wunder gibt es immer wieder

heute gibts mal wieder eine fallgeschichte. is zwar schon ein paar jahre her, aber ich hoff das stört euch nicht.

damals hab ich noch in einem anderen haus gearbeitet. und wie ich hier schonmal erwähnt hab (glaub ich zumindest), haben wir dort in der nacht auch die kreißsäle und den sectio-op mitbetreut. das heißt, stand in der nacht eine sectio (= kaiserschnitt) an oder gab es im kreißsaal probleme beim kind, dann wurden wir gerufen.

so war es auch in jener nacht. gegen 23 uhr piepte der notfallpager hektisch los. es war der kreißsaal. das ist immer schlecht. wenn der op anruft, dann kann es zwar auch echt eilig sein, aber man weiß zumindest, dass sie die schwangere noch auf den tisch packen müssen. das sind die 2 minuten, die wir dann brauchen um rüber zu laufen.

piept uns aber der kreißsaal an, dann brennt der hut. dann ist das kind nämlich meist schon geboren und man wäre am besten schon vor 5 minuten dort gewesen um mit der versorgung des kindes beginnen zu können.

so ähnlich war es auch diesmal. nur dass das kind noch nicht komplett geboren war. der kopf war schon da, aber der rest steckte fest. das eigentliche problem war aber, dass das kind seit einiger zeit bradykard war (= zu niedrige herzfrequenz) und jetzt gar keinen puls mehr hatte.

als wir (= ein arzt und ich) im kreißsaal ankamen wurde das kind gerade abgenabelt. in der nabelschnur war ein fester knoten. das kind war regungslos, hatte einen apgar von 0/0/1.

wir konnten das mädchen reanimieren, aber es stand lange zeit wirklich schlecht um dieses kind. in den ersten lebenswochen rechneten wir praktisch jeden tag damit, dass sie sterben würde. sie war sehr instabil und atmete überhaupt garnicht.

ihre eltern waren jeden tag stundenlang da und kuschelten mit ihr. ich erinnere mich gut an die mutter. sie hat beim känguruhen mit ihrer tochter immer eine babydecke, die sie von zu hause mitgebracht hatte, über sich und ihr kind gelegt. klingt selstam, war aber irgendwie war es schön. sie war ganz eins mit ihrem mädchen.

den eltern wurde in den ersten wochen nicht viel hoffnung gemacht. die wahrscheinlichkeit dafür, dass sie ihre tochter jemals mit nach hause nehmen würden, war weniger als gering.

dann, nach 3 oder 4 wochen, ging es ihr plötzlich besser. immer mehr medikamente konnten abgesetzt werden. nur atmen wollte die kleine noch immer nicht. die ärzte begannen darüber nachzudenken den eltern die möglichkeit der heimbeatmung zu eröffnen. denn, warum die kleine nicht atmete war unklar.

doch dann: im alter von 5 wochen holte die kleine zum ersten mal luft. und hörte damit nicht mehr auf. 2 tage später wurde sie extubiert und durfte zum ersten mal von der flasche trinken.

eine woche später wurde sie auf eine normalstation verlegt. und nicht mal 2 wochen später gesund nach hause entlassen. sie hat von ihrer traumatischen geburt keine schäden behalten. wieso sie plötzlich mit der atmung eingesetzt hat, bzw. warum sie vorher nicht geatmet hat, weiß man nicht.

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12 Antworten to “wunder gibt es immer wieder”

  1. Matti12 Says:

    Ihr könnt mich einen Spinner nennen, auch wenn ich von Esotherik nichts halte, aber ich glaube, die Geburt war für das Kind so schrecklich, dass seine Seele eigentlich diesen Körper lieber nicht haben wollte. Doch als es gemerkt hat, wie liebevoll sich seine Mutter kümmert, dürfte es dennoch den Schritt in ein Leben auf unserer kalten Erde gewagt haben. Dank der geduldigen Unterstützung der Mediziner wurde ihm die Zeit gegeben, sich zu entscheiden.
    Macht weiter so!

    Gruß,

    Matti

  2. Ulli Says:

    Schön, dass es gut ausgegangen ist.

    Bei uns war’s ähnlich:
    http://littlejoe.twoday.net/stories/wie-alles-begann/
    http://littlejoe.twoday.net/stories/angstvolle-tage/

  3. Hermione Says:

    Wie schön, dass es doch so gut ausgegangen ist. 🙂

  4. Medizinstudentin Says:

    Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir trotz jeder Menge Fachwissen noch immer nicht verstehen… Und es gibt immer wieder kleine Wunder 🙂
    Danke für die Geschichte, hat Gänsehaut hinterlassen!

  5. shortend Says:

    Schöne Geschichte mit Happy End! Freue mich für die Familie.

  6. Maik Says:

    Eine wunderbare Geschichte, da kann ich mich buttervogel nur anschließen. Ich denke, es muss einfach hin und wieder kleine Wunder geben, denn sonst glaubt niemand mehr an sie… 😉
    Wäre auch wirklich schrecklich für die Eltern gewesen, wenn… Aber das Mädchen hat ja dann doch noch geatmet 🙂 wenn auch etwas zu spät…

  7. Sandy Says:

    Wunder sind was schönes in unserem Beruf und halten uns sehr oft aufrecht zwischen den ganzen doch teilweise sehr kranken Kindern und teilweise sehr dramatischen Krankheitsverläufen…..schöne Geschichte!!

  8. buttervogel Says:

    Eine wunderschöne Geschichte, danke dafür!

  9. herzlichchaotisch Says:

    Ein schönes Happy End!
    Ich glaube solche kleinen Wunder braucht man um immer wieder das Unmögliche erwarten zu können. Um imer wieder ein kleines Fünkchen Hoffnung zu haben, für ein Kind bei dem es schlecht aussieht. Oder?

  10. Chris Says:

    Wie steht’s denn bei sowas mit der Sauerstoffversorgung?
    Knoten in der Nabelschnur…das klingt ja schon mal nicht gut.
    Und dann ohne Atmung – bis zur Beatmung bleibt das Kind da doch mithin eine Weile ohne Sauerstoff. Ab einer gewissen Dauer muss man dann doch mit Hirnschäden rechnen, oder?

    Ach, das erinnert mich alles irgendwie an meine Nichte, die den Tag ihrer Geburt letztes Jahr nicht überlebt hat. 😦

    • neonatalie Says:

      das kind wird natürlich sofort beatmet, sobald es geboren ist. aber in der zeit, in der es noch in der mutter „steckt“ und nicht oder nicht ausreichend über die nabelschnur versorgt wird, bekommt das kind zu wenig oder gar keinen sauerstoff. hält dieser zustand zu lange an, wird das gehirn geschädigt, ja.

      tut mir leid wegen deiner nichte!

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