ein wilder tag

boa ey! gestern gings mal wieder richtig wild zu bei uns. die letzen wochen war es ja eher ruhig. 5 patienten sind auf entlassungskurs, die anderen 5 auch weitgehenst unproblematisch. und sogar ein freies bett haben wir seit 3 oder 4 tagen (und das ist bei uns eine echte seltenheit).

gestern vormittag hieß es dann, wir bekommen eine zutransferierung aus einem privaten krankenhaus (ohne kinderabteilung). 34. woche, 1 tag alt, seit der geburt unschönes atemmuster, zunehmende respiratorische verschlechterung, hatte immer wieder stimulationsbedürftige apnoen. also eigentlich nichts großartig dramatisches.

weil ich gerne mit der rettung fahre (ja ehrlich, hab sogar mal überlegt das beruflich zu machen, aber meine kleinen kiddies will ich nicht aufgeben *g*) hab ich mich gleich freiwillig gemeldet das kind holen zu fahren. also haben frau dr. rosa (übrigens eine meiner lieblingsärztinnen) und ich alles zusammengepackt und sind los.

beim kind angekommen stellten wir fest, dass es dem kleinen mädchen schon recht schlecht ging. es atmete schwer und sehr langsam, war schlapp und mittlerweile auch schon sauerstoffpflichtig. also erstmal zugang legen und flüssigkeit verabreichen. sicherheitshalber gabs auch noch ein bisschen coffein zur atemstimulation. während dr. rosa noch ein paar worte mit den besorgten eltern sprach, packte ich die kleine maus in den transportinku. dann gings auch schon los.

etwa 15 minuten bevor wir unsere klinik erreichten schob die kleine eine apnoe, dass uns echt anders wurde. sie reagierte nicht mehr auf stimulation. während dr. rosa das mädchen bebeutelte, zog ich nochmal etwas coffein auf und verabreichte es. darauf hin setzte dann für wenige minuten wieder die atmung ein. dann wars wieder vorbei. die kleine war respiratorisch erschöpft, hatte keine kraft mehr. also wieder bebeuteln. jetzt gabs 2 möglichkeiten.

nummer 1: die restlichen 10 minuten autofahrt weiter bebeuteln, dann so schnell wie möglich (noch in der notaufnahme) intubieren. problem: im transportinku bebeuteln ist mehr als mühsam weil kein platz ist. und wenn die kleine völlig dekompensiert und reanimationspflichtig wird, ist das ein echter spaß in dem kleinen kasten.

nummer 2: auf der stelle intubieren. problem: im transportinku intubieren ist noch viel schwieriger als bebeuteln.

da die 2. variante aber für das kind am sinnvollsten war, hat sich dr. rosa dafür entschieden. es war sehr umständlich, aber wir habens hinbekommen. der tubus war nichtmal zu tief drinnen – hut ab dr. rosa!

da es dem mädchen sonst aber eigentlich gut ging, und wir davon ausgehen, dass sie sich einfach nur erschöpft hat, also bald wieder extubiert werden kann, haben wir sie zu uns auf die station gebracht und nicht auf die intensiv. man wird sehen. inzwischen atmet sie schon wieder halbwegs mit der maschine mit.

aber das wars noch nicht für den tag. unsere derzeit kleinste patientin, mia, war auch nicht so besonders gut drauf. für ihre knapp 800g war sie bisher wirklich tapfer. zwar braucht sie beim atmen etwas unterstützung vom infanf flow (treue leser kennen sich aus… hihi), aber intubiert war sie nie und sauerstoff hat sie auch kaum gebraucht. bis gestern.

im laufe des tages verschlechterte sich mias zustand stetig. der sauerstoffbedarf stieg an, die apnoen und bradykardien häuften sich und das atemmuster verschlechterte sich deutlich. da liegt der verdacht der infektion immer nahe. und so war es auch. die kleine maus hat sich eine handfeste pneumonie (lungenentzündung) eingefangen.

bei der visite wurde kurz überlegt mia zu intubieren. da sie aber bisher ohne beatmung ausgekommen war und man der lunge eine eventuell unnötige beatmung ersparen wollte, wurde das vom oberarzt schnell wieder verworfen. bei anhaltender klinischer verschlechterung wollte man die situation nochmals überdenken.

ich bin ehrlich kein fan von voreiligen intubationen. wer mit frühchen arbeitet weiß, dass man mit maschineller beatmung viel kaputt machen kann. aber wenn ein 800g-kind sich innerhalb von wenigen stunden so deutlich verschlechtert, dann kann man davon ausgehen, dass eine intubation früher oder später notwendig sein wird. außerdem sind diese ständigen tiefen abfälle der herzfrequenz und der sauerstoffsättigung alles andere als gut für die durchblutung von hirn und darm. und bevor man später eine notintubation macht, hätte ich mia lieber gleich in aller ruhe intubiert.

aber gut, ich bin hier ja nicht der arzt. und auch wenn dr. rosa mir in einem stillen moment zuflüsterte, dass sie mia eigentlich auch lieber gleich intubiert hätte, kann man da nix machen. wenn der oberarzt nein sagt, dann heißt das nein.

weil ich mir sicher war, dass mia heute noch intubiert werden würde, hab ich sicherheitshalber schon mal alles vorbereitet. und es war gut so. wenige stunden später war es so weit. mia konnte einfach nicht mehr und stellte das atmen kurzerhand ein. und wurde so bradykard, sodass wir sogar für wenige minuten herzmassieren mussten.

tja, ich sags ja nicht gerne, aber: ICH HABS DOCH GEWUSST!

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12 Antworten to “ein wilder tag”

  1. katerwolf Says:

    hut ab vor euch ärzten!

    die beherzte art, mit der du über deine „fälle“ schreibst, erinnert mich sehr an meine sehr positiven erfahrungen, die ich glücklicherweise im bisherigen verlauf meiner erkrankung gemacht habe. es gibt menschen, die sind in diesem beruf echt gut aufgehoben. zu unserem glück 😆

    mein sohn wollte arzt werden, seit er 11 ist, hat nach dem abi 1 jahr als rettungssanitäter gearbeitet und ich habe in den schilderungen seines arbeitsalltags denselben beherzten mut und eifer gefunden. jetzt studiert er medizin.

    alles liebe, ich mag deinen blog sehr, katerwolf

  2. Astrid Says:

    Hallo Natalie,
    Ich habe in einem Babyforum von deinem Blog erfahren und lese fleißig mit und habe auch alle vorangegangenen Beiträge nachgelesen…
    Zurzeit ist wohl nicht viel los bei euch? Oder seid ihr fleißig am Weihnachtskarten basteln? Finde diese Idee übrigens total super!
    Liebe Grüße aus Niederbayern,
    Astrid & Luisa (4 Monate)

  3. timotheus Says:

    800g scheint mir gar nicht wirklich mit einem „normalen“ Kind vergleichbar zu sein. Ich habe 3000 und ein paar gequetschte gehabt…hmm…
    Aber nevertheless: Liebe Neonatalie, ich lese dein Blog echt gerne! Bitte weiter so machen….:-D

  4. fraeuleinmama Says:

    Ich liebe dien Blog.
    Und die Art, wie du mich an deinem Arbeitsalltag teilhaben lässt.
    Danke! 🙂

  5. cara Says:

    Ich habe dieses Blog schon ziemlich schnell nach dem Schlüpfen gefunden, lese sehr gerne mit und freue mich natürlich über spektakuläre Geschichten wie diese. Aber ich fände es auch sehr faszinierend, wenn du mal bei Gelegenheit die ganz unspektakulären Dinge posten würdest, die aus den letzten eher ruhigen Wochen z.B. Ich war noch nie auf einer Neo – wie muss man sich das vorstellen? Wie geht es einem Kind, was einfach nur eine Anpassungsstörung hat, bzw. was ist das überhaupt genau? Was ist so eure tägliche Routine? Mit was für Diagnosen landet man denn so bei euch, wenn man kein Frühchen oder Entzugskind ist? usw.

    Ich würde mich freuen, ab und zu aus dem ganz banalen Alltag zu lesen – der ist für mich genauso fremd (oder sogar noch fremder) als ein Notfalltransport im Inku. 🙂

    cara

    • neonatalie Says:

      liebe cara, vielen lieben dank für deine konstruktive kritik! ich greife deinen vorschlag gerne auf und werde in zukunft öfter über das alltägliche berichten, versprochen. 🙂

      • cara Says:

        Das sollte gar keine Kritik sein, sondern nur ein Vorschlag. Wie gesagt, ich mag dein Blog! Ich freu mich aber natürlich trotzdem, wenn du ihn aufgreifst 🙂

  6. jene Says:

    800g finde ich ganz schön klein! Mein Großer wurde mit 1845g geboren und sah schon so winzig aus!

  7. dadreloaded Says:

    Schön, dass Ihr für die Kleinen da seid. Vielen Dank dafür! Ich habe echt Respekt vor Eurer Arbeit.

  8. Wolfram Says:

    Die Ärzte stehen, vermute ich, manchmal auch zwischen zwei Stühlen: dem, was sie für sinnvoll halten können, und dem, was ihnen einerseits die Verwaltung sagt über die Kosten, andererseits die Eltern, wenn „zuviel getan wurde“, und heute gehts schnell mit dem Kunstfehlerprozess…

  9. sibel Says:

    liebe natalie,
    ich lese deinen blog wirklich gerne. mein sohn wurde mit einem herzfehler geboren und war 3 wochen auf der intensivstation der hiesigen herzklinik. und die schwestern und pfleger waren wirklich toll und immer so liebevoll mit ihm. auch wenn ich mal nicht bei ihm sein konnte (ich hatte einige komplikationen wegen der kaiserschnitt-narbe und musste öfter zum arzt) wusste ich ihn in guten händen. ein wenig erinnerst du mich an die schwestern und ich habe oft das gefühl, dass ich ihnen nicht genug gedankt habe damals. aber wie soll das schon gehen? die haben meinem sohn das leben gerettet und ich schmeisse denen einen 20er in die kaffeekass und spende eine runde kaffee und kuchen. jetzt kommt es mir so lächerlich vor…
    toll, dass es so engagierte schwestern wie dich gibt und danke, dass du uns an deinem leben ein wenig teilhaben lässt. es ist wirklich sehr interessant 🙂

  10. Claudia Says:

    Auch bei unserer kleinen Mia habe ich damals den Krankenschwestern und Ärzten immer mehr vertraut als den Ober- oder Chefärzten. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, das sie näher am Kind „dran“ sind. Sie waren immer meine Stütze, und sie haben sich mmer die Zeit genommen, uns alles in Ruhe zu erklären – ganz im Gegenteil zu den Oberärzten. Aber das waren nur meine persönlichen Erfahrungen, ich will nichts verallgemeinern! Auch heute noch habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu einer Schwester, die sich immer besonders um Mia gekümmert hatte – und das ist schön so.

    Genau so schön wie dieses blog, eigentlich.

    Herzliche Grüße!
    Claudia

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