Archive for September 2010

eltern-ohren

27. September 2010

eltern kriegen echt alles mit. jedes wort, das man im dienst so spricht. und nicht nur wenns ums eigene kind geht. oder eigentlich, hauptsächlich wenns NICHT ums eigene kind geht.

und natürlich unterhalten sich eltern auch untereinander. das ist auch absolut ok. ich denke, es ist sogar sehr wichtig. es tut gut zu wissen, dass man mit seinen sorgen und ängsten nicht alleine ist. besonders wenn man, wie „unsere“ eltern, mit einer außergewöhnlichen situation, wie einer frühgeburt oder einem kranken neugeborenen, konfrontiert ist. da entstehen unter den eltern oft richtige freundschaften. 

wie gesagt, find ich völlig ok. aber manchmal ist das für uns nicht einfach. wie zum beispiel damals, als wir ein kind mit trachealkanüle („luftröhrenschnitt“) betreut haben und es beim kanülenwechsel etwas hektisch wurde, weil das loch, in das die neue kanüle rein gehört hätte, plötzlich zugegangen ist. mit etwas fummelei ging das ding nach wenigen minuten dann doch noch rein, aber es war nicht einfach.

etwas später rief die mutter wutentbrannt an und fragte, wann wir gedacht hätten, sie über diesen „vorfall“ zu informieren. wie hatte sie davon erfahren? eine andere mutter, die gerade zu besuch war, hatte sie angerufen und ihr brühwarm erzählt, dass ihr kind gerade fast erstickt wäre. in diesen worten. juhu.

nicht, dass wir der mutter das vorenthalten wollten. aber wir hätten es ihr wohl etwas einfühlsamer erklärt.

auf der anderen seite hören eltern aber kaum zu, wenn es um ihr eigenes kind geht. oder eher, sie hören nur das, was sie hören wollen. auch da hab ich natürlich ein beispiel. bei der visite wird einer mutter mitgeteilt, dass ihr kind in etwa einer woche entlassen wird. vor der entlassung müsse allerdings noch der leistenbruch operiert werden, eine routine-op blablabla. genauer termin stehe noch nicht fest, würde ihr aber heute, oder spätestens morgen mitgeteilt. gibts noch fragen? nein, alles klar.

ein paar stunden später:

ich: „frau xy, ihr sohn wir am mittwoch um 8uhr operiert.“

mutter (verfällt fast): „WAAAAS?? mein kind muss operiert werden??“

ich (überlege, ob ich vielleicht mit der falschen mutter spreche?): „ähm… ja… wie wir bei der visite besprochen haben…“

mutter: „nein, also zu MIR hat da keiner was gesagt! was hat er denn? er ist doch ganz gesund… ODER?? *heul*“

öhm. ok. stilldemenz?

aber auch dinge, die wir im team zueinander sagen stoßen auf großes interesse. und dabei gehts nicht um patienten, sondern um ganz interne sachen. vor einem halben jahr hat und zum beispiel eine kollegin verlassen. sie hat ins neugeborenenzimmer der gynäkologie gewechselt, weil sie bei uns ziemlich überfordert war, besonders mit aufwendigeren patienten. deshalb hat sie immer die einfachsten kinder betreut.

und obwohl wir wirklich sehr darauf achten, teaminterne dinge nicht ins (sprichwörtliche) patientenzimmer zu tragen, haben die eltern das mitbekommen. das ging so weit, dass einige eltern sagten, sie wollen ihr kind von dieser schwester nicht mehr betreuen lassen. keine schöne sache. vor allem nicht für die betreffende kollegin.

eltern haben wirklich sehr feine antennen für alles, was um ihr kind herum passiert.

wunder gibt es immer wieder

24. September 2010

heute gibts mal wieder eine fallgeschichte. is zwar schon ein paar jahre her, aber ich hoff das stört euch nicht.

damals hab ich noch in einem anderen haus gearbeitet. und wie ich hier schonmal erwähnt hab (glaub ich zumindest), haben wir dort in der nacht auch die kreißsäle und den sectio-op mitbetreut. das heißt, stand in der nacht eine sectio (= kaiserschnitt) an oder gab es im kreißsaal probleme beim kind, dann wurden wir gerufen.

so war es auch in jener nacht. gegen 23 uhr piepte der notfallpager hektisch los. es war der kreißsaal. das ist immer schlecht. wenn der op anruft, dann kann es zwar auch echt eilig sein, aber man weiß zumindest, dass sie die schwangere noch auf den tisch packen müssen. das sind die 2 minuten, die wir dann brauchen um rüber zu laufen.

piept uns aber der kreißsaal an, dann brennt der hut. dann ist das kind nämlich meist schon geboren und man wäre am besten schon vor 5 minuten dort gewesen um mit der versorgung des kindes beginnen zu können.

so ähnlich war es auch diesmal. nur dass das kind noch nicht komplett geboren war. der kopf war schon da, aber der rest steckte fest. das eigentliche problem war aber, dass das kind seit einiger zeit bradykard war (= zu niedrige herzfrequenz) und jetzt gar keinen puls mehr hatte.

als wir (= ein arzt und ich) im kreißsaal ankamen wurde das kind gerade abgenabelt. in der nabelschnur war ein fester knoten. das kind war regungslos, hatte einen apgar von 0/0/1.

wir konnten das mädchen reanimieren, aber es stand lange zeit wirklich schlecht um dieses kind. in den ersten lebenswochen rechneten wir praktisch jeden tag damit, dass sie sterben würde. sie war sehr instabil und atmete überhaupt garnicht.

ihre eltern waren jeden tag stundenlang da und kuschelten mit ihr. ich erinnere mich gut an die mutter. sie hat beim känguruhen mit ihrer tochter immer eine babydecke, die sie von zu hause mitgebracht hatte, über sich und ihr kind gelegt. klingt selstam, war aber irgendwie war es schön. sie war ganz eins mit ihrem mädchen.

den eltern wurde in den ersten wochen nicht viel hoffnung gemacht. die wahrscheinlichkeit dafür, dass sie ihre tochter jemals mit nach hause nehmen würden, war weniger als gering.

dann, nach 3 oder 4 wochen, ging es ihr plötzlich besser. immer mehr medikamente konnten abgesetzt werden. nur atmen wollte die kleine noch immer nicht. die ärzte begannen darüber nachzudenken den eltern die möglichkeit der heimbeatmung zu eröffnen. denn, warum die kleine nicht atmete war unklar.

doch dann: im alter von 5 wochen holte die kleine zum ersten mal luft. und hörte damit nicht mehr auf. 2 tage später wurde sie extubiert und durfte zum ersten mal von der flasche trinken.

eine woche später wurde sie auf eine normalstation verlegt. und nicht mal 2 wochen später gesund nach hause entlassen. sie hat von ihrer traumatischen geburt keine schäden behalten. wieso sie plötzlich mit der atmung eingesetzt hat, bzw. warum sie vorher nicht geatmet hat, weiß man nicht.

bin wieder daaaa :)

21. September 2010

die arbeitswelt hat mich wieder! juhu 😉

der urlaub war wunderbar entspannend, keine gröberen zwischenfälle. obwohl beim hinflug zu meiner zieldestination doch tatsächlich die berühmte durchsage kam: „wir bitten medizinisch ausgebildete gäste sich bei einer unserer flugbegleiterinnen zu melden.“

nachdem ich rasch beschlossen hatte, dass ich nicht medizinisch, sondern pflegerisch ausgebildet bin, wars mir auch egal. hihi.

nicht dass ihr jetzt glaubt, ich helfe nicht gerne. daran liegt es nicht. es ist doch allgemein bekannt, dass alle krankenpflegerInnen am helfersyndrom leiden.

aber der patient, eine frau mittleren alters, die anscheinend am hyperventilieren war, saß in meinem blickfeld und ich hatte sie schon einige zeit beobachtet. und nachdem breits 5 menschen (nach der durchsage mindestens doppelt so viele) um sie herum standen und wie wild auf sie einredeten, hab ich beschlossen, dass ich ihr wohl eher damit helfe sie in ruhe zu lassen.

naja, sie hat  sich dann eh auch bald wieder beruhigt. war alles halb so wild.

heute gehts gleich wieder in den ersten nachtdienst. deshalb werd ich mich jetzt noch eine stunde in die federn werfen.

also – gute nacht!

endlich ist er da…

6. September 2010

der URLAUB!!!

in diesem sinne verabschiede ich mich mal für 2 wochen in den süden. juhuuu 🙂

bis bald, macht es gut, bleibts gesund und arbeitet nicht zu viel… hihi

ich glaub der spinnt!?

2. September 2010

gestern haben wir wieder mal einen patienten aus einem anderen haus zutransferiert bekommen. den kleinen marvin. er ist etwa eine woche alt und wurde in der 28. schwangerschaftswoche geboren. atmen klappt noch nicht so gut, deshalb ist er noch am infant flow (IF) und braucht sauerstoff. auch mit dem verdauen hat der junge mann noch so seine schwierigkeiten.

laut übergabe der kollegin des anderen hauses sind die eltern schon halbwegs in die pflege integriert. sie sind zwar noch recht unsicher, aber sehr engagiert.

soweit, so gut. kurz nachdem die kollegin wieder die heimreise angetreten hatte, waren auch schon die eltern an der station. nachdem ich sie über alles, was man so wissen muss informiert hatte, war es auch schon zeit für die pflegerunde ihres sohnes.

danach war kuschel-zeit. ich habe der mutter ihren sohn auf die brust gelegt, nochmal den sitz und die einstellungen des infant flows kontrolliert, dem vater einen sessel gebracht, damit er sich dazu setzen kann und mich zurückgezogen.

vom zentralmonitor aus habe ich marvin weiter beobachtet. er hatte immer wieder kleinere sättigungsschwankungen im rahmen von kurzen apnoen, aber nichts dramatisches. nach einiger zeit alarmierte sein monitor allerdings mit 100% sättigung.

kurze erklärung: sauerstoffpflichtige kinder bekommen eine (vom arzt vorgeschriebene) obergrenze für die sauerstoffsättigung. der grund ist schnell erklärt: sättigt ein kind „zu gut“, dann kann der sauerstoff reduziert werden, da das kind nicht mehr so viel zusätzlichen braucht.

ich dachte: wow, da sieht man mal wieder wie schnell sich kinder beim känguruhen stabilisieren können. also ging ich zu marvin, um den sauerstoff zu reduzieren. seltsamerweise war die einstellung des sauerstoffs am IF nicht mehr bei 30%, wie vorher, sondern bei 50%.  ich muss wohl sehr fragend ausgesehn haben.

vater: „das war ich.“

ich: „wie bitte? was waren sie?“

vater: „na das mit dem sauerstoff.“

ich: „was meinen sie?“

vater: „na ich hab ihm mehr sauerstoff aufgedreht.“

boa ey!! hat der doch echt die nerven an den geräten herumzufummeln!! nachdem ich ihm erklärt hab, dass das echt keine gute idee war, und was zu hohe sauerstoffzufuhr für folgen haben kann, war er richtig überrascht und bestürzt. lessons learned. dachte ich.

einige stunden später, marvin lag wieder in seinem inku, die eltern waren in der zwischenzeit essen gewesen, meinte der vater, er würde dann auch gerne känguruhen. da es aber nur mehr 30 minuten bis zur nächsten pflegerunde waren, vereinbarten wir, dass marvin bis dahin im inku bleibt und der vater danach kuscheln kann. alle waren einverstanden, die mutter ging abpumpen und der vater blieb beim kind.

kaum hatte ich mich umgedreht, deutete mir eine kollegin, ich solle doch mal zu marvin sehen. warum? der vater war gerade dabei am inku herumzudrücken. er wollte die inku-temperatur erhöhen. er war nämlich der meinung, seinem sohn sei kalt, denn die hauttemperatursonde zeigte nur mehr 36,4°C. kein wunder, denn er hatte marvin umgelagert (was mich ja auch nicht stört) und dabei die sonde nicht neu positioniert. ich hab nochmal die gleiche leier (von wegen technische geräte dürfen nur vom personal verstellt werden blablabla) abgespult.

kurz bevor ich marvins vater sagen wollte, dass er mit dem wickeln beginnen kann, alarmierte marvins monitor. er hatte eine schwere apnoe mit tiefem sättigungsabfall und war bradykard. ich stürmte zum inku und was war? marvin lag schlapp da, keine atmung, blass-blau. und der IF? ABMONTIERT!!

da marvin nicht auf stimulation reagierte musste ich ihn aufbeuteln, währenddessen rief ich meiner kollegin zu, sie solle bitte schon mal atropin aufziehn. das war dann aber doch nicht notwendig. nachdem ich marvin den IF wieder umgeschnallt hatte und (nach ärztlicher rücksprache) ein atmenstimulierendes medikament verabreicht hatte, gabs erstmal eine standpauke für den vater. und was für eine!

ich bin sonst echt nett zu eltern und absolut dafür, dass eltern selbstständig mit ihren kinder umgehen, aber sowas geht einfach nicht. andere eltern trauen sich kaum ihre kinder zu berühren, aus angst sie könnten ihm damit schaden. und dieser vater spielt im grunde mit dem leben und der gesundheit seines kindes! nicht, dass er seinem kind schaden möchte, aber er weiß einfach nicht was er damit anrichten kann.

und falls die frage auftaucht: ja, das ist alles wahr. nichts davon ist erfunden. und weder vater noch mutter haben irgendeine medizinische ausbildung.

ich werde mich in zukunft so oft wie möglich vor der betreuung von marvin drücken. dieser vater raubt mir noch den letzten nerv!! bin ich froh, dass ich bald urlaub hab…