eltern-ohren

eltern kriegen echt alles mit. jedes wort, das man im dienst so spricht. und nicht nur wenns ums eigene kind geht. oder eigentlich, hauptsächlich wenns NICHT ums eigene kind geht.

und natürlich unterhalten sich eltern auch untereinander. das ist auch absolut ok. ich denke, es ist sogar sehr wichtig. es tut gut zu wissen, dass man mit seinen sorgen und ängsten nicht alleine ist. besonders wenn man, wie „unsere“ eltern, mit einer außergewöhnlichen situation, wie einer frühgeburt oder einem kranken neugeborenen, konfrontiert ist. da entstehen unter den eltern oft richtige freundschaften. 

wie gesagt, find ich völlig ok. aber manchmal ist das für uns nicht einfach. wie zum beispiel damals, als wir ein kind mit trachealkanüle („luftröhrenschnitt“) betreut haben und es beim kanülenwechsel etwas hektisch wurde, weil das loch, in das die neue kanüle rein gehört hätte, plötzlich zugegangen ist. mit etwas fummelei ging das ding nach wenigen minuten dann doch noch rein, aber es war nicht einfach.

etwas später rief die mutter wutentbrannt an und fragte, wann wir gedacht hätten, sie über diesen „vorfall“ zu informieren. wie hatte sie davon erfahren? eine andere mutter, die gerade zu besuch war, hatte sie angerufen und ihr brühwarm erzählt, dass ihr kind gerade fast erstickt wäre. in diesen worten. juhu.

nicht, dass wir der mutter das vorenthalten wollten. aber wir hätten es ihr wohl etwas einfühlsamer erklärt.

auf der anderen seite hören eltern aber kaum zu, wenn es um ihr eigenes kind geht. oder eher, sie hören nur das, was sie hören wollen. auch da hab ich natürlich ein beispiel. bei der visite wird einer mutter mitgeteilt, dass ihr kind in etwa einer woche entlassen wird. vor der entlassung müsse allerdings noch der leistenbruch operiert werden, eine routine-op blablabla. genauer termin stehe noch nicht fest, würde ihr aber heute, oder spätestens morgen mitgeteilt. gibts noch fragen? nein, alles klar.

ein paar stunden später:

ich: „frau xy, ihr sohn wir am mittwoch um 8uhr operiert.“

mutter (verfällt fast): „WAAAAS?? mein kind muss operiert werden??“

ich (überlege, ob ich vielleicht mit der falschen mutter spreche?): „ähm… ja… wie wir bei der visite besprochen haben…“

mutter: „nein, also zu MIR hat da keiner was gesagt! was hat er denn? er ist doch ganz gesund… ODER?? *heul*“

öhm. ok. stilldemenz?

aber auch dinge, die wir im team zueinander sagen stoßen auf großes interesse. und dabei gehts nicht um patienten, sondern um ganz interne sachen. vor einem halben jahr hat und zum beispiel eine kollegin verlassen. sie hat ins neugeborenenzimmer der gynäkologie gewechselt, weil sie bei uns ziemlich überfordert war, besonders mit aufwendigeren patienten. deshalb hat sie immer die einfachsten kinder betreut.

und obwohl wir wirklich sehr darauf achten, teaminterne dinge nicht ins (sprichwörtliche) patientenzimmer zu tragen, haben die eltern das mitbekommen. das ging so weit, dass einige eltern sagten, sie wollen ihr kind von dieser schwester nicht mehr betreuen lassen. keine schöne sache. vor allem nicht für die betreffende kollegin.

eltern haben wirklich sehr feine antennen für alles, was um ihr kind herum passiert.

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7 Antworten to “eltern-ohren”

  1. mamatippse Says:

    Und was Eltern auch mitkriegen wenn Schwestern über andere Eltern „reden/lästern“ und das fand ich ehrlich gesagt mehr als daneben. Das ist auf der Station passiert wo meine Tochter lag und ich saß im Nebenraum bei meiner Tochter, während die Schwestern im Aufenthaltsraum saßen, allerdings hatten sie die Tür offen.

  2. Allevyn Says:

    wirklich ekelhaft fand ich immer, wenn sich im Viererzimmer plötzlich eine Mutter für ALLE Kinder verantwortlich gefühlt hat…
    „Kind A hat schmerzen, Kind B hat durst und Kind C zupft sich ständig an der Vigo rum. Ach ja, und meine hat …“ und dazu bei Visite mit an jedem Bett stehen will um ja ncihts zu verpassen.

  3. Pharmama Says:

    „eltern haben wirklich sehr feine antennen für alles, was um ihr kind herum passiert.“ – was ja eigentlich auch ganz gut ist, oder 🙂

    Aber das Ganze erinnert mich an die Geschichte von meinem Bruder, der nach der Geburt wegen einem nicht-entfalteten Lungenflügel und anschliessendem Lungenriss beim Aufblasversuch eine Zeitlang im Brutkasten im Spital bleiben musste. Meine Mutter hat in der Zeit immer schön abgepumpt und die Milch für ihn ins Spital gebracht … bis zu dem Moment, wo sie zufällig an einer Liste an der Wand lesen musste, dass er mit Milchpulver ernährt wird. Und ihre Milch? Die bekam dann irgend ein anderes Kind. Darauf hat sie erstmal getobt, weil ihr das nicht gesagt wurde – da kam sie sich vor wie eine Kuh, meinte sie.

    • Wolfram Says:

      Ist ja auch ne grobe Mißachtung – meiner bescheidenen Meinung nach einem pflegerischen Kunstfehler gleichzuordnen.
      Seh ich ja auch im Comité d’Éthique unseres hiesigen Krankenhauses: speziell das pflegende Personal (weniger den Ärzten) ist erst grade im Begriff zu lernen, daß der Patient nicht zu ihrer Verfügung steht und vielleicht zu Recht gerade NICHT „patient“, nämlich geduldig ist. Amüsant, wenn dieselben Personen dann aus dem Dienst ausscheiden und/oder erstmals als Patienten die Dienste ihres Hauses in Anspruch nehmen…

      Gut, wir leben in Frankreich; hier ist das Mittelalter noch präsent. In Deutschland habe ich nur noch Reste von dem erlebt, was hier noch gang und gäbe ist.

  4. Tante Jay Says:

    Nicht nur Eltern – allgemein gilt: Wenn du willst, dass etwas geheim bleiben soll, kauf dir ne Flüstertüte und tröte das am besten auf dem Marktplatz rum.

    Dann weißt du, dass das garantiert NIEMAND weiß. 😉

  5. katerwolf Says:

    das sind sicher die postnatalen hormone und der ganze kram 😉

    liebe grüße, katerwolf

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