Archive for Juli 2010

zum ersten mal: suchbegriffe

28. Juli 2010

jahaaa, man glaubt es kaum, aber auch nach mir wird im web gesucht! und weil es zu scheinbar zu jedem guten blog dazu gehört (und obendrein noch interessant ist – für mich zumindest) will ich euch die suchbegriffe, mit denen man mich offensichtlich auch findet, nicht vorenthalten.

respiratorische anpassungsstörung – soll schon vorkommen…

ninas cocktail – prost, nina!

mein baby wäre fast an hyperbilirubinämi – e… was? gestorben? na dann wars sicher seeeehr gelb

frühchen bradykardie – nicht selten

ruhige dienst – gute dienst

sterbende fotografien – mein beileid!

mr. t fertig-cocktails – was es alles gibt… sind die denn gut?

zu spät extubiert – ist halt schwer zu wissen, wann der richtige zeitpunkt ist

transportinkubator – noch besser ist der MR-inku! da kann ich euch auch mal was drüber erzählen.

wie schnell erscheint handynummer auf di – splay? woher soll ich das wissen…

extubieren – ist doch jedes mal wieder spannend

zäpfchen – nicht vergessen: po-backen zuhalten!

neonatalie entzug – ach, wie süß… schau halt öfter vorbei 🙂

was sind entzugskinder – das sind die, die einfach IMMER brüllen.

kleinkind inkubator – gibts das?

infant flow – tolle sache, ich mag das ding.

kindernotfall pflegeeltern – das klingt ja dramatisch

manchmal muss man sich wundern – das ist richtig!!

selbständig atmen nach extubation – das wär schon gut, ja.

selbst extubieren – das eher nicht.

mutter und sohn im bett – pfui, du schweinchen!

das wars erstmal. wenn ihr ideen für kreative suchbegriffe habt, mit denen man mich finden könnte, dann probiert sie aus! hihi…

noch mehr zum wundern

26. Juli 2010

seit fast einer woche weiß die mutter der zwillinge, dass sie heute entlassen werden sollen. genug zeit also, die letzten einkäufe zu erledigen und das zuhause auf die ankunft der neuen familienmitglieder vorzubereiten. sollte man meinen.

die alleinerziehende mutter hat auf mich eigentlich immer recht intelligent und strukturiert gewirkt. sie hatte kaum probleme damit, ihre zwillinge selbstständig zu versorgen. hat alles immer gut funktioniert.

gestern bin ich also mit der mutter nochmal alles durchgegangen. die medikamente, ernährung, körperpflege usw. sie kennt sich bestens aus, alles gut. doch dann stellt sich heraus, dass sie nur zwei fläschen besorgt hat. 2 stück. für 2 kinder, die beide ausschließlich mit der flasche gefüttert werden. hm. als ich ihr erkläre, dass das sicher zu wenig ist und sie unbedingt mehr braucht, ist sie erstaunt. aber sie sichert mir zu, morgen gleich in der früh noch welche zu kaufen. ok.

mich hat das etwas stutzig gemacht, deshalb hab ich sie gefragt, was sie denn noch so alles zu hause hat. sie zählt auf: windeln, feuchttücher, kleidung, kinderwagen, autositze, fläschchenwärmer, babybadewanne, wickeltisch, ach ja, die betten! die muss sie morgen dann am nach hause weg noch bei einem großen schwedischen möbelhaus kaufen gehn. nein, das ist kein problem, eine bekannte holt sie ja vom krankenhaus ab. mit der fährt sie dann direkt dort hin. mit den kindern. die hilft ihr dann auch beim aufbauen.

ganz tolle idee. seit wann weiß sie noch gleich, dass die kinder entlassen werden sollen?

manchmal muss man sich schon wundern

22. Juli 2010

gestern im tagdienst, etwa um 11 uhr, läutet unser telefon. dran ist die frau sonstwie, die mutter eines ehemaligen patienten, den wir irgendwann im mai entlassen haben.

mutter: mein sohn hat seit gestern abend fieber!

ich: aha…?

mutter: ich hab ihm gestern schon ein fieberzäpfchen gegeben, aber heute in der früh hatte er wieder 38,8 grad!

ich: aha…?

mutter: was hat er denn?? und soll ich ihm nochmal ein zäpfchen geben? oder soll ich gleich ins krankenhaus fahren?

ich: ok, STOP. es ist erst 11 uhr, wieso fahren sie denn nicht einfach zu ihrem kinderarzt?

mutter: naja, kennt sich der mit sowas überhaupt aus?

HÄ?? wenn nicht damit, womit denn dann?? hab ich natürlich nicht gesagt. hätt ich aber gern. auch das argument, dass ihr sohn ja eine frühgeburt war, zog bei mir nicht. wie auch immer, ich hab ihr empfohlen mit dem kind zum kinderarzt zu fahren oder wenigstens dort anzurufen.

war ihr scheinbar ziemlich egal, denn eine stunde später ruft ein erzürnter ambulanzarzt bei uns an. er möchte wissen wie wir dazu kommen dieser mutter zu empfehlen, sie solle mit ihrem kind lieber nicht zum kinderarzt gehen, weil der sich „damit“ nicht auskennt und sie lieber in die ambulanz kommen soll. ja ne, is klar.

weil wir schon mal am weg waren…

15. Juli 2010

es gibt endlich mal wieder positives zu berichten! rosie geht es wieder gut, der infant flow gehört der vergangenheit an. yippiiie! wenn jetzt nix mehr dazwischen kommt, dann gehts für die junge dame ende nächster woche schon nach hause.

auch sonst konnten wir den ein oder anderen schnorchel entfernen. und ich hatte nach langer zeit wieder mal das vergnügen einen transport zu fahren. eigentlich gleich zwei.

wir, dr. fröhlich und ich, brachten einen unserer kleinen patienten in ein anderes haus. der transport war unspektakulär, das kind völlig stabil und ich hab mich gut mit dr. fröhlich unterhalten. lustigerweise ging die reise in mein altes haus, auf meine alte station. ich wurde überschwänglich von meinen ehemaligen kolleginnen empfangen, schön war das… hihi.

bevor wir mit der übergabe beginnen konnten wurde dr. fröhlich ein telefon in die hand gedrückt. unsere intensiv war dran und teilte uns mit, dass wir auf dem rückweg gleich ein kind aus einer nahegelegenen privatklinik mitnehmen und zu ihnen bringen sollen… wenn wir schon mal am weg sind. der grund: respiratorische anpassungsstörung beim reifen neugeborenen. deshalb blieb leider keine zeit zum plaudern, aber was solls.

gut, also haben wir uns an die übergabe gemacht, die schnell erledigt war. danach musste ich noch den transportinku wischen und neu aufrüsten. währenddessen rief nochmal unsere intensiv an, wir sollen uns doch etwas beeilen, die kollegen der privatklinik seien schon nervös. das heißt prinzipiell nicht viel, denn die werden schnell mal nervös wenn neugeborene nach der geburt nicht bald top fit sind. aber dennoch haben wir uns schnell zusammengepackt und sind wieder los gefahren.

keine 10 minuten später, in der privatklinik angekommen, stellte sich die respiratorische anpassungsstörung als asphyxie heraus. ups, da wäre ich an deren stelle wohl auch nervös geworden. das kind war bereits intubiert und mäßig stabil.

bevor wir losgefahren sind, hat dr. fröhlich die intensiv noch darüber informiert, dass das kind etwas mehr als eine anpassungsstörung hat. und ich hab mir sicherheitshalber noch eine notfalltasse mit allen eventuell notwendigen medikamenten zurecht gemacht. man weiß ja nie. zum glück hab ich sie aber nicht gebraucht. nach 20 minütiger fahrt waren wir auch schon wieder „zu hause“ angekommen.

tja, das war mein dienst gestern. langweilig wird mit in meinem job wohl nie werden 😉

achja, was sagt ihr zu meinem neuen header? hab ich selbst persönlich fotografiert und designt! *stolzbin*

der sturm nach der ruhe

12. Juli 2010

puh, das war vielleicht eine woche! viele dienste, viel arbeit, schlechte kinder. ich denke so  kann mans gut zusammenfassen. nachdem es jetzt die letzten wochen wirklich sehr ruhig auf der station war, scheinen jetzt wieder andere zeiten angebrochen zu sein.

wo fang ich bloß an? am besten bei rosie, die kennt ihr ja schon. rosie hat sich leider einen respiratorischen infekt eingefangen. es ging ihr wirklich schlecht, sie musste an den infant flow, war sauerstoffpflichtig und stand wirklich SEHR knapp vor der intubation. und zwar so knapp, dass wir in ständiger intubationsbereitschaft waren. das heißt es ist alles vorbereitet, inklusive notfallmedikamenten, um rosie im fall der fälle sofort ihren schnorchel zu verpassen. das konnten wir glücklicherweise aber umgehen, obwohl ich das echt nicht gedacht hätte. den infant flow braucht sie noch immer, aber keinen sauerstoff mehr. sie ist am weg der besserung.

tja, dann hatten wir letzte woche noch eine reanimation. das kind, „mädchen“ (es hatte noch keinen vornamen), wurde in der 26. woche in einem kleinen krankenhaus in der nähe geboren und noch am gleichen tag zu mir transferiert. ursprünglich war sie am infant flow, warum auch immer. denn die kleine hatte ständig massive apnoen, kaum zu stimulieren, ich musste sie immer wieder aufbeuteln und das atemmuster war besch…eiden. als sie etwa eine stunde bei uns war hatte sie wieder eine apnoe mit tiefer bradykardie, die nicht stimulierbar war. also wurde sie unter reanimation notintubiert. als sie wieder halbwegs stabil war, hab ich sie auf unsere intensiv transferiert. heute hab ich erfahren, dass sie es leider nicht geschafft hat und 2 oder 3 tage später verstorben ist.

auch unsere anderen patienten haben sich in der letzten woche nichts geschenkt. es war ein ständiges gebimmel und gepiepse. am mittwoche hatten wir genau ein einziges spontan atmendes kind, und zwar unser entzugskind. alle anderen waren entweder intubiert oder am infant flow. es waren wirklich sehr anstrengende dienste, und besserung ist bisher nicht in sicht.

rico und seine unerklärlichen krankheiten

5. Juli 2010

letzens hab ich eine kollegin einer allgemeinpädiatrischen station bei einer fortbildung getroffen. wir kennen uns schon länger, und immer wenn wir uns sehen plaudern wir ein bisschen über die dramatischten fälle, die uns bei der arbeit so begegnen.

nachdem ich ihr von der psychisch kranken mutter und dem schnellen handeln des jugendamtes (ziehe letztes posting) berichtet hatte, erzählte sie mir folgendes:

seit etwas mehr als einem jahr hatten sie immer wieder einen kleinen patienten auf der station, nennen wir ihn rico. rico ist 2 jahre alt, sehr aufgeweckt und eigentlich kerngesund. dennoch brachte ihn seine mutter seit über einem jahr fast regelmäßig in die kinder-notfall-ambulanz unseres hauses, mit unterschiedlichen, unerklärlichen symptomen und krankheiten. zunächst waren es banalitäten, wie verkühlungen, durchfall, erbrechen, usw. auch ein knochenbruch und mehrere platzwunden waren dabei.

im märz diesen jahres alarmierte die mutter mitten in der nacht die rettung, ihr kind hätte einen fieberkrampf. als der notarzt kurze zeit später bei der mutter zu hause eintraf, hatte rico eine körpertemperatur von 36,8°C. auf nachfrage des notarztes gab die mutter an, rico ein fiebersenkendes zäpfchen verabreicht zu haben, kurz vor dem krampfanfall. rico, der sich an keinen vorfall erinnern konnte (was bei einem krampfanfall nicht unnormal ist), wurde zur überwachung stationär aufgenommen. alle untersuchungen waren unauffällig. wenige tage später wurde rico gesund nach hause entlassen.

3 wochen später war rico wieder in der ambulanz. die mutter sagte, er habe blutauflagerungen am stuhl. wieder wurde das kind stationär aufgenommen. die mutter zeigte der diensthabenden schwester am nächsten tag wieder eine windel, da war tatsächlich frisches blut am stuhl. daraufhin wurden wieder einige untersuchungen veranlasst, alle waren unauffällig. nach den untersuchungen trat kein blut mehr am stuhl auf. rico wurde nach einer woche krankenhausaufenthalt wieder nach hause entlassen.

in einer nacht im mai ging bei der rettung wieder ein notruf der kindesmutter ein. ihr kind sei blau, atme nicht und würde sich nicht bewegen und nicht reagieren. die mutter wurde telefonisch angewiesen wiederbelebende maßnahmen einzuleiten. als der notarzt wenige minuten später eintraf, lag rico friedlich schlafend in den armen seiner mutter. sie sagte, sie habe ihn erfolgreich wiederbelebt.

rico wurde selbstverständlich sofort in die klinik gebracht und wieder stationär aufgenommen. er verbrachte die nacht auf der intensivstation, wurde dann auf normalstation, zu meiner kollegin, verlegt. wieder waren alle untersuchungen völlig unauffällig.

zu diesem zeitpunkt wurde das erste mal darüber nachgedacht, ob vielleicht nicht rico, sondern seine mutter krank sein könnte. sie war mit rico sichtlich überfordert, klingelte ständig nach einer schwester und konnte ihrem kind keine grenzen setzen.

wenige tage, nachdem rico „erfolgreich reanimiert“ wurde, alarmierte die mutter eine schwester. rico würde aus dem ohr bluten. tja, und da war tatsächlich frisches blut am ohr des kindes. da sowohl arzt als auch schwester zweifel hatte, dass es sich um ricos blut handelte (es konnten keine verletzungen festgestellt werden), wurde eine probe des blutes ins DNA-labor geschickt.

die analyse ergab, dass es sich um das blut der mutter handeln musste. es wurde eine gefährdungsmeldung ans jugendamt gemacht und die mutter wurde psychiatrisch untersucht. es wurde die diagnose münchhausen-stellvertreter-syndrom gestellt. rico wurde in einer nacht-und-nebel-aktion zu seinen neuen pflegeeltern gebracht.

manche kinder habens wirklich schwer…

und plötzlich ist das kind weg

1. Juli 2010

mitte letzter woche wurde ein mädchen in der 40. schwangerschaftswoche geboren. sie hatte nach der geburt eine leichte respiratorische anpassungsstörung, deshalb wurde sie vom kreißsaal direkt zu uns gebracht. einen tag nach ihrer geburt ging es ihr allerdings schon wieder gut.

ihr eigentliches problem war ihre mutter. diese ist psychisch krank, verweigert jedoch jegliche therapie. auf grund ihres auffälligen verhaltens wurde noch während der geburt vom kreißsaal eine gefährdungsmeldung ans jugendamt gemacht. nach einem psychiatrischen konsil erwirkte dieses, wenige stunden nach der geburt, ein ausfolgeverbot.

da sich über das wochenende herausstellte, dass die mutter ihr kind tatsächlich nicht selbst versorgen kann, wurde vom jugendamt nach einer vorübergehenden unterbringung gesucht. als erstes dachte man dabei an die großeltern des kleinen mädchens. diese lehnten es jedoch ab das sorgerecht für ihre enkelin zu übernehmen, aus schlechtem gewissen ihrer tochter gegenüber. dennoch betonten sie mehrfach, dass auch sie davon überzeugt sind, dass ihre tochter mit der kleinen überfordert wäre.

da die mutter keine angaben zum kindesvater machen konnte (oder wollte), wurde entschieden das kleine mädchen zunächst in einer krisenpflegefamilie unterzubringen. dort bleibt das kind, bis die mutter einer therapie zustimmt. tut sie das nicht, kommt das kind in eine langzeitpflegefamilie.

als man das der mutter am dienstag mitteilte, weigerte sie sich die station (jemals) wieder zu verlassen. einmal hat sie sogar mitten ins zimmer gepinkelt. auf die entsetzte frage meiner kollegin, warum sie das gemacht hat, antwortete sie, sie wolle ihr kind nicht alleine lassen.

nur mit viel überredungskunst konnte man sie davon überzeugen sich ab und zu auf der gynäkologie, wo sie ja noch aufgenommen war, blicken zu lassen. denn sie war darüber informiert, dass in den nächsten tagen das jugendamt kommen würde um ihr kind zu holen.

tja, und gestern war es eben so weit. mit der gynäkologie war vereinbart, dass sie die mutter zwischen 8 und 10 uhr irgendwie beschäftigen, sodass sie nicht bei uns an der station sein konnte. dennoch stand die mutter um 8 uhr bei uns. hm, was sagt man einer mutter, die nicht weiß, dass jeden moment das jugendamt kommt um ihr kind abzuholen?

ich hab also erstmal den arzt und unsere sozialarbeiterin informiert. dem arzt wars egal, die sozialarbeiterin wollte sofort beim jugendamt anrufen um den übergabe-termin zu verschieben.

doch es war schon zu spät. 15 minuten nach 8 haben die beiden netten damen vom jugendamt die station betreten. die krisenpflegeeltern wollten nicht selbst kommen, damit sie nicht auf die kindesmutter treffen… weise entscheidung. glücklicherweise konnte ich das aufeinandertreffen der damen mit der mutter auch vermeiden. aber trotzdem musste das kind irgendwie aus dem zimmer raus. oder die mutter.

also mal auf der gyn angerufen. zuerst hab ich ein bisschen geschimpft, dass sie nicht auf ihre patientin aufgepasst haben. dann mussten sie versuchen die mutter zu überreden, zurück auf die station zu kommen. aber keine chance. sie weigerte sich standhaft.

unsere psychologin wurde hinzugezogen. sie meinte, man sollte der mutter sagen, dass das kind jetzt abgeholt wird. sonst würde es, aus sicht der mutter, wie eine kindesentführung aussehen. gut (und übrigens ganz meine meinung, ich hasse diese heimlichtuerei). während wir alle noch zusammen besprochen haben, wie wir an diese situation herangehen werden, meldete sich die mutter und wollte nun doch rüber gehen, sie hatte noch nichts gefrühstückt.

wir informierten die gyn. 5 minuten später kam der rückruf, die mutter ist jetzt da. ich habe die kleine zusammengepackt und den damen übergeben.

eine stunde später stand die mutter wieder bei uns auf der station und wollte zu ihrem kind. doch die kleine war weg. ich erwartete einen starken gefühlsausbruch. doch sie blieb ganz ruhig, sagte nur „ach so, ok.“ und ging wieder.

einer therapie hat die mutter bisher übrigens noch immer nicht zugestimmt.