Archive for Februar 2011

suchbegriffe 6

21. Februar 2011

als ich dem kleinen mädchen in einem der letzten postings den namen tiffany-angel-butterfly gab, hatte ich wirklich und ganz ehrlich keine ahnung, dass es offensichtlich eine pornodarstellerin gibt, die sich tiffany angel nennt. vielleicht sind es auch mehrere, so genau wollte ich mich mit dem thema dann doch nicht beschäftigen. sagen wir einfach, ich war erstaunt über häufige suche nach diesem namen. deshalb hab ichs mal gegoogelt und war überrascht, als mir gleich beim ersten link das wort oralsex entgegensprang. nun gut. wieder was gelernt. weiter mit den anderen suchbegriffen:

foto neonataler drogenentzug – wovon willst du da bitte ein foto? vom brüllenden kind?

wie rette ich einen einen tag alten welpen der krämpfe hat – puh, da bin ich überfragt

intubieren niere – du hast da was falsch verstanden…

kann man im krankenhaus auf einen inkubator bestehen? – ähm, nein. warum sollte man?

mutter verstorben febr 2011 – das tut mir leid

wenn man seine schwangere frau schlägt – gehört man(n) kastriert!

er schien ganz nett am telefon – das is doch mal ein guter anfang

fetischist flaschen nuckler mit 40 jahren – OMG!!

gegen schwangerschaft – wieso denn das?

zwischen himmel und erde kinderarzt blog – da wolltest du doch sicher zu sophie

wenn kinder plötzlich sterben – das ist traurig, gehört aber auch zum leben dazu

magensonde platz immer auf blut spritzt raus – wft?!

herzfrequenz baby unter 80 – schlecht

was ist ein schwemmi frühgeborene – das ist ein peripher (am arm oder bein) gestochener venenzugang, der so weit vorgeschoben wird, bis er (hoffentlich) in einer großen vene liegt und als zentraler zugang verwendet werden kann; noch fragen? 😉

frühchen beim trinken vergisst er oft noch zum atmen darf er trotzdem nachhause – nein, bei uns dürfte er dann wohl noch nicht nach hause, kommt aber auf deine definition von „oft“ an, und wie tief die abfälle sind und ob er sich selbst erholt oder nicht, usw.

als krankenpfleger nicht mit notfällen umgehen können– ach, das ist gewöhnungssache

sauerstoffbrille fetisch – was es alles gibt

baby bebeuteln wann – gute frage! schwierig zu beantworten… ich mach es dann, wenn die sättigung um die 45 ist und das kind keine reaktion auf stimulation zeigt; bzw wenn es zusätzlich noch bradykard wird und nicht reagiert, dann auch schon früher… letztlich ist es gefühlssache.

baby atmet nach extubation nicht mehr selbständig – dann wird es hoffentlich schnell wieder reintubiert

das koffein medikament für babys mit niedrigen sauerstoffsättigung – jein. coffein bekommen babys, die atemaussetzer (und daraus folgende sättigungsabfälle) haben, gegen eine „niedrige sättigung“ hilft coffei aber nicht.

zuviele ärzte überfüllen die station

18. Februar 2011

es ist 15 uhr. nach einem arbeitsreichen tag mit haufenweise entlassungen, transferierungen und aufnahmen, kehrt erstmals ruhe ein. der großteil der kinder liegt ruhig schlafend auf einem elternteil, die anderen in ihrem bett. ab und zu stört ein kurzer monitoralarm die ruhe. alle sind entspannt. die ärzte haben sich zu einer besprechung zurückgezogen, die schwestern sitzen gemütlich bei einer tasse kaffee oder tee zusammen und quatschen über dies und das.

doch dann…

die schwere türe am stationseingang wird unsanft aufgerissen. man hört das monotone piepen eines transportmonitors. wir, die schwestern verstummen sofort, niemand bewegt sich. eine tiefe männerstimme sagt: „halloooo?“. langsam stehe ich auf, gehe zum stützpunkt. was sehe ich da?

4 männer eines rettungsdienstes und einen transportinkubator. ich bin verwirrt. wir haben keine aufnahme erwartet. außerdem sind wir voll. gut, wir haben noch ein notfallbett frei, aber das wird normalerweise wirklich nur im notfall belegt.

der mann mit der tiefen stimme schüttelt mir die hand:

„guten tag, wir kommen mit dem patienten xy aus der irgendwasklinik.“

„ähm… ja… auf welche station wollen sie denn?“ (ich gehe davon aus, dass sie sich im stock geirrt haben)

„na zu ihnen. ja, hier stehts, kinderklinik, 4. stock, station 4A.“

„aha… aber… wir sind doch voll?… moment.“

eine kollegin geht bei den ärzten nachfragen. es stellt sich heraus, dass wohl im heutigen entlassungs-transferierungs-aufnahme-chaos ein bett zu viel vergeben wurde. leider hat das niemand bemerkt. und auf dieses kind wurde offensichtlich vergessen.

tja, zuviele köche verderben den brei  siehe überschrift.

zurückschicken konnte man das kind natürlich nicht mehr. deshalb sind wir jetzt überbelegt. macht auch nichts, sieht auf den zahlen des monats sicher gut aus. vielleicht kriegen wir ja dann endlich mal mehr personal (haha).

tim und tom

11. Februar 2011

tim und tom wurden in der 31. schwangerschaftswoche geboren. wenige stunden nach ihrer geburt durften sie bereits zu uns. tim, mit fast 1200g der größere von beiden, war von anfang an immer stabil, hat nie sauerstoff oder atemhilfen gebraucht. tom, mit 900g deutlich zu klein für die woche, war eher das sorgenkind. obwohl es ihm eigentlich auch nie wirklich schlecht ging, er brauchte nur etwas sauerstoff in den ersten tagen.

beide entwickelten sich gut. nach wenigen tagen haben beide begonnen ihre mahlzeiten mit begeisterung selbst zu trinken. tom, der kleinere, schaffte nach einer woche sogar schon jede 2. mahlzeit komplett selbst. auch tim trank 1-2mal am tag seine ganze flasche selbst aus.

die eltern von tim und tom waren überglücklich zwei so süße und tapfere jungs zu haben. sie waren täglich viele stunden da und versorgten ihre beiden mit viel liebe und sorgfalt.

als die beiden 2 wochen alt waren, entwickelte tim plötzlich eine schwere, frühchentypische komplikation, eine NEC. sein darm entzündete sich und perforierte. er wurde operiert. die kaputten darmteile mussten entfernt werden und er bekam einen künstlichen darmausgang. nach der op wurde er direkt auf die intensivstation gebracht. es ging ihm wirklich sehr schlecht und er war sehr instabil. nach einigen tagen schien es bergauf zu gehen.

10 tage nach der op dachte man schon daran, tim zu extubieren, als sich sein zustand wieder drastisch verschlechterte. tim wurde ein zweites mal operiert, da man den verdacht hatte, dass weitere teile des darmes abgestorben sein könnten. dieser verdacht bestätigte sich.

in den folgenden tagen ging es tim immer schlechter. seine nieren arbeiteten kaum noch. er war nur schwer stabil zu halten. sein herzchen wurde immer schwächer.

wieder einige tage später war tim dem tod näher als dem leben. trotz maximaler intensivtherapie. langsam wurde klar, tim wird es nicht schaffen.

an einem mittwoch war es soweit. die eltern der zwillinge waren gerade bei uns an der station und haben mit tom gekuschelt. da rief die intensivstation bei uns an. wir sollten die eltern rüber schicken. es war wohl mit eines der schlimmsten dinge, die ich jemals zu eltern sagen musste. die intensivstation hat angerufen. tim geht es sehr schlecht. sie wussten, was das bedeutet. der endgültige abschied war nahe. die eltern legten tom wieder in sein bett und gingen zu tim.

an diesem tag kamen sie nicht wieder. ich wusste, was das bedeutet.

tims tod hat mich mehr mitgenommen, als ich es eigentlich zulassen wollte. ich habe die zwillinge am tag ihrer geburt von der intensiv übernommen und oft betreut. ich habe tim mit der akuten NEC in den OP gebracht. ich habe den eltern gesagt, dass tims tod unmittelbar bevor steht. ich habe tom im arm gehalten, als sein bruder starb.

es ist wirklich schwer, die richtige mischung zwischen nähe und distanz zu finden. aber für die eigene psyche ist distanz wohl die bessere lösung.

tom ist heute etwa 3 jahre alt und entwickelt sich bestens. vor wenigen monaten hat er eine gesunde kleine schwester bekommen.

tiffany-angel-butterfly

1. Februar 2011

wir betreuen derzeit ein kleines mädchen, das in der 30. woche geboren wurde. tiffany-angel-butterfly ist ein 0815-frühchen. sie hatte so ihre problemchen, aber es gehts ihr gut. sie ist ruhig und entspannt, eine ganz problemlose patientin also.

ihre eltern sind nicht gerade arm. genau genommen sind sie stinkreich. der vater ist ein vielbeschäftigter geschäftsmann, die mutter arbeitet nicht. wieso auch. sie besitzen eine teure eigentumswohnung im zentrum der stadt und mindestens 2 ferienhäuser im ausland.

na jedenfalls, alles war perfekt geplant. der innenarchitekt wurde mit der gestaltung der kinderzimmer beauftragt, es wurde haufenweise teuerste babykleidung gekauft und über passende, standesgemäße namen nachgedacht. natürlich wollte die mutter einen geplanten kaiserschnitt. das datum und sogar die uhrzeit wurde gemeinsam mit dem gynäkologen und einer astrologin (!) vereinbart. man will seinem kind ja die bestmöglichen startvoraussetzungen geben. und was gibt es besseres, als einen widder mit aszendent waage, der unter dem schein des uranus geboren wird?? (oder so)

aber das kleine mädchen hatte andere pläne und kam kurzerhand 10 wochen früher. eine katastrophe! immerhin hatte man sich noch nicht für eine nanny entschieden!

nachdem die mutter mehrmals erfolglos versucht hatte schwestern abzuwerben und sie als kindermädchen einzustellen, fand sie schließlich doch jemand passenden. eine erfahrene, fast 40jährige nanny aus den usa, die sich auf neugeborene spezialisiert hat.

die mutter hat schon ab und zu mal gewickelt und gefüttert, aber oft doch nur gekänguruht. meistens kommt sie kurz nach der versorgungszeit der kleinen geht und vor der nächsten wieder. wenn sie überhaupt kommt. manchmal ruft sie auch einfach nur an. wie oft der vater da war kann man an einer hand abzählen.

eine woche vor der entlassung wurde die nanny eingeflogen, damit wir sie einschulen können. sie muss jeden tag mindestens 3mal unter unserer aufsicht wickeln und füttern, so will es die mutter. die nanny ist eine ganz liebe person, hat sich super auf tiffany-angel-butterfly eingelassen und sie schon ins herz geschlossen. oder sie ist so professionell, dass sie das vorspielen kann.

morgen geht die kleine tiffany-angel-butterfly nach hause. ich bezweifle, dass sie viel von ihren eltern haben wird. außer das durchgestylte kinderzimmer. und einen grenzgenialen namen. 😉