Archive for Oktober 2010

ein wilder tag

22. Oktober 2010

boa ey! gestern gings mal wieder richtig wild zu bei uns. die letzen wochen war es ja eher ruhig. 5 patienten sind auf entlassungskurs, die anderen 5 auch weitgehenst unproblematisch. und sogar ein freies bett haben wir seit 3 oder 4 tagen (und das ist bei uns eine echte seltenheit).

gestern vormittag hieß es dann, wir bekommen eine zutransferierung aus einem privaten krankenhaus (ohne kinderabteilung). 34. woche, 1 tag alt, seit der geburt unschönes atemmuster, zunehmende respiratorische verschlechterung, hatte immer wieder stimulationsbedürftige apnoen. also eigentlich nichts großartig dramatisches.

weil ich gerne mit der rettung fahre (ja ehrlich, hab sogar mal überlegt das beruflich zu machen, aber meine kleinen kiddies will ich nicht aufgeben *g*) hab ich mich gleich freiwillig gemeldet das kind holen zu fahren. also haben frau dr. rosa (übrigens eine meiner lieblingsärztinnen) und ich alles zusammengepackt und sind los.

beim kind angekommen stellten wir fest, dass es dem kleinen mädchen schon recht schlecht ging. es atmete schwer und sehr langsam, war schlapp und mittlerweile auch schon sauerstoffpflichtig. also erstmal zugang legen und flüssigkeit verabreichen. sicherheitshalber gabs auch noch ein bisschen coffein zur atemstimulation. während dr. rosa noch ein paar worte mit den besorgten eltern sprach, packte ich die kleine maus in den transportinku. dann gings auch schon los.

etwa 15 minuten bevor wir unsere klinik erreichten schob die kleine eine apnoe, dass uns echt anders wurde. sie reagierte nicht mehr auf stimulation. während dr. rosa das mädchen bebeutelte, zog ich nochmal etwas coffein auf und verabreichte es. darauf hin setzte dann für wenige minuten wieder die atmung ein. dann wars wieder vorbei. die kleine war respiratorisch erschöpft, hatte keine kraft mehr. also wieder bebeuteln. jetzt gabs 2 möglichkeiten.

nummer 1: die restlichen 10 minuten autofahrt weiter bebeuteln, dann so schnell wie möglich (noch in der notaufnahme) intubieren. problem: im transportinku bebeuteln ist mehr als mühsam weil kein platz ist. und wenn die kleine völlig dekompensiert und reanimationspflichtig wird, ist das ein echter spaß in dem kleinen kasten.

nummer 2: auf der stelle intubieren. problem: im transportinku intubieren ist noch viel schwieriger als bebeuteln.

da die 2. variante aber für das kind am sinnvollsten war, hat sich dr. rosa dafür entschieden. es war sehr umständlich, aber wir habens hinbekommen. der tubus war nichtmal zu tief drinnen – hut ab dr. rosa!

da es dem mädchen sonst aber eigentlich gut ging, und wir davon ausgehen, dass sie sich einfach nur erschöpft hat, also bald wieder extubiert werden kann, haben wir sie zu uns auf die station gebracht und nicht auf die intensiv. man wird sehen. inzwischen atmet sie schon wieder halbwegs mit der maschine mit.

aber das wars noch nicht für den tag. unsere derzeit kleinste patientin, mia, war auch nicht so besonders gut drauf. für ihre knapp 800g war sie bisher wirklich tapfer. zwar braucht sie beim atmen etwas unterstützung vom infanf flow (treue leser kennen sich aus… hihi), aber intubiert war sie nie und sauerstoff hat sie auch kaum gebraucht. bis gestern.

im laufe des tages verschlechterte sich mias zustand stetig. der sauerstoffbedarf stieg an, die apnoen und bradykardien häuften sich und das atemmuster verschlechterte sich deutlich. da liegt der verdacht der infektion immer nahe. und so war es auch. die kleine maus hat sich eine handfeste pneumonie (lungenentzündung) eingefangen.

bei der visite wurde kurz überlegt mia zu intubieren. da sie aber bisher ohne beatmung ausgekommen war und man der lunge eine eventuell unnötige beatmung ersparen wollte, wurde das vom oberarzt schnell wieder verworfen. bei anhaltender klinischer verschlechterung wollte man die situation nochmals überdenken.

ich bin ehrlich kein fan von voreiligen intubationen. wer mit frühchen arbeitet weiß, dass man mit maschineller beatmung viel kaputt machen kann. aber wenn ein 800g-kind sich innerhalb von wenigen stunden so deutlich verschlechtert, dann kann man davon ausgehen, dass eine intubation früher oder später notwendig sein wird. außerdem sind diese ständigen tiefen abfälle der herzfrequenz und der sauerstoffsättigung alles andere als gut für die durchblutung von hirn und darm. und bevor man später eine notintubation macht, hätte ich mia lieber gleich in aller ruhe intubiert.

aber gut, ich bin hier ja nicht der arzt. und auch wenn dr. rosa mir in einem stillen moment zuflüsterte, dass sie mia eigentlich auch lieber gleich intubiert hätte, kann man da nix machen. wenn der oberarzt nein sagt, dann heißt das nein.

weil ich mir sicher war, dass mia heute noch intubiert werden würde, hab ich sicherheitshalber schon mal alles vorbereitet. und es war gut so. wenige stunden später war es so weit. mia konnte einfach nicht mehr und stellte das atmen kurzerhand ein. und wurde so bradykard, sodass wir sogar für wenige minuten herzmassieren mussten.

tja, ich sags ja nicht gerne, aber: ICH HABS DOCH GEWUSST!

erinnerungen und weihnachtskarten

20. Oktober 2010

bald ist weihnachten! also, nicht sooo bald, aber es naht mit großen schritten. deshalb haben wir, 2 kolleginnen und ich, uns gestern im nachtdienst mal gedanken über weihnachtskarten für die eltern unserer patienten gemacht.

zu weihnachten, ostern und zum muttertag bekommen unsere eltern ein nettes billet von uns ihrem kind geschenkt. die basteln wir immer selbst. darin steht ein spruch oder ein gedicht. und unversichtbar: ein foto sowie ein hand- und fußabdruck des kindes.

die eltern, besonders die mütter, stehen da total drauf. eh klar. und ich finds auch unheimlich süß. hihi. deshalb mach ich an diesen tagen auch so gerne dienst. heuer am muttertag hat eine mama sogar vor freude geweint, so gerührt war sie.

eltern bedeuten solche kleinen erinnerungsstücke mehr als uns bewusst ist. zum beispiel die namenskärtchen, die am bett hängen (die basteln wir übrigens auch selbst). die sind ganz wichtig. denn sie begleiten das kind von der geburt bis nach hause. deshalb darf man es auch bei einer transferierung nie vergessen. eine mutter ist mal extra 2 stunden mit dem auto zu uns gefahren, weil ich vergessen hatte das kärtchen mitzugeben als das kind transferiert wurde.

manche eltern wollen auch den nabelschnurrest gerne aufheben. oder im garten vergraben (ja, manche machen das sogar mit der plazenta). eine mutter hat mal gesagt, dass sie es schön findet schon ein stück ihres kindes zu hause zu haben. klingt seltsam, aber naja. für sie war es wichtig.

jedenfalls, ich bin jetzt auf der suche nach süßen weihnachtlichen (nicht allzu christlichen) texten und ideen für die gestaltung der karten. google ist mein freund.

meine gedanken zu drogenabhängigen müttern

14. Oktober 2010

eure kommentare zum letzten posting haben mich irgendwie nachdenklich gemacht.

für mich ist der umgang mit solchen eltern nicht schlimm. es macht mich nicht traurig. etwas wütend vielleicht, und manchmal auch agressiv. aber nicht traurig.

es ist mir egal was diese frau in der schwangerschaft gemacht hat. ob sie sich mehrmals in der woche heroin gespritzt hat oder ob sie sich brav an die vorgaben des entzugsprogrammes gehalten hat – mir wurscht. denn es ändert JETZT sowieso nix mehr an der situation.

dass es nicht gut ist, weiß sie wohl selbst. und bestimmt auch, was sie ihrem kind damit angetan hat. oder, wenn sie es vorher nicht wusste, dann sieht sie es spätestens jetzt. damit muss sie leben. ich denke, sein eigenes kind, das man über alles liebt (und ja, auch drogenabhängige mütter lieben ihr kind) so leiden zu sehen ist strafe genug. da bringt eine stundenlange moralpredigt auch nicht mehr einsicht. und auch wenn, für das kind ist es sowieso zu spät.

ist es schlimm, dass ich so denke? irgendwie schon, oder?

was solche mütter oft bei mir auslösen ist, dass ich genervt bin. es nervt mich, dass sie so unzuverlässig sind, ihre termine nicht einhalten und dann auch noch richtig doofe entschuldigungen und ausreden vorschieben. und dass sie auf heile welt machen.

ehrlich, ich kann es nicht mehr sehen, wie mutter und vater um ihr kind herumstehen, wie maria und josef um den kleinen jesus. und stundenlang heulen, weil sie erfahren haben, dass ihr kind zu pflegeeltern kommt. diese szene spielts echt jedes mal und das nervt. als hätte man ihnen das kind grundlos, aus heiterem himmel, einfach so zum spaß, weggenommen. sie hatten es in der hand und habens vergeigt. die schuld suchen sie natürlich überall, nur nicht bei sich. aber auch das macht mich nicht wütend. für das kind ist es sicher besser so. das jugendamt weiß schon, was es tut.

ich finde es wirklich süß von euch, dass ihr mir (und damit meinen kollegInnen weltweit) so viel respekt dafür zollt. aber naja, was soll ich sagen. es ist alltag. ich ärger mich über drogenabhängige mütter wohl nicht mehr, als über andere mütter auch. das mag daran liegen, dass man seine erwartungen bei solchen eltern einfach von haus aus ein gutes stück runterschraubt.

dass die ganze situation für das kind der blanke horror ist, dürfte klar sein. aber all die wut und enttäuschung über die eltern bringen dem kind ja auch nix. und das kind steht im vordergrund.

kevin-justin-ryan

11. Oktober 2010

gestern hatte ich nachtdienst. und ein freies bett. ganz schlechte kombi, besonders wenn man weiß, dass die intensivstation voll ist. denn wenn jetzt in der nacht eine (akut)sectio ansteht, bei der das kind entweder zu früh dran ist oder nach der geburt nicht so optimal atmet, dann bedeutet das für mich: aufnahme.

und es kam wie es kommen musste. gegen 22 uhr teile mit die intensiv mit, dass sie mir jetzt ganz akut ein kind rüber bringen müssen, weil sie grade eine schwangerschaftswoche 23+3 im sectio-op liegen haben.

20 minuten später kam der kleine kevin-justin-ryan an die station. er ist 4 tage alt, wurde in der 36. woche geboren und war, wie man dem namen vielleicht schon entnehmen kann, mitten im feinsten neonatalen drogenentzug. er war bereits mit der höchsten für sein gewicht möglichen morphindosis beglückt, war aber trotzdem noch nicht glücklich.

die mutter, die selbst noch auf der gyn aufgenommen ist, hatte ihren kjr noch nicht besucht, sie hat nämlich angst vor intensivstationen. als ihr aber mitgeteilt wurde, dass ihr würmchen jetzt auf einer IMC liegt, hat sie beschlossen doch mal vorbei zu kommen, ist ja schließlich keine intensiv mehr.

kurz vor mitternacht kam sie also an die station, nach rauch stinkend, als ob sie im aschenbecher geschlafen hätte. naja, also hab ich sie erstmal freundlich begrüßt, sie zu ihrem kind geführt und ihr erklärt wie es ihm so geht usw. sie schien ganz nett und auch halbwegs intelligent. abgesehn von der tatsache, dass sie den heroin-beikonsum in der schwangerschaft leider nicht sein lassen konnte.

da sie vor hatte noch eine weile zu bleiben, hab ich ihr ihren kjr in die arme gelegt. dabei wurde er selbstverständlich wach. und wer schon mal ein enzugskind gesehn hat, der weiß, dass diese kinder entweder schlafen oder schreien. tja, und an schlafen dachte der kleine nicht mehr.

mutter: „warum weint er denn so viel?“

ich: „weil du dir haufenweise heroin reingeblasen hast. das ist der entzug.“

mutter: „aber kann man da nicht was dagegen machen?“

ich: „er bekommt bereits die maximaldosis morphin, die wir ihm geben können. wenn der entzug noch schlimmer wird, werden wir mit einem zusätzlichen medikament beginnen.“

mutter: „oh. und was hat er da an der hand?“

ich: “ das ist ein venöser zugang. darüber bekommt er flüssigkeit, weil er sein essen immer wieder erbricht und nicht genug isst.“

mutter: „vielleicht schmeckt es ihm einfach nicht? ich könnte ihn doch mal stillen!“

ich: „das geht leider nicht, sie sind ja HIV positiv und das kann über die muttermilch übertragen werden. haben sie denn keine tabletten zum abstillen bekommen?“

mutter: „hmmmm… doch ich glaub schon. oh, was anderes. ich werde wahrscheinlich am mittwoch entlassen, kann ich ihn dann schon mitnehmen?“

ich: „nein, das wird nicht möglich sein. er muss im krankenhaus bleiben bis der entzug beendet ist. außerdem besteht ja noch das ausfolgeverbot…“

mutter: „ja, aber das ist ja nur eine formsache! seine freundin von mir hatte das auch.“

ich: „und sie durfte ihr kind dann mit nach hause nehmen?“

mutter: „ja! also eigentlich hat das jugendamt das sorgerecht ihrer mutter gegeben, aber sie ist einfach wieder bei ihren eltern eingezogen. also ist es ja das gleiche.“

na wenn sie meint…

da der kleine kjr nicht so richtig in den schlaf finden wollte, wurde es der mutter dann bald zu viel und sie ist wieder gegangen. wir werden sicher noch viel spaß haben, mit dem jungen mann.

suchbegriffe 2

9. Oktober 2010

wir mal wieder zeit für suchbegriffe, also los gehts:

dinge die ich nicht mag – erstaunlicher weise einer der spitzenreiter unter den suchbegriffen, genauso wie:

extubieren – und:

manchmal muss man sich wundern – wer googelt sowas? und warum??

kinderintensiv entzug – jep, von den medis müssen die kinder erstmal runter kommen

reanimation warum keine chance nachts ne – hä?

fieber messen bei tochter – bei bedarf bitte auch beim sohn

neugeborene anpassung sättigungsabfälle – nicht so gut

niedrige herzfrequenz beim neugeborenen – auch nicht so gut

dauer neonataler drogenentzug – je nach medikation, dosis und beikonsum der mutter, wochen bis monate

reanimation säuglinge 5:2 seit 2010 – ehrlich? weiß ich nix davon…

geschichte monitor – guckst du hier und hier

dormicum mrt dosierung – muss das denn beim mrt anders dosiert werden als sonst? ich denke nicht.

patient extubiert sich selbst – is echt nicht lustig…

was ist extubieren – schnorchel rausziehen

ich glaub der spinnt oh ja!

folgende geschichte – ich höre?

sachen für was ich nicht mag – lass mich raten… die schule?

kind nach kaiserschnitt 2 min. ohne saue – ganz ohne? für ganze 2 minuten? kann ich mir kaum vorstellen, besonders nach einer sectio. da ist doch zumindest ein gasmann anwesend, der den umgang mit dem ambu gewöhnt ist

was ist ausfolgeverbot – der vorübergehende entzug der pflege und erziehung durch das jugendamt

zusammenarbeit mit schwierigen eltern – ist wirklich nervenaufreibend!

endlich ist er da – herzlichen glückwunsch!

säuglingsschwester blog intensiv – säuglingsschwestern gibts nicht mehr, wir heißen jetzt alle kinderkrankenschwester

termin zum erste hilfe kurs verpasst – sehr ärgerlich!

manchmal muss man einen menschen – liebhaben?

stationsverbot – oje… was hast du denn angestellt?

mein baby muss operiert werden – das tut mir leid. schön die nerven behalten! je ruhiger die eltern, desto ruhiger das kind

eltern sagen immer den besuch ab – na wenigstens sagen sie ab!

mal eben was bloggen – bin dabei! 🙂

studententag

7. Oktober 2010

in unregelmäßigen abständen gibt es bei uns sogenannte studententage. also wir nennen sie so, wie die offiziell heißen weiß ich nicht. jedenfalls, an diesen tagen läuft ein oberarzt, mit einem haufen medizinstudenten im schlepptau, einmal durch die ganze klinik und zeigt ihnen alle kinderstationen, die unser haus zu bieten hat.

danach werden die studenten im haus aufgeteilt und dürfen ein paar stunden am stationsalltag teilnehmen. und weil sie ja auch was lernen sollen, sollen sie so viel patientenkontakt wie möglich haben. tja… und wer verbringt wohl mehr zeit mit den patienten? die schwester oder der arzt? und wer darf deshalb die studenten betreuen? richtig.

naja, eigentlich stört es mich eh nicht so, ich arbeite gerne mit schülern und studenten. aber mühsam ist es manchmal trotzdem. ich bin ehrlich gesagt auch nicht sicher, ob es den studenten viel bringt. im prinzip ist es für sie wie ein eintägiges pflegepraktikum. nur, dass sie halt bei der visite von den ärzten noch mit fachlichen fragen gelöchert werden. und eine routineuntersuchung eines kindes machen müssen.

so läuft das ganze ab: nachdem der hausrundgang beendet ist, kommen die studenten an die station. wir teilen sie untereinander auf, und teilen jedem ein kind zu, über das wir sie dann genau informieren.

danach führen die studenten unter anleitung eine pflegerunde durch und statuieren das kind. also sie untersuchen es, hören lunge und herz ab, prüfen reflexe, tasten den bauch ab usw.  später bereiten sie sich (vor allem seelisch) auf die visite vor. die visite dauert dann eine gefühlte ewigkeit, meist werden alle kinder genauestens durchbesprochen.

dann gibts noch eine kurze feedback-runde mit studenten, ärzten und einer schwester. und das wars. eigentlich halb so wild. aber es dauert halt alles länger.

so, warum erzähle ich euch das? heute haben wir erfahren, dass anfang november wiedermal ein studententag stattfinden wird. und wer hat genau an diesem tag dienst? ich natürlich! ich werde berichten…

feedback zu eurem feedback

6. Oktober 2010

erstmal ein großes DANKE für all eure antworten. ist für mich wirklich interessant.

liebevolle zuwendung ist für ein neugeborenes essentiell. da sind wir uns wohl alle einig. können die eltern, aus welchem grund auch immer, nicht für ihr kind da sein, dann sind wir es. wir versuchen also, die eltern so gut wie möglich zu „ersetzen“. wobei klar ist, dass wir das niemals können. ja, wir können das kind wickeln, füttern, es liebevoll ansprechen, im arm halten und mit ihm kuscheln. wir bauen eine beziehung zum kind auf. aber die liebe und zuneigung einer mutter können wir nicht ersetzen.

deshalb hat sich in den letzten jahren und jahrzehnten auch viel geändert in der kinderkrankenpflege. zum glück. wenn ich daran denke, dass eltern ihr frühgeborenes kind früher nicht mal im arm halten, sondern es höhstens (!) durch ein fenster betrachten durften… puh. was das für eltern und kind bedeutet, mag man sich gar nicht vorstellen.

aber so war es eben. und diese strengen regeln wurden auch nicht aufgestellt um eltern oder kinder zu ärgern oder ihnen gar zu schaden. im gegenteil. man dachte eben, dass es so am besten ist. heute weiß man es besser. wer weiß, wie es in 10, 20 oder 50 jahren sein wird.

aber ich schweife ab.

ich denke, ich spreche für 99% meiner kolleginnen wenn ich sage, wir pflegen einen liebevollen umgang mit unseren kleinen patienten. auch vor den eltern. eltern sollen (und wollen) wissen, dass ihr kind in guten händen ist, auch wenn sie nicht da sind.

alte drachen gibt es natürlich auch. wir hatten erst vor kurzem eine beschwerde von eltern, die sich über den groben umgang einer kollegin mit den kindern beschwert haben. und sie haben (meiner meinung nach) recht. diese kollegin sieht diesen beruf als job, macht ihn schon weit über 30 jahre und hat die nötige sensibilität verloren.

und ganz ehrlich: ich habe angst davor, dass ich auch mal so werde. deshalb beschäftige ich mich so viel mit elternarbeit. und das ist eigentlich auch das schwierigste an diesem beruf. es ist nicht leicht mit eltern, die sich mitten in einer ausnahmesituation befinden, zu arbeiten. sie reagieren oft nicht so, wie man es erwarten würde.

das ist wohl auch der grund dafür, dass es hier im blog so oft um eltern geht.

feedback von eltern

1. Oktober 2010

vor kurzem habe ich im internet eine sehr interessante broschüre gefunden. und zwar diese hier vom Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V.

absolut lesenswert! mir hat es jedenfalls in einigen bereichen (mal wieder) die augen geöffnet. wenn man tag für tag mit kranken und/oder frühgeborenen kindern arbeitet, dann vergisst man manchmal, dass das alles für eltern eigentlich ein wahnsinn ist.

das ganze umfeld, die geräte, infusionen, alarme, gerüche. und dann noch das eigene kind, das ganz anders aussieht als „normale“ neugeborene babys. nichts ist so, wie man es sich während der schwangerschaft vorgestellt hat. das muss wirklich ganz schlimm sein für eltern.

zurück zur broschüre. besonders interessant fand ich, unter anderem, die rubrik „der umgang mit den kleinen patienten“. da gibt es 2 kommentare, in denen eltern beschreiben wie eine schwester ihr kind auf die stirn, bzw. im anderen fall die füße, küsst. interessanter weise nahmen die eltern das überaus postitiv auf.

warum mich das wundert? solche doch recht intimen zuneigungsbekundungen sind in der kinderkrankenpflege verpönt. wobei ich sagen muss, bei uns machen das viele. mich eingeschlossen. aber nicht vor den eltern. eigentlich deshalb, weil wir davon ausgehen, dass eltern das gar nicht wollen würden. mich erinnert es ein bisschen an die fremden omas, die ungefragt in den kinderwagen greifen.

was meint ihr dazu? liegen wir falsch wenn wir denken, dass eltern sowas nicht wollen? oder sind die eltern, die die kommentare in der broschüre verfasst haben eine ausnahme?  würde mich wirklich interessieren…