Archive for November 2010

still-wahnsinn

23. November 2010

ein frühchen voll zu stillen ist nicht einfach. die kleinen sind am anfang recht schwach, haben wenig ausdauer und einfach nicht genug kraft, um lange genug an der brust zu saugen und ausreichend milch zu trinken. schon das trinken von der flasche ist harte arbeit und muss oft lange trainiert werden. von der brust zu trinken ist nochmal anstrengender.

anfang letzter woche haben wir ein kind entlassen, dessen mutter unbedingt voll stillen wollte. schon während der schwangerschaft war das für sie ganz klar. leider kam ihr kind dann fast 10 wochen zu früh auf die welt und hatte, wie (fast) alle frühchen, so seine probleme mit dem trinken. von anfang an wurde der kleine täglich an die brust angelegt, hat nach 1-2 wochen sogar schon wenige milliliter erwischt.

von woche zu woche wurde er stärker, hat immer besser von der flasche und auch von der brust getrunken. nach ein paar wochen ist ihm dann endlich der knopf aufgegangen, er hat jede flasche selbst getrunken.

das hat die mutter so motiviert, dass sie dachte ihn nun endgültig zum stillbaby machen zu können. und zwar auf der stelle. deshalb wurden die stillmahlzeiten länger und länger. wäre auch kein problem gewesen, wenn er junge mann seine menge von der brust getrunken hätte. hat er aber nicht. nach dem ewig langen stillen war er so kaputt, dass er den rest nicht mehr von der flasche trinken konnte und somit nachsondiert werden musste.

ich weiß nicht wie oft meine kolleginnen und ich mit der mutter darüber gesprochen haben, dass es nicht sinnvoll ist, ihren sohn eine stunde lang an der brust zu lassen, wenn er doch von der flasche schon super trinkt. unser vorschlag war 20-30 minuten stillen, dann die flasche nachgeben. bei einem einmaligen versuch hatte das nämlich wunderbar funktioniert. und so hätte man dem kleinen auch die magensonde entfernen und ihn nach hause schicken können. aber die mutter war irgendwie nicht einsichtig.

also haben wir mehrmals (!) unsere stillberaterin kommen lassen. sie hat sich jedesmal eine stillmahlzeit angesehen und ist zu dem gleichen schluss gekommen wie wir. er hat einfach nicht genug ausdauer, um alles von der brust zu trinken. deshalb ist es sinnvoll ihn kürzer zu stillen und dann die flasche (in der übrigens ausnahmslos abgepumpte muttermilch war!) nachzugeben. aber auch das hat die mutter nicht beeindruckt.

es lief immer so ab: die mutter hat das kind angelegt. 20 minuten hat er kleine wunderbar getrunken. dann:

ich: „sie stillen jetzt seit 20 minuten. saugt er denn noch gut oder nuckelt er nur mehr?“

mutter: „neiiin, er trinkt noch total suuuper, er macht jetzt nur grad eine pause…“

naja. auf mich macht das kind einen tief schlafenden eindruck. auch die ruhige herzfrequenz sagt mir eindeutig, dass der kleine gerade gut schläft. aber hey, ich lass ja mit mir reden.

ich: „ok. 10 minuten noch. aber dann müssen wir ihm wirklich die flasche geben, sonst muss er wieder sondiert werden.“

10 minuten später.

ich: „so, jetzt ist es zeit. legen wir ihn doch mal auf die waage um zu sehen, wieviel er schon getrunken hat.“ (wir machen trinkwiegungen wenn die kleinen gestillt werden)

mutter: „neiiiin, er macht doch nur grad eine pause. vor einer minute hat er noch kräftig gesaugt!“

die mutter fummelt dem kind im gesicht herum, um ihn wieder zum saugen zu bringen. ich bleibe 3 minuten neben der mutter stehen, während sie versucht das schlafende kind aufzuwecken. der kleine nuckelt 2mal zaghaft und das wars. der schläft tief und fest.

ich: „ich glaub er schläft schon sehr gut. ich werde ihn mal abwiegen.“

gesagt, getan. beim abwiegen wird der kleine wieder wach. er hat 30ml getrunken. 60 muss er.

ich: „na super! 30 hat er schon geschafft. ich bringe ihnen die flasche, die schafft er sicher noch. dann können wir die sonde bald entfernen.“ drehe mich um und gehe.

keine minute später komme ich mit der flasche in der hand zurück. was sehe ich? die mutter hat ihn wieder angelegt.

ich: „ähm, hier ist die flasche. es ist besser, wenn sie ihm die jetzt noch anbieten, sonst schläft er gleich wieder ein und ich muss ihn sondieren.“

mutter: „neiiiiiin, er hat gerade wieder total fest gesaugt!“

ich: „ja, das ist gut so. aber sie wissen doch, er schafft noch nicht die ganze mahlzeit von der brust…“

mutter: „doch, doch! ich glaube diesmal wirds gehen. ich lass ihn noch ein bisschen.“

tja. was soll ich tun? ich kann ihr ja schlecht das kind von der brust wegreißen. also hat sie ihn eben gestillt bis er am ende war. und ich hab ihn nachsondiert. was besseres ist mir nicht eingefallen.

dieses spielchen hat sich knapp 2 wochen mehrmals täglich wiederholt. war die mutter nicht da um ihn zu stillen, hat er jede muttermilch-flasche in rekordtempo geleert. auch wenn der vater ihn gefüttert hat. der kleine hatte die magensonde wirklich nur mehr wegen seiner uneinsichtigen mutter.

bis eine kollegin beschlossen hat, dass das so nicht weitergehen kann. sie hat ihn von 4stündlich auf ad libitum umgestellt. das heißt, anstatt der fixen essenszeiten (alle 4 stunden), darf sich der junge mann nun melden, wenn er hunger hat und muss dann auch keine fixe menge trinken. er hat nur eine mindestemenge, die er in 24 stunden schaffen muss. spätestens nach 5 stunden müssen wir ihn aber immer wecken (ist bei uns standard bei frühgeborenen, die ad lib trinken).

eigentlich stellen wir die kinder erst auf ad lib um, wenn sie sich auch wirklich zu den mahlzeiten (oder schon vorher) melden. dieser junge mann hat das zwar nie getan, aber so konnten wir ihm in der nacht schon mehr füttern (hat er problemlos getrunken), sodass er tagsüber keine zusätzliche flasche gebraucht hat.

das war des rätsels lösung. 5 tage nach dieser umstellung wurde der kleine endlich entlassen. wie die eltern das zu hause gelöst haben würde mich echt sehr interessieren. wahrscheinlich muss der kleine den ganzen tag an der brust hängen… hihi.

ein ganz normaler tag, teil 3

15. November 2010

teil 2

12:05 uhr: die aufnahme kommt. ich hole das riesen-mädchen (jedenfalls für meine begriffe) aus dem transportinku, lege es zuerst auf die waage, dann ins wärmebett, klebe ihr elektroden auf die brust und den fuß und lege ihr die sauerstoffbrille mit 25%O2 an. zu meiner (positiven) überraschung hat das kind bereits einen zugang. die hebamme erzählt mir kurz was passierte. das kind wurde wegen geburtsstillstand und erschöpfung der mutter per sectio geholt. die mutter hatte für die geburt eine vollnarkose. initial war das kind vital, hat prompt geschrien, in der 5. lebensminute wurde die atmung schlechter, das kind zyanotisch (blau) und schlapper, hat deshalb sauerstoff und flüssigkeit i.v. bekommen. die große hat wohl etwas von der narkose der mutter abbekommen. blute wurden abgenommen, harn hatte das kind bereits bei der erstversorgung, stuhl noch nicht. gemeinsam mit einem oberarzt sehe ich mir das kind erstmal genau an. das kind wirkt insgesamt schlapp, ist aber rosig. am linken oberschenkel hat das kind eine kleine schnittverletzung, sicher von der sectio. is aber nicht schlimm, blutet nur minimalst, ich desinfiziere die wunde und klebe ein pflaster drauf. sonst hat das kind keine verletzungen. der nabelschnurrest ist sehr lang, ich lasse mir eine nabelklemme und eine sterile schere bringen und kürze ihn etwas. außerdem messe ich blutdruck, der ist ok. die atmung ist etwas schnell, aber die sättigung gut, sodass ich den sauerstoff reduzieren kann. der arzt beschließt ein röntgen des thorax machen zu lassen und ruft gleich bei der radiologie an. ich trockne der großen noch etwas die vielen haare am kopf, messe kopfumfang und länge, verpasse ihr eine pampers, decke die maus gut zu und klopfe mal alles in den pc. 10 minuten später steht die dame vom röntgen neben mir, ich helfe ihr kurz, dann ist sie auch schon wieder weg. ich mache noch schnell ein foto und einen fußabdruck, dann lassen wir die große erstmal in ruhe.

12:30 uhr: ich habe hunger! und wie! gemeinsam mit meinen kolleginnen bereite ich unser mahl vor. heute auf der karte: auflaufreste von gestern. klingt nicht so lecker, ist es aber!   bevor ich aber loslege, sehe ich nochmal nach toni. seine atmung ist ruhig und regelmäßig. einem ruhigen essen steht also nichts im wege. während wir essen kommt einer der ärzt zu mir und teilt mir mit, dass anni um 15 uhr im herzkatheterlabor sein soll für die op. ich bitte ihn, ihren eltern gleich bescheid zu sagen. ich sehe noch schnell nach meiner großen aufnahme. sie atmet ruhig, sättigt gut. deshalb entferne ich ihr die sauerstoffbrille. das klappt gut. die blutergebnisse und das röntgen sind da, alles gut.

13:20 uhr: ich gehe zu annis eltern. sie sind nervös. ich sage ihnen, dass sie anni bis vor die türen des op begleiten dürfen und gleich angerufen werden, wenn die op zu ende und anni auf der intensivstation ist. ich überprüfe, ob die handynummern der eltern korrekt sind, lege anni ein namensband an und bereite schonmal alles für den transport vor.

13:30 uhr: marcos mama ist da. ich erzähle ihr kurz, wie seine nacht so war. danach bereitet sie alles fürs baden und wiegen vor, ich bringe ihr frische kleidung für den jungen mann, hänge ihn vom monitor ab und schon geht los. marcos mama ist schon sehr selbstständig, sie braucht keine hilfe bei der versorgung. ich bleibe trotzdem in der nähe, wenn sie was braucht, soll sie sich melden. ich mache noch marcos bett frisch, dann begrüße ich tonis eltern, die gerade an die station kommen. als sie sehen, dass toni (wieder) am IF ist und einen zugang hat, steigen der mutter tränen in die augen. ich erkläre ihr, dass er sich seit der nacht immer mehr angestrengt hat beim atmen, und deshalb nun wieder etwas unterstützung dabei braucht. seit er am IF ist, geht es ihm deutlich besser, mittlerweile braucht er nur mehr 25%O2 und atmet damit schön. die eltern fragen, ob sie trotzdem mit ihm kuscheln dürfen. selbstverständlich, das ist genau das, was er jetzt braucht. aber die flasche werden wir ihm heute nicht anbieten, damit wir ihn nicht überfordern. die eltern sind einverstanden. wir beginnen mit der pflegerunde, sie wickeln toni, gemeinsam machen wir die mundpflege. dann lege ich toni der mutter auf die brust.

13:50 uhr: marcos mama sagt mir stolz das neue gewicht, er hat wieder brav zugenommen. ich klebe ihm neue elektroden auf die brust, die mama zieht ihn an, ich hänge ihn wieder an den monitor und bringe ihr die flasche. danach sondiere ich toni seine mahlzeit.

14:10 uhr: marco ist eingeschlafen. er hatte einige abfälle beim trinken, ist jetzt nach der vielen action ganz ko. baden ist für die kleinen ganz schön anstrengend. deshalb hat er auch nicht sehr viel getrunken. ich sondiere ihm den rest, während die mama muttermilch abpumpen geht.

14:35 uhr: anni ist sehr unruhig, hat immer wieder abfälle. sie spürt die nervosität und anspannung ihrer eltern. der arzt ordnet ein leichtes beruhigungsmittel an, darauf hin schläft sie ein. ich klebe einen kleinen zettel mit den telefonnummern der eltern und dem text „bitte ruf meine eltern an, sobald sie wieder zu mir dürfen“ an annis bett. ich sage meinen kolleginnen bescheid, dass ich dann gleich in den op fahre, marco und toni bei ihren eltern känguruhen und die große schläft.

14:45 uhr: anni, ihre eltern, ein arzt und ich machen uns auf den weg in den op. vor den türen des op können die eltern sich nochmal verabschieden. es fließen viele tränen. eine anästhesieschwester kommt zu uns raus, begrüßt die eltern und versichert, dass sie sich gut um anni kümmern werde. dann fahren wir in den vorraum, annis eltern machen sich wieder auf den weg zur station der mutter. wir übergeben alles wissenswerte an das anwesende personal, ich mache nochmal auf den bitte-anrufen-zettel aufmerksam. dann gehen wir wieder zurück auf die station.

15:00 uhr: wieder zurück an der station. eine kollegin sagt mir, dass der vater der großen hier ist. bevor ich zu ihm gehe drucke ich noch schnell das foto aus und klebe es, gemeinsam mit dem fußabdruck, in eine der eigens dafür gebastelten karten. ich nehme noch eine visitenkarte der station mit und gehe den vater, der gerade fleißig fotos seiner großen macht, begrüßen. ich erzähle kurz, wie es seiner tochter geht, erkläre ihm alle kabel, an die sie angeschlossen ist und was damit überwacht wird. ich übergebe ihm die karte und biete ihm an seine tochter auf den arm zu nehmen. er willigt ein, ich mache mit seiner kamera ein paar fotos von ihm und seiner tochter. sie soll übrigens susanna heißen. das schreibe ich natürlich gleich auf ihr namensschild.

15:10 uhr: schnelle nachmittagsvisite. susanna wird gleich nochmal von einem arzt angeschaut und danach wahrscheinlich wieder zu mutter gehen. die blutabnahmen waren unauffällig. sonst gibts nicht viel zu besprechen.

15:30 uhr: der arzt hat sich susanna nochmal angesehen und mit dem vater gesprochen. susanna soll noch eine stunde bei uns beobachtet werden. wenn sie weiterhin so stabil bleibt, soll sie ins kinderzimmer der gynäkologie gehen. dort bleibt sie für 24 stunden noch per pulsoxy überwacht. susanna ist jetzt auch wach und hungrig. gemeinsam wickeln wir sie, ich entferne ihr den zugang und bringe dem vater ein fläschchen. er füttert ihr 15ml. dabei ist sie stabil. danach verabschiedet sich der vater wieder. er will bei der mutter auf die ankunft von susanna warten. ich schreibe schonmal den transferierungsbericht und lege ihr ein namensband an.

15:45 uhr: toni ist beim kuscheln so stabil, dass ich ihm den sauerstoff auf 21% reduzieren kann. jetzt geh ich erstmal einen tee trinken und merci essen… hihi.

16:30 uhr: ich ziehe susanna an, packe sie in den kinderwagen, schließe sie an einen kleinen transportmonitor an, nehme ihr namensschild und alle wichtigen unterlagen mit und mache mich auf den weg zur gynäkologie. zuvor sage ich natürlich meinen kolleginnen bescheid. da susanna stabil ist gehe ich alleine, ohne arzt. im kinderzimmer angekommen übergebe ich die große einer kinderkrankenschwester und mache mich wieder auf den weg zurück.

17:00 uhr: marco ist wach und hungrig. hätte er geschlafen, hätte ich ihn nur sondiert. aber da er so munter ist, bringe ich der mutter eine flasche zum füttern. bevor ich toni sondiere, machen wir noch einen kuschel-wechsel. jetzt ist nämlich der papa dran, die mama geht in der zwischenzeit abpumpen. außerdem spüle ich seinen zugang und hänge eine frische infusion an. da ich nur 2 kinder habe (der arme nachtdienst, da kommt sicher eine aufnahme), übernehme ich die pflegerunde bei einem der kinder einer kollegin.

17:30 uhr: marco hat doch tatsächlich zum ersten mal die flasche komplett selbst ausgetrunken!! und das auch noch mit wenigen abfällen. die mama ist stolz wie bolle, zu recht. ich gebe alles in den pc ein, schreibe meine berichte. danach gehe ich noch den spritzenwagen, auf dem wir alles gelagert haben, was wir im alltag so brauchen, nachfüllen.

18:50 uhr: der nachtdienst ist schon da. deshalb beginnen wir gleich mit der übergabe. da ich nur 2 kinder habe, bin ich schnell fertig und düse ab nach hause.

ein ganz normaler tag, teil 2

12. November 2010

und weiter gehts

7:30 uhr: die übergabe ist vorbei und die kleine anni meldet sich. sie hat hunger. da noch nicht klar ist ob sie heute operiert wird oder nicht, muss sie noch nicht nüchtern sein. bevor ich sie füttere, gehts noch ab in die badewanne. während ich sie vom monitor abhänge bete ich inständig, dass ihr das baden gefällt und sie sich dabei nicht aufregen muss. ich hebe sie aus ihrem bett, dabei wird mir bewusst wie wahnsinnig groß und schwer sie mir vorkommt, obwohl sie mit ihren 3200g und 51cm doch ein ganz normales neugeborenes ist. auf dem weg zum wickelplatz kommt mir eine kollgin entgegen. sie sieht anni an: „meiiiii, du bist ja eine riesige maus! so eine dicke!“, ich muss grinsen. wir verlieren hier wirklich den blick für normale, reife säuglinge.

7:55 uhr: anni ist frisch gebadet und gefüttert. das baden hat sie sehr genossen, beim trinken hatte sie immer über 75% sättigung. alles gut gelaufen. jetzt liegt sie wieder friedlich in ihrem bettchen und schläft. zeit, mich um toni zu kümmern. da es ihm ja nicht so toll geht mache ich nur das nötigste. wickeln, mundpflege, einen blick auf den zugang werfen, umlagern und sondieren. trinken lasse ich ihn nicht. er soll sich aufs atmen konzentrieren. und er hat ohnehin keine lust, jedenfalls lehnt er das teestäbchen ab. sein atemmuster gefällt mir gar nicht. er atmet ziemlich angestrengt.

8:05 uhr: ich wecke marco auf, gehe ihn wickeln. er hat eine ziemlich große leistenhernie („leistenbruch“), die sich aber leicht reponieren (also reindrücken) lässt. gekonnt entgehe ich einer pinkelattacke. dann wird gefüttert. marco trinkt sehr brav, hat keine abfälle dabei. 15ml lässt er über, die sondiere ich ihm nach.

8:30 uhr: ich sehe kurz nach tobias. er schläft tief und fest. ich bereite den papierkram für seine entlassung vor. dann mache ich eine runde bei meinen kolleginnen und frage, ob sie was brauchen. ich assistiere einer kollegin beim inku-wechsel (wir wechseln alle 7 tage die betten der kinder), einer anderen bei einem verbandswechel und gehe zu diversen alarmen.

8:50 uhr: annis eltern kommen. sie machen sich große sorgen und haben angst vor dem gespräch. ich versuche sie zu beruhigen, das gelingt mir aber kaum. die kinderkardiologen und unsere oberärztin kommen, begrüßen die eltern und gehen in den besprechungsraum. ich kann leider nicht mitgehen, denn tobias ist wach und hat hunger.

9:25 uhr: tobias ist gewickelt, gefüttert und schläft wieder. zeitgleich kommen annis eltern mit den ärzten von ihrem gespräch zurück. ich frage sie wie es ihnen geht. sie haben viele informationen bekommen, müssen das erst verdauen, aber sie sind etwas beruhigter. ich lege der mutter ihre kleine in den arm. die psychologin wird in etwa einer halben stunde da sein und mit den eltern sprechen.

9:40 uhr: in der zwischenzeit hatte toni mehrere apnoen, meine kolleginnen mussten ihn mehrmals kräftig stimulieren und den sauerstoff erhöhen. er braucht jetzt 50%. die entscheidung ist gefallen, er kommt an den infant flow (IF). aber vorher muss ich noch schnell zur visite. wir besprechen alle kinder kurz durch.

tobias: der arztbrief für die entlassung ist so gut wie fertig. so bald die mutter da ist schicken wir ihn nach hause.

marco: erfreulicher verlauf. die ernährung wird etwas gesteigert. für nächste woche werden routineuntersuchungen geplant. also ultaschall der hüften, nieren und des schädels. außerdem wird ein termin für den reanimationskurs organisiert.

toni: ich berichte von den massiven abfällen und dass er wieder an den IF muss. da er die ernährung nicht sehr gut verträgt, immer wieder einiges an magenresten hat, und der bauch durch den IF sowieso noch mehr belastet wird, wird die ernährung noch weiter reduziert und die infusion erhöht. die blutabnahmen aus der nacht waren soweit ok. wenn toni sich am IF nicht stabilisiert soll ein thoraxröntgen gemacht werden.

anni: die oberärztin berichtet kurz, was mit den eltern besprochen wurde. ob die op heute noch stattfinden kann ist noch nicht klar, es sieht aber ganz gut aus. ein bett auf der intensiv ist bereits reserviert.

9:55 uhr: meine visite ist vorbei. ich hole einen IF samt zubehör aus der gerätekammer und schließe alles an. während ich neben tonis bett vor mich hin arbeite hat er eine apnoe. ich stimuliere, er reagiert nicht, wird bradykard. ich muss ihn aufbeuteln. dann gehts wieder. ich beeile mich mit dem aufbau des IF und schnalle toni das ding um. er wehrt sich zunächst etwas, hat aber kaum noch kraft und gibt sich geschlagen. mit 30% O2 ist toni am IF jetzt stabil, atmet aber noch immer recht schnell. um seine atmung besser kontrollieren zu können ziehe ich ihn bis auf die pampers aus, erhöhe die temperatur seines wärmebetts stark und decke ihn gut zu. dann wird alles dokumentiert.

10:05 uhr: die psychologin kommt. ich mache sie mit annis eltern bekannt und ziehe mich wieder zurück. auch tobias‘ eltern kommen. sie haben alles für die entlassung dabei. ich frage kurz bei den ärzten nach, wie es mit dem arztbrief aussieht. ist in 10 minuten fertig. also können die eltern tobias schon mal in sein heim-fahr-outfit werfen. nachdem sie den entlassungsbrief von den ärzten erhalten und wir den hübschen jungen mann noch etwas bewundert haben, verabschieden sich die eltern von uns. alle kolleginnen, die grad zeit haben, sagen tschüss. immerhin war tobias sehr lange bei uns, und alle mochten ihn und seine eltern gern. sie lassen uns eine große schachtel merci und ein foto von tobias mit einem kleinen dankesbrief da. und schon sind sie weg.

10: 20 uhr: ich sehe nach toni. er liegt völlig erschöpft in seinem wärmebett. die atemfrquenz ist noch immer erhöht, immer wieder macht er für einige sekunden atempausen. aber er ist stabiler als vorher. da ich vorhin wegen seines instabilen zustandes keine zeit hatte ihm eine hautschutzplatte (als schutz vor druckstellen) unter die IF-maske zu kleben, hole ich das jetzt nach. dafür muss ich ihm den IF für etwa eine minute entfernen. das toleriert er gut.

10:40 uhr: die psychologin hat das erste gespräch mit den eltern beendet und kommt zu mir. sie berichtet, dass die eltern sehr belastet sind. vor allem die ungewissheit, wann die op stattfinden wird, und die tatsache, dass anni nach der op auf die intensivstation muss und kurzzeitig beatmet sein wird, ist für sie schwer zu ertragen. mehr erfahre ich nicht, wie immer. unsere psychologin erzählt uns immer nur das, was für uns bei der arbeit relevant ist, der rest bleibt zwischen ihr und den eltern, um ein vertrauensverhältnis zu schaffen. sie bittet mich, den eltern umgehend bescheid zu sagen, wenn es etwas neues wegen des op-termins gibt. das werd ich machen.

11:00 uhr: es ist zeit toni und marco zu sondieren. danach frage ich mal wieder bei den ärzten nach, wie es mit anni weiter gehen soll, denn sie wird sicher bald wieder hungrig sein. dass sie op heute noch stattfinden wird ist sehr wahrscheinlich. es fehlt aber noch das entscheidende ok vom kinderkardiologischen oberarzt. das heiß, vorerst darf anni nichts essen. und ein venöser zugang muss noch gelegt werden, damit anni eine infusion als nahrungsersatz bekommen kann.

11:20 uhr: ein arzt kommt, um mit mir den zugang bei anni zu legen. die eltern wollen gerne dabei bleiben. wir legen anni gemeinsam in ihr bett, ich bereite alles zum stechen vor, inklusive blutabnahmen. 5 minuten später ist die sache erledigt, ich lege anni der mutter wieder in den arm, damit sich die kleine beruhigen kann. das tut sie dann auch rasch. der op-termin ist noch immer nicht 100%ig fix.

12:00 uhr: einer der ärzte kündigt mir eine aufnahme an. das kind wurde vor wenigen minuten geboren, 39. ssw, 3,6kg, sectio, respiratorisch nicht ganz auf der höhe, braucht etwas sauerstoff und wird im moment noch drüben im keißsaal erstversorgt. sie machen sich in 5 minuten auf den weg zu uns. also schnell ein wärmebett, sauerstoffbrille und alles zum zugang legen + blutabnahmen vorbereiten.

hier gehts zu teil 3

ein ganz normaler tag, teil 1

9. November 2010

es ist montag und ich habe tagdienst.

6:45 uhr: ich betrete die station und gehe mich erstmal umziehen. in der gardarobe hülle ich mich in zeitlose, blaue bereichskleidung. danach gehts in die küche. ich brauch jetzt ein frühstück. während ich mir mein brötchen schmiere werfe ich einen blick auf den zentralmonitor. zwei oder drei kinder sind neu, aber viel hat sich seit meinem letzten dienst nicht getan. wir setzen uns alle an den tisch und reden über dies und das.

7:00 uhr: dienstübergabe. zunächst kurzübergabe in der küche, alle kinder werden kurz angerissen, die neuen vorgestellt. dann teilen wir uns die kinder auf. die kinder, die ich heute betreue sind:

tobias, den kennt ihr ja schon aus meinem nachtdienst. es geht ihm bestens, er isst wieder brav und verträgt das essen problemlos. er hat regelmäßig spontan stuhl, seine op-wunde ist gut geheilt. er soll heute nach hause gehen.

marco, ein richtiges 0815-frühchen aus der 30. schwangerschatswoche. er ist schon 3 wochen alt, ist voll enteral ernährt (halt also keine infusionen mehr), hat aber noch so seine schwierigkeiten mit dem trinken. er schafft etwa die hälfte seiner mahlzeit und muss dann über seine magensonde nachsondiert werden. beim trinken hat er ab und zu apnoen, sonst nur vereinzelte sättigungsabfälle von denen er sich meistens selbst erholt. er scheidet ausreichend harn und stuhl aus. seine eltern sind schon gut in die pflege integriert, wickeln und füttern ihn ohne hilfe, wissen auch wie sie bei monitoralarmen reagieren müssen. marco wird heute gebadet, das will seine mama übernehmen. sie kommt zur pflege um 14 uhr.

toni, auch ein 0815-frühchen. ehemalige 26. woche, 5 wochen alt. ist seit 2 wochen an der sauerstoffbrille, braucht normalerweise um die 25% O2. hat sich in der nacht aber respiratorisch verschlechtert, leichte einziehungen und gehäufte apnoen geboten. deshalb hat er einmal zusätzlich coffein erhalten, danach gings besser. aber er braucht jetzt 32% O2. sollte der sauerstoffbedarf weiter steigen muss er wieder an den infant flow. der bauch ist ziemlich gebläht, aber weich. mit den ausscheidungen hat er keine probleme. er war eigentlich schon voll enteral ernährt, aber wegen der resp. verschlechterung wurde er in der nacht von der ernährung zurückgenommen und hat jetzt wieder eine infusion laufen.

anni, ein 2 tage altes reifes neugeborenes mit guten 3 kilo, das gestern aus dem kinderzimmer der wöchnerinnenstation aufgenommen wurde. anni war mit trinkzyanosen aufgefallen, sie ist also beim trinken blau geworden. der herzultraschall zeigte einen herzfehler, eine pulmonalstenose. ihre sauerstoffsättigung ist konstant um die 83% in ruhe. beim trinken und weinen hat sie teilweise tiefe sättigungsabfälle bis unter 60%. die herzfrequenz ist normal. sie soll so bald wie möglich mittels herzkatheter operiert werden. so bald wie möglich heißt spätestens morgen. die ärzte werden aber versuchen noch für heute einen termin zu bekommen. postoperativ wird sie für einige tage auf die intensiv verlegt. annis mama ist sehr besorgt. ein gespräch mit unserer psychologin sowie ein ausführliches arztgespräch mit einem kinderkardiologen ist für heute 9 uhr geplant.

hier gehts weiter zu teil 2

suchbegriffe 3

7. November 2010

neonataler drogenentzug – is nicht lustig… weder für uns noch für das kind

manfred und seine eltern – ja, war nicht einfach

neonataler drogenentzug morphindosierung – ganz einfach, immer lt. AAO 😉

kleinkind küsst füße – warum?

was passiert wenn die magensonde abgeste – ckt wird? mageninhalt läuft raus.

bei magensonde tritt immer blut raus – schlecht!

schlechte sauerstoffsättigung wegen fehl – ender atmung? sehr wahrscheinlich

akutliste für operationen – findet man sicher nicht im internet

jugendamt informieren drogenkonsum – auf jeden fall!

tagesablauf einer studierenden mit kind – darüber kann ich nix berichten

kleinkind mag nicht so gerne nähe – vielleicht wills mal die welt erkunden?

stillen nach hellp syndrom ja oder nein – ja, wenn von denn von den medikamenten her nix dagegen spricht, why not?

neonatales drogenentzugsprogramm – naja, programm würd ichs nicht nennen. wir sagen schema

10 dinge die ich an meinen kindern nicht – hihi, frustrierte mami?

mal eben zum arzt – na dann bis später

kevin justin – ryan!

einer frau zur strafe fiebermessen – wasn dat fürn fetisch??

wenn kinder sterben – ja, das kommt vor

feedback der eltern – sehr wichtig!

kind atmet nicht nach kaiserschnitt – stimulieren reicht meistens schon

was tn wenn baby von fremden geherzt wir – sagen, dass einem das nicht recht ist

au pair kinder haben ansteckende krankhe – au pair vorwarnen wäre gut

wärmebett zwillinge – tolle sache!

reanimation neugeborene wie geht das zuh- da empfehle ich einen erste hilfe kurs für kinder! sollte meiner meinung nach jeder machen

und jetzt mein absoluter favorit:

neonatalie nackt – muahahah, wtf??

100.000!

5. November 2010

wow! ihr seid ein wahnsinn!! über 100.000 mal habt ihr mich hier schon besucht.

da sage ich doch ganz herzlich

DANKE!

 

eine ganz normale nacht, teil 3

4. November 2010

teil 2

0:00 uhr: lara beginnt mit vermehrten sättigungsabfällen und apnoen. sie atmet angestrengt. ich lege sie auf den bauch und erhöhe den sauerstoff im inku zunächst auf 25%. dann auf 30%.

1:00 uhr: lukas ist wieder vom monitor abgehängt. seine mama versorgt ihn also gerade. wunderbar. lara geht es noch nicht besser. das atemmuster hat sich weiter verschlechtert. außerdem ist sie unruhig. es hilft nichts, sie muss wieder an die brille. ich hole alle nötigen utensilien und klebe lara die brille an den wangen fest, damit sie nicht verrutscht. ich gebe ihr über die brille zunächst 23% sauerstoff. weil ich sie schon stören muss, wickel ich sie auch gleich.

1:45 uhr: lara hat sich stabilisiert. zusätzlichen sauerstoff braucht sie keinen mehr, sie bekommt jetzt also nur mehr ein kleines bisschen luft in die nase geblasen. das reicht ihr. sie atmet ruhig und regelmäßig. ich gehe weiter zu meinem namenlosen mäuschen und wickel sie. sie ist jetzt deutlich ödematöser als vorher und hat nur sehr wenig harn ausgeschieden. hm. da der arzt gerade an der station ist, lasse ich ihn das mäuschen ansehen. er entscheidet, dass sie einmalig lasix bekommen soll. das ist ein entwässerndes medikament. ich ziehe es auf und spritze es aus der hand. bei der mundpflege öffnet das mäuschen kurz die augen und saugt sehr schwach am teestäbchen. ich lager sie noch um und sondiere ihr das essen. dann sondiere ich auch lara ihr essen. einen trinkversuch mache ich diesmal nicht, sie soll sich aufs atmen konzentrieren, ich will sie ja nicht überfordern. am teestäbchen ist sie nicht interessiert. danach wird alles dokumentiert.

2:30 uhr: tobias ist wieder wach. ich gehe ihn wickeln. die op-wunde ist trocken, sieht alles super aus. auch der zugang geht einwandfrei. mir fällt ein, dass ich die blute, die wir abgenommen haben, noch gar nicht gesehen hab. also geh ich nachsehn. die entzündungswerte sind leicht erhöht – nicht ungewöhnlich nach einer op. sonst passt alles. ich nehme tobias wieder mit in die küche.

jetzt kommt die härteste zeit im nachtdienst. die zwischen 2 und 5 uhr. um 5 uhr gibts wieder essen für alle kinder. aber bis dahin ist nichts zu tun. im tv laufen die wiederholungen des abendprogrammes oder irgendwelche softpornos. beides nicht sonderlich interessant. also werfen wir eine dvd ein und machen es uns gemütlich. die ruhe wird nur durch gelegentliche monitoralarme unterbrochen.

4:00 uhr: tobias ist endlich wieder eingeschlafen. ich lege ihn wieder ins bett. am rückweg in die küche stelle ich noch die fläschchen für 5 uhr ein.

5:00 uhr: ich sondiere lara und das mäuschen, sehe mir nochmal ihre zugänge an und dokumentiere. lukas ist wieder vom monitor abgehängt. ich beschließe in 20 minuten mal bei ihm reinzuschaun um die mama zu fragen wie die nacht so war, damit ich alles dokumentieren kann. da ich sonst nichts mehr zu tun habe frage ich mal bei den kolleginnen nach, ob die was brauchen. tun sie aber nicht. dann geh ich mal aufs klo (keine sorge, ist nicht das erste mal in diesem dienst 😉 )

5:20 uhr: ich gehe in unser mutter-kind-zimmer und sehe nach lukas und seiner mama. wir reden kurz darüber, wie es ihr in der ersten nacht alleine mit lukas gegangen ist. sie hat es sich nicht so anstrengend vorgestellt, aber es hat alles gut geklappt. die medikamente hat sie nach der liste, die sie noch vom tagdienst bekommen hat, gegeben. stuhl hatte lukas auch zweimal. sie hat alles notiert. wunderbar. ich nehme den zettel mit und klopfe alles in den pc.

5:50 uhr: zeit, die dekurse zu schreiben. bevor ich das mache, sehe ich mir das, was ich in der nacht so dokumentiert habe, nochmal durch. um sicher zu sein, dass ich auch alles dokumentiert habe. dann fasse ich die nacht jedes kindes in einigen sätzen zusammen.

6:10 uhr: so, die arbeit für heute ist getan. zeit für frühstück! meine beiden kolleginnen und ich hauen erstmal ordentlich rein.

6: 35 uhr: die ersten tagdienstkolleginnen kommen. wir plaudern.

7:00 uhr: die dienstübergabe beginnt. zuerst gibts eine kuze übergabe in der küche. nur ein paar worte zu jedem kind. dann teilen sich die tagdienstkolleginnen die kinder auf. danach erfolgt die detailierte übergabe am bett.

7:25 uhr: alle kinder sind übergeben, wir gehen uns umziehen und zischen ab nach hause!

eine ganz normale nacht, teil 2

3. November 2010

teil 1

18:50 uhr: die letzten nachtdienstkolleginnen trudeln ein, wir sitzen gemütlich beisammen, plaudern etwas, fragen die tagdienstkolleginnen wie der dienst so war, was so passiert ist, wie es dem ehemann und den kindern zu hause geht.

19:00 uhr: dienstbeginn. wir, 3 schwestern, teilen die kinder untereinander auf. nach möglichkeit nimmt man sich die kinder, die man kennt und in letzter zeit öfter betreut hat. vorrecht aufs aussuchen der kinder hat die kollegin, die den letzten dienst hatte. dann beginnt die übergabe. dazu gehen wir zum bett, also zu den patienten, dort sind unsere dokumentations-pcs angebracht (wir dokumentieren hauptsächlich am computer, dafür haben wir ein spezielles programm).

19:20 uhr: die übergabe ist vorbei, der tagdienst geht sich umziehen und tritt die heimreise an. ich überprüfe die absaugungen und die ambubeutel, die jedes kind beim bett hat, auf funktionstüchtigkeit und sehe mir die zugänge der kinder an, alles gut. danach gehe ich zu lukas‘ mama und frage ob sie was braucht, sage ihr, dass sie bei fragen oder problemen jederzeit kommen kann. eine kollegin stellt in der zwischenzeit die fläschchen für die 20 uhr runde ein.

19:40 uhr: ich gehe das coffein für lara aufziehen. anhängen werde ich es ihr erst bei der pflege.

19:45 uhr: ich beginne mit der ersten pflegerunde des abends. und zwar bei meinem noch namenlosen mäuschen. ich erhöhe dafür die temperatur ihres inkus, damit sie nicht auskühlt. dann verpasse ich ihr eine neue pampers, die alte wiege ich ab um das mäuschen bilanzieren zu können. viel harn hat sie nicht ausgeschieden. mir kommt außerdem vor, als wären auch ihre handrücken etwas ödematös. könnte aber auch einbildung sein. das werde ich weiter beobachten. da das mäuschen beatmet ist und somit nicht trinken kann, biete ich ihr ein in tee getränktes wattestäbchen an, zum saugen und zur mundpflege. aber sie saugt nicht. ich wische ihr damit den mund noch aus und creme die lippen mit einer fettcreme ein, damit sie nicht austrocknen. am beatmungsgerät sehe ich, dass das mäuschen beim wickeln und pflegen schon ziemlich fleißig mitatmet. jetzt, nachdem ich sie umgelagert habe und sie wieder ruhe hat, tut sie allerdings nichts mehr. die augen hat sie während der pflege nicht geöffnet. zeit fürs essen. bevor ich ihr die paar milliliter über die magensonde sondiere, sehe ich noch nach, ob sie magenreste hat. hat sie aber nicht, wunderbar.

20:00 uhr: eigentlich wollte ich noch schnell die plegerunde beim mäuschen dokumentieren, aber lara randaliert schon in ihrem inku. also gebe ich nur schnell das gewicht der abgewogene windel ein, damit ichs nicht vergesse. ab zu lara. auch bei ihr erhöhe ich die inkutemperatur für die dauer der pflege. lara ist hellwach, sieht mich mit ihren großen augen erwartungsvoll an und schmatzt – sie ist also hungrig. also gebe ich ihr gleich ihr essen und starte einen trinkversuch. natürlich erst, nachdem ich auch bei ihr magenreste kontrolliert habe. da sie nur 6ml bekommt und es keinen sinn macht, sie in ein fläschchen zu füllen, ziehe ich erstmal 2ml in einer spritze auf und hole mit einen sauger (also das ding, das man aufs fläschchen schraubt). ich spritze die 2ml hinein und biete ihn lara zum trinken an. sie saugt ein paar mal ganz gut, dann ist es aber vorbei. sie schleckt noch etwas herum, schläft dann aber wieder ein. immerhin war sie beim trinken stabil. ich wechsel noch die windel, wiege sie ab, lege lara in die bauchlage, packe sie gut ein, hänge ihr das coffein an und sondiere ihr die restliche mahlzeit. zum dokumentieren der pflege vom mäuschen und von lara setzte ich mich an den pc neben ihren bett. denn ich erwarte, dass sie bald mit sättigungsschwankungen beginnen wird. das tut sie auch, aber sauerstoff braucht sie von mir nicht.

20:15 uhr: ich bin gerade mit allem fertig, da kommen mäuschens eltern an die station. der vater schiebt die mutter im rollstuhl, sie hat noch starke schmerzen beim gehen, wegen des kaiserschnitts. eigentlich wollten sie ja auch erst morgen kommen, aber die mutter wollte ihre kleine unbedingt heute noch sehen. meine kollegin bringt die aufgeregten eltern zu mir. und ich bringe sie zu ihrer tochter. wir sprechen kurz darüber wie es der kleinen geht, wieso sie intubiert werden musste, usw. dann frage ich, ob sie sich schon für einen namen entschieden haben – haben sie nicht. und wie es dem bruder geht – nicht sehr gut, er braucht viel sauerstoff zur beatmung und ist instabil. da die eltern noch länger bleiben wollen, biete ich an, die kleine zum kuscheln rauszugeben. die mutter ist sich unsicher, aber der vater und ich reden ihr gut zu, und sie stimmt zu. also helfen wir der mutter vom rollstuhl in unseren liegestuhl und ich hole mir eine kollegin, die mir beim rauslegen hilft. ich nehme das kind, die kollegin achtet auf den tubus und die verkabelung. die mutter ist zu tränen gerührt. es ist das erste mal, dass sie eines ihrer kinder am arm hat. der vater packt die kamera aus und macht haufenweise fotos. haaaach, ich mag meinen beruf. 🙂

20:30 uhr: isch habe feddisch. vorerst. tobias schläft, lara und das mäuschen sind versorgt, lukas wird offensichtlich gerade versorgt, denn am zentralmonitor sehe ich, dass ihn seine mama gerade vom monitor abgehängt hat. meine kolleginnen und ich setzen uns in die küche, unseren aufenthaltsraum wenn man so will. und wir haben hunger. da keiner so richtig motiviert ist etwas zu kochen, bestellen wir beim italiener unseres vertrauens. ein perfusor alarmiert, es ist der von lara, ihr coffein ist fertig. ich schalte das gerät ab, abhängen werde ich sie dann, wenn ich das antibiotikum anhänge.

21:00 uhr: meine beiden kolleginnen versorgen ihre 4stündlichen kinder (also die, die alle 4 stunden essen). ich habe heute kein solches kind. also eigentlich schon, aber lukas wird ja von seiner mama versorgt. ich sehe mal kurz nach tobias. der schläft noch immer. eigentlich müsste ich ihn dann mal wickeln, aber dafür werde ich ihn sicher nicht aufwecken. laras eltern geht es auch gut. also nix zu tun für mich. ich drehe mal den fernseher auf. da kommt auch schon das essen – und das duuuuftet! ich decke den tisch und warte darauf, dass meine kollginnen zum essen kommen. das tun sie dann auch kurz darauf, jede von ihnen mit kind und fläschchen bewaffnet. stabile kinder müssen nicht am monitor gefüttert werden, und die nehmen wir gerne mal zu uns in die küche mit. und so beginnt das große essen vor dem tv – fast wie zu hause… hihi. den zentralmonitor, auf dem wir alle kinder sehen, haben wir natürlich immer im blick. ab und zu gibt es mal einen alarm, aber allen geht es gut.

21:50 uhr: alle sind satt und zufrieden. bis auf tobias, der sich jetzt lautstark meldet. also geh ich ihn mal wickeln. der verband seiner wunde am bauch ist tocken, der bauch zwar etwas angeschwollen, aber weich. er ist sehr hungrig, saugt wie wild an seinem schnuller. aber essen darf er ja leider noch nicht. ein teestäbchen mag er nicht. schmerzen scheint er auch nicht zu haben. schlafen will er aber auch nicht mehr. da ich nicht die ganze zeit bei seinem bett stehen kann und will, um ihn zu bespaßen, packe ich ihn in den kinderwagen, nehme die perfusoren, in die seine infusionen eingespannt sind mit und gehe mit ihm wieder in die küche. dort wird dann ausgiebigst (aber vorsichtig) gekuschelt und gespielt, mit allen kolleginnen. denn wir alle kennen tobias ja schon lange und haben ihn ins herz geschlossen.

22:10 uhr: die eltern vom mäuschen wollen jetzt gehen, die mutter ist schon sehr müde. ich hole mir wieder eine kollegin zur hilfe und wir legen sie wieder in den inku. die eltern verabschieden sich und gehen. ich stelle die fläschchen für 23 uhr in den wärmer ein und wir setzen uns wieder vor die flimmerkiste. immer wieder gibt es monitoralarme, manchmal gehts von selbst wieder, manchmal muss man den kindern helfen.

22:45 uhr: tobias ist im kinderwagen eingeschlafen. wenn ich ihn jetzt ins bett lege ist er sicher wieder wach, deshalb lasse ich ihn um kiwa schlafen, schiebe ihn nach hinten zu seinem bett und schließe ihn wieder an den monitor an. danach gehe ich meine antibiotika aufziehen.

23:00 uhr: für die 3stündlichen kinder ist es wieder zeit fürs essen. in meinem fall für lara und das mäuschen. da die beiden schlafen sondiere ich ihnen ihr essen über die magensonde, hänge die antibiotika an und lasse sie sonst in ruhe. bei lara muss ich die inkutemperatur erhöhen, sie ist etwas kühl. noch schnell dokumentieren, dann wars das auch schon wieder.

23:30 uhr: die antibiotika sind fertig. sie bleiben angehängt bis zur nächsten pflegerunde, um die kinder nicht unnötig zu stören. ich gehe das schmerzmedikament für tobias aufziehen und will sie ihm gleich anhängen. doch der zugang ist para, die infusion läuft also nicht mehr in die vene sondern ins gewebe. shit. ich stoppe die infusion und entferne den zugang. tobias ist sehr schwer zu stechen, deshalb versuche ich es erst gar nicht selbst. ich rufe den diensthabenden arzt an, damit er einen neuen zugang legt. ich bereite dafür schonmal alles vor. und wenn wir ihn schon stechen müssen, dann nehmen wir ihm auch gleich etwas blut ab.

23:40 uhr: der arzt ist da, ich lege tobias in sein bett. dabei wacht er natürlich auf und wird unruhig. wir beginnen mit dem stechen. 5 mal wird tobias gestochen, bevor der zugang sitzt und die blute abgenommen sind. er brüllt wie am spieß. bevor ich ihn wieder an die infusion hänge spritze ich ihm sein schmerzmedikament aus der hand und tragen ihn etwas herum. er beruhigt sich nur langsam, aber schließlich schläft er wieder ein.

teil 3

eine ganz normale nacht, teil 1

2. November 2010

heute will ich euch mal erzählen, was wir auf einer neonatologischen IMC die ganze zeit eigentlich so tun, wenn nicht grad der hut brennt und alle wie wild durch die station laufen und kinder reanimieren. 😉 also den ganz normalen wahnsinn alltag. angeregt dazu wurde ich von cara, einer treuen leserin – danke dafür! eigentlich war das auch der ursprüngliche gedanke dieses blogs, aber mit der zeit verliert man sein ziel manchmal aus den augen.

ich werde euch also von jetzt an immer wieder ganz normale dienste schildern. fangen wir mal mit meinem letzten nachtdienst an. die kinder, die ich betreut habe, waren:

lara, 29. schwangerschaftswoche, 5 tage alt, vereinzelte apnoen mit bradykardien, liegt im inkubator. war bis heute an der sauerstoffbrille, seit 8 uhr atmet sie ohne zusätzliche unterstützung, hat sie gut toleriert. nach dem trinken/sondieren (über die nasale magensonde) schwankt sie meistens vermehrt mit der sättigung, braucht dann teilweise bis zu 27% O2 im inku. die temperatur ist noch sehr instabil. lara hatte heute spontan stuhl, der bauch ist leicht gebläht. harn scheidet sie ausreichend aus. sie bekommt 8x6ml zu essen, hat eine haupt- und fettinfusion über ihren zentralen venenzugang (einen „schwemmi“) laufen. lara bekommt außerdem noch antibiotika und coffein i.v. laras mama ist noch stationär aufgenommen, wird morgen aber entlassen. sie ist noch sehr unsicher im umgang mit lara und braucht viel hilfe.

tobias, ein alter bekannter. ehemalige 24. woche, im juli geboren, hatte so ziemlich jede komplikation, die ein frühchen haben kann. tobias hatte ein stoma (= künstlicher darmausgang), wurde aber heute rückoperiert. laut kinderchirurgen ist alles gut gelaufen, die wunde ist schön. morgen kommt der kinderchirurg für den ersten verbandswechsel. essen darf tobias noch nichts, was ihn sehr stört. er ist sehr unruhig und hat immer wieder schmerzen. dafür hat er eine schmerzmedikation vorgeschrieben, die ihm gut hilft. sonst geht es ihm gut, er atmet selbstständig und ist völlig stabil. als nahrungsersatz hat er eine haupt- und fettinfusion über einen peripheren venenzugang laufen. die mama war den ganzen tag da und ist sehr glücklich, dass es ihm nach der op so gut geht. wenn der nahrungsaufbau nach der op gut klappt und die wunde schön ist, soll er nächste woche entlassen werden.

mädchen (noch namenlos), 1. zwilling, 31. schwangerschaftswoche, 1 tag alt. ihr bruder liegt noch auf der intensivstation und ist beatmet. das mädchen kam heute vormittag von der intensiv zu uns, war ursprünglich am infant flow bei 30% O2. wegen verschlechterung des zustandes wurde sie um 16 uhr intubiert und wird seit dem beatmet. ein rücktransfer war wegen überfüllter intensiv nicht möglich, sie wird bei uns bleiben und morgen soll auch ihr bruder kommen (so viel zu: wir sind eine IMC). na jedenfalls, die kleine liegt im inkubator, braucht zur beatmung keinen zusätzlichen sauerstoff, atmet bei der pflege brav mit, zwischendurch aber eher selten. vereinzelt hat sie bradykardien, erholt sich davon aber von selbst. zu essen bekommt sie 8x3ml per magensonde, den rest bekommt sie als haupt- und fettinfusion über ihren schwemmi, genauso wie antibiotika. sie hatte bereits stuhl, scheidet aber eher wenig harn aus, hat leichte ödeme an den augenlidern. die mama der kleinen konnte ihre kinder noch nicht besuchen, will aber in der früh kommen. der papa war schon da, er weiß, dass seine tochter intubiert wurde.

lukas, ehemalige 32. woche, 4 wochen alt. er liegt mit seiner mama in einem unserer beiden mutter-kind-zimmer und soll morgen nach hause gehen. die mama versorgt ihn selbstständig, hat alle medikamente im zimmer und kennt sich gut aus.

vom ablauf des nachtdienstes erzähl ich euch dann morgen. jetzt werd ich erstmal versuchen etwas zu schlafen… ist ja immerhin schon fast 3uhr. blöder schichtdienst 😉

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