Archive for August 2010

noch eine monitor-geschichte

31. August 2010

passend zum letzten posting erzähl ich euch heute, was einer freundin und kollegin, die auf einer kinderchirurgischen station arbeitet, mal passiert ist.

sie übernimmt einen 3 wochen alten säugling vom op nach einer 0815-operation. das kind schläft bei der übername noch tief und wird an den monitor angeschlossen. die mutter ist beim kind und wird angewiesen der schwester bescheid zu geben wenn das kind aufwacht. alles supi. werte schön.

etwa eine stunde später stürmt die mutter hysterisch aus dem zimmer und brüllt: hiiiiiilfeeeee, mein kind stirbt!

alle (= zufällig anwesender arzt und ein paar schwestern) rennen los, eingestellt auf das schlimmste, im kopf schon mal alle schritte und handgriffe planend, rein ins zimmer, und was finden sie dort vor? einen wie am spieß schreienden säugling, die ekg-elektroden in der hand und das sättigungskabel irgendwo im bett.

die mutter sagte später, sie habe am monitor keine zacken mehr gesehen und die wellenlinie war nur mehr eine gerade linie, wie im fernsehn. das weinen ihres kindes hatte sie als mir-geht-es-schlecht-weinen interpretiert. es wahr allerdings eher ein nimmt-mich-mal-wer-in-den-arm-verdammt-weinen.

ein riesen schock für die mutter. aber im nachhinein konnte sie auch schon drüber lachen 🙂

schlechtes vorbild!

25. August 2010

monitore sind ja eine super erfindung. bei uns hängen alle kinder an so einem kasten. damit überwachen wir herfrequenz, sauerstoffsättigung und atemfrequenz. manchmal noch ein bisschen mehr. selten ein bisschen weniger.

eltern gewöhnen sich wahnsinnig schnell an den bildschirm mit den lustigen bunten linien. in 99,9% der fälle sehen eltern als erstes auf den monitor ihres kindes, wenn sie an die station kommen. eh klar, das ding zeit ja an, wie es ihrem sonnenscheinchen gerade geht.

aber nicht nur eltern sind monitor-fixiert. nein, auch viele aus unseren reihen sind es. es ist schon sehr verlockend ein kind nach dem monitorbild zu beurteilen. ich gebe zu, auch ich kann mich davon nicht freisprechen. willst du wissen, wie es einem kind geht, guckst du mal auf den kasten. das kind ansehen? wozu das denn?? 😉

man muss sich manchmal selbst daran erinnern, was man in der ausbildung (und in vielen weiterbildungen) so lernt. nämlich sich auf das kind zu konzentrieren. dass man bei einem alarm einen blick auf den monitor werfen muss ist klar. sonst weiß man ja nicht was alarmiert. aber dann sollte man schon mal einen blick ins bett werfen. theoretisch.

gestern spielte sich folgendes ab:

die mutter eines patienten, der schon seit einer gefühlten ewigkeit bei uns liegt, füttert ihr kind. dabei ist das kind monitiert. das ist notwendig, da dieser kleine junge mann beim trinken so in seinem element ist, dass er ständig auf das atmen vergisst. er muss immer wieder daran erinnert werden. ich beobachte die mutter aus dem augenwinkel und sehe, dass sie sich beim füttern offensichtlich mehr auf den monitor, als auf ihr kind konzentriert. sie sieht so aus, als würde sie den nächsten alarm jede sekunde erwarten.

wie gesagt, dieses kind liegt schon recht lange bei uns. dementsprechend gut kann die mutter mit ihrem sohn auch umgehen. sie weiß genau was zu tun ist, wenn der monitor alarmiert (sie hat den reanimationskurs übrigens schon besucht *g*).

da sie ihren blick aber kaum vom monitor wendet, gehe ich also zu ihr und frage mal so beiläufig, wie der kleine denn heute so trinkt. außerdem erwähne ich, dass sie ihr kind beobachten sollte, und nicht die bunten linien.

unsere monitore haben eine funktion, die sich „privatbild“ nennt. dabei bleibt der monitor voll aktiv, der bildschirm ist dabei allerdings schwarz. von unserem zentralmonitor aus können wir das bild weiterhin sehen, aber der monitor beim bett zeigt nix an. ich liebe diese funktion. 😀

nachdem ich der mutter diese privatbild-sache erklärt habe, und sie sich nun beim füttern voll auf ihr kind konzentrieren konnte, gab es auch keine weiteren alarme mehr.

so. etwas später alarmiert der monitor des nachbarkindes. eine apnoe. ich gehe also hin, und was tu ich? eine hand an den monitor (alarm quittieren), die zweite hand in den inku gesteckt (zum stimulieren). wie immer. und wo sind meine augen? am monitor natürlich. wie imm… äh, sonst nie! und wer beobachtet mich? die mutter von nebenan natürlich.

gesagt hat sie nix, nur gegrinst. ich hatte instant ein schlechtes gewissen. „ich wollte ihnen nur zeigen, wie man es nicht machen soll!!“… oder so 😉

ich gelobe besserung! versprochen!

dinge, die ich nicht mag

17. August 2010

ein kleiner auszug.

  • eltern, die ihre kinder aufwecken, sobald sie an die station kommen. ich versteh eltern ja. ich verstehe, dass sie ihr kind begrüßen wollen, ihm zeigen möchten, dass sie da sind. aber wieso immer genau dann, wenn das sowieso total unruhige kind gerade eingeschlafen und zur ruhe gekommen ist?

 

  • ärzte, die kinder für blutabnahmen oder irgendwelche untersuchungen aus dem schlaf reißen. wenn es wirklich dringend ist, dann sag ich ja nix. aber routine-sachen können doch echt auch eine stunde warten, bis ich das kind sowieso für die pflegerunde aufwecken muss, oder?!

 

  • eltern, die sich nicht an vereinbarte termine halten, diese aber auch nicht absagen. für sowas hab ich kein verständnis. es kann ja immer mal was dazwischen kommen, kein thema. alle eltern haben unsere telefonnummer. ein anruf genügt. aber neiiin, manche kommen einfach eine stunde später. und sind dann noch enttäuscht, dass ihr kind schon gebadet und gefüttert ist.

 

  • wenn eltern ihre kinder im bett wickeln und nichts unterlegen, obwohl man sie darum gebeten hat. ich bezieh so gern 5mal täglich das bett neu, hab ja sonst nix zu tun. und reden tu ich auch nur, damit ich warme luft loswerde.

 

  • massentourismus zur angehörigen-besuchszeit. eltern dürfen rund um die uhr zu ihrem kind. für alle anderen haben wir am nachmittag ein paar stunden „geöffnet“. würden wir zuckerwatte und bier verkaufen, könnten wir die station bald vergolden.

 

  • angehörige, die nicht verstehen, dass wir sie nicht zum kind lassen, wenn kein elternteil dabei ist. und da bin ich sehr streng. woher soll ich auch wissen, ob es den eltern recht ist, wenn die tante mizzi das kind besucht? und ob das überhaupt die tante mizzi ist?

 

  • aufnahmen, die genau während oder kurz vor der übergabe kommen. stress pur, und in 99% der fälle nicht so akut, als dass man nicht noch 20 minuten damit warten könnte.

kuriose eltern-kästchen-entdeckungen

11. August 2010

damit das hier nicht zu einem auskotz-blog wird, erzähl ich euch mal wieder was lustiges. und zwar, was man alles in den eltern-kästchen findet. diese befinden sich neben den betten der kinder. in der regel lagern in diesen kästchen zeitschriften, bücher, getränke, stilleinlagen und sonstige dinge, die eltern so im alltag auf der station brauchen. aber eben auch kurioses. die top 5:

platz 5: ein tagebuch, in dem genau dokumentiert war, an welchem tag welche schwester das kind dieser mutter betreut hat, und welche tätigkeiten wie ausgeführt wurden.

platz 4: ein total verschimmeltes stück brot, einfach nur WÄH!

platz 3: gebrauchte damen-unterwäsche, genauer gesagt ein türkiser und ein gelber tanga.

platz 2: ein buch. nicht in deutscher sprache. aber das bild auf dem cover und die zeichnungen im buch waren eindeutig. der titel lautete: KAMASUTRA

und die nummer 1: marihuana. kein scherz. hab ich gestern nach einer entlassung gefunden. und nicht mal wenig.

probier doch mal die polizei anzurufen, zu erklären dass du krankenschwester auf einer frühchenstation bist und soeben mitten auf der station solche drogen gefunden hast. sehr witzig. zumindest für den polizisten.

manfred und seine schwierigen eltern

6. August 2010

nach über einer woche muss ich auch mal wieder ein lebenszeichen von mir geben. also: ich lebe noch 😉  und bin fleißig am arbeiten und geschichten sammeln – echt ein wahnsinn was sich bei uns momentan so abspielt. nicht wegen den kindern, die sind eigentlich alle recht brav. aber die eltern… eigentlich mag ich das arbeiten mit den eltern ja total gerne. aber manche machens einem echt schwer.

zum beispiel die eltern des kleinen manfred. manfred wurde in der 33. woche geboren und war von anfang an realtiv problemlos. bis auf sättigungsabfälle beim trinken und eine kleine infektion hatte er eigentlich nichts. er hat sich bestens entwickelt, ist ein hübscher und braver kleiner kerl geworden. die eltern, die schon eine 6jährige tochter haben, waren von anfang an „schwierig“. hier ein kleiner auszug:

manfred braucht einen venösen zugang – die mutter bricht in tränen aus. (gut, kann man ja noch verstehen, dass das für eine laien-mutter ein tragischer anblick ist)

manfred hat einen sättigungsabfall – die mutter bricht in panik aus und möchte, dass wir ihr kind beatmen. (auch ok, die mutter kann sie situation nicht so gut einschätzen)

manfred übersiedelt vom wärmebett ins normale kinderbett – die mutter bekommt einen hysterischen anfall, weil ihr SOHN eine ROSA decke bekommen hat. (eine freundliche frage um eine neue decke hätte es auch getan)

manfred trinkt alle seine mahlzeiten selbst, die magensonde wird entfernt – die eltern sind darüber nicht glücklich. (das hab ich ehrlich gesagt noch nie erlebt!)

manfred ist temperaturstabil, weshalb wir ihm die hauttemperatursonde entfernen – mutter greift  4-minütlich ins bett, um zu sehen ob ihm eh nicht kalt ist. (und weckt ihn damit jedes mal auf)

manfred ist so stabil, dass wir ihm die herzfrequenz-elektroden entfernen und ihn nur mehr über die sättigung überwachen – mutter nimmt dies wortlos hin, geht raus, telefoniert (offensichtlich) mit dem vater. 2 minuten später ruft der vater auf der station an und meint, damit sei er nicht einverstanden. (warum auch immer)

manfred soll bald entlassen werden, deshalb findet ein entlassungsgespräch mit den eltern statt – die eltern verpassen den ersten termin, sagen ihn vorher nicht ab. zum zweiten termin erscheinen sie und verlangen, dass manfred mit heimmonitor und magensonde entlassen wird. (manfred ist völlig stabil, mittlerweile auch beim trinken, und hat seit 2 wochen keine magensonde mehr – wird also abgelehnt)

vor manfreds entlassung müssen die eltern einen erste hilfe kurs für säuglinge besuchen (ist standard bei uns) – die eltern erscheinen 2mal nicht zu ihrem termin. (sagen vorher natürlich auch nicht ab)

lustig, oder? der kleine hätte anfang dieser woche entlassen werden sollen. wegen des fehlenden erste hilfe kurses war das nicht möglich. der nächste termin wäre nächste woche. nun wurden leider die neo-betten in unserem haus knapp, da gestern gleich 3 kinder in der 23. bzw. 24. woche geboren wurden, und 2 weitere frühgeborene in den nächsten tagen kommen werden, welche beide auf grund von  fehlbildungen (1mal herz, 1mal nieren) sicher ein intensivbett brauchen werden.

was macht eine station in so einem fall? ausmisten. also alles, was auch wo anders gut aufgehoben ist, wird transferiert. und da manfred im grunde ein völlig gesundes kind ist, steht er ganz oben auf der liste. leider waren bei uns im haus auf den anderen kinderstationen keine betten frei. deshalb musste er in ein anderes haus.

als die ärzte der mutter das mitgeteilt haben, war sie natürlich gar nicht glücklich. mit tränen in den augen fragt sie, ob wir manfred nicht nach hause entlassen könnten. können wir nicht, sie hat ja 2mal den termin für den kurs verpasst. kein kurs, keine entlassung – sorry.

„wenn ich das gewusst hätte, dann wären wir doch zum kurs gegangen…“