Archive for April 2010

die sache mit dem namensband

30. April 2010

theoretisch  ist es ja laut richtlinie so, dass alle patienten ein namensband tragen müssen. praktisch sieht es so aus, dass unsere kleinen patienten kein namensband tragen. auf allen neonatologischen stationen die ich kenne ist das so. einfach weil diese dinger unpraktisch sind uns scharfe kanten haben. die einzige ausnahme sind kinder, die zu einer operation gehen. die bekommen ein namensband, dass aber wieder entfernt wird, wenn sie zurück kommen. gut, kinder von jugendamt-bekannten eltern bekommen von mir auch ab und zu mal eines angelegt, wenn ich das gefühl habe, dass die eltern möglicherweise mit dem kind abhauen könnten. obwohl ein namensband sie daran nicht hindern kann und man dieses mit einer schere ja auch leicht wieder entfernen kann, aber naja. mir kann man dann jedenfalls nix vorwerfen.

 letztens wird mir eine eine transferierung von unserer kinderintensiv angekündigt (die übernimmt auch neo-patienten wenn die neos voll sind). dieses kind ist ein zwilling. da wir aber nur ein bett frei haben wird beschlossen den anderen zwilling auf eine andere station zu verlegen, so bald wir ein bett frei haben sollen wir den anderen dann auch übernehmen. normalerweise machen wir sowas nicht, zwillinge trennen. aber es war leider nicht anders möglich.

jedenfalls, etwas später kommt die kollegin von der kinderintensiv mit den (gleichgeschlechtlichen) zwillingen, die gemeinsam in einem wärmebett liegen, an die station. ich übernehme den zweitgeborenen. sein namensschild mit den geburtsdaten ist über seinem kopf befestigt. das ist bei uns so üblich. nach der übergabe bringt die kollegin den erstgeborenen zwilling auf die andere station.

5 minuten später kommt meine stationsschwester zu mir und sagt mir, dass wir wohl den falschen zwilling übernommen haben, wir hätten den zweitgeborenen übernehmen sollen. ich sage ihr, dass ich eh den 2. übernommen hab. aha, die andere station sei auch der meinung den 2. zu haben. lustig. ich geh mal gucken, ob meiner vielleicht zufällig ein namensband trägt. tut er natürlich nicht. wie finden wir jetzt heraus wer wer ist?

ich seh mir mal den transferierungsbericht meines patienten an. und tatsächlich, da steht er sei der erstgeborene. seltsam finde ich aber, dass er schon 2,5kg haben soll. kommt mir viel vor. also werfe ich ihn mal schnell auf die waage. 2140g.

ich rufe also die schwester an, die den anderen zwilling übernommen hat. sie soll ihn doch bitte mal schnell wiegen. 3 minuten später der rückruf. 2550g. alles klar. die kinder sind also nicht vertauscht, sondern nur die papiere.

und was habe ich daraus gelernt? wenn ich mehr als ein kind auf einmal transferiere, dann bekommen ALLE ein namensband.

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maxi

28. April 2010

gestern starte ich froh und gut gelaunt in meinen tagdienst. gleich in der früh kommt der oberarzt zu mir und verkündet, dass wir ein kind von der intensiv eines anderen hauses bekommen werden. kein problem, wir sind zwar voll, aber immerhin steht heute ja auch eine entlassung an, also keine große sache. ich rufe schon mal auf dieser intensiv an und erkundige mich nach dem kind. eigentlich nicht mein job, aber ich will ja wissen was ich vorbereiten muss.

ich erfahre: maxi ist ehemaliges frühchen der 25. schwangerschaftswoche, mittlerweile fast 3 monate alt, IVH III rechts und links (=starke Hirnblutung auf beiden seiten), hat vor 14 tagen einen shunt (zur ableitung von hirnwasser) erhalten, ein weiterer ventrikel ziemlich erweitert, aber noch kein handlungsbedarf, voll parenteral ernährt, verträgt orale nahrung gar nicht, duodenalsonde im gespräch, außerdem hat das kind hin und wieder mal krampfanfälle.

gut, ich starte mit den vorbereitungen, richte ein wärmebett und sonstiges zubehör her. gleichzeitig schreibe ich schon mal die papiere für meine entlassung vor und versorge „nebenbei“ auch noch meine anderen beiden kleinen patienten.

um 10 uhr steht mein neuer patient, maxi, vor der tür. ich übernehmen ihn von der unsympatischen kollegin des anderen hauses. ein blick in maxis gesicht und ich bin erstaunt. er hat deutliche hirndruck zeichen. die fontanelle ist gewölbt, er schielt stark und das sonnenuntergangsphänomen ist nicht zu übersehen. ich frage die kollegin seit wann er schon hirndruckzeichen hat. seit ein paar tagen. aha. nachdem ich es maxi in seinem neuen bett gemütlich gemacht habe gebe ich der ärztin bescheid. sie sieht sich maxi an und beschließt den oberarzt drauf schaun zu lassen. nachdem alle anwesenden ärzte (und medizinstundenten) maxi ausführlich begutachtet haben wird beschlossen einen ultaschall des schädels zu machen. wie erwartet ist der erwähnte ventrikel stark erweitert. das kind braucht also sofort eine externe ventrikeldrainage. ok, gerne, aber nicht bei uns. wir sind nur eine „halb“-intensiv und machen solche eingriffe nicht. also gut, das kind wird auf unsere intensiv transferiert. aber erst nach der visite.

also fange ich den ganzen schreibkram, den ich für die aufnahme schon erledigt habe wieder von vorne an, für die transferierung. in der zwischenzeit sind endlich die eltern meiner entlassung hier und holen ihr kind ab. eine sorge weniger.

während ich gerade bei der visite bin alarmiert maxis monitor in schrillen tönen. ich renne hin, maxi ist blitzblau, steif, atmet nicht, zuckt mit den armen. ein krampfanfall. ich verabreiche ihm sofort (s)ein krampflösendes mittel. jetzt ist er schlaff, atmet aber noch immer nicht. gut, dann eben bebeuteln. einer der ärzte kommt gemütlich spazierend ins zimmer und fragt mich ob alles ok ist. dann sieht er, dass ich am beuteln bin und bewegt sich nun doch etwas schneller zum bett her. aber das schlimmste ist schon vorbei. maxi erholt sich nur langsam, aber immerhin setzt die atmung wieder ein.

als maxi wieder eine annehmbare sättigung und atmung hat schaue ich auf und blicke in entsetzte gesichter. die gesichter der eltern und besucher der anderen patienten. ich habe irgendwie das gefühl was beruhigendes sagen zu müssen. also sage ich sowas wie: alles ok. ich gebe dem sichtlich genauso erschockenem arzt zu verstehen, dass ich maxi gerne JETZT transferieren würde.

das geht dann auch erstaunlich schnell. 15 minuten später bringe ich maxi rauf auf die intensiv. eine stunde später hat er eine externe ventrikel drainage gelegt bekommen, ist nach einer 7minütigen reanimation intubiert und hat katecholamine laufen.

die eltern der anderen patienten beschäftigt maxi noch immer. mehrmals werde ich an diesem tag noch gefragt was mit dem kleinen denn los war, ob es ihm gut geht, sogar ob er gestorben ist fragt mich eine mutter.. nein ist er noch nicht. ich bin nur froh, dass maxis mutter nicht anwesend war..

ich mag meinen job :)

22. April 2010

das ist mir in den letzten diensten mal wieder bewusst geworden. es ist einfach schön zu sehen wie mutter und kind, nach den anfänglichen schwierigkeiten nach der (oft für beide traumatischen) geburt, immer mehr zusammenwachsen und zu einem tollen team werden. und das allerschönste ist, wenn man ein gesundes kind zu seiner glücklichen familie nach hause entlassen kann. im ernst, ich mag entlassungen. obwohl die meisten kolleginnen das wegen des erhöhten arbeitsaufwandes anders sehen. eine entlassung bedeutet einiges an papierkram. außerdem folgt auf eine entlassung meist sofort wieder eine aufnahme, und das bedeutet wieder einen haufen papierkram 😉 aber ich mag auch aufnahmen gerne. und auch die zeit zwischen aufnahme und entlassung. eigentlich mag ich alles 😀

ich finde das zusammenarbeiten mit eltern einfach schön. und man kann sie so leicht glücklich machen! alles, was eltern für und mit ihrem kind tun dürfen, macht sie unheimlich stolz. das erste mal alleine wickeln (wenn auch mit zitternden händen), baden, massieren, füttern.. oder wenn mütter zum ersten mal stillen und das kind doch tatsächlich den ein oder anderen milliliter erwischt. für eltern sind das alles meilensteine. das darf man einfach nie vergessen.

darf man gratulieren?

16. April 2010

letztens im dienst drückt mir eine meiner kolleginnen plötzlich das telefon in die hand, mit den worten: „da ist eine frau vom jungendamt dran, wegen dem kind dass du gestern übernommen hast“

prinzipiell keine seltene situation, da wir immer wieder mal kinder im neonatalen drogenentzug haben, bei denen ein ausfolgeverbot besteht. die eltern sind meistens in einem drogenentzugsprogramm und das jungenamt will erstmal feststellen, ob diese eltern ihr kind selbstständig versorgen können bevor sie ihnen das sorgerecht wieder zuspricht (oder eben auch nicht). so kommt es, dass sich das jungendamt bei uns immer wieder über den zustand des kindes erkundigt und wissen will, wie die eltern so mit ihrem kind umgehen.

ABER.. das kind, welches ich gestern übernommen habe ist nicht im entzug, sondern ein völlig unauffälliges 10 tage altes frühgeborenes.  und die eltern sind „ganz normal“. oder ist mir da was entgangen..? dementsprechend verwirrt bin ich, als ich das telefon in die hand nehme.

ich: ja?

sie: hallo, jungendamt was-weiß-ich, ich wollte nur fragen ob wir der frau xy gratulieren dürfen.

ich: ähm, ja schon, sie ist seit 10 tagen mutter..

sie: ja, das weiß ich. ich frage nur nach weil ich hier in meinen unterlagen sehe, dass sie ein hellp-syndrom hatte.

ich: aso, äh, ja.. kann sein..

sie: ja, und geht es ihr denn gut? also der mutter? und dem kind auch?

ich: dem kind geht es gut. und der mutter auch so viel ich weiß. jedenfalls kommt sie täglich zu besuch.. (ich weiß immer noch nicht worauf die gute hinaus will)

sie: oh, das ist ja schön. wissen sie, ich frage nur deshalb weil wir hier vor kurzem einen so einen fall hatten.

ich: einen fall?

sie: ja, ein ganz tragischer fall! da haben wir auch so einen glückwunsch-brief ausgeschickt. und die mutter hatte auch so ein hellp-syndrom. wir wussten aber nicht, dass sie auf der intensivstation im sterben liegt! und da hats dann große probleme gegeben, wissen sie? weil der vater hat sich bei uns beschwert.

ich überlege kurz, ob das die mutter sein könnte, die bei uns im haus auf der intensivstation liegt und nach einem hellp-syndrom jetzt auf der akutliste für eine lebertransplantation steht. dann sage ich zu der dame am telefon, dass sie mit gutem gewissen eine glückwunschkarte schicken kann, es geht mutter und kind hervorragend und lege auf.

wird das jungendamt jetzt wegen jeder frau, die irgendeine komplikation bei oder vor der geburt hatte anrufen um zu erfahren wie es ihr geht??

Hello world!

13. April 2010

ja, ich denke der titel passt.

hallo welt! hier bin ich, so lange hast du auf mich gewartet.. oder auch nicht. jedenfalls bin ich jetzt hier und eröffne mit diesem beitrag meinen allerersten blog.

aber wer bin ich? ich bin neonatalie. also eigentlich nur natalie. aber ich arbeite auf einer neonatologischen station. so bin ich auf diesen genialen (?) blog-namen gekommen. ich bin übrigens keine ärztin sondern kinderkrankenschwester.

ich werde euch über diesen blog in hoffentlich regelmäßigen abständen mit lustigen, traurigen, interessanten, langweiligen, faszinierenden, alltäglichen, außergewöhnlichen und unglaublichen geschichten füttern. mein arbeitsalltag gibt da wirklich jede menge stoff her. und falls das mal nicht reicht hab ich ja auch noch ein privatleben. nicht viel aber immerhin etwas.

also, mit dem nächsten posting wirds so richtig los gehn.