sehr zufrieden mit mir. am nachmittag war oma zu besuch und hat ganz viel mit mir gekuschelt und mir lieder vorgesungen. das mag ich gerne, dabei schaue ich mir oma immer sehr genau an. die schwestern sagen, dass ich morgen oder übermorgen vielleicht wieder mit papa zu mama auf besuch gehen darf, wenn es mir und ihr weiterhin so gut geht. das wär super! auf mama schlafe ich nämlich am allerbesten.  

ps: zugenommen habe ich auch wieder! ich wiege jetzt 2285g und bin 46cm groß!“

lunas mutter hat sich wahnsinnig darüber gefreut. sie hat uns gebeten das tagebuch bis zur entlassung weiter zu schreiben.

luna wurde etwa 2 wochen vor ihrem errechneten geburtstermin nach hause entlassen. am gleichen tag wurde ihre mama in eine reha-einrichtung transferiert.

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15 Antworten to “ein besonderes tagebuch”

  1. Karin Says:

    Hallo,

    ich bin gerade durch Zufall auf diesen Blog gestoßen und bin ganz gerührt über die wunderschöne Idee dieses Tagebuchs.
    Wirklich rührend :o)

    LG
    Karin

  2. zuckerzicke Says:

    Eine wunderbare Idee und die Mama wird sich immer darüber freurn. Daumen hoch, dass ihr euch da so viel Mühe gebt.

  3. Aki Says:

    Wie schön, da bin ich grad richtig gerührt.
    Und interessant, ich wusste nicht, dass es diese Art Tagebücher gibt. Find ich toll, dass ihr euch soviel Mühe gebt~

  4. Mela Says:

    Da verdrück ich doch gleich ein paar Tränchen (ja die Still-Hormone), so schön ist das. Und dann werd ich mich mal auf die Suche nach mehr Informationen machen, vielleicht wäre das auch eine Idee für unsere Erwachsenen-ITS.

    Lg Mela

  5. Hajo Says:

    Ich finde es toll, toll, toll, dass es noch Menschen gibt, die, neben ihrer verantworungsvollen (und nebenbei bemerkt äusserst schlecht bezahlten) Arbeit noch Zeit finden, solche „Sonderaufgaben“ zu bewältigen.
    Herzlichen Dank dafür!
    Liebe Grüße
    Hajo
    P.S.: auch mir fiel es beim Lesen schwer, die „Contenance“ zu bewahren.

  6. Julia Says:

    Tolle Idee…… sowas ist doch für Mütter unbezahlbar….
    Ich hatte selbst vor einigen Monaten eine Situation im engeren Bekanntenkreis, bei der eine Familie durch so eine Hirnblutung völlig auf den Kopf gestellt wurde. Es ist wirklich schrecklich so etwas mit ansehen zu müssen….

  7. Stadtmoewe Says:

    Zum weinen schön!!

    Ein Danke von Herzen, dass es Menschen wie euch gibt ♥!

  8. Andrea Says:

    ich hatte richtig Gänsehaut…

    von einer Sekunde auf die andere ändert sich das Leben so…

    aber ich hoffe mit Happy End…

    GLG

    Andrea

  9. MiA Says:

    Das finde ich richtig schön! Toll, das ihr das gemacht habt. Darüber wird sich Lunas Mama in vielen Jahren noch freuen und kann es auch immer mit ihrer Tochter teilen.

    Ich hoffe, dass es ihr bald wieder richtig gut geht.

  10. sternchenjg Says:

    Ich finde es einfach unbezahlbar, Menschen zu haben, die so etwas für einen tun. Die Freude der Mama darüber kann ich sehr gut nachvollziehen 🙂

  11. Schwedenhausfan Says:

    Hach wie schön!

  12. Die Streunerin Says:

    Geanu so ein Baby und Kindertagebuch, nur nicht mit täglichen Eintragungen, führe ich selbst für meine Kinder. (und für mich zum nachlesen irgendwann) Einfach als Erinnerung.
    Das ihr euch in der Klinik so eine Mühe macht für die Mutter finde ich absolut klasse!

  13. Nina Says:

    Da fliegt mir doch gleich ein Stäubchen Rührung ins Auge *schnief* Wie geht es denn Lunas Mama mittlerweile, wisst Ihr da was drüber?

    • neonatalie Says:

      so viel wir wissen gehts ihr immer besser. bis sie wieder vollkommen „hergestellt“ ist, wird es aber sicher noch viele monate, vielleicht jahre dauern.

  14. Christian Says:

    Sehr schön, sehr menschlich! Und ein wichtiges Korrektiv zu meinem heutigen Arbeitstag, der mal wieder zu einem guten Teil aus Arzthaftungssachen besteht.

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