maxi

gestern starte ich froh und gut gelaunt in meinen tagdienst. gleich in der früh kommt der oberarzt zu mir und verkündet, dass wir ein kind von der intensiv eines anderen hauses bekommen werden. kein problem, wir sind zwar voll, aber immerhin steht heute ja auch eine entlassung an, also keine große sache. ich rufe schon mal auf dieser intensiv an und erkundige mich nach dem kind. eigentlich nicht mein job, aber ich will ja wissen was ich vorbereiten muss.

ich erfahre: maxi ist ehemaliges frühchen der 25. schwangerschaftswoche, mittlerweile fast 3 monate alt, IVH III rechts und links (=starke Hirnblutung auf beiden seiten), hat vor 14 tagen einen shunt (zur ableitung von hirnwasser) erhalten, ein weiterer ventrikel ziemlich erweitert, aber noch kein handlungsbedarf, voll parenteral ernährt, verträgt orale nahrung gar nicht, duodenalsonde im gespräch, außerdem hat das kind hin und wieder mal krampfanfälle.

gut, ich starte mit den vorbereitungen, richte ein wärmebett und sonstiges zubehör her. gleichzeitig schreibe ich schon mal die papiere für meine entlassung vor und versorge „nebenbei“ auch noch meine anderen beiden kleinen patienten.

um 10 uhr steht mein neuer patient, maxi, vor der tür. ich übernehmen ihn von der unsympatischen kollegin des anderen hauses. ein blick in maxis gesicht und ich bin erstaunt. er hat deutliche hirndruck zeichen. die fontanelle ist gewölbt, er schielt stark und das sonnenuntergangsphänomen ist nicht zu übersehen. ich frage die kollegin seit wann er schon hirndruckzeichen hat. seit ein paar tagen. aha. nachdem ich es maxi in seinem neuen bett gemütlich gemacht habe gebe ich der ärztin bescheid. sie sieht sich maxi an und beschließt den oberarzt drauf schaun zu lassen. nachdem alle anwesenden ärzte (und medizinstundenten) maxi ausführlich begutachtet haben wird beschlossen einen ultaschall des schädels zu machen. wie erwartet ist der erwähnte ventrikel stark erweitert. das kind braucht also sofort eine externe ventrikeldrainage. ok, gerne, aber nicht bei uns. wir sind nur eine „halb“-intensiv und machen solche eingriffe nicht. also gut, das kind wird auf unsere intensiv transferiert. aber erst nach der visite.

also fange ich den ganzen schreibkram, den ich für die aufnahme schon erledigt habe wieder von vorne an, für die transferierung. in der zwischenzeit sind endlich die eltern meiner entlassung hier und holen ihr kind ab. eine sorge weniger.

während ich gerade bei der visite bin alarmiert maxis monitor in schrillen tönen. ich renne hin, maxi ist blitzblau, steif, atmet nicht, zuckt mit den armen. ein krampfanfall. ich verabreiche ihm sofort (s)ein krampflösendes mittel. jetzt ist er schlaff, atmet aber noch immer nicht. gut, dann eben bebeuteln. einer der ärzte kommt gemütlich spazierend ins zimmer und fragt mich ob alles ok ist. dann sieht er, dass ich am beuteln bin und bewegt sich nun doch etwas schneller zum bett her. aber das schlimmste ist schon vorbei. maxi erholt sich nur langsam, aber immerhin setzt die atmung wieder ein.

als maxi wieder eine annehmbare sättigung und atmung hat schaue ich auf und blicke in entsetzte gesichter. die gesichter der eltern und besucher der anderen patienten. ich habe irgendwie das gefühl was beruhigendes sagen zu müssen. also sage ich sowas wie: alles ok. ich gebe dem sichtlich genauso erschockenem arzt zu verstehen, dass ich maxi gerne JETZT transferieren würde.

das geht dann auch erstaunlich schnell. 15 minuten später bringe ich maxi rauf auf die intensiv. eine stunde später hat er eine externe ventrikel drainage gelegt bekommen, ist nach einer 7minütigen reanimation intubiert und hat katecholamine laufen.

die eltern der anderen patienten beschäftigt maxi noch immer. mehrmals werde ich an diesem tag noch gefragt was mit dem kleinen denn los war, ob es ihm gut geht, sogar ob er gestorben ist fragt mich eine mutter.. nein ist er noch nicht. ich bin nur froh, dass maxis mutter nicht anwesend war..

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3 Antworten to “maxi”

  1. katharina Says:

    Habe vor Kurzem deinen Blog gefunden und finde deine Erfahrungen einfach spannend. Bitte mehr davon!
    Ich hab eher mit größeren Kindern zu tun als Lehrerin. Das ist auch oft schoen, traurig, stressig und lustig zugleich.

  2. neonatalie Says:

    liebe eule, freut mich, dass du zu mir gefunden hast!
    und danke für dein kommentar, du hast meinen blog somit entjungfert.. hihi 🙂
    lg natalie

  3. Eule Says:

    Hallo Natalie! Ich freu mich, dass ich Dein Blog entdeckt habe, bin ebenfalls Kinderkrankenschwester auf einer Neo und bin schon mächtig gespannt auf die Dinge, die Du so erlebst! Liebe Grüße von der Eule

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