tim und tom

tim und tom wurden in der 31. schwangerschaftswoche geboren. wenige stunden nach ihrer geburt durften sie bereits zu uns. tim, mit fast 1200g der größere von beiden, war von anfang an immer stabil, hat nie sauerstoff oder atemhilfen gebraucht. tom, mit 900g deutlich zu klein für die woche, war eher das sorgenkind. obwohl es ihm eigentlich auch nie wirklich schlecht ging, er brauchte nur etwas sauerstoff in den ersten tagen.

beide entwickelten sich gut. nach wenigen tagen haben beide begonnen ihre mahlzeiten mit begeisterung selbst zu trinken. tom, der kleinere, schaffte nach einer woche sogar schon jede 2. mahlzeit komplett selbst. auch tim trank 1-2mal am tag seine ganze flasche selbst aus.

die eltern von tim und tom waren überglücklich zwei so süße und tapfere jungs zu haben. sie waren täglich viele stunden da und versorgten ihre beiden mit viel liebe und sorgfalt.

als die beiden 2 wochen alt waren, entwickelte tim plötzlich eine schwere, frühchentypische komplikation, eine NEC. sein darm entzündete sich und perforierte. er wurde operiert. die kaputten darmteile mussten entfernt werden und er bekam einen künstlichen darmausgang. nach der op wurde er direkt auf die intensivstation gebracht. es ging ihm wirklich sehr schlecht und er war sehr instabil. nach einigen tagen schien es bergauf zu gehen.

10 tage nach der op dachte man schon daran, tim zu extubieren, als sich sein zustand wieder drastisch verschlechterte. tim wurde ein zweites mal operiert, da man den verdacht hatte, dass weitere teile des darmes abgestorben sein könnten. dieser verdacht bestätigte sich.

in den folgenden tagen ging es tim immer schlechter. seine nieren arbeiteten kaum noch. er war nur schwer stabil zu halten. sein herzchen wurde immer schwächer.

wieder einige tage später war tim dem tod näher als dem leben. trotz maximaler intensivtherapie. langsam wurde klar, tim wird es nicht schaffen.

an einem mittwoch war es soweit. die eltern der zwillinge waren gerade bei uns an der station und haben mit tom gekuschelt. da rief die intensivstation bei uns an. wir sollten die eltern rüber schicken. es war wohl mit eines der schlimmsten dinge, die ich jemals zu eltern sagen musste. die intensivstation hat angerufen. tim geht es sehr schlecht. sie wussten, was das bedeutet. der endgültige abschied war nahe. die eltern legten tom wieder in sein bett und gingen zu tim.

an diesem tag kamen sie nicht wieder. ich wusste, was das bedeutet.

tims tod hat mich mehr mitgenommen, als ich es eigentlich zulassen wollte. ich habe die zwillinge am tag ihrer geburt von der intensiv übernommen und oft betreut. ich habe tim mit der akuten NEC in den OP gebracht. ich habe den eltern gesagt, dass tims tod unmittelbar bevor steht. ich habe tom im arm gehalten, als sein bruder starb.

es ist wirklich schwer, die richtige mischung zwischen nähe und distanz zu finden. aber für die eigene psyche ist distanz wohl die bessere lösung.

tom ist heute etwa 3 jahre alt und entwickelt sich bestens. vor wenigen monaten hat er eine gesunde kleine schwester bekommen.

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8 Antworten to “tim und tom”

  1. Franzi Says:

    Und wieder einmaml merke ich, dass dein Beruf für mich absolut ungeeignet wäre.
    Ich finde es bewundernswert, mit wie viel Liebe und Herzblut du deinen Beruf ausübst.
    Mach bitte weiter so!

  2. Jazzy Says:

    Wow, das ist wirklich hart! Ich finde es echt bewundernswert, dass es Menschen wie dich gibt! Wenn man sowas liest, merkt man auch wieder wie gut man selbst es hat, dass die Kinder gesund sind!
    Wünsche dir weiterhin ganz viel Kraft und Energie für seine Arbeit!

  3. Nuna Says:

    Wie ist das eigentlich wenn man als Kinderkrankenschwester selbst mal schwanger wird? Hat man dann mehr Angst oder ist man einfach nur abgeklärter? (falls es eine doofe Frage ist, dann tut es mir leid, frage mich das nur… ich habe das Gefühl je mehr ich oslche Geschichten lese, desto ängstlicher werde ich.)

    Und einfach zum weinen 😦

  4. Silberaugen Says:

    Sehr bewundernswert, was du in deinem Beruf alles mitmachst und beeindruckend, das du überhaupt in der Lage bist weiter zu machen. Ich könnte das nicht, aber das hörst du sicher oft 🙂

    Ansonsten schön das du wieder öfter schreibst, sehr toll 😀

    Liebe Grüße,

    Silberaugen

  5. Ursel Says:

    Das erinnert mich sehr an Zwillinge (weiterer Bekanntenkreís – ist lange her) von denen ich gehört habe. Zwillinge – zwei Mädchen – eines gesund, eines mit Herzfehler. Das gesunde Mädchen ist am plötzlichen Kindstod gestorben. Aber das *kranke* ist inzwischen erwachsen und es geht ihr soviel ich weiß gut.

  6. tanteepa Says:

    Hier Distanz zu bewahren ist fast unmöglich. Ich kenne die Familie und die Kinder nicht, aber mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter. Einfach weil mich die Geschichte an mein Patenkind erinnert. Geboren in der 32. Woche als Zwilling mit 1220g. Eigentlich auch total fit, selbständiges atmen und essen bis in Woche 2 auch eine akute NEC auftrat. Er bekam auch Darm entfernt und einen künstlichen Ausgang. Das Ganze zog sich 6 Monate hin bis er nach Hause konnte und immer wieder stand es sehr schlecht um ihn. Aber er war ein Kämpfer und hat all die OPs gut überstanden. Heute ist er ein cooler 13 Jähriger Teenage mit großer Narbe am Bauch. Er hat es überlebt und trotzdem habe ich damals viel geweint während meine Schwester (seine Mutter) glaube ich auch auf Distanz gegangen ist. Ich habe sie nie weinen sehen. Vielleicht weil sie auch einfach stark sein wollte für den anderen Zwilling.

  7. rettungsdienstblog Says:

    Heftig!

    Hier die Distanz zu behalten, ist doch in Wirklichkeit unmöglich…wir alle sind nur Menschen und haben Gefühle, Emotionen und so…da kann man nicht wie eine Maschine arbeiten und das soll auch nicht so sein.

    gruss
    rdblog

  8. KaTe Says:

    Puh, sowas ist echt furchtbar…
    Denke da die Distanz zu wahren geht einfach nicht, denn man ist doch immer noch Mensch!
    Für mich selbst wäre der Beruf nichts, ich käme damit absolut nicht zurecht und würde vermutlich dann wohl schnell aufgeben (also den Beruf wieder).
    Finde es ganz toll, dass es trotzdem immer Menschen wie Sie gibt, die diesen sonst sicherlich tollen Job machen und auch so gut 🙂
    OK, ich kann nicht beurteilen „wie gut“, denn ich lese hier ja nur, aber es kommt immer so viel Wärme und Fürsorge durch diese Texte rüber und ich denke auch diese Texte beweisen, die vielen Gedanken, die Sie sich so machen um die Kinder, die Familien und ihre Arbeit überhaupt!

    Ganz lieben Gruß
    KaTe

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