entzugskinder

ich habe ja schon mal erwähnt, dass wir öfter mal neugeborene im neonatalen drogenentzug bei uns liegen haben. momentan haben wir wieder mal zwei solcher exemplare. diese kinder sind meistens sehr anstengend aufwendig. sie schreien praktisch rund um die uhr, lassen sich kaum beruhigen und schlafen ist ja sowieso ein fremdwort. kein wunder, ein entzug ist nunmal hart. besonders für ein neugeborenes.

zu einem kind gehören ja zwangsläufig auch die eltern. und wie man sich vorstellen kann sind die oft nicht ganz ohne. die mütter sind in der regel in irgendeinem entzugsprogramm, mit mehr oder minder viel erfolg. viele konsumieren zusätzlich noch diverse andere dinge. die väter sind meistens entweder selbst drogenabhängig, gewalttätig, in psychiatrischer behandlung, im gefängnis, alkoholiker oder gar nicht vorhanden. gerne auch alles zusammen.

der umgang mit diesen eltern ist oft nicht leicht. sie halten sich leider viel zu selten an vereinbarungen, bequatschen das personal und die anderen eltern ständig, usw. einen liebevollen umgang haben allerdings die meisten. kein wunder, denn sie lieben ihr kind. und sie wissen, dass das jugendamt schon vor der tür steht.

in der regel verhängt das jugendamt sofort nach der geburt des kindes ein ausfolgeverbot. das bedeutet, den eltern wird das erziehungs- und pflegerecht erstmal entzogen. dann finden einige termine mit sozialarbeitern, richtern und wohnungsbegehungen statt. dann wird entschieden, ob das kind zu pflegeeltern kommt oder nicht. in dieser zeit haben die eltern ein besuchsrecht. das heißt die dürfen jeder zeit zu uns kommen und ihr kind auch unter aufsicht selbst versorgen. das funktioniert meistens ganz gut. wie gesagt, die mütter lieben ihre kinder wirklich und hängen sehr an ihnen.

die väter sind da leider nicht immer so. sie sind mitunter sogar aggressiv. vor einiger zeit hat ein vater sogar mal der mutter ins gesicht geschlagen, während sie das kind am arm hatte. weil das kind sich nicht beruhigen wollte und der vater der meinung war, die mutter müsse das aber jetzt mal sofort hinkriegen. klatsch. vor meinen augen. ich war im ersten moment so perplex, dass ich nichts sagen konnte. die netten herren vom sicherheitsdienst haben das dann erledigt.

aber auch die mütter sind manchmal echt schräg drauf. vor etwa einem jahr ist mir folgendes passiert:

ich war abends am weg in die klinik, zum nachtdienst. vor dem eingang kommt mir die mutter eines entzugskindes entgegen. unter ihrer jacke trug sie etwas. ich konnte aber nicht sehen was, denn die jacke war bis oben hin zu. sie lächelt mich noch freundlich an, sagt hallo und geht an mir vorbei. in dem moment höre ich ein baby winseln. klick. die hat das kind unter der jacke! ich wusste, dass das kind noch mitten im entzug war und somit sicher nicht entlassen wurde. ich geh ihr also nach, halte sie auf und frage sie, ob sie ihre tochter da unter der jacke hat. ja, das ist mein kind und ich darf es mitnehmen hat die schwester gesagt. ja klar. ganz sicher. nach 10 mintuen diskussion hatte ich sie soweit, dass sie mir das kind gegeben hat. ich war so erleichtert. wäre sie mit dem kind einfach gegangen hätte ich auch nix machen können. festhalten darf ich sie ja nicht.

könnt ihr euch den gesichtsausdruck meiner kollegin vorstellen, als ich mit dem kind am arm aus dem lift ausgestiegen bin? hihi. der schock ihres lebens. sie hatte noch nicht mal gemerkt, dass das kind weg war. sie war der meinung die mutter wickelt das kind gerade.

aber natürlich sind nicht alle eltern von entzugskindern so. einige sind auch wirklich bemüht und sehr freundlich. die bekommen ihr kind dann meistens auch mit nach hause. leider gibt es aber auch viel zu viele der anderen sorte.

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5 Antworten to “entzugskinder”

  1. Aria Says:

    Hallo
    Ich würde gerne etwas dazu sagen…
    Also ich bin seit mehr als 20 Jahren substituiert 18 davon ohne beikonsum.
    Ich führe ein ganz „normales“ Leben wie jeder andere auch steh morgens auf, geh zur Arbeit und bei schönem Wetter Wochenende an den Strand….
    Ich habe 4 Kinder (18, 14, 12, und gerade hab ich mein 4. bekommen)
    Alle meine Kinder sind unter subtititut auf die Welt gekommen(das erste Methadon die anderen mit buphrenorphin), wir waren bei 2 Kindern auch wegen Entzug im Krankenhaus (Kind 3,4 hatten gar nix da ich nur noch sehr gering dosiert bin)….
    Es ist wirklich schlimm das man stigmatisiert wird, denn es gibt auch Mütter/Eltern die ganz normal Leben ohne sich ständig zuzudröhnen, trotz Methadon etc.!!!
    Ich weiß viele werden nun denken: wie kann man denn nur ein Kind bekommen wenn man jenes Medikament zu sich nimmt…?
    Ich für mich lebe sehr gut damit, muss nur alle 14 Tage zum Arzt um mir mein substitut abzuholen und verspüre keinerlei suchtdruck, alles hab ich versucht…Therapie, Entzug um Entzug und immer wieder scheiterte ich,erst mit der Entscheidung in das Substitutisprogramm zu gehen brachte mein altes Leben zurück.
    Und ja natürlich ist mir bewusst das es ins Blut der kleinen gelangt,allerdings: was ist mit den Frauen die rauchen,Kaffee trinken usw? Da wird dann nur gesagt: lassen Sie das mit dem rauchen besser sein und Kaffee wird gar nicht bemängelt.
    Das die Kinder zittern und unruhig sind ist dich aber ein Fakt!

  2. Christian Says:

    Hallo Neonatalie,

    danke für Dein sehr schönes Blog, das ich gleich mal abonniert habe.

    Aber eine Sache verstehe ich nicht: Warum darfst Du die Mutter nicht festhalten, wenn dem Kind durch das Verlassen des Krankenhauses Gefahr droht? Ich halte das für einen Fall des gerechtfertigten Notstands.

    Allerdings habe ich nach dem Lesen einiger Beiträge den Eindruck, dass Du nicht aus Deutschland bloggst, sondern aus einem südlichen Nachbarland. 🙂 Falls das stimmt, mögen andere Regeln gelten.

  3. neonatalie Says:

    hahahaha… unglaublich… menschen gibts!

  4. Eule Says:

    …wir hatten mal Mutter und Vater, die sich auf Station mit (benutzten) Pampers beworfen haben..

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