eine ganz normale nacht, teil 1

heute will ich euch mal erzählen, was wir auf einer neonatologischen IMC die ganze zeit eigentlich so tun, wenn nicht grad der hut brennt und alle wie wild durch die station laufen und kinder reanimieren. 😉 also den ganz normalen wahnsinn alltag. angeregt dazu wurde ich von cara, einer treuen leserin – danke dafür! eigentlich war das auch der ursprüngliche gedanke dieses blogs, aber mit der zeit verliert man sein ziel manchmal aus den augen.

ich werde euch also von jetzt an immer wieder ganz normale dienste schildern. fangen wir mal mit meinem letzten nachtdienst an. die kinder, die ich betreut habe, waren:

lara, 29. schwangerschaftswoche, 5 tage alt, vereinzelte apnoen mit bradykardien, liegt im inkubator. war bis heute an der sauerstoffbrille, seit 8 uhr atmet sie ohne zusätzliche unterstützung, hat sie gut toleriert. nach dem trinken/sondieren (über die nasale magensonde) schwankt sie meistens vermehrt mit der sättigung, braucht dann teilweise bis zu 27% O2 im inku. die temperatur ist noch sehr instabil. lara hatte heute spontan stuhl, der bauch ist leicht gebläht. harn scheidet sie ausreichend aus. sie bekommt 8x6ml zu essen, hat eine haupt- und fettinfusion über ihren zentralen venenzugang (einen „schwemmi“) laufen. lara bekommt außerdem noch antibiotika und coffein i.v. laras mama ist noch stationär aufgenommen, wird morgen aber entlassen. sie ist noch sehr unsicher im umgang mit lara und braucht viel hilfe.

tobias, ein alter bekannter. ehemalige 24. woche, im juli geboren, hatte so ziemlich jede komplikation, die ein frühchen haben kann. tobias hatte ein stoma (= künstlicher darmausgang), wurde aber heute rückoperiert. laut kinderchirurgen ist alles gut gelaufen, die wunde ist schön. morgen kommt der kinderchirurg für den ersten verbandswechsel. essen darf tobias noch nichts, was ihn sehr stört. er ist sehr unruhig und hat immer wieder schmerzen. dafür hat er eine schmerzmedikation vorgeschrieben, die ihm gut hilft. sonst geht es ihm gut, er atmet selbstständig und ist völlig stabil. als nahrungsersatz hat er eine haupt- und fettinfusion über einen peripheren venenzugang laufen. die mama war den ganzen tag da und ist sehr glücklich, dass es ihm nach der op so gut geht. wenn der nahrungsaufbau nach der op gut klappt und die wunde schön ist, soll er nächste woche entlassen werden.

mädchen (noch namenlos), 1. zwilling, 31. schwangerschaftswoche, 1 tag alt. ihr bruder liegt noch auf der intensivstation und ist beatmet. das mädchen kam heute vormittag von der intensiv zu uns, war ursprünglich am infant flow bei 30% O2. wegen verschlechterung des zustandes wurde sie um 16 uhr intubiert und wird seit dem beatmet. ein rücktransfer war wegen überfüllter intensiv nicht möglich, sie wird bei uns bleiben und morgen soll auch ihr bruder kommen (so viel zu: wir sind eine IMC). na jedenfalls, die kleine liegt im inkubator, braucht zur beatmung keinen zusätzlichen sauerstoff, atmet bei der pflege brav mit, zwischendurch aber eher selten. vereinzelt hat sie bradykardien, erholt sich davon aber von selbst. zu essen bekommt sie 8x3ml per magensonde, den rest bekommt sie als haupt- und fettinfusion über ihren schwemmi, genauso wie antibiotika. sie hatte bereits stuhl, scheidet aber eher wenig harn aus, hat leichte ödeme an den augenlidern. die mama der kleinen konnte ihre kinder noch nicht besuchen, will aber in der früh kommen. der papa war schon da, er weiß, dass seine tochter intubiert wurde.

lukas, ehemalige 32. woche, 4 wochen alt. er liegt mit seiner mama in einem unserer beiden mutter-kind-zimmer und soll morgen nach hause gehen. die mama versorgt ihn selbstständig, hat alle medikamente im zimmer und kennt sich gut aus.

vom ablauf des nachtdienstes erzähl ich euch dann morgen. jetzt werd ich erstmal versuchen etwas zu schlafen… ist ja immerhin schon fast 3uhr. blöder schichtdienst 😉

hier gehts weiter zu teil 2

Advertisements

Schlagwörter: ,

3 Antworten to “eine ganz normale nacht, teil 1”

  1. cara Says:

    Bin gespannt auf Teil 2! 🙂

    Eine Nachfrage hab ich auch schon: Weisen die Ödeme an den Augenlidern auf etwas Neugeborenen-Spezifisches hin oder sind sie dort bei so kleinen Säuglingen nur besser sichtbar als an anderen Körperstellen, bedeuten aber im Prinzip dasselbe wie Ödeme bei Erwachsenen, also z.B. Herzinsuffizienz?

    • neonatalie Says:

      es kann schon auch von einer herzinsuffizienz kommen, aber bei frühchen ist es meist auf eine niereninfussizienz zurückzuführen. die organe sind noch unreif und brauchen manchmal medikamentöse unterstützung.

  2. Anna Says:

    Hallo Natalie
    Ich lese immer gerne deinen Blog! Bin in der 18. Woche schwanger mit Zwillingen und wurde vom Arzt auch schon vorgewarnt, dass Zwillinge gerne zu früh kommen. Wir sind aus der Schweiz und scheinbar könne es da vorkommen, dass die Betten knapp werden für Frühgeborene und man dann in eine ziemlich weit entfernte Klinik gehen müsse.
    Dein Blog hilft uns, uns für den evtl. Fall etwas vorzubereiten, hatten wir doch keine Ahnung was und wie es so in einer Neonatologischen Abteilung zu und her geht!
    liebe Grüsse aus Bern
    Anna

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: