eine ganz normale nacht, teil 3

teil 2

0:00 uhr: lara beginnt mit vermehrten sättigungsabfällen und apnoen. sie atmet angestrengt. ich lege sie auf den bauch und erhöhe den sauerstoff im inku zunächst auf 25%. dann auf 30%.

1:00 uhr: lukas ist wieder vom monitor abgehängt. seine mama versorgt ihn also gerade. wunderbar. lara geht es noch nicht besser. das atemmuster hat sich weiter verschlechtert. außerdem ist sie unruhig. es hilft nichts, sie muss wieder an die brille. ich hole alle nötigen utensilien und klebe lara die brille an den wangen fest, damit sie nicht verrutscht. ich gebe ihr über die brille zunächst 23% sauerstoff. weil ich sie schon stören muss, wickel ich sie auch gleich.

1:45 uhr: lara hat sich stabilisiert. zusätzlichen sauerstoff braucht sie keinen mehr, sie bekommt jetzt also nur mehr ein kleines bisschen luft in die nase geblasen. das reicht ihr. sie atmet ruhig und regelmäßig. ich gehe weiter zu meinem namenlosen mäuschen und wickel sie. sie ist jetzt deutlich ödematöser als vorher und hat nur sehr wenig harn ausgeschieden. hm. da der arzt gerade an der station ist, lasse ich ihn das mäuschen ansehen. er entscheidet, dass sie einmalig lasix bekommen soll. das ist ein entwässerndes medikament. ich ziehe es auf und spritze es aus der hand. bei der mundpflege öffnet das mäuschen kurz die augen und saugt sehr schwach am teestäbchen. ich lager sie noch um und sondiere ihr das essen. dann sondiere ich auch lara ihr essen. einen trinkversuch mache ich diesmal nicht, sie soll sich aufs atmen konzentrieren, ich will sie ja nicht überfordern. am teestäbchen ist sie nicht interessiert. danach wird alles dokumentiert.

2:30 uhr: tobias ist wieder wach. ich gehe ihn wickeln. die op-wunde ist trocken, sieht alles super aus. auch der zugang geht einwandfrei. mir fällt ein, dass ich die blute, die wir abgenommen haben, noch gar nicht gesehen hab. also geh ich nachsehn. die entzündungswerte sind leicht erhöht – nicht ungewöhnlich nach einer op. sonst passt alles. ich nehme tobias wieder mit in die küche.

jetzt kommt die härteste zeit im nachtdienst. die zwischen 2 und 5 uhr. um 5 uhr gibts wieder essen für alle kinder. aber bis dahin ist nichts zu tun. im tv laufen die wiederholungen des abendprogrammes oder irgendwelche softpornos. beides nicht sonderlich interessant. also werfen wir eine dvd ein und machen es uns gemütlich. die ruhe wird nur durch gelegentliche monitoralarme unterbrochen.

4:00 uhr: tobias ist endlich wieder eingeschlafen. ich lege ihn wieder ins bett. am rückweg in die küche stelle ich noch die fläschchen für 5 uhr ein.

5:00 uhr: ich sondiere lara und das mäuschen, sehe mir nochmal ihre zugänge an und dokumentiere. lukas ist wieder vom monitor abgehängt. ich beschließe in 20 minuten mal bei ihm reinzuschaun um die mama zu fragen wie die nacht so war, damit ich alles dokumentieren kann. da ich sonst nichts mehr zu tun habe frage ich mal bei den kolleginnen nach, ob die was brauchen. tun sie aber nicht. dann geh ich mal aufs klo (keine sorge, ist nicht das erste mal in diesem dienst 😉 )

5:20 uhr: ich gehe in unser mutter-kind-zimmer und sehe nach lukas und seiner mama. wir reden kurz darüber, wie es ihr in der ersten nacht alleine mit lukas gegangen ist. sie hat es sich nicht so anstrengend vorgestellt, aber es hat alles gut geklappt. die medikamente hat sie nach der liste, die sie noch vom tagdienst bekommen hat, gegeben. stuhl hatte lukas auch zweimal. sie hat alles notiert. wunderbar. ich nehme den zettel mit und klopfe alles in den pc.

5:50 uhr: zeit, die dekurse zu schreiben. bevor ich das mache, sehe ich mir das, was ich in der nacht so dokumentiert habe, nochmal durch. um sicher zu sein, dass ich auch alles dokumentiert habe. dann fasse ich die nacht jedes kindes in einigen sätzen zusammen.

6:10 uhr: so, die arbeit für heute ist getan. zeit für frühstück! meine beiden kolleginnen und ich hauen erstmal ordentlich rein.

6: 35 uhr: die ersten tagdienstkolleginnen kommen. wir plaudern.

7:00 uhr: die dienstübergabe beginnt. zuerst gibts eine kuze übergabe in der küche. nur ein paar worte zu jedem kind. dann teilen sich die tagdienstkolleginnen die kinder auf. danach erfolgt die detailierte übergabe am bett.

7:25 uhr: alle kinder sind übergeben, wir gehen uns umziehen und zischen ab nach hause!

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9 Antworten to “eine ganz normale nacht, teil 3”

  1. Nina Says:

    Danke für die Erläuterungen! Noch eine Frage zum Nachtdienst: ich war schon auf verschiedenen Säuglingsstationen und mir ist da immer schmerzlich aufgefallen, wie laut das Personal dort nachts ist.

    Sie arbeiten und unterhalten sich in der gleichen Lautstärke wie tagsüber. Mir ist auch als selbst Betroffene aufgefallen, dass insgesamt wenig Rücksicht auf Schlafende genommen wird (Türen knallen, lautes Sprechen auf dem Gang etc.), aber bei den Babies finde ich es nochmal „schlimmer“. Ist das (fast) überall so und wenn ja, warum eigentlich? Und schneidet man sich da nicht ins eigene Fleisch, weil man dann wieder mehr Babies zum Beruhigen hat?

    Liebe Grüße! Nina

    • neonatalie Says:

      liebe nina, danke für deine herzige mail. ich muss zu meiner schande gestehen, dass ich schlicht und ergreifend auf dich vergessen habe – sorry 😦
      also, zu deiner frage. laut ist es bei uns in dem sinn nicht. es ist sicher lauter, als in den meisten kinderzimmern zu hause, aber das liegt hauptsächlich an den geräten (und deren belüftungen) und monitoralarmen. wir sprechen auch nicht laut, weder untereinander noch mit eltern oder patienten, am tag genauso wie in der nacht. auch türenknallen gibt es bei uns nicht (wobei einem die tür schonmal auch auskommen kann, aber das ist ja nicht die regel). es kann auch mal vorkommen, dass man einer kollegin was zuruft, wenn man zb was braucht, aber vom kind nicht weg kann, oder sonst bei etwas hilfe braucht. und natürlich in notfallsituationen, aber da stehen sowieso andere dinge im vordergrund.

      wir (und eigentlich alle neonatologischen stationen, die ich kenne) achten im rahmen der entwicklungsfördernden pflege schon auf die lautstärke an der station. genauso, wie wir kein grelles licht bei der versorgung der kinder verwenden. falls es doch notwendig sein sollte decken wir den kindern die augen zu.

  2. Nina Says:

    Liebe Neonatalie, das ist alles super spannend, danke, dass Du das mit uns teilst! Eine Frage habe ich aber: wieso legt Ihr Babies auf den Bauch, die schwer atmenß Habe letztens gelernt, dass Säuglinge Bauchatmer sind und man es ihnen mit Bauchlage umso schwerer macht zu atmen…?!

    • neonatalie Says:

      ja, säuglinge sind bauchatmer. aber das heißt nicht, dass sie in bauchlage schlechter luft bekommen. das stimmt nicht. dieses gerücht hat sich wegen dem zusammenhang zwischen bauchlage und SIDS entwickelt.

      zu hause sollte man ein baby allerdings dennoch nicht in bauchlage schlafen lassen, wenn es unbeaufsichtigt ist. man darf nicht vergessen, dass unsere patienten alle am monitor hängen und somit ständig überwacht sind.

  3. Isabella Says:

    Du sagst zwischen 2 und 5 Uhr ist die anstrengendste Zeit. Aber die Mäuse wachen doch sicherlich ständig auf und müssen wieder in den Schlaf gebracht werden oder lasst ihr sie weinen oder wie ist das bei Frühchen?

    • neonatalie Says:

      neeeeeee, wir lassen sie nicht weinen! das wär ja fies!
      aber frühchen wachen nicht ständig auf. sie schlafen sehr viel. natürlich sind sie manchmal auch unruhig. zum beispiel wenn sie nicht bequem liegen und umgelagert werden möchten oder wenn sie einfach nur gestreichelt werden wollen. das machen wir dann natürlich auch. wir beruhigen jedes weinende kind, is ja klar.

      aber gerade in der nacht sind die kleinen meistens sehr ruhig. es sind keine besucher da, es ist ganz still, es werden keine untersuchungen gemacht und wir schalten die lichter alle aus. für die pflege machen wir nur ein kleines licht an. es ist ganz ruhig auf der station. da entspannen sich die kleinen am besten.

  4. aimee Says:

    @neklaf: wenn ich mich einmischen darf 😉 bei uns sind die nachtschichten auch immer 12 stunden, anders würde es sich nicht wirklich lohnen und außerdem hat man ja nicht unbedingt jede woche nachtschicht und dafür auch einen längeren freizeitausgleich ;o)

  5. neklaf Says:

    sind 12 stunden schichten bei euch normal?

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